Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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ef Television

Maybrit Illner: Zum aktuellen „Thema Nummer Eins“

von Andreas Tögel

Contra: Das ZDF als Außenstelle des Ministeriums für Wahrheit?

Wenn die veröffentlichte Meinung in Deutschland angesichts der ungeheuerlichen, nun in Buchform vorliegenden Thesen des Thilo Sarrazin, kollektiv in Betroffenheitsrituale ausbricht, kann Maybrit Illner, Starmoderatorin des ZDF, nicht zurückstehen. Und so stand die Ausgabe ihrer Sendung vom 2. September 2010 im Zeichen einer Diskussion der von diesem Manne geäußerten Befürchtungen zur Zukunft des Landes. Bei dieser Gelegenheit durfte der staunende Zuschauer aus Österreich erleben, wie die Medienkultur unseres Nachbarlandes aussieht – nämlich nicht anders als bei uns auf dem Balkan! Schon die Auswahl der Anwesenden machte klar, in welche Richtung der Hase laufen sollte. Da wären einmal – im Lager der Wahrheit – der gebildete Vorzeigetürke (dass der Mann zufällig ein grüner Politprofi ist, tut nichts zur Sache), eine als „Wissenschaftlerin“ titulierte Politologin, gebürtige Iranerin und bekennende Muslima, und der Redakteur einer „linksliberalen“ Postille. Weiters – immerhin sollte ja wenigstens ein Anschein von Objektivität gewahrt bleiben – ein Redakteur der Schweizer „Weltwoche“. Die in Fernsehtribunalen erfahrungsgemäß äußerst undankbare, des Unterhaltungsfaktors wegen aber unentbehrliche Rolle des „Krokodils“ war mit Henryk M. Broder besetzt.

Die überaus eloquente „Wissenschaftlerin“ geriet zum unangefochtenen Star der Show. Sie durfte ungebremst monologisieren, im Rahmen der Sendung unüberprüfbare Statistiken zitieren (die zwar angeblich derselben Quellenbasis entstammten wie jene Sarrazins, die aber zu völlig anderen Schlüssen führten), präsentierte Zahlen, die sie möglicherweise gerade eben erfunden hatte (so würden 27 Prozent der Türken in Deutschland ihre Ausbildung mit dem Abitur abschließen und vietnamesische Zuwanderer belegten den dritten Platz in der Gewaltkriminalitätsstatistik?!) und fiel anderen Diskutanten unentwegt hemmungslos ins Wort. Der grüne Türke konnte keinerlei Probleme mit muslimischen Immigranten orten und der „Zeit“-Redakteur gab das übliche PC-Gewäsch von sich, was man von „Zeit“-Redakteuren eben erwartet. Den Gast aus der Schweiz ließ man kaum zu Wort kommen, und der an diesem Abend nicht in Hochform befindliche Broder tat sich schwer, angemessen auf die pausenlosen Unterbrechungen seitens der ebenso hysterischen wie aggressiven Muslima zu reagieren.

Im Öffentlichrechtlichen wird bekanntlich nichts dem Zufall überlassen. Um auf Nummer sicher zu gehen – und das gewünschte Resultat dieser modernen Form des Scherbengerichts zu garantieren – stürmte Frau Illner zum Beispiel an einem ihr geeignet erscheinenden Moment ins Publikum, um dort einen türkischstämmigen Expolizisten ausführlich zu befragen, der einst Dienst in Berlin-Neukölln schob. Erwartungsgemäß zeigte sich der wackere Mann maßlos betroffen von den Auslassungen Sarrazins, die er aus seiner Erfahrung natürlich in keiner Weise bestätigen konnte. Alles verhalte sich bestens im Türkenghetto.

Selbst beim anwesenden Publikum schien es sich um eine handverlesene Auswahl zuverlässiger Claqueure gehandelt zu haben. Wortmeldungen des Grünen und der „Wissenschaftlerin“ wurden routinemäßig mit spontanem Applaus bedacht, während Aussagen des in den letzten Jahren zunehmend wider den Stachel der verordneten Meinung löckenden Broder mit feindseligem Kopfschütteln – einmal sogar mit lautstarken Buhrufen – bedacht wurden.

Das Reichspropagandaministerium hätte seine helle Freude über diese einmalige Art der Organisation eines Disputs gehabt. Dass sich die veröffentlichte Wahrnehmung auch heute noch derart meilenweit von der öffentlichen abkoppeln kann, ist erstaunlich.

Fazit: alles lief doppelplusgut in Doitschland – bis der pöhse Sarrazin das einmalige Idyll brutal zerstörte. Er – und all jene Narren, die seinen Thesen Glauben schenken – sind schuld, wenn sich hier und jetzt ein Graben zwischen dem autochthonen und dem bestens integrierten Teil der Bürger mit „Migrationshintergrund“ auftut.

Dass jene ZeitgenossInnen, die (nicht nur in dieser unsäglichen Fernsehdebatte) das neusprechkonforme Hohelied des Ausländerzuzugs und der totalen Problemfreiheit damit singen, zu nahezu 100 Prozent mittelbar oder unmittelbar dem bis ins Mark korrupten Big Brother Einkommen, Status und Prestige verdanken, ist – wie so vieles – vermutlich reiner Zufall.

03. September 2010

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