André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Der Hype um den Frauenfußball: Schuld daran ist Thilo Sarrazin

von André F. Lichtschlag

Und vielleicht auch die Lösung

28. Juni 2011

Den Hype um die Frauenfußball-WM haben wir Thilo Sarrazin zu verdanken. Vermute ich mal. Denn echt ist die Begeisterung fühlbar nicht. Und der Schock saß tief in den Verlagshäusern, Sendeanstalten und Parteizentralen, als im Herbst 2010 erstmals eine breit angelegte Medienkampagne nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte. All die Häme, die Acht-gegen-einen-Talkshows, sie kehrten sich plötzlich gegen die Urheber. Nicht der von ihnen Niedergemachte, sondern die Journalisten selbst standen plötzlich nackig da. Und Thilo S., der Schurke, er wurde nur immer noch beliebter. Schockstarre.

War die Macht der Medien gebrochen? Man wollte es jetzt wissen. Vorsichtig. Der erste Testlauf – die konzertierte allabendliche Jagd auf Karl-Theodor – gelang. Nach einem Monat Dauerbeschuss gab der Adelsmann auf, dessen Beliebtheit den Medien immer verdächtig war. Dann der Glücksfall: Vier Wochen wurde ein Super-Gau in Fukushima zelebriert, der tatsächlich gar keiner war. CDU und FDP knickten nach wenigen Tagen ein und änderten ihren Kurs um 180 Grad. Der erste grüne Ministerpräsident konnte nebenbei installiert werden. Die Macht der Medien war zurückgekehrt. Und eindrucksvoll bewiesen.

Dann klingelten die Gendertanten bei den Senderonkels und forderten die neue deutsche Sportpropaganda. Schon seit Jahren wird Frauenfußball wie kein anderer Sport übervorteilt. Ergebnisse werden in Hauptnachrichtensendungen verlesen von Damenspielen, die vor Ort allenfalls ein paar Hundert Zuschauer besuchen. Jedes Viertligaspiel der Männer und unzählige andere Sportarten locken mehr Fans an. Aber es soll auch schon Demonstrationen von Dutzenden gegeben haben, über die berichtet wurde, und solche mit Zehntausenden Teilnehmern, die verschwiegen wurden.  

Frauenfußball ist Anti-AKW-Bewegung. Und die WM im eigenen Land, das ist schon wieder der Super-Gau. Mit umgekehrten Vorzeichen natürlich. Frauen, die Fußball spielen, kriegen keine Kinder. Wie Journalistinnen. Wie passend. Eigentlich sind Schienbeinschoner an Damenwaden eher unästhetisch. Tanzen, Eiskunstlauf oder Reiten sind ansehnlicher und instinktiv bei jungen Mädels auch angesehener. Doch das ist der springende Punkt: Vorlieben müssen gegendert und geändert werden: Aus Jungs sollen Mädchen werden und aus Frauen Männer.  

Heute kein Frauenfußball zu gucken ist wie früher Westfernsehen im Honecker-Staat. Vor allem auf die Kinder muss man aufpassen. Die bleiben seltsam propagandaresistent, auch wenn gerade sie mit Panini-Sammelalben und Kika-Sondersendungen besonders angegangen werden. Meine sechsjährige Tochter meinte neulich trocken: „Papa, Frauenfußball interessiert keinen. Die Jungs mögen keine Frauen, die Fußballspielen, und die Mädels interessieren sich meist gar nicht für Fußball.“ Psssst, habe ich gesagt, nicht so laut!

Als ich kürzlich meinen Nachbarn fragte, ob er sich Frauenfußballspiele im TV ansieht, verdüsterte sich seine Miene gedankenschwer. Er holte tief Luft und meinte mit staatstragender Miene: „Das darf man ja eigentlich gar nicht sagen, aber…“ Soweit sind wir bereits: Was einmal mit unerwünschten Geschichtsbildern oder dem unbedachten Wort Neger begann, hat den Rasensport erreicht: Doublethink. Doppelsprech. Gedankenverbrechen. Verlegen- und Verlogenheit in der Öffentlichkeit. Es wird Zeit, dass Thilo Sarrazin wieder ein Buch schreibt. Am liebsten über Frauenfußball.

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