22. März 2011

Aktuelle Nachricht – Frankreich Hohe Wahlergebnisse für Front national

Marine Le Pen peilt 2012 den Elysee-Palast an

(ef-RG) Bei den Kantonalwahlen in Frankreich am vergangenen Samstag hat die Front national auf fast 15 Prozent „mächtig zugelegt“, während die Präsidentenpartei UMP auf 17 Prozent abstürzte, berichtet heute die „Basler Zeitung“. Demnach schreiben französische Zeitungen 13 Monate vor den nächsten Präsidentschaftswahlen von einem „Debakel“ für Nicolas Sarkozy. Die Sozialisten dagegen erhielten einen Wähleranteil von 25 Prozent. „So richtig jubeln mochte indessen niemand, weil nur etwa 44 Prozent der Stimmberechtigten tatsächlich zur Urne gingen, was nicht nur der relativen Bedeutungsarmut der Wahl geschuldet sein dürfte, sondern auch dem Verdruss der Wähler über die Politik im Allgemeinen“, schreibt Oliver Meiler in der schweizer Tageszeitung.  

Die Regionalwahlen seien als „Test für die Stärke des Front national unter der neuen Führung von Marine Le Pen, der Tochter Jean-Maries“ angesehen worden. Sarkozys Taktik von 2007, mit klassischen Themen der Front national – Immigration, nationale Identität, innere Sicherheit, Islam – Unterstützung zu gewinnen, scheiterte diesmal. Marine Le Pen dagegen wirkt auf viele Wähler im bürgerlichen Lager als wählbar, weil, wie Pierre Haski gestern in „The Guardian“ bemerkte, sie im Gegensatz zu ihrem Vater keinen Zweifel daran lässt, dass sie den Massenmord an den Juden für die „schlimmste Episode des zwanzigsten Jahrhunderts“ hält.

2002, als Marines Vater für Wahlforscher überraschend in die Stichwahl um das Präsidentenamt kam, hatten sich die unterlegenen Sozialisten zu einer „republikanischen Front“ mit den Bürgerlichen zusammengeschlossen, um die Wahl des Rechtsextremen zu verhindern. Doch bei den Stichwahlen in den aktuellen Kantonalswahlen, wo die Front national gegen einen sozialistischen Kandidaten antritt, verzichtet die UMP auf einen entsprechenden Zusammenschluss.

„Und nicht nur das sorgt für Unmut“, erläutert Meiler: „Seit 2007 hat die UMP keine einzige Wahl mehr gewonnen. Darum mehren sich jetzt die Stimmen, die ein Überdenken der Strategie für 2012 fordern. In der Regel ist es so, dass die Rechte ihren Präsidenten fast diskussionslos in die Wiederwahl schickt. Doch Sarkozys Popularitätswerte sind mittlerweile so tief, dass er zur Hypothek wird. Ausser natürlich, die Franzosen goutieren seine Rolle als vorpreschender Feldherr in Libyen und sehen darin eine Aufwertung der geopolitischen Stellung der Nation. Doch ob das reicht?“

Quellen:

„Basler Zeitung“: Le Pen ist Sarkozy auf den Fersen

„The Guardian“: Not Sarkozys finest hour


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