Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Was man nicht sieht: Umverteilung heißt Wohlstandsminderung

von Andreas Tögel

Staat macht arm

Krieg eignet sich bekanntlich als wirksamer Dünger, um das Staatswachstum zu beschleunigen. Die sich begeistert um die Fahnen scharenden Bürger erweisen sich in aller Regel als blind für die durch den Krieg in Gang gesetzten Umverteilungseffekte – und zwar nicht nur im Hinblick auf materielle Aspekte. Gibt es gerade keinen „heißen“ Krieg zu führen, so finden sich leicht Alternativen für entschlossene Feldzüge: „Krieg gegen die Armut“ etwa, für die „soziale Gerechtigkeit“ oder gegen die „Ungleichheit der Geschlechter“. In jedem Fall werden Rechte und Eigentum der Bürger auf dem Altar des von der politischen Führung proklamierten, „großen Ganzen“ geopfert – zum alleinigen Nutzen der Bürokratie.

Dass „heiße“ Kriege stets negative wirtschaftliche Konsequenzen haben, ist eine erstaunlicherweise nicht unbestrittene Tatsache. Noch heute begegnet man immer wieder dem Mythos vom „Wirtschaftswunder“ als Folge der immensen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Schließlich habe man in Deutschland den Neustart mit neuen und entsprechend produktiven Fabriken geschafft, über welche die Sieger nicht verfügt hätten. Starkes Argument! Folgte man dieser Logik, dann hätten konkurrenzunfähige Volkswirtschaften nichts weiter zu tun, als ihre bestehenden Produktionsanlagen in die Luft zu jagen und schon stünde einem Aufschwung nichts mehr im Wege.

Dass es sich dabei um einen veritablen Denkfehler nach dem Muster „was-man-sieht-und-was-man-nicht-sieht“ handelt, liegt auf der Hand. Einem Schaden, aus welchem Grund auch immer er eingetreten sein mag, steht nämlich grundsätzlich niemals ein korrespondierender Nutzen gegenüber. Eine verbrannte Fabrik, ein zerstörtes Auto oder eine eingestürzte Brücke sind einfach weg und stehen für die ihnen zugedachten Zwecke nicht mehr zur Verfügung. Jene Mittel, die für den Wiederaufbau oder die Neubeschaffung in die Hand genommen werden müssen, fehlen an anderer Stelle – sie können nicht für alternative Investitionen eingesetzt werden. Die im Zuge des zurückliegenden Aggressionskrieges gegen den Irak angerichteten Zerstörungen bieten ein gut in Erinnerung gebliebenes Beispiel: Jeder Cent, der für die Instandsetzung der zerbombten Infrastruktur eingesetzt werden muss, fehlt andernorts. Sofern die Mittel dafür aus internationalen Hilfsfonds stammen, gilt für sie dasselbe: Man hätte Besseres damit anstellen können.

Krieg ist, vom menschlichen Leid abgesehen, wie jede staatlich veranlasste Maßnahme, ein Mittel zur gewaltsamen Umverteilung. In diesem Falle weg von der Mehrheit der Bürger hin zur Minderheit der Profiteure des politisch-militärischen Komplexes. Die Staatsquote, dafür gibt es zahlreiche empirische Belege, nimmt in jedem Krieg zu, ohne danach auf ihr altes Niveau zurückzufallen. Allein die politische Klasse, Staatsbürokraten und diesen nahestehende Industrien profitieren.

Ähnlich verhält es sich mit dem scheinbar edlen Ziel der „sozialen Umverteilung“ im Zuge des immerwährenden „Krieges gegen die Armut“. Den Reichen nehmen, um den Armen zu geben – welch nobles Handlungsmotiv! Leider hat die Propaganda der Protagonisten des Wohlfahrtstaates mit der Realität nichts zu tun. Hauptprofiteure jeder „sozialen“ Umverteilung sind nämlich die – überwiegend der Mittelschicht entstammenden – Politiker, Angehörigen der Wohlfahrtsindustrie: Sozialbürokraten, Kontrolleure, Berater, Mitarbeiter hoch subventionierter NGO´s etc. Bis zu drei Viertel der in Umverteilungsmaßnahmen fließenden Steuermittel kommen erst gar nicht bei den in Sonntagsreden beschworenen „armen“ Adressaten an, sondern versickern im System, mästen also eine parasitär wuchernde Bürokratie.

Absolute Armut – gekennzeichnet durch kein Dach über dem Kopf, Unterernährung und fehlende ärztliche Versorgung – existiert hierzulande nicht. Trickreiche Umverteilungsexperten haben, um ihre Existenz dennoch zu rechtfertigen, die „relative Armut“ ersonnen, die sich nach internationaler Übereinkunft, an einem Wert von 60 Prozent des Medianeinkommens bemisst. Damit wurde – im Bereich der Sozialwissenschaften – etwas geschaffen, was von den Naturwissenschaften als unmöglich qualifiziert wird: ein Perpetuum mobile! Arbeitsplätze, Einkommen und Prestige der für die Umverteilungsmaschinerie Tätigen sind damit auf ewig gesichert. Denn eine Gesellschaft ohne „relative Armut“ ist kaum vorstellbar. Nur totale, hoheitlich erzwungene Gleichmacherei könnte daran etwas ändern.

Die Graphik zeigt die absurden Konsequenzen einer Orientierung am Konzept der „relativen Armut“: Sinken die Einkommen auf breiter Front, gibt es weniger „Arme“, während es bei Zunahme der höheren Einkommen mehr werden.

Die Arbeitsplätze innerhalb der Sozialbürokratie sind so lange gesichert, so lange die Öffentlichkeit kein Bewusstsein dafür entwickelt, dass etwas Unsozialeres als der Wohlfahrtsstaat gar nicht gedacht werden kann – wie der deutsche „Wirtschaftwunderminister“ Ludwig Erhard es einst formuliert hat. Denn mit der „relativen Armut“, bei vollständiger Einebnung der Einkommensunterschiede, verschwindet auch jedes Leistungsmotiv. Eine Gesellschaft mit egalisierten Einkommen bedeutet daher ein Sinken des Wohlstandsniveaus, da ausschließlich die Aussicht auf eine Verbesserung der Lebensumstände dem Einzelnen den Antrieb dafür liefert, seine Anstrengungen und damit den Wohlstand zu erhöhen.

Die völlig falschen Anreize, die der Wohlfahrtsstaat bietet (Leistungspönalisierung durch progressive Einkommenssteuern bei gleichzeitiger Belohnung des Müßiggangs durch „bedingungslose“ Transferzahlungen), sind der Grund für die seit Jahren zu beobachtende Stagnation der Nettoeinkommen. Höchste Zeit zum Umdenken – ehe es zur von Peter Sloterdijk beschworenen „Revolution der gebenden Hand“ kommt.

Information:

Graphik zum Medianeinkommen (PDF)

28. März 2011

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