17. Juli 2010

Aktuelle Nachricht – Chinesische Rating-Agentur Deutschland nur noch AA+

Neue Bewertungsfirma sieht Kreditwürdigkeit westlicher Staaten sinken

(ef-RG) Wie der „China Observer“ bereits vor einigen Tagen meldete, hat „Dagong Global Credit Rating“, eine neue chinesische Rating-Agentur, am vergangenen Sonntag erstmals Bewertungen veröffentlicht. Diese weichen zum Teil deutlich von denen der etablierten Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch ab. Im Bonitätsbericht von Dagong wurden 50 Länder bewertet, „deren Bruttoinlandsprodukt mehr als 90 Prozent der heutigen Wirtschaftsleistung der Welt ausmachen“, heißt es in der Meldung. 27 Nationen wurden demnach anders bewertet als bei den westlichen Konkurrenzagenturen. Dagegen sei die Bewertung einiger Schwellenländer deutlich besser ausgefallen.

Dagong habe den USA nur ein AA mit negativer Tendenz gegeben, schreibt „China Observer“ weiter, deutlich tiefer also als die westliche AAA-Bewertung. Dagong warne, dass Washington, wie auch die britische und die französische Regierung, Probleme bekommen könnten, ausreichend Gelder zu beschaffen, wenn es ihnen nicht gelingt den Staatshaushalt unter Kontrolle zu bringen. „Die Zinsen für Schuldfinanzierungen könnten rasch ansteigen und das Ausfallrisiko dieser Länder könnte noch mehr wachsen“, zitiert „China Observer“ aus dem Bericht. Im Gegensatz dazu bewerte Dagong Chinas in Yuan gerechneten Anleihen mit AA+ und attestierte dem Reich der Mitte eine stabile Zukunft.

Weiter schreibt „China Observer“: „Global gesehen erhielten die in den jeweiligen Landeswährungen ausgegebenen Staatsanleihen von Norwegen, Dänemark, Luxemburg, der Schweiz, Singapur, Australien und Neuseeland ein AAA-Rating. Kanada, die Niederlande und Deutschland erhielten ein AA-Plus. Japan wurde von Dagong mit AA-Minus bewertet. Dagong erklärte, das ‚Monopol‘ von Moody’s, S&P’s und Fitch brechen zu wollen, deren Bewertungen für mit US-Hypotheken verbundene Investitionen zur globalen Finanzkrise geführt hatten. Wu Hong, der eine Arbeitsgruppe zur Studie von Bonitäten und zur nationalen Sicherheit in China leitete, meinte, dass es ein neuer Trend geworden sei, dass andere Länder ihre eigenen Ratingagenturen eröffneten. Sie wenden sich damit gegen das derzeitig vorherrschende unfaire Bonitätssystem, das von westlichen Konglomeraten kontrolliert wird.“

Im Londoner „Daily Telegraph“ kommentierte Abrose Evans-Pritchard die Nachricht mit den Worten: „Dagong scheint das Wachstumspotential auf der Basis von Leistungen in der Vergangenheit zu berechnen – aber das kann irreführend sein, besonders im Fall von Staaten, die sich mitten in einer technologischen Aufholjagd befinden. In den 1970er und 1980er Jahren war Japan ein Überflieger, bevor es zum Stillstand kam und die Nikkei-Blase platzte. Es ist seither in einer fast permanenten Wirtschaftsflaute gefangen. In der Mitte dieses Jahrzehnts wird China möglicherweise anfangen, von einigen der demographischen Probleme Japans betroffen zu sein, wenn der Anteil der arbeitenden Bevölkerung den Höchstpunkt erreicht hat. Die westlichen Ratingagenturen legen starkes Gewicht auf langfristig etablierte Herrschaft des Rechts und auf staatliche Institutionen, die sich über viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte als stabil erwiesen haben. Chinas politisches System mag stark erscheinen – wie auch das der Sowjetunion erschien – aber nur im Lauf der Zeit wird sich herausstellen, ob die Fundamente brüchig sind. Die gewaltsamen Turbulenzen der Kulturrevolution sind noch frisch in Erinnerung.“

Dominique Strauss-Kahn schien der Bewertung dennoch Glauben zu schenken. Dem „Daily Telegraph“ zufolge sagte der Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds angesichts der Meldung am vergangenen Montag, dass der Osten eine „Kraft der globalen Transformation“ und dass „die Zeit Asiens gekommen“ sei. 

Quellen:

Firma in China veröffentlicht erstes chinesisches Rating („China Observer“)

Chinese rating agency strips Western nations of AAA status („Daily Telegraph“)


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