Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Lauda und Haider: Kritik einer Sportlergröße

von Andreas Tögel

Schwul zu sein reicht nicht, man muss es auch gehörig zelebrieren!

31. Januar 2011

Niki Lauda ist ein weit über die Grenzen Kakaniens hinaus bekannter Mann. Der zweifache Formel-1-Weltmeister, erfolgreiche Unternehmensgründer und Chef der nach ihm benannten Airline ist dafür bekannt, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Ein gewisser Alfons Haider spielt dagegen vergleichsweise in der Unterliga. Als mittelmäßig begabter Gaukler und selbstverliebter Moderator von Unterschichtbelustigungen des ORF hielt er es im Jahr 1997 für nötig, seine Karriere mit dem Bekenntnis, schwul zu sein, zu beleben. Eine, wie sich herausstellte, geniale Idee! Die meinungsbildende, linke Journaille – insbesondere die nahezu durchgängig tiefrot gefärbten Redakteure des Staatsfunks – zeigten sich entzückt. Tatsächlich sieht man den Mann seither öfter über die Mattscheibe flimmern als je zuvor.

Nun könnte Haider, dank einer ungesunden Mischung aus Arroganz und Torheit, den Bogen möglicherweise überspannt haben. In der demnächst startenden, sechsten Runde des an Peinlichkeit schwer zu übertreffenden ORF-Programms „Dancing-Stars“ möchte der von seiner Mission überzeugte Mann nämlich nicht nach öder Spießerart zusammen mit einer Frau in die Arena steigen, sondern mit einem Mann. Die Identität des Auserkorenen wird bislang streng geheim gehalten – was die gespannte Erregung des Publikums ins beinahe Unerträgliche steigert...

Und nun das: Niki Lauda, dieser erzreaktionäre Chauvi, hat sich zum vom ORF nach Kräften unterstützten Vorhaben des Schwulen öffentlich kritisch geäußert: „Es ist ein Skandal, dass der ORF der Jugend einen schwulen Tanzstil ‚Mann tanzt mit Mann‘ unter die Nase reibt, den es in Wahrheit nirgends gibt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. In der Tat ist es zunehmend unerträglich, in welch exzessiver Weise die elektronischen Unterhaltungsmedien das Schwulsein als die normalste Sache der Welt darstellen. Keine Vorabendserie, keine Kochshow, kein Feature über Wohnungssuchende, ohne das mittlerweile obligate, schwule Pärchen. Angesichts der geringen Verbreitung dieser Art der sexuellen Orientierung und deren auffallend häufigen öffentlichen Darstellung liegt hier ganz offensichtlich ein grobes Missverhältnis vor. Lauda: „Bald werden wir uns alle öffentlich entschuldigen, dass wir heterosexuell sind.“ Kann gut sein – zumindest, wenn es nach einigen „Prominenten“ und Medienverantwortlichen geht, die sich gar nicht genug über den „beschämenden“ Sager des Ex-Rennfahrers entrüsten können.

Niki Lauda hat mit seiner kritischen Wortmeldung den Nerv einer überwältigenden Mehrheit der tendenziell konservativen Österreicher getroffen. Besonders deutlich unterstrichen wird das durch eine Kolumne in der mächtigen „Kronenzeitung“, die den Finger bekanntlich stets am Puls der öffentlichen Meinung hat. Gesellschaftsreporter Jeannee stimmte ihm dort nämlich vollinhaltlich zu und ging damit auf Konfrontationskurs zum Hauptstrom der veröffentlichten Meinung.

Leider zeigte das konzentrierte mediale Trommelfeuer der fortschrittlichen Kräfte des Landes mittlerweile Wirkung. Herr Lauda fühlte sich dazu veranlasst, seine Aussagen zu relativieren und sich für etwas zu entschuldigen, was er gar nicht gesagt hatte: Er wolle "nochmals klar zum Ausdruck bringen: Ich habe und hatte Zeit meines Lebens keine Vorurteile gegen Homosexuelle". Das indessen hat er im gegenständlichen Fall auch gar nicht durchblicken lassen.

Um die Pflege von Vorurteilen geht´s in der Sache gar nicht. Jeder möge es doch treiben, mit wem immer er oder sie will – so lange die oder der jeweils andere selbstverantwortlich zustimmen kann. Wen kümmert´s? Allerdings ist es keineswegs – wie seit einiger Zeit propagiert – eine Tugend, „anders“ zu sein – auch wenn viele Künstler und Publizisten diese Ansicht vertreten sollten. Und genau deshalb ist die unentwegte Präsentation schwuler Lebensstile mehr als entbehrlich.

Ob Alfons Haider sich und seinen warmen Brüdern mit seinem bizarren Auftritt etwas Gutes tut, bleibt abzuwarten. Einiges spricht eher dafür, dass sowohl er als auch der öffentlichrechtliche Rundfunk sich damit ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt haben könnten. Das aufgeregte Medienecho ist nämlich eine Sache. Der Finger des Publikums am Senderwahlschalter eine andere.

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