Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

Anzeige

EU-Krise: Ist der Ruf einmal ruiniert…

von Andreas Tögel

...wird auch Portugal saniert!

28. November 2010

Was die gar nicht so wenigen Kritiker der Griechenland-„Rettung“ schon vor Monaten vorausgesagt hatten, scheint nun peu à peu einzutreten: Die Schlange der an der Tür der schwer geprüften europäischen Steuerzahler kratzenden Pleitekandidaten wird täglich länger. Gegenwärtig ist Irland dran – oder besser gesagt: jene vorwiegend deutschen und französischen Banken, die mit Krediten an den Inselstaat bestens verdient hatten. Die vielfach strapazierte „Solidarität“ innerhalb der politischen Union manifestiert sich – einmal mehr – in einer Sozialisierung der von Banken aus freien Stücken eingegangen Risiken. Der Fluch der bösen Tat, die in der Belohnung flagranten Fehlverhaltens („moral hazard“) besteht, lässt den europäischen Debitorenverein namens EU folgerichtig nicht mehr los. Eben gerät Portugal als nächstes der PIIGS in veritable Probleme, die sich vorerst in massiven Zinsaufschlägen auf Staatsanleihen niederschlagen. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorhersagen zu können, dass es dieses Land ist, das demnächst bei der EZB seinen Platz unter dem „Rettungsschirm“ beantragen wird. Danach wird wohl auch Spanien diesen Weg gehen…

Dass der Gouverneur der österreichischen Nationalbank Ewald Novotny, ein in der Wolle gefärbter Sozialist und Keynesianer, deshalb „keine Krise des Euro“ sieht, könnte beinahe zum Schmunzeln animieren – wenn´s denn nicht um eine so ernste Sache ginge. Denn sollte es tatsächlich dazu kommen, dass es eine Volkswirtschaft von der Dimension Spaniens erwischt, wären die Tage der Gemeinschaftswährung wohl tatsächlich gezählt. Schon mit den jetzt für Irland lockerzumachenden mutmaßlich rund 100 Mrd. € und den absehbaren Begehrlichkeiten Portugals wird der „Bail-out-Fonds“ der EU an die Grenze seiner Kapazität geraten. Eine Hilfsaktion für Spanien (dessen Refinanzierungskosten auf den Kapitalmärkten bereits im Begriff sind, deutlich zu steigen) würde den Bogen endgültig überspannen. „Spanien ist ein bisschen zu groß, um ausgekauft zu werden“ meint Antonio Garcia Pascual von Barclays Capital. Seiner Meinung nach würde eine Spanien-Rettung alle verfügbaren Ressourcen der Gemeinschaft aufzehren – und man dürfe auf das ebenfalls „angesteckte“ Italien nicht vergessen.

Aber damit noch nicht genug – schon wird auch über einen möglichen Hilfsantrag Frankreichs gemunkelt. Das gewaltige Ausmaß der französischen Verbindlichkeiten lässt ein entsprechendes Ersuchen gar nicht unwahrscheinlich erscheinen. Der FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis ruft folgerichtig bereits zu einem “globalen Haircut“ mit Blick auf die Staatsschulden auf. Angesichts der gewaltigen Summen, um die es geht, erscheint dieses Ansinnen keineswegs abwegig. Allein durch weltweit im Gleichschritt auf den Weg gebrachte Sparprogramme kann es nicht gehen – zumindest nicht ohne schwere gesellschaftliche Verwerfungen, die von demokratisch gewählten Regierungen, die an nichts mehr interessiert sind, als an ihrer Wiederwahl, nicht in Kauf genommen werden dürften. Das absehbare Schicksal der irischen Regierung, die von den Wählern für das nun umzusetzende Sparprogramm brutal abgestraft werden wird, dürfte den politischen Eliten in anderen Ländern eine deutliche Warnung sein. Eine Beteiligung der bislang ungeschorenen privaten Kreditoren, namentlich der Banken – das heißt ohne einen Teilverzicht auf deren Forderungen – wird es einen nachhaltigen Sanierungskurs daher nicht geben. Alle Ausfälle wie bisher allein den Bürgern der solider gebarenden Länder der Eurozone aufzubürden, wird unmöglich sein. Auch die Geduld der deutschen, holländischen und österreichischen Steuerzahler kennt schließlich Grenzen.

Dass der Eurokurs auf die Hiobsbotschaften von der Staatschuldenfront mit einem Zweimonatstief reagiert, überrascht wenig. Wenn etwas nach wie vor funktioniert, dann ist es eben das Gespür der (institutionellen) Anleger für dräuende Gefahren.

Zum von vielen Finanzfachleuten bereits geforderten „Haircut“ gibt es – bei Licht besehen – nur eine einzige, für verschuldete Staaten allerdings hochgradig verlockende Alternative: Inflation. Das Währungskorsett der Union sollte in diesem Punkt kein allzu großes Hindernis darstellen, da ja der Rubikon bereits mit dem Griechenlanddesaster und dem (vertragswidrigen) Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB überschritten wurde. Ein endgültiges Aus der bislang verbindlichen Stabilitätspolitik liegt also durchaus im Bereich des Möglichen.

Falls es tatsächlich dazu kommen sollte, dass die maßgeblichen Kräfte Europas auf den von der US-Zentralbank so forsch gefahrenen „Mugabe-Kurs“ einschwenken – der Schuldenkrise also durch planmäßige Währungsentwertung entgegenzuwirken gedenken – dann allerdings wird schon mittelfristig kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Unter solchen Umständen würden sich über Jahre und Jahrzehnte aufgebaute, in vielen Fällen für die Altersversorgung gedachte Vermögen (etwa in Form von Lebensversicherungen), vor den Augen ihrer Eigentümer in Luft auflösen. Sämtliche auf Nominalwerte lautenden Anlageformen – natürlich auch die so überaus beliebten „Garantieprodukte“ – würden entwertet werden. Alle auf ein fixes Einkommen angewiesenen Bürger, namentlich die Rentner, würden dieser kreativen, ausschließlich dem Gewaltmonopolisten zur Verfügung stehenden Art der „Schuldentilgung“, zum Opfer fallen.

Für das, was nun bevorsteht, hat der Ökonom und Bestsellerautor Roland Baader für die gegenwärtige Lage in einem unter dem Titel „Markt und Macht“ stehenden Beitrag in eigentümlich frei bereits mehr als treffende Worte gefunden: „Was wir auf Kredit vorausgefressen haben, werden wir nachhungern müssen.“

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare


Der Kommentarbereich für diesen Artikel wurde geschlossen.

Anzeige