Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Im Narrenturm: Vorgebliche Suche nach dem „Dritten Weg“

von Andreas Tögel

Die „Gemeinwohlwirtschaft“

Aristoteles belehrt uns in seiner „Metaphysik“ über den „Satz vom ausgeschlossenen Dritten“ („Tertium non datur“). Demnach ist ein Mensch entweder blond oder er ist es nicht. Eine Frau ist schwanger oder nicht. Diese Aussagen sind entweder wahr oder falsch. Ein Drittes dazwischen existiert nicht.

Vor demselben Phänomen stehen wir auf dem Gebiet der Ökonomie: Entweder Markt oder Sozialismus. Entweder Privateigentum an den Produktionsmitteln (wobei der Begriff Eigentum die volle Verfügungsgewalt des Eigentümers über seinen Besitz beinhaltet, nicht bloß den formalen Rechtstitel) oder nicht. Entweder unternehmerische Entscheidungen werden dezentral in den Produktions- und Dienstleistungsbetrieben durch viele voneinander rechtlich unabhängige, eigenverantwortliche Akteure gefällt oder von Beamten einer zentralen Planungs- und Wirtschaftslenkungsbehörde. Entweder es herrscht politische Freiheit (die, wie F. A. Hayek betont, ohne ökonomische Freiheit undenkbar ist) oder eben nicht. Ein Drittes gibt es in keinem der genannten Fälle. Mischformen, wie etwa die „soziale Marktwirtschaft“, die versucht, das Beste aus beiden Welten – der des Sozialismus und der des „Kapitalismus“ – miteinander zu verbinden, sind instabil und langfristig unhaltbar. Auch der „Sozialismus mit einem menschlichen Antlitz“ ist eine Chimäre – theoretisch unmöglich und praktisch allenfalls auf dem Misthaufen der Geschichte zu finden.

Doch es gibt einige Unentwegte, die den Traum vom warmen Eislutscher einfach nicht begraben wollen und scheinbar nach dem „Dritten Weg“ suchen. Tatsächlich aber liefert der Sozialismus nach Marx´scher Façon für sie nach wie vor ein absolut geniales Konzept, das bisher nur wegen mangelhafter Umsetzung und korrupter Akteure nicht imstande war, uns ins irdische Paradies zu führen. Die von so ehrenwerten Herren wie Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot und Hitler – man darf bei dieser Aufzählung keinesfalls auf die Nationalsozialisten vergessen, die ja drauf und dran waren, die Forderungen des „Kommunistischen Manifests“ 1:1 umzusetzen (woran sie nur durch den missgünstigen Rest der schnöden Welt gehindert wurden) – betriebenen Programme wären demnach nur an vermeidbaren Pannen gescheitert, keinesfalls aber als logische und systembedingte Konsequenz einer der Natur des Menschen zuwiderlaufenden, totalitären Ideologie. Und weil das so ist, werden einige Träumer nicht müde, uns ständig alten Wein in immer neuen Schläuchen aufzutischen.

Der jüngste dieser Versuche hört auf den drolligen Namen „Gemeinwohl-Ökonomie“ und liefert allein schon dadurch einen Hinweis darauf, wes´ Geistes Kind seine Protagonisten sind. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ hatten schließlich schon die Nationalsozialisten in ihr 1920 verkündetes Parteiprogramm geschrieben, und – Zitat aus Wikipedia – als: “das oberste sittliche Gesetz des Nationalsozialismus“ bezeichnet. Natürlich darf man auf die Torheit einer Idee nicht ausschließlich von der Persönlichkeit ihres Schöpfers oder aus semantischen Details schließen. Schaden kann es allerdings nicht, wenn man weiß, dass es sich beim „Erfinder“ der Gemeinwohlwirtschaft und zugleich deren umtriebigsten Propagandisten, um Christian Felber handelt. Er ist gelernter Philologe, Politikwissenschafter und Gründungsmitglied von „Attac Österreich“.

Seine Ausbildung und seine stramm marxistische Orientierung prädestinieren diesen Mann förmlich dazu, sich als Schöpfer einer völlig neuen, „gerechten“ und von engstirnigem Eigennutzdenken befreiten Wirtschaftordnung zu präsentieren. Im ersten Anschein handelt es sich bei der „Gemeinwohlökonomie“ um eine tolle Sache. Keiner strebt nach persönlichen Vorteilen. Alle dienen selbstlos und voller Begeisterung nur noch dem Gemeinwohl, dem „großen Ganzen“. Am Ende steht eine egalitäre Mustergesellschaft, der – zumindest materiell – völlig Gleichen. Super!

Da man mit dem Bezug des Gartens Eden aber nicht ewig warten will, muss der allsorgende Staat den Menschen – insbesondere den notorisch selbstsüchtigen Unternehmern – dabei natürlich ein bisserl auf die Sprünge helfen! Denn privatrechtliche Autonomie schadet ja bekanntlich ungemein, indem sie notwendigerweise – als logische Folge der naturgegebenen Unterschiede zwischen den Individuen – zu höchst differenzierten Lebensentwürfen und -Erfolgen führt. Das darf in der schönen neuen Welt nicht sein! Größere Betriebe sind daher zu verstaatlichen (wer weiß nicht um die großartigen Erfolgsgeschichten von Staatsunternehmen zwischen Pjöngjang, Havanna und Wien?), und allfällige Gewinne sind grundsätzlich an die Unternehmensbelegschaften zu verteilen.

Dass in einem solchen System, das der „sozialen Gerechtigkeit“ den höchsten Stellenwert zumisst, auf Lohn- und Preisregelungen durch eine allwissende Zentralbürokratie nicht verzichtet werden kann, liegt auf der Hand. Denn ein freier Markt nutzt ja bekanntlich nur plutokratischen Ausbeutern, weshalb die Kommandowirtschaften des leider untergegangenen Ostblocks als wahre Arbeitnehmer- und Konsumentenparadiese in Erinnerung geblieben sind. Dass seinerzeit viele Unbelehrbare, zum Teil unter größter Lebensgefahr, versuchten, den Segnungen dieses – moralisch wie ökonomisch – überlegenen Systems zu entfleuchen (von Kuba aus geschieht das bis zum heutigen Tage und es gibt dabei keinerlei Gegenverkehr!) zählt zu den noch immer nicht restlos geklärten Rätseln der Menschheitsgeschichte.

Man könnte das alles als groben Unfug abtun und zur Tagesordnung übergehen. Indessen treibt die aktuelle Krise viele vom herrschenden Prinzip des Interventionismus´ – der von der politischen Klasse und einer linken Journaille kurzerhand zum „Kapitalismus“ erklärt wird – enttäuschte Menschen zur Suche nach Alternativen. War es einst etwa Silvio Gesells skurrile „Freiwirtschaft“, die ebenso romantischen wie in Wirtschaftragen ahnungslosen Mitmenschen imponierte, so könnte einigen unbedarften Zeitgenossen nun die „Gemeinwohlökonomie“ als verlockend moderner „Dritter Weg“ erscheinen. Dass es sich dabei in Wahrheit um eine geschickt getarnte, beinharte Kommandowirtschaft nach Sowjetmuster handelt, die den Einzelnen zum ohnmächtigen, fremdbestimmten Werkzeug in den Händen einer allmächtigen Funktionärsnomenklatura degradiert, wird dabei nur allzu leicht übersehen.

Dass über die Lehren Marx´ und die „Gemeinwohlökonomie“ kürzlich ausgerechnet im Narrenturm des alten Allgemeinen Krankenhauses zu Wien debattiert wurde, entbehrt nicht der Ironie. Man sollte die Bedeutung Herrn Felbers & Genossen dennoch nicht unterschätzen.

17. Februar 2011

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