01. September 2010

Politmediale Selbstgerechtigkeit Soll den Sarrazin doch der Terror holen

Ein Schauspiel in fast sechs Akten

Akt Eins: Ein Mann schreibt ein Buch. Akt Zwei: Das Buch liegt bereits vor Verkaufsstart auf Platz Eins aller Hitlisten und wird der Mega-Bestseller der Saison. Akt Drei: Der Autor ist begehrt, in Buchhandlungen aus seinem Erfolgswerk zu lesen, die geplanten Veranstaltungen sind lange vorher ausverkauft. Akt Vier: Die Widergänger der SA drohen Buchhandlungen und Zuschauern mit Gewalt. Veranstaltungen werden abgesagt. Akt Fünf: Ein Aufschrei des Protests erklingt, Medien und Politik sind außer sich. Akt Sechs: In einem „Aufstand der Anständigen“ werden die Buchhändler bedrängt, dem Straßenterror „jetzt erst recht“ nicht zu weichen. Die Veranstaltungen müssen stattfinden! Die führenden Repräsentanten aus Medien und Politik setzen sich bei Vorlesungen aus Solidarität gegen den Terror demonstrativ in die erste Reihe, obwohl sie nicht immer mit dem Autor und seinen Thesen übereinstimmen. Vorhang.

Fast alles an dem Stück ist wahr. Zwei Kleinigkeiten nicht: Akt Fünf steht auf dem falschen Platz, es handelt sich tatsächlich um Akt Zwei. Alle anderen Akte wandern dafür einen Platz nach hinten. Und Akt Sechs entfällt.

Die Moral von derer G’schicht? Der SPD-Vorsitzende hat sie heute noch einmal klar ausgedrückt: Der Autor muss sich für seine unerwünschten Gedanken öffentlich entschuldigen. Medien und Politik dagegen haben nichts, aber auch gar nichts falsch gemacht.


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