27. Oktober 2011

Sendehinweis SWR-Nachtcafé morgen 22 Uhr mit ef-Kolumnist Carlos A. Gebauer

Thema: Wir wollen die D-Mark zurück!

(ef-AFL) Hier die Ankündigung des SWR:

Sendung am Freitag, 28.10.2011, 22.00 bis 23.28 Uhr

Laut jüngsten Umfragen wünschen sich das 54 Prozent der Deutschen – und erhoffen sich weniger Europa und dafür mehr wirtschaftliche Stärke und größeres Vertrauen in die eigene Währung. Doch damit sind nicht alle einverstanden: Den Euro aufgeben hieße, die Vision eines geeinten Europa aufgeben, so das Credo derer, die einst um den Schritt in die Währungsunion gerungen haben.

Doch viele Bürger fragen: „Wo bleibe ich?“, seit der Euro zum Teuro wurde, Banken schließen und die Angst um den eigenen Sparstrumpf wächst.

Hat uns der Euro etwas gebracht? Ist die gemeinsame Währung gescheitert? Wären wir mit der D-Mark besser dran? Wäre nicht jetzt der richtige Zeitpunkt, die alte Währung wieder einzuführen?

Die Gäste:

Früher war Bernhard Seitz ein überzeugter Verfechter der ‚Idee Europa“, doch der radikale Bruch kam für ihn am Tag des Beschlusses für die Griechenlandhilfe. „Ich kann es nicht in Worte fassen, wie groß meine Enttäuschung ist. Mein Vertrauen in diesen Staat habe ich aufgekündigt.“ Er fordert einen öffentlichen Diskurs über eine neue Währung, so schnell wie nur irgend möglich. Eine Möglichkeit wäre für ihn: Zurück zur D-Mark! Denn der zweifache Familienvater bangt um die Zukunft seiner Familie.

Carlos A. Gebauer hingegen hält den Euro schon seit seiner Einführung für einen großen Fehler, denn durch ihn wurden volkswirtschaftlich unterschiedlichste Staaten aneinander gekettet: „Wie ein Fiat 500 und ein Ferrari, die ein ungleiches Rennen fahren. Jetzt können wir nur noch ein Ende mit Schrecken machen“. Der Rechtsanwalt sieht auch juristische Probleme, wie der Verstoß gegen die Verträge von Lissabon. Die Wiedereinführung der D-Mark hält er in der akuten Situation für die einzige, wenn auch radikale Lösung.

Joachim Bitterlich gilt als einer der Väter des Euro. Über elf Jahre stand er als Berater dem damaligen Kanzler Helmut Kohl zur Seite und war maßgeblich an der Einführung der gemeinsamen Währung beteiligt. Der Euro ist ihm weiterhin eine Herzensangelegenheit, von der er trotz Krise nicht abrückt: „Ich war immer ein Verfechter des Euro, weil ich weiß, was er für Europa in Zeiten der Globalisierung bedeutet. Der Euro ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und ein Garant für Frieden.“

Von Frieden mit seinen Landsleuten ist Adonis Malamos weit entfernt. Der Mannheimer scheiterte vor rund 10 Jahren bei dem Versuch, in seiner griechischen Heimat eine Kaffeehauskette zu etablieren: Schutzgelderpressung und Korruption zwangen ihn zur Aufgabe. Verschuldet kehrte Malamos nach Deutschland zurück. Mit Griechen will er seitdem nichts mehr zu tun haben: „In diesem verdammten Land herrscht kein Gewissen und keine Moral. Die Griechen können einfach nicht mit Geld umgehen und die, die gestern korrupt waren, werden es auch morgen noch sein.“

Für Börsenhändler Erdal Cene sind die aktuellen Krisengespräche reine Phantom-Diskussionen. Die Ursache dessen, was momentan passiert, liegt seiner Meinung nach Jahre zurück: „Der ganze historische Kontext wird völlig außer Acht gelassen. Dabei hat doch die Politik schon lange auf voller Breitseite versagt. Und jetzt müssen die angeblich bösen Banker für die Verfehlungen der Politik herhalten!“, rechtfertigt sich Cene.

Inge Kloepfer nimmt die Krise ernst, doch die Rückkehr zur D-Mark hält sie für reine Utopie. Vielmehr sollte man über Strafen für schlecht wirtschaftende Euroländer nachdenken: „Staaten, die kein Wohlverhalten zeigen, müssen aus diesem Club Europa auch wieder austreten können.“ Was der richtige Weg aus Krise sei, könne in der akuten Situation jedoch niemand mit Sicherheit sagen.

Als ordentlicher Schweizer schwört Art Furrer auf seinen Franken, froh, dass für sein Land die einheitliche Währung keine Rolle spielte. Aufgrund des schwächelnden Euro stieg der Wert des Franken jedoch zuletzt extrem – zum Leidwesen des Hoteliers und der gesamten Schweizer Wirtschaft. „Es werden weniger Touristen in diesem Winter anreisen, weil die Schweiz für Urlauber so wahnsinnig teuer geworden ist.“ Zu D-Mark-Zeiten kannte Furrer diese Probleme nicht.

An der Bar: Seit Jahren trägt Claudia Keth Empörung in sich, jetzt ist die Studentin heilfroh, dass sie bei ‚Occupy Frankfurt‘ handeln kann. Die vehemente Bankenkritikerin gehört zu den Initiatoren des Protests: „Banken sind sehr perfides System, weil dort wenige in die eigene Tasche arbeiten und von der Krise auch noch profitieren“. Die Zerschlagung der Großbanken wäre für sie eher ein Ziel als die Wiedereinführung der D-Mark. Fest steht: Es muss sich etwas ändern.


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