Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Wirtschaftliche Freiheit: Index of Economic Freedom 2011

von Andreas Tögel

An der Spitze nichts Neues

18. Januar 2011

Wir erleben eine Zeit des tobenden Staatsinterventionismus, in der politische Machthaber im Verein mit beamteten „Experten“ behaupten, jene krisenhaften Verwerfungen der Weltwirtschaft beseitigen zu können, die es ohne ihr unermüdliches Wirken niemals gegeben haben würde. Der Ruf nach noch mehr hoheitlicher Regulierung sämtlicher wirtschaftlicher Interaktionen der einst freien Bürger – insbesondere eine noch rigorosere Kontrolle des Bankensektors – ebnet den Weg in die von den Sozialisten in allen Parteien schon immer angestrebte Planwirtschaft. Allenfalls bescheidene Reste privater Initiativen sind nach Meinung der Politelite tolerierbar. Der Glaube der Obertanen an ihre Allmacht und die unbedingte Notwendigkeit ihrer pausenlosen Einmischung in die Privatangelegenheiten der Normalsterblichen scheint – je katastrophaler die von ihnen angerichteten Schäden ausfallen – nicht etwa nachzulassen, sondern vielmehr noch anzuwachsen.

In einem derart freiheitsfeindlichen Klima tut es gut, zumindest fallweise vom obrigkeitsgläubigen Hauptstrom abweichende Minderheitspositionen wahrzunehmen, wie jene des durch eine beeindruckende Fülle empirischer Daten untermauerten, einmal jährlich erscheinenden „Index of Economic Freedom“. Die konservative US-Denkfabrik „Heritage Foundation“ gibt diesen Report seit vielen Jahren zusammen mit dem „Wall Street Journal“ heraus. Soeben wurde die Ausgabe 2011 vorgelegt. Der negative Zusammenhang zwischen obrigkeitlichen Eingriffen in die wirtschaftliche Freiheit des Einzelnen und der Prosperität von Gesellschaften wird auch mit der vorliegenden Arbeit wieder einmal bestätigt. Keine Rede vom segensreichen Wirken der harten Hand des Leviathans – ganz im Gegenteil!

Wieder liegt die Zahl der in die Wertung aufgenommenen Länder bei 179. Anhand von 10 wirtschaftlich relevanten Kriterien wird das gewährte Maß ökonomischer Freiheit der einzelnen Staaten bewertet. An der Spitze gibt es keine Veränderungen: Vier Länder des Asien-pazifischen Raumes führen erneut die Liste an. Hong Kong steht unangefochten auf dem ersten Platz, gefolgt von Singapur, Australien und Neuseeland. Durch den Absturz Irlands bedingt, das im Vorjahr als bestplaciertes Mitglied der EU Rang 5 belegte (nun auf den 7. Platz abgerutscht), konnte die Schweiz erstmals Platz eins unter den europäischen Ländern erringen. Soviel zur von den Eurokraten ständig beschworenen Bedeutung der Mitgliedschaft in ihrer hypertrophen Union für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Die Schweizer verstehen sich offensichtlich ganz hervorragend darauf, ihre letzte verbliebene Steueroase außerhalb der Fiskalwüste EU zu behaupten und die daraus resultierenden Vorteile geschickt zu nutzen.

Deutschland liegt wie im Vorjahr auf Rang 23, Österreich konnte sich um einen Rang auf Platz 21 verbessern. Die USA fielen, wie schon im Jahr 2010, um einen weiteren Platz zurück und rangieren nun an der 9. Stelle. Die Regulierungswut der Demokraten im Verein mit der inflationistischen Geldpolitik der FED zeigt Wirkung.

Zur Beurteilung der „wirtschaftlichen Freiheit“ werden zehn voneinander unabhängige und gleich gewichtete Kriterien herangezogen und im bestmöglichen Fall mit jeweils 100 Punkten gewertet. Das Gesamtergebnis wird als Durchschnitt der Resultate in den einzelnen Kategorien angegeben.

Bewertungskategorien sind:
► Geschäftsfreiheit
► Handelsfreiheit
► Steuerliche Freiheit
► Staatsausgaben
► Währungsfreiheit
► Investitionsfreiheit
► Finanzfreiheit
► Eigentumsrechte
► Korruptionsfreiheit
► Arbeitsfreiheit

Das erstgereihte Hong Kong liegt unverändert bei 89,7 Punkten. Am Ende der Skala finden sich wieder Kuba (27,7), Simbabwe (22,1) und Nordkorea (1,0). Die Armenhäuser der Welt liegen also am Ende der Freiheitsskala. Ein übermächtig starker Staat – mit notwendigerweise korrupten „Verantwortungsträgern“ – steht ganz offensichtlich der Ausbildung breiten wirtschaftlichen Wohlstands entgegen.

Die Effekte der im Zuge der Krisenbewältigung weltweit ergriffenen „Rettungsmaßnahmen“, seien sie in Form einer quantitativen Lockerung der Geldpolitik oder durch exzessive Verschwendung im Zuge staatlicher „Investitionen“ in mehrheitlich nutzlose Prestige- und Arbeitsbeschaffungsprogramme erfolgt, sind durchwegs negativ – nicht nur im Hinblick auf die Freiheit. Sie konnten die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Sie haben die erhofften Wachstumsimpulse nicht ausgelöst. Erneut haben sich die Ergebnisse in den Kategorien „Staatsausgaben“, „Währungsfreiheit“, „Finanzfreiheit“ und „Eigentumsrechte“ durch Staatsaktivitäten verschlechtert.

Für Umweltbewegte, die – entgegen allen Erfahrungen – nach wie vor den Staat als klassischen Garanten für eine saubere Umwelt sehen, dürfte das Kapitel „How Free Markets Improve the Environment“ von Interesse sein. Die Autoren belegen darin einen eindeutigen Zusammenhang zwischen ökonomischer Freiheit und einer positiven Entwicklung der Umweltbedingungen. Der Markt – nicht der Staat – sorgt für eine saubere Atmosphäre…!

Dass ein von der Krise massiv betroffener Staat wie Island dramatisch an Boden verliert (von Rang 18 mit 73,2 Punkten auf Rang 44 mit 68,2 Punkten) verwundert nicht. Dass auf eine stark keynesianisch orientierte Politik setzende Nationen wie die USA und Großbritannien (die Briten rutschen von Rang 11 auf Rang 16 ab) ebenfalls schlecht abschneiden, sollte den tonangebenden Interventionisten zu denken geben. Oder ist es ihnen mittlerweile nur noch um die Gleichverteilung des Mangels zu tun?

 

Quellen:

Wie immer enthält der Report eine Fülle statistischen Materials. Wer sich für Details interessiert, kann die verdichteten Daten kostenlos auf der Seite http://www.heritage.org/index/PDF/2011/Index2011_ExecutiveHighlights.pdf abrufen.

Der volle Report steht unter http://www.heritage.org/index/DownloadForm gratis zum Download zur Verfügung.

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