Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Wehrhafte Schweizer: Tell bleibt bewaffnet

von Andreas Tögel

Antiwaffennarren mit ihrer Initiative klar gescheitert

14. Februar 2011

43,69 Prozent ja, 56,31 Prozent nein – so lautet, bei einer recht hohen Stimmbeteiligung von knapp 49 Prozent, das Ergebnis der Abstimmung über die von mehreren linken Organisationen getragene Entwaffnungsinitative in der Schweiz. Lediglich in den beiden städtischen Ballungszentren Zürich und Basel, sowie in vier welschschweizer Kantonen konnten die Initiatoren knappe Mehrheiten erreichen. Volks- wie Ständemehr dagegen bescherten ihnen eine überraschend klare Absage.

Freiheitsskeptiker und Kontrollfanatiker hatten angestrebt, die derzeit im Gewahrsam der wehrpflichtigen Reservisten befindlichen, vollautomatischen Armeewaffen künftig in staatlichen Zeughäusern aufbewahren zu lassen. Begründet wurde dieses Anliegen mit angeblich von in Privathand befindlichen Militärwaffen ausgehenden Gefahren für die Sicherheit – eine aus der Luft gegriffenen Behauptung, die bei den Stimmbürgern offensichtlich nicht verfing. Weniger Waffen – weniger Gewaltkriminalität, so der von ihnen propagierte, schlichte Gedanke. Im Falle eines Erfolges dieses unverhohlenen Anschlags auf die Idee einer Milizarmee wäre der logische nächste Schritt wohl der Kampf gegen den legalen Besitz von Privatwaffen gewesen, wie man ihn aus vielen Staaten der EUdSSR kennt.

Selbst wenn man ebenso wohlwollend wie gegen jede Erfahrung unterstellt, dass die Waffen-weg-GenossInnen tatsächlich ein ehrliches Anliegen umtreibt, bleiben erhebliche Zweifel: Brechen tatsächlich weniger Feuer aus, wenn man Feuerwehren abschafft und Handfeuerlöscher verbietet? Wenn es tatsächlich Waffen sind, die töten – ist im analogen Schluss dann Besteck für Fettleibigkeit verantwortlich? Und: Sind Waffen nur „gut“, wenn sie sich in der Hand des Staates befinden?

Es ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Entwaffnungsaktivisten die Schriften Thomas Hobbes´ niemals gelesen hat – ja dass sie nicht einmal mit dessen Namen etwas anzufangen wissen. Dennoch sind sie – wie er – der Meinung, dass nur die Existenz eines allmächtigen Monstrums, des Leviathans, den „Naturzustand“ eines Kampfes jedes´ gegen jeden zu unterbinden und kollektive Sicherheit zu schaffen vermag. Ihr Misstrauen gegen die Freiheit des Einzelnen reicht so weit, dass sie lieber alle Waffen – aus deren Läufen bekanntlich die Macht kommt, wie der große Vorsitzende Mao Zedong einst erkannte – einer staatlichen Zentrale zu überantworten bereit sind, anstatt zu riskieren, dass vereinzelt Missbräuche stattfinden – etwa indem ein gewalttätiger Narr damit Schaden anrichtet. Illegale Waffen, wie jeder politisch motivierte oder auch unpolitische Verbrecher sie einsetzt, werden bei Entwaffnungsinitiativen wie jener in der Schweiz stets ausgeblendet. Deren Gegner, die sich auf diesen Punkt konzentrierten und davor warnten, rechtschaffene Bürger zu wehrlosen Opfern illegal bewaffneter, skrupelloser Verbrecher zu machen, drangen mit diesem Argument offenbar durch.

Die stereotyp wiederkehrende Behauptung, wonach weniger legale Schusswaffen in privater Hand gleichbedeutend wären mit weniger Gewalttaten, ist empirisch widerlegt, und theoretisch unhaltbar. Liefern sämtliche Statistiken einen eindeutigen Befund, den der Titel einer Untersuchung des amerikanischen Wissenschaftlers John Lott in dem Satz „More Guns, less Crime“ zusammenfasst, sind auch die theoretischen Fehlannahmen der Antiwaffenlobby offensichtlich: Wer ernsthaft vorhat, einen oder mehrere seiner Mitmenschen zu töten, wird sich durch gesetzliche Vorschriften von seinem Tun nicht abhalten lassen. Mord und Totschlag sind bekanntlich schon jetzt verboten. Ist eine Feuerwaffe auf legalem Weg nicht zu bekommen, so wird sich eine behördenfreie Alternative finden, um sich eine zu verschaffen. Ist auch das nicht möglich, reichen Messer oder Baseballschläger.

Dass die Illusion unsterblich ist, wonach man die individuelle Freiheit nur ausreichend stark einschränken müsse, um der totalen Sicherheit zum Sieg zu verhelfen, zeigen erste Reaktionen frustrierter Antiwaffennarren auf den Entscheid des Schweizer Volkes: Sie haben bereits angekündigt, sich damit nicht zufriedengeben zu wollen. Bei der sozialistischen Bundesrätin Sommeruga etwa ist die vom Ergebnis der Abstimmung ausgehende Botschaft nicht angekommen. Sie beharrt auf der unbewiesenen Behauptung, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Legalwaffenbesitz und Tötungshandlungen gäbe.

Wer Erkenntnisse zugunsten von Bekenntnissen ablehnt, wird stets versuchen, die Wirklichkeit seiner Utopie anzupassen – ein Muster, das man vom Feld der Ökonomie bereits zur Genüge kennt. Und weshalb für die Feinde der Freiheit ausgerechnet der Staat über jedem Zweifel steht, erschließt sich nur autoritären und totalitären Naturen. Weshalb der Staat das angestrebte Waffenmonopol nicht zum Schaden der Bürger missbrauchen sollte, kann keiner von ihnen plausibel erklären.

Eben werden wir Zeugen möglicherweise entscheidender Entwicklungen in einem höchst sensiblen Teil der Welt. Die aktuellen Geschehnisse in Nordafrika sind ein guter Grund, jeder monopolisierten Machtkonzentration in der Hand politischer Eliten mit größtem Misstrauen zu begegnen. Die Mehrheit der Schweizer hat das begriffen und dem Ansinnen einer kollektiven Entwaffnung der Bürger eine klare Absage erteilt. Leider gehen die Uhren in der Schweiz – wie auch andere Volksentscheide der Eidgenossen in der jüngeren Vergangenheit beweisen – nicht nur in dieser Frage anders als im übrigen, hemmungslos obrigkeitsgläubigen Europa.

Wie ließ es Friedrich Schiller deren Nationalhelden Wilhelm Tell formulieren: „Der Starke ist am mächtigsten allein!“

Quellen:

„Der Blick“, 13.02.2011: Schweizer wollen ihre Waffen behalten

„Neue Zürcher Zeitung“, 14.02.2011: Sommaruga kündigt neue Verschärfung des Waffenrechts an

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