Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Falschgeld: Aktion Bernhard reloaded

von Andreas Tögel

Diesmal zur Rettung der Staatsfinanzen

06. August 2011

Im Jahr 2007 nahm die bis heute unbewältigte weltweite Finanz- und Schuldenkrise ihren Ausgang. In just diesem Jahr wurde der österreichischen Streifen „Die Fälscher“ mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Es geht darin um die im deutschen Sicherheitsdienst (SD) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) Anfang der 1940er-Jahre ersonnene Strategie zur Unterminierung der damals wichtigsten Währung der Welt – des britischen Pfunds und den Versuch einer Realisierung. Geplant war, im Zuge der nach dem Leiter des Vorhabens, Sturmbannführer Bernhard Krüger, benannten Aktion, große Mengen gefälschter, auf Werte von fünf, zehn, zwanzig und fünfzig Pfund Sterling lautende Banknoten in Umlauf zu bringen. Ziel dieser bis dahin weltweit größten Geldfälschungsaktion, die im Sommer 1943 mit einer Produktion von 650.000 Banknoten ihren Höhepunkt erreichte, war die Auslösung einer Inflation in Großbritannien und die Erschütterung des Vertrauens in das damals als Weltreservewährung fungierende Geld. Zur Umsetzung des Vorhabens kam es aus vielerlei Gründen nie – zumindest nicht im geplanten Umfang.

Auch mit Fragen der Geld- und Finanzpolitik nicht besonders intensiv befassten Zeitgenossen wird spontan einleuchten, dass Aktivitäten wie die oben beschriebene, so wie auch kriminelle Aktionen privater Geldfälscherbanden, einer Volkswirtschaft nicht zum Vorteil gereichen. Es scheint in diesen Fällen jedermann klar zu sein, dass dem Treiben entweder die Absicht zugrunde liegt, Schaden zu stiften, oder aber sich unbillige Vorteile zu Lasten Dritter zu verschaffen.

Geldfälscherei (früher Münzfälschung oder -Verschlechterung) wird seit jeher mit zum Teil drakonischen Strafen geahndet. Die bis zur Einführung des Euro im Umlauf befindlichen deutschen Banknoten trugen sogar einen darauf hinweisenden Aufdruck: „Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.“

Darüber, was das Wesen von Falschgeld ausmacht, gibt das Internetlexikon Wikipedia die folgende Auskunft: „Falschgeld wird gefälschtes oder nachgemachtes Geld genannt, das nicht den Geldwert besitzt, den es zu haben scheint. Ziel des Verwenders ist demnach die Täuschung von Gläubigern über den wahren Wert.“

Das klingt zunächst nach einer durchaus plausiblen Erklärung. Was von Wikipedia unter diesem Suchbegriff leider unterschlagen wird, ist die Frage nach dem Geldwert selbst. Mit dem Phänomen einer galoppierenden Inflation niemals konfrontiert gewesene Bürger beschäftigen sich nur allzu selten mit der Frage, welchen „Wert“ denn eine durch nicht mehr als heiße Luft gedeckte Banknote aufweist und worauf dieser denn beruhen sollte. An dieser Stelle bleibt Wikipedia die Antwort auf eine weitere Frage bedauerlicherweise ebenfalls schuldig: Weshalb hätten von der Druckerei einer National- oder Zentralbank massenhaft produzierte Zettel einen Wert, der denjenigen einer inspirierten Handarbeit eines begabten Fälschers übersteigen sollte? Welche Logik liegt dem zugrunde? Und weshalb sollte der Wert der von einer Notenbank „nachgemachten“ Geldscheine den Wert der bereits in Umlauf befindlichen weniger stark beeinflussen, als die vom RSHA anno 1943 oder dem Gauner unserer Tage in der Hinterhofwerkstatt produzierten? Ist ein bunter Zettel nicht einfach ein bunter Zettel – gleich wer ihn wo „nachgemacht“ hat?

Diese Fragen lassen sich erst nach einem kurzen Blick auf die Geschichte des Papiergeld(un)wesens beantworten: So lange papierene Banknoten lediglich als „Depotscheine“ für real hinterlegte Güter (z. B. Gold und / oder Silber) fungierten, wiesen sie in ihrer Eigenschaft als „Stellvertreter“ tatsächlich einen klar definierten Wert auf. Das Papier war de facto „so gut wie Gold“. Zu dieser Zeit im Umlauf befindliche Geldscheine trugen häufig einen Hinweis auf ihre Konvertierbarkeit gegen das unterlegte Edelmetall („Zahlen Sie an den Überbringer…“). Selbstverständlich war zu dieser Zeit die Ausgabe eines nicht durch Gold oder Silber gedeckten Geldscheins eine klar als kriminelles Vergehen verstandene Handlung. Die den Schein begebende Bank hätte in diesem Fall einen in Wahrheit nicht vorhandenen Wert als real existent ausgegeben. Deren Besitzer wäre bei Vorlage seiner Note leer ausgegangen. Der Betrug hätte sich in diesem Moment offenbart und die Bestrafung des betrügerischen Bankers nach sich gezogen.

Heute sieht die Welt des Geldes allerdings völlig anders aus. Der große Wirtschaftsromancier John Maynard Keynes war 1944 bekanntlich mit seiner Idee von einer auf den Namen „Bancor“ hörenden Weltwährung bei den bereits im Siegesrausch schwelgenden Amerikanern abgeblitzt. Stattdessen wurde in Bretton Woods ein Weltfinanzsystem errichtet, das sämtliche Währungen der Welt wie eine Pyramide auf dem US-Dollar aufbaute (System fixer Wechselkurse). Das Pfund Sterling hatte seine dominierende Rolle ausgespielt. Seit der endgültigen Lösung des US-Dollars von jeglicher Bindung an physisch real vorhandene Werte ist der Wert unseres Geldes auf nichts weiter als auf die Willkür der Regierenden gegründet. Der 17. August 1971, der Tag an dem die Nixon-Administration die Goldbindung des US-Dollars für beendet erklärte, war somit ein rabenschwarzer Tag für die freie Welt. Erstaunlicherweise wird die Bedeutung dieser flagranten Enteignungsaktion bis heute kaum thematisiert. Jedenfalls wurde an jenem Tag endgültig eine geldpolitisch neue Ära eingeläutet: jene des weltweiten „Fiat-Money“, die – nach zahlreichen Krisen – nun möglicherweise vor ihrem Zusammenbruch steht.

Um schließlich zur weiter oben gestellten Frage nach dem „Wert“ unserer Geldscheine zurückzukehren: Die von FED, EZB, und BOE betriebene Geldpolitik hat allergrößte Ähnlichkeit mit dem von den Nationalsozialisten im Rahmen der Aktion Bernhard entfalteten Treiben. Die von den Zentralbanken unserer Tage begebenen Geldscheine haben daher denselben „Wert“ wie die des Geldfälschers oder des SD-Agenten. Und der hängt einzig und allein von der Hoffnung ab, künftig einen Gimpel ausfindig zu machen, dem man ihn unterjubeln kann. Mit etwas Pech könnte es sich schon sehr bald als überaus schwierig erweisen, derartige Gimpel zu finden: Der als zuverlässiger Indikator für den Geldwert fungierende Goldkurs ist in den letzten 12 Monaten um immerhin 42 Prozent nach oben geschossen. Tendenz weiterhin: stark steigend.

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