03. Mai 2011

Osama bin Laden KO USA tödlich getroffen

Jubelamerikaner verkennen den wahren Punktesieger

Osama bin Laden ist tot. Soviel ist sicher. Er starb spätestens am 2. Mai 2011 im Kugelhagel einer amerikanischen Spezialeinheit. Die US-Regierung würde kaum so ein Spektakel für das Publikum veranstalten, wenn Gefahr bestünde, dass der wirkliche Buhmann noch irgendwo herumspukt und plötzlich aus der Versenkung auftauchen könnte. Die Jubelschreie der Gedankenlosen über den staatlichen Lynchmord eines ohne Anklage und ohne Richterspruch Verurteilten sind abstoßend, ein deutliches Zeichen vorangeschrittener Entzivilisierung und gleichzeitig Beleg für eine Absurdität: Amerika feiert den Sieg eines Krieges – gegen einen einzelnen Mann. Die wahre Tragik dieser Massenhysterie ist aber folgende: Die ganze filmreife Aktion dient zwar der Hebung der Moral im Lande, kann aber nur kurzzeitig die Tatsache übertünchen, dass die USA ein inzwischen auf tönernen Füßen stehender, bröckelnder Riese ist, dessen Zusammenbruch kaum noch abzuwenden ist. Und Osama bin Laden hat, tot oder lebendig, entscheidend zu diesem Zustand beigetragen, indem er die Amerikaner zu einer Reihe ruinöser Kriege anstachelte.

Einer der dümmsten und entlarvendsten Sprüche auf den spontan bekritzelten Plakaten vor dem Weißen Haus lautete: Obama 1 – Osama 0. 18 Jahre und Abermilliarden hat die Supermacht gebraucht, eine im Privatkrieg mit ihr befindliche Person aufzuspüren und unschädlich zu machen. Das wahre Punkteverhältnis in diesem epischen Kampf eines Giganten gegen eine Mücke – eine von unzähligen – sieht demnach ungefähr so aus: Osama vielleicht etwa zehn Millionen Dollar, fünf bis zehntausend tote Zivilisten, einige wenige zerschmetterte Prestigeobjekte – USA eine Billion Dollar, überschuldet und auf dem Weg in eine ernste Inflation, viele bürgerliche Freiheiten verlustig, etwa eine Million tote Zivilisten, etliche Ziegendörfer, Hochzeitsgesellschaften und einige hundert Terroristen.

Wenn die Amerikaner Glück haben, wird ihr Land bald in einigermaßen geordneten Bahnen wirtschaftlich und militärisch gesundschrumpfen und für den Rest des Jahrhunderts den Chinesen widerwillig die Führung der Welt überlassen. Schlimmstenfalls werden sie aber heftigste soziale Unruhen bis hin zum Zerbrechen der Union erleben. Nach der UdSSR wird Osama dann posthum eine zweite Riesentrophäe überreicht bekommen.

Die Geschichte, so heißt es, wird von den Siegern geschrieben. Gut möglich daher, dass es in nicht allzuferner Zukunft heißt: Osama 2 – hochmütige Imperien 1.


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