09. Dezember 2010

Suche nach Außerirdischen Arsen und Spitzenforschung

Peinlicher Patzer von Nasa und Medien verrät viel über ihr nihilistisches Weltbild

Am 2. Dezember 2010 erschütterte eine spektakuläre Meldung die Welt der Wissenschaft und des interessierten Laien: Die Nasa kündigte eine Pressekonferenz an, berichteten die Medien atemlos und veröffentlichten als Aufmacher Titel wie „Nasa präsentiert irdische Aliens“. Vollkommen überzeugt trompetete „Spiegel-Online“: „In wenigen Stunden wird die Nasa eine wichtige Entdeckung verkünden: Es geht um außerirdisches Leben.“ Etwas weiter hieß es dann doch noch einschränkend, der Fund stamme zwar „von der Erde“, aber die Mikroben, um die es geht, wirkten dennoch „angesichts ihrer Lebensumstände wie Aliens“.

Auf der Pressekonferenz war dann folgerichtig kein Alien zu sehen, der mit Barack Obama, Vladimir Putin oder Angela Merkel sprechen wollte. Dennoch wurde angeblich „tatsächlich eine wissenschaftliche Sensation“ präsentiert, so die Hamburger Nachrichten-Plattform: „Ein Bakterium, das neben den sechs bekannten chemischen Lebenselementen Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel und Phosphor mit einem siebten umgehen kann: dem giftigen Halbmetall Arsen.“ Astrobiologin Mary Voytek von der Nasa betörte das Publikum: „Es handelt sich um irdisches Leben, aber nicht um Leben, wir wir es bisher kennen.“ Kollegin Felisa Wolfe-Simon ergänzte: „Wir haben die Tür ein klein wenig geöffnet – und gesehen, was für Leben woanders im Universum möglich sein könnte.“ Damit sei ein „biologisches Dogma umgeworfen“ worden. Da Arsen chemisch flexibler als Phosphor und deshalb leichter verfügbar sei, wäre es möglich, „dass es auch in der angeblich lebensfeindlichen Umwelt anderer Planeten Leben gibt.“

Alles Quatsch mit Soße, wie sich nach wenigen Tagen herausstellte.

„Mehrere Mikrobiologen und Chemiker haben die Veröffentlichung im Fachmagazin ‚Science‘ unter die Lupe genommen und einhellig verrissen“, berichtete das „Handelsblatt“ gestern. „Die Arbeit liefere kein einziges überzeugendes Indiz dafür, dass Arsen in DNA oder ein anderes Biomolekül eingebaut worden sei, schreibt zum Beispiel die Mikrobiologin Rosie Redfield von der University of British Columbia. Auch Harvard-Geochemiker Alexander Bradley bemängelt, einfache Kontrollexperimente seien nicht durchgeführt worden.“

Warum waren die Nasa-Wissenschaftler so unkritisch und veröffentlichten Ergebnisse und Schlussfolgerungen, ohne eine sorgfältige Prüfung abgewartet zu haben? Warum haben sie so schlampig gearbeitet? Außergewöhnliche Behauptungen benötigen außergewöhnliche Belege. Warum sind auch die Medien, mal wieder, auf unkritische Darstellungen von Wissenschaftlern hereingefallen, ohne zu hinterfragen, ohne zu prüfen – und haben dann die „Ergebnisse“ hinausposaunt, als sei etwas Weltbewegendes passiert? Und das nur ein Jahr nach den tatsächlich weltbewegenden Skandalen um unbewiesene Behauptungen im UN-Klimaschutzbericht über wegschmelzende Gletscher im Himalaja und eine Kette ähnlicher hanebüchener Klimageschichten wie dem berüchtigten Hockeyschläger.

Im Fall der Klimahysterie kann man mit gewisser Plausibilität bei den Akteuren rationale wirtschaftliche Sonderinteressen unterstellen. In manchen Fällen sogar belegen – man denke nur an Al Gore und seine Klimaschutz-Investitionen. Auch liegt die Vermutung nahe, dass viele Regierungen ein Interesse daran haben, mittels Klimapolitik den Kapitalismus und die von ihm abhängige, dem Staat lästige individuelle Freiheit zu zügeln oder gar zu zerstören. Ebenso ist nicht zu leugnen, dass viele Medienvertreter eine Zielüberlappung des „Klimaschutzes“ mit ihrer eigenen, linken oder neokonservativen Ideologie zumindest spüren, wenn nicht gar bewusst erkennen, und entsprechend einseitig berichten.

Doch welcher Anreiz führt zu solch unkritischem Verhalten im Fall von vermuteten Anzeichen außerirdischen Lebens? Ein Teil der Antwort ist das Gesetz der behördlichen Selbsterhaltung. Die Nasa ist, nach Abbruch der Mondmissionen, auf permanenter Suche nach einer Daseinsbestimmung. Natürlich hätte die Bundesbehörde auch abgeschafft werden können. Theoretisch. Praktisch leben wir im Zeitalter der Bürokratie, da wird so etwas noch nicht einmal gedacht. Also erforscht die Nasa das Klima und die Außerirdischen. Mit entsprechendem Erfolg. Hin und wieder stürzt auch mal ein Shuttle samt Besatzung ab. Auch das schafft Schlagzeilen. Bürokratie allein könnte also den Pfusch erklären – nicht aber die im Arsen-Fall zutage tretende kindische Naivität.

Der andere Teil der Antwort erschließt sich, wenn man erkennt, dass die hysterische Überreaktion der Nasa-Wissenschaftler und der Medien stark an religiöse Manie erinnert. Kein Wunder, denn wir haben es hier mit einer Gralssuche zu tun: Mit einem Nachweis außerirdischen Lebens würde gleichzeitig der Nachweis erbracht, dass das Leben auf der Erde nicht einzigartig ist.

Solche Forschung wäre überhaupt kein Problem, wenn sie privat finanziert wäre. Wenn aber der Staat Forschung finanziert, sollte ein starkes öffentliches Interesse an den Ergebnissen vorliegen. Durch eine erwiesene Existenz außerirdischer Bakterien werden jedoch die Straßen kaum sicherer und auch die Müllabfuhr nicht billiger. Das einzige „öffentliche“ Interesse ist darin zu erkennen, durch eine Entdeckung außerirdischen Lebens dem Glauben an einen transzendenten Gott einen weiteren Schlag zu versetzen. Gestärkt wäre damit der Staat – so hoffen seine Jünger – in seinem Status als Ersatzgott, der Glaube an ihn als Ursprung aller Macht, als Schöpfer allen Geldes und Quell aller Wohlfahrt.

Dabei wäre durch einen Nachweis von Aliens ein Schöpfergott ebensowenig widerlegt wie durch den Nachweis, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Ein transzendenter Schöpfer ist ebensowenig widerlegbar wie die Entstehung der Existenz aus dem Nichts. Ob Absicht oder Zufall der Auslöser war, lässt sich nicht nachweisen, sondern nur glauben. Je nachdem, was man glaubt, wird man, bewusst oder unbewusst, entweder einen transzendenten Gott anbeten, oder aber einen diesseitigen: ein Idol, sich selbst, oder den Staat als Heilsbringer. Zwar ist erstere Glaubensform keine Garantie gegen Krieg und Totalitarismus, doch langfristig begünstigt sie, weil sie Verantwortung vor dem Schöpfer beinhaltet, individuelle Verantwortung und somit Privateigentum und Freiheit. Bei letzterer Glaubensform dagegen ist als gesellschaftliches Ergebnis Totalitarismus, Chaos und Elend schon programmiert.

Arsen ist bis auf weiteres immer noch ein starkes Gift und kein Baustein des Lebens. Aber in den Hirnen der Nasa-Wissenschaftler und vieler Medienvertreter wirkt ein ganz anderes Gift. Es ist nicht tödlich für den Organismus, dafür aber für die Seele und die Zivilisation.

Internet:

Spiegel-Online: Nasa präsentiert irdische Aliens

Handelsblatt: Der Arsen-Schnellschuss geht für die Nasa nach hinten los

Al Gore’s Carbon Empire: Cashing in on Climate Change


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