20. Juli 2011

Schulfrieden in NRW Zwölf Jahre politische Waffenruhe bis zum Ausbruch des totalen Kriegs

Kinder, seht euch vor!

Seit gestern herrscht „Schulfrieden“ in Nordrhein-Westfalen. Die Waffen schweigen. Nur noch ein paar Werwölfe im Schafspelz der Jungen Liberalen werfen eine letzte scharfe Presseerklärung hinter die Linien der schwarzrotgrünen Kinderbesatzer: „Die Abgeordneten der CDU brechen ihre Wahlversprechen und beweisen erneut Profillosigkeit und einen Mangel an Standhaftigkeit. NRW hat ab heute nur noch eine Oppositionspartei – die FDP.“ Glauben diese abgeknickten Karrieristen einer Partei, die gerade die deutschen Steuerpflichtigen fürn Appel undn Ei als Zahlemänner nach Brüssel und Athen verhökert und die Sparer am langen Ende enteignet, eigentlich selbst ihren Durchhalteparolen?

Zurück zur Substanz: NRW erhält nach letzten verbleibenden Haupt, den Grund-, Real-, Gesamt-, Hunde- und Sonderschulen sowie Gymnasien eine weitere Schulform, die Sekundarschule, in der bis zur sechsten Klasse „gemeinsam gelernt“ wird. Will heißen: Der Nachwuchs der Eltern, die auf sich und ihre Kinder etwas halten, soll zwei Jahre länger dem zuweilen körpernah aufdringlichen Einfluss jener Asozialer – Kosename: „Asis“ – ausgesetzt werden, die heute als „Bildungsferne“ – kurz: „Bifis“ – verhohnepipelt und dergestalt auch in der Sekundarschule bleiben werden. Nur, das wird natürlich nicht funktionieren, Sozialismus ohne Zwang hat noch nirgends dauerhaft stattgefunden. Die einen werden also ihre Kinder dann doch lieber weiter aufs ohnehin stark verwässerte Gymnasium schicken und die Bifis wechseln von der Gesamt zur Sekundarschule, wie sie zuvor von der Haupt- zur Gesamtschule konvertiert sind. Oder besser: delegiert wurden, denn eigenmächtige Entscheidungen konnten den betreffenden Eltern vom Sozial- und Nannystaat in manchem Fall erfolgreich abtrainiert werden. Die Hauptschule wurde also nur ein weiteres Mal umbenannt. So mögen es die Ideologen, zu denen auch viele JournalistInnen zählen, die selbst meist keine Kinder haben. Nebenbei zum Motiv: Man muss nicht immer vom Guten im Menschen ausgehen. Manche frustiert-kinderlose Mittvierzigerin könnte den Eltern in der Nachbarschaft auch schlicht Böses wollen. Die „Reichen“ kennen solche Sonderbehandlungen der vermeintlich „Guten“ schon länger. Und in einem kinderarmen Land wird Reichtum insgeheim auch mal ganz anders definiert sein…

Doch lassen wir den Ideologen und Frustrierten auch diesen Unsinn durchgehen, es ist ja erstmal nur ein neues Etikett fürs alte staatliche Schulversagen. Wir im Rheinland schunkeln auch dazu, das tun wir immer: „Man muss auch jönne könne.“ Doch Vorsicht: Noch stets in der Geschichte haben Sozialisten, wenn sie merkten, dass ihre Experimente am Menschen freiwillig wieder mal nicht so recht funktionierten, die Gewehre und Daumenschrauben, die Mauern und den Schießbefehl ausgepackt. Und dann, in zwölf Jahren, wenn der Friedensvertrag abläuft, könnte der Krieg zum Totalen werden. Dann stehen die letzten Eltern und Kinder unbewaffnet und alleine gegen die Eintopfschule der ganz großen linken Koalition inklusive CDU und FDP, sofern es, aber das ist wirklich Wurst, diese dann noch gibt.


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