Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Energiepolitik: Im Zeichen des Supergaus

von Andreas Tögel

Wirtschaftspolitischer Totalschaden

Von einer Bewältigung der Folgen der Finanzkrise konnte keine Rede sein, als die Aufstände in der arabischen Welt losbrachen, deren Konsequenzen gegenwärtig nur schwer einzuschätzen sind. So unsympathisch vielen Bürgern der westlichen Welt die zunehmend unter Druck geratenden oder bereits hinweggefegten Machthaber in Nordafrika und dem Mittleren Osten auch immer gewesen sein mögen oder sind – es galt und gilt das zynische, F. D. Roosevelt zugeschriebene, auf Rafael Trujillo Molina, den zu dieser Zeit „starken Mann“ der Dominikanischen Republik gemünzte Kalkül: „He is a bastard, but he is our bastard“.

Nicht auszudenken, wenn die immerhin an ungestörten Handelsbeziehungen zur Alten und Neuen Welt interessierten „Bastarde“ nun durch Banden religiöser Eiferer und Rassisten ersetzt werden, die ihren Rohstoffreichtum als politische Waffe im Kampf gegen die verhasste christliche Welt einzusetzen gedenken. Dass zum Zeitpunkt, da diese Zeilen geschrieben werden, internationale Kriegstreiber – mit Rückendeckung der UNO! – über ein militärisches Engagement zugunsten der Aufständischen in Libyen nachdenken, bedeutet ein zusätzliches, unkalkulierbares Risiko. Droht hier im schlechtesten Fall ein zweites Afghanistan in unmittelbarer Nähe Europas?

Und als ob all diese Unwägbarkeiten noch nicht ausreichten, stürzt zu allem Überfluss auch noch ein verheerendes Erdbeben die wirtschaftlich ohnehin angeschlagene drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, Japan, ins Chaos. Vom unermesslichen menschlichen Leid ganz abgesehen: Unvorstellbar, welche politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen die möglicherweise erforderlich werdende Evakuierung des Großraums Tokio im Gefolge des Reaktordebakels in Fukushima nach sich ziehen würde! Während sich aber die Kommentatoren rund um den Globus auf den Reaktorstörfall und die dräuende Verstrahlungskatastrophe konzentrieren, bleiben die möglichen wirtschaftlichen Folgen für den Rest der Welt – namentlich für Mitteleuropa – weithin unberücksichtigt.

Wie immer in derartigen Fällen sind die Obertanen im Begriff, in hektischen Aktionismus zu verfallen. Der von der deutschen Kanzlerin Merkel proklamierte Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomenergie beweist einmal mehr: Handlungsfähigkeit und Entschlossenheit zu demonstrieren, ist der politischen Klasse allemal wichtiger, als die langfristigen Folgen ihrer Handlungen ernsthaft abzuwägen. Woher die Energie künftig kommen soll, wenn der nun, besonders in Deutschland und Österreich grassierenden kollektiven Hysterie nachgegeben und tatsächlich das Ende der Kernkraft beschlossen wird – dafür gibt es keinen seriösen Plan. Eines allerdings steht fest: Mit einer flächendeckenden Landschaftszerstörung durch die Errichtung von Windmühlen oder durch die milliardenteure Förderung unwirtschaftlicher Photovoltaikanlagen wird es nicht getan sein. Damit ist der künftige Strombedarf – angesichts der fehlenden Grundlasttauglichkeit dieser auf „erneuerbarer Energie“ (was für ein putziger Terminus technicus!) basierenden Technologien – nicht zu decken.

Da indessen zu erwarten ist, dass die Politik sich nun zumindest in jenen Ländern, in denen schlagkräftige Grünbewegungen existieren, mit großer Verve auf eben diese „alternativen Methoden zur Energiegewinnung“ stürzen wird (selbst in der Alpenrepublik, wo man vermeintlich nicht auf Kernenergie angewiesen ist), kann folgende Prognose gewagt werden: Bald schon dürfte es schwierig werden, Orte zu finden, an denen das Auge nicht durch den Anblick von Windrädern oder spiegelnden Sonnekollektoren belästigt wird. Da Strom dummerweise aber auch dann gebraucht wird, wenn weder der Wind bläst, noch die Sonne scheint, großtechnisch einsetzbare Energiespeicher aber nicht (zumindest in absehbarer Zeit noch nicht) zur Verfügung stehen, muss in großem Stil zusätzlich in konventionelle Kraftwerke investiert werden. Man will ja schließlich auch bei Flaute nicht darauf verzichten, sein Haus zu beleuchten oder fernzusehen.

Da der Bau von Wasserkraftwerken aber, wie zumindest der umweltbewegte österreichische Zeitgenosse weiß, unverantwortbar negative Folgen für die Bruterfolge von Kröten und Mücken nach sich ziehen könnte (Stichwort Hainburger Au 1984), wird man auf thermische Kraftwerke zurückgreifen, die auf Basis der Verbrennung fossiler Energieträger arbeiten – also kräftig CO2 produzieren. Fazit: Die Kosten für elektrische Energie werden – angesichts gewaltiger Investitionen in „Reservesysteme“ einerseits und knapper werdender Rohstoffressourcen andererseits, explodieren. Damit nicht genug, werden international vorgegebene Emissionsreduktionsziele verfehlt werden, was saftige Strafzahlungen zur Folge haben wird. Deutschland und Österreich werden mittel- und langfristig als Standorte für energieintensive, produzierende Betriebe an Attraktivität verlieren. Und da alternative Beschäftigungsmöglichkeiten nicht in Sicht sind und es ökonomisch sinnfrei und darüber hinaus unfinanzierbar ist, immer mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte im unproduktiven Staatsdienst anzustellen, wird das Beschäftigungsniveau notwendigerweise sinken. Das bedeutet kollektive Wohlstandsverluste – insbesondere auch deshalb, weil zugleich die Bedeutung des für die Alpenrepublik so wichtigen Tourismus abnehmen wird: Um nämlich Windräder oder stinkende Kohlekraftwerke zu bestaunen, braucht man nicht ins Land der Hämmer zu reisen – das kann man auch an der niederländischen Küste oder in der Ukraine haben.

Das gleichzeitige Auftreten dreier Krisen (Staatschulden, Aufruhr im Nahen Osten und Tsunami in Japan) macht es nahezu unmöglich, die wirtschaftlichen Folgen seriös abzusehen. Eines allerdings kann mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostiziert werden: Falls es als Konsequenz des verheerenden Tsunami im Norden Japans in Deutschland zu einer weiteren Stärkung der Grünen und in der Folge zu einer rot-rot-grünen Volksfrontgierung auf Bundesebene kommen sollte, wäre das der Supergau schlechthin. Eine solche Koalition würde wohl die Deindustrialisierung des Landes vollenden, für den Produktionsstandort also eine Katastrophe bedeuten. Der letzte das Land verlassende Leistungsträger könnte dann das Licht ausmachen.

20. März 2011

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