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Finanzkrise und IWF: Neuer Anlauf für eine Weltwährung

von Llewellyn H. Rockwell Jr.

Die Eliten werden diesen Plan nie aufgeben

21. August 2010

Sie haben sicher nicht geglaubt, dass die regierenden Eliten diese Wirtschaftskrise verstreichen lassen, ohne einen weiteren, lächerlichen Plan für mehr Kontrolle voranzutreiben. Nun, hier sehen wir eine kleine Wolke am Horizont: Die Wiederbelebung einer 60 Jahre alten Idee einer globalen Papierwährung, mit der unsere Probleme gelöst werden sollen.

Dies geht auf eine Studie des IWF von Reza Moghadam von der Abteilung Strategie, Politik und Revision, „in Zusammenarbeit mit den Abteilungen Finanzen, Recht, Währungs- und Kapitalmärkte und Statistik sowie in Absprache mit den entsprechenden Gebiets-Abteilungen“. Mit anderen Worten: Dieses Papier sollte nicht ignoriert werden.

Es handelt sich um einen langfristigen Plan, der jedoch den eindeutigen Stempel von Keynes trägt: „Eine globale Währung, Bancor, herausgegeben durch eine globale Zentralbank, würde als stabiler Wertspeicher geschaffen, der nicht exklusiv von den Bedingungen eines einzelnen Wirtschaftsraums abhängig wäre... . Die Welt-Zentralbank würde als Kreditgeber in letzter Instanz (lender of last resort) dienen, der im Falle von starken Einbrüchen die systembedingte Liquidität zur Verfügung stellen könnte, und zwar automatischer als zum gegenwärtigen Zeitpunkt.“

Der Name Bancor stammt von Keynes selber. Er hat diese Idee nach dem 2. Weltkrieg vorgeschlagen, diese wurde jedoch verworfen, hauptsächlich aus nationalistischen Gründen. Statt dessen bekamen wir ein monetäres System, das auf den Dollar basierte, der wiederum an Gold gebunden war. Mit anderen Worten: Wir bekamen einen unechten Goldstandard, der zum Zusammenbruch bestimmt war, sobald die Ungleichheiten der Goldreserven untragbar wurden, wie es in den späten 1960iger Jahren geschah. Dieser wurde dann durch unser globales Papiergeldsystem mit flexiblen Wechselkursen ersetzt.

Aber die Eliten geben niemals nach und niemals auf. Der Vorschlag für eine Weltwährung und eine Weltzentralbank macht wieder die Runde. Was ist das zu lösende Problem? Was läuft so hoffnungslos falsch in der Welt, dass der IWF die Idee einer Weltwährung aufgreift? Das Problem, mit einem Wort, lautet Horten. Der IWF ist sehr verdrossen darüber, dass „sich in den vergangenen Jahren die internationale Reserveakkumulation rapide beschleunigt hat und im Jahr 2009 13 Prozent des weltweiten BIP erreicht hat, was einem Anstieg um das Dreifache in zehn Jahren entspricht.“

Sehen Sie, so soll Geldpolitik eigentlich nicht funktionieren. In ihrer idealen Welt gibt die Zentralbank Reserven aus, die dann verliehen werden und zu einem Boom an Konsum und Investitionen führen und somit zu weltweiter immerwährender Glückseligkeit (abgesehen von der dadurch verursachten Hyperinflation). Leider gibt es ein Problem. Das aktuelle System ist national eingebunden und somit haben die wirtschaftlichen Konditionen eines Landes auch eine Auswirkung auf die Kreditmärkte. Ohne Gläubiger und Schuldner bleibt das Geld im System hängen.

Dies ist eine kurze Geschichte der vergangenen zwei Jahre. Wenn alles im Sinne der Fed gelaufen wäre, würden wir im Geld schwimmen. Statt dessen stecken die Reserven im Bankensystem fest. Es ist als wäre die komplette Bevölkerung der Vereinigten Staaten plötzlich vom moralischen Ratschlag überzeugt: Sei weder Gläubiger noch Schuldner.

Und warum? Dafür gibt es zwei Gründe. Die Gläubiger sind derzeit ein wenig nervös, wenn sie die längere Frist ins Auge fassen. Sie untersuchen tagtäglich Bilanzen, ausgestattet mit einem merkwürdigen Realitätssinn, der während der Boom-Zeiten abhanden gekommen war. Die Banker haben mittlerweile eine Aversion gegen Risiken und sind glücklicher, wenn sie die Reserven im Tresor lassen können, statt diese dem Wind des Schicksals zu überlassen. Sie haben die Bankenprüfer im Genick sitzen und es lohnt sich nicht, Kredite mit Zinssätzen zu vergeben, die künstlich auf Null gehalten werden.

Unter diesen Umständen scheint das Horten eine ziemlich gute Idee zu sein. Mehr noch, wir sollten über diese Ausgabenkürzungen sehr dankbar sein. Der Wunsch, gleich wieder in eine neue Blase zu tauchen, erscheint ziemlich kurzsichtig.

Mit dieser Vorgehensweise hat der IWF allerdings ein Problem, obwohl er dies nicht näher ausführt. Das Problem besteht darin, dass diese Praxis, hohe Reserven zu halten, Konsum- und Investitionstätigkeiten dämpft, was die Rezession verlängert. Die schlichte Lösung der hochintelligenten Eierköpfe beim IWF liegt darin, ein System zu finden, irgendein System, welches das Geld aus den Tresoren zurück in die Hände der konsumierenden Öffentlichkeit zurück bringt.

Die Begründung für die Weltwährung und die Weltzentralbank besteht darin, dass in einem globalisierten System die Geldreserven immer irgendeinen Markt finden würden und deshalb nicht so sehr an die Anforderungen eines nationalen Banken- und monetären Systems gebunden wären.

Ein akademisches Dokument kann über mehrere hundert Seiten eloquent über die Vorteile eines Weltsystems fabulieren. Dieses würde zu mehr Stabilität, Effizienz und weniger Politisierung von Geld und Kredit führen. Und das Argument ist in der Tat nicht falsch: Ein echter Goldstandard tendiert immer zu einem globalen Währungssystem. Verschiedene Landeswährungen sind nur verschiedene Namen für ein und dasselbe Gut.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Unter einem Goldstandard setzt das physische Metall die Grenzen und der Markt ist der Herrscher. In einem weltweiten Papiersystem verfügt das Papier über keinerlei Grenzen und die Politiker sind die Herrscher. Also ergibt es keinen Sinn, unter derzeitigen Bedingungen über die Herrlichkeit Globalisierung zu reden. Eine Welt-Papierwährung und eine Weltzentralbank würden den „Moral Hazard“ ausweiten und zu einem globalen, nie dagewesenen Inflationsregime führen. An diesem Punkt gäbe es aus der politischen Kontrolle kein Entkommen mehr.

Jeder Vorschlag, der eine radikale Lösung wie diese beinhaltet, kommt mit einer Warnung über ebenso drastische Konsequenzen daher, sollte man den Vorschlag nicht umsetzen. In diesem Fall wirft der IWF Fragen über eine allgemeine Überlebensfähigkeit des Dollar auf. „Es hat seit längerem eine Debatte gegeben, in der über den Zerfall des Dollar spekuliert wurde,“ besagt das Dokument. Sollte die Befürchtung eines Run auf den Dollar Wirklichkeit werden, könnten die Zentralbanken dies ausnutzen, um den Dollar dauerhaft loszuwerden.

Der Bericht stellt allerdings fest, dass sich viele Menschen fragen, ob es „gute Alternativen zum Dollar gibt“. Und aus diesem Grund könnte es eine gute Idee sein, eine derartige Alternative lieber früher als später zusammenzuschustern.

Möglicherweise ist mehr Wahrheit in dieser Erklärung, als die meisten Leute zugeben wollen. Aber die richtige Alternative ist nicht noch ein weiteres globales Experiment mit Papiergeldinflation. Gott bewahre. Wenn wir eine Alternative zum Dollar wollen, gibt es eine, die umgehend entstehen könnte, wenn wir sie denn nur zuließen. Private Devisenhändler in aller Welt könnten selbständig eine neue Währung entstehen lassen, die auf Gold beruht und mit Hilfe digitaler Medien gehandelt wird. Mehrmals in den letzten 20 Jahren war ein solches System kurz vor der Entstehung. Aber raten Sie mal, was passierte? Die Regierung schritt ein und verhinderte es. Die regierenden Eliten haben entschieden, dass es keine Währungsreform geben wird, solange sie nicht aus den Marmorpalästen der Währungseliten kommt.

Information:

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 5. August 2010 auf der Webseite lewrockwell.com veröffentlicht. Übersetzung aus dem Englischen von Robert Grözinger.

Internet:

IWF-Papier „Reserve Accumulation and International Monetary Stability” von Reza Moghadam (PDF)

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