01. Juli 2010

Waffenurteil in den USA Auf Knopfdruck Vorurteile

US-Richter bestätigen Grundrecht auf Mittel zum Selbstschutz und der Deutsche Medien-Lamestream riecht Blut

„Da eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“ So lautet der zweite Zusatzartikel zur US-Verfassung. Um diesen Zusatzartikel ging es in einem Urteil, welches das US-Verfassungsgericht fasste. Mit knapper Mehrheit, nämlich mit fünf gegen vier Stimmen, bestätigten die Richter das Recht des friedlichen Bürgers, sich zu bewaffnen. Im zivilisierten Europa steht die veröffentlichte Meinung schon lange fassungslos vor dem Bild bewaffneter Zivilisten in den USA. Ist nicht die Gewaltkriminalität in den USA ungewöhnlich hoch? Sind bewaffnete Gangs in amerikanischen Innenstädten wie z.B. New York City, Chicago, Los Angeles und Washington D.C. nicht zum unbeherrschbaren Problem geworden? Der deutsche Mainstream ist jetzt wieder in Aufruhr: „Grundrecht auf Wildwest-Verteidigung“ titelt der "Spiegel" (Pitzke 2010), „Lebensgefährlicher Richterspruch“ die "Süddeutsche Zeitung" (Wetzel 2010). Den USA drohe ein „Kulturkrieg", während die Waffenlobby frohlocke, so der "Spiegel". Die "Süddeutsche" beginnt ihren Kommentar mit einer Aufzählung von Opfern Krimineller, die sich ihre Waffen illegal verschafft hatten.

Der Mainstream übersieht jedoch das besondere an diesem Urteil. Es ist eben nicht dessen Ergebnis, dass es den zweiten Zusatzartikel auch für die Staaten und Counties für bindend erklärte. Das besondere an dem Urteil ist, dass es überhaupt gefällt wurde. Der besagte zweite Zusatzartikel steht zwar noch in den Gesetzesbüchern, er wird allerdings ignoriert. Würde er respektiert, müssten über 20.000 lokale und nationale Waffengesetze auf den Müll geworfen werden, und die riesige sie durchsetzende Behörde BATFE ebenfalls. Man muss sich die Prioritäten und das Weltbild der Politik nicht lange vergegenwärtigen, um zu dem Schluss zu gelangen, wie diese zu bewaffneten Bürgern stehen.

Die US-Verfassungsrichter wurden ebenso wie die deutschen Bundesverfassungsrichter zu Instrumenten der Politik. Bereits Präsident Wilson bemerkte einst zufrieden, „der Krieg zwischen den Staaten (der Sezessionskrieg, Anm. des Autors) (…) schrieb diesen Grundsatz fest, dass die Bundesregierung durch ihre Gerichte die letzte Richterin ihrer eigenen Macht ist.“ Die US-Verfassungsrichter fällten kaum je eine Entscheidung entgegen der Vorstellungen der Politik, seit Präsident Franklin D. Roosevelt den US-Verfassungsrichtern drohte, bei unwillkommenen Urteilen einfach neue, zusätzliche Richter zu ernennen, die in seinem Sinne entschieden.

Empirie: Würden Gewaltverbrechen nicht sprunghaft steigen, gerade in bereits jetzt von Verbrechen gebeutelten Vorstädten?

Nun hat also das US-Verfassungsgericht gegen die Politik entschieden, und das ausgerechnet zum Thema Waffenrecht. Und wie immer, wenn die Rede auf eine Liberalisierung der Waffengesetze kommt, wuchert die Phantasie der Bedenkenträger. Wer sich als Verteidiger des Rechts jeden friedlichen Menschen auf Bewaffnung zu erkennen gibt, der muss auf wilde Spekulationen gefasst sein. Mehr noch, er wird auf einen grundsätzlichen Unwillen stoßen, sich diese Vorurteile durch Tatsachen nehmen zu lassen: Wollen wir etwa Verhältnisse wie im Wilden Westen? Was ist mit Kindern, die in einer Gesellschaft bewaffneter Erwachsener aufwüchsen? Was ist mit den vielen Amokläufen in den USA? Wollen wir wirklich, dass Kriminelle sich Waffen so leicht verschaffen können? Was soll so etwas nützen; wären bewaffnete Opfer in einer Konfrontation nicht rettungslos überfordert? Unsere Vorstädte, in denen jetzt schon die Kriminalität kaum beherrschbar geworden ist: Würden die nicht erst recht zu Sperrgebieten werden? Würden Gewaltverbrechen nicht sprunghaft steigen? Wo mehr Waffen sind, steigt doch auch das Missbrauchspotential!

Dies alles sind Fragen, die schon empirisch beantwortet wurden. Nehmen wir die Angst, die Gewaltkriminalität würde sprunghaft steigen: Dies wurde beispielsweise durch Lott und Mustard im Jahre 1997 untersucht. Diese betrachteten sämtliche Counties und Städte der USA hinsichtlich der Auswirkungen von Liberalisierungen der Waffengesetze. In jedem Fall ging die Gewaltkriminalität statistisch signifikant zurück, oft sogar entgegen des vorangehenden Trends. Lott und Mustard fanden dabei, dass gerade in städischen Gebieten, wo die Rate der Gewaltkriminalität am höchsten ist — und ironischereise der Ruf nach Entwaffnung der potentiellen Opfer am lautesten — Gewaltverbrechen nach Liberalisierung der Waffengesetze am deutlichsten zurückgingen: Bei Counties mit mehr als 200.000 Einwohnern fiel beispielsweise die Mordrate um 13 Prozent, die Rate der Vergewaltigungen um 7 Prozent (Lott 1998a). Wie es scheint, wirkt es abschreckend auf Verbrecher, mit wehrhaften vermeintlichen Opfern rechnen müssen. Gleichzeitig scheinen gesetzestreue Opfer durch bloßen Waffenbesitz nicht zu Verbrechern zu werden.

In einer Konfrontation wären bewaffnete Opfer doch rettungslos überfordert!

Dass insgesamt der Nutzen privaten Waffenbesitzes den Schaden bei weitem überwiegt, ist ebenfalls empirisch gesichert, etwa durch die Arbeit Gary Klecks aus dem Jahre 1991. Und zwar nicht nur indem die Waffe bei einer Konfrontation abgefeuert (jährlich ca. 1.500 Fälle) oder entblößt wird (zwischen 1.500.000 und 2.500.000 Fälle). Sogar die bloße Möglichkeit, auf ein bewaffnetes Opfer zu treffen, schreckt Gewalttäter ab. Für diese Arbeit erhielt Kleck übrigens 1993 den „Hindelang Award", die höchste Auszeichnung der American Society for Criminology für den wichtigsten Beitrag zur Kriminologie der vorangehenden drei Jahre. Fälle von Missbrauch durch legale Waffenbesitzer sind so selten, dass sie weder in den USA heute (Kleck und Gertz 1995), in der Schweiz vor 1999 noch in Deutschland vor 1972 eine nenneswerte statistische Bedeutung gehabt hätten.

Aber was ist mit den Toten und Verletzten, wenn der sich wehrende Bürger irrt? In etwa zwei Prozent der vorgenannten 1.500 Fälle wurde die Waffe in einer irrtümlich angenommenen Notwehrlage abgefeuert. Hinter jedem dieser etwa 30 Fälle steht eine persönliche Katastrophe, sowohl für das Opfer wie für den Täter. Doch zum Vergleich: Polizisten feuern in den USA ihre Waffen etwa 600mal im Jahr in Notwehr oder Nothilfe ab, aber in 10 Prozent der Fälle irrtümlich. Es ist also unwahrscheinlicher, durch einen bewaffneten Zivilisten ungerechtfertigt an- oder erschossen zu werden. In Florida ist es beispielsweise wahrscheinlicher, durch ein Krokodil gebissen zu werden. Die Kosten-Nutzen-Rechnung — so man sich auf so etwas einlässt — ist eindeutig.

Wollen wir wirklich, dass Kriminelle sich Waffen so leicht verschaffen können?

Oft behaupten Bedenkenträger, dass Kriminelle sich erst durch Liberalisierungen mit verbotenen Dingen wie Waffen versorgen könnten. Doch tatsächlich sind illegale Waffen ebenso unschwer zu erhalten wie Drogen, wenn die Hehler erst einmal Vertrauen gefasst haben. Zweitens kann man als Krimineller auch in den USA nicht einfach in einem Waffenladen einkaufen gehen. Kriminelle versorgen sich in keinem Land — ob nun mit liberalen oder restriktiven Waffengesetzen — auf dem legalen Markt.

So stellte das FBI fest, dass Kriminelle, die Polizeibeamte mit Waffen angriffen, sich diese Waffen durchweg illegal beschafft hatten (Pinizzotto et al 2006). Der Bericht schließt trocken: „(Keiner dieser Verbrecher wurde) durch irgendein Gesetz zurückgehalten — Bundes-, Staats- oder lokales — welches jemals in Kraft gesetzt wurde um Waffenbesitz zu verhindern.“ Weniger trocken formulierte es ein Krimileller, der für die Studie befragt wurde: „Alle diese Politiker schreien nach neuen Waffengesetzen, neuen Waffengesetzen. F… die Waffengesetze. Ich gab nie einen Sch… auf die Waffengesetze in den Büchern. Und die 8.000 neuen Waffengesetze hätten absolut überhaupt keinen Unterschied darauf gemacht, dass ich mir eine Waffe beschafft hätte. Warum? Weil ich niemals in ein Waffengeschäft oder eine Waffenmesse oder ein Pfandhaus oder sonstwo, wo Schusswaffen legal gekauft und verkauft werden ging und eine Waffe mitgenommen hätte, nie!"

In Großbritannien sind die Gesetze gegen privaten Waffenbesitz sogar noch restriktiver als bei uns; seit 1997 müssen die Schiesssportler der britischen Olympiamannschaft zum Training ins Ausland reisen. Vorbestrafte Kriminelle können sich erst recht nicht eine Waffe aus einem legalen Markt verschaffen. Warum, wenn tatsächlich der legale Waffenmarkt den illegalen Schwarzmarkt füttere, konnte dann der illegale Schusswaffenbesitz in Großbritannien überhaupt steigen? „Eine andauernde parlamentarische Untersuchung über die steigende Zahl von Schwarzmarkt-Waffen kam zu dem Schluß, dass mehr als drei Millionen illegale Schusswaffen in Umlauf sind — doppelt soviele wie noch vor zehn Jahren,“ so der Observer bereits vor zehn Jahren, „und dass Kriminelle mehr willens sind als zuvor, sie einzusetzen.“ (Thompson 2000)

Was ist mit den vielen Amokläufen in den USA?

Amokläufe in den USA machen auch bei uns große Schlagzeilen. Beispielsweise das Schulmassaker von Columbine im Jahre 1999, das der amerikanische Regisseur Michael Moore in seinem Film „Bowling for Columbine“ ikonisierte.

Amokläufe finden in den USA überall dort statt, wo die Täter nicht mit effektiver Gegenwehr durch bewaffnete Bürger rechnen müssen. Waffenverbote verhinderten nirgends diese Bluttaten, sondern die Notwehr der Opfer (Zimrig 1968, 1981). Der Kriminologe William Landes stellte fest, dass die Zahl der Opfer öffentlicher Amokläufe dort am größten ist, wo die Politik dem friedlichen Bürger das Tragen von Waffen verbietet. Mit Einführung liberaler Gesetze, die jedem Bürger ermöglichen, eine Waffe zu tragen, sank diese um durchschnittlich 69% (Lott und Landes 1997). Dagegen häuften sich in den USA die Schulmassaker, nachdem die Politik 1995 dem Land den Gun Free School Zones Amendement Act bescherte. Dies ist ein typisches Beispiel für ein Gesetz, das gut gemeint war, aber ohne Verstand beschlossen wurde: Es garantiert Amokläufern, innerhalb eines Umkreises von einer halben Meile um Schulen keinen Widerstand durch bewaffnete gesetzestreue Bürger befürchten zu müssen.

Der unmittelbare Vergleich zwischen einer Gesellschaft, die zwangsweise friedliche Erwachsene entwaffnet und einer, in der Erwachsene als solche Waffen tragen können, zeigen zwei Vorfälle aus den USA und Israel: Im Juli 1984 richtete ein Amokläufer in einem Imbissrestaurant in San Ysidro, Kalifornien, ein Blutbad an, in dem 21 Menschen starben. Der Täter wartete danach am Tatort auf das Eintreffen der Polizei und starb im anschließenden Feuergefecht. In Kalifornien ist der private Waffenbesitz praktisch verboten, die Opfer waren dem Täter, wie dieser wusste, völlig wehrlos ausgeliefert. Warum verlief dieses Massaker ganz anders als ein anderer Zwischenfall aus dem gleichen Jahr (zitiert aus Lott 1998):

„Mit Bezug auf das Massaker in einem McDonalds Restaurant in San Ysidro, Kalifornien im Juli 1984 beschrieb der israelische Kriminologe Abraham Tennenbaum, was sich an einem geschäftigen Platz in Jerusalem einige Wochen vor dem Kalifornischen McDonalds-Massaker zugetragen hatte: 'Drei Terroristen, die versuchten, in die Menge mit Maschinengewehren zu feuern, konnten nur ein Opfer töten bevor sie von Israelis niedergeschossen wurden, die Waffen tragen dürfen. Als er der Presse am nächsten Tag vorgestellt wurde, beklagte sich der überlebende Terrorist, dass seine Gruppe sich nicht dessen bewusst war, dass israelische Bürger bewaffnet sind. Die Terroristen hatten geplant, eine Folge von stark besuchten Plätzen mit Maschinengewehren zu beschießen, da sie dachten, sie könnten entkommen, bevor Polizei oder Armee eintreffen können, um sie sich vorzunehmen.'“

In Israel hat man Erfahrung damit, was wirklich gegen Amokläufer hilft: In den 1970ern war das Land Schauplatz besonders unmenschlicher Angriffe palästinensischer Terroristen auf israelische Schulkinder. Das letzte dieser Massaker war das Ma'alot Massaker. Der Leser wird niemals erraten, was Lehrer und Eltern seit diesem Massaker tragen durften — worauf der Spuk von einem Mal auf das andere aufhörte. Amokläufer suchen sich einfache Ziele aus. Die Erwartung, ein lebensmüder Gewalttäter würde sich stattdessen an Gesetze halten, ist noch nicht einmal naiv.

Was ist mit Kindern, die in einer Gesellschaft bewaffneter Erwachsener aufwüchsen?

Wenn man die Bedenkenträger so richtig mit Tatsachen ärgern möchte, dann mit folgender: Bei Minderjährigen kann man sogar feststellen, dass rechtzeitige Schulung im Umgang mit Waffen — etwa im Rahmen des Schießsports und am besten durch die eigenen Eltern — die Wahrscheinlichkeit späterer Kriminalität signifikant reduziert (o.V. 1995). Und der angeblich so „Wilde Westen“? Der war durch erstaunlich geringe Gewaltkriminalität gekennzeichnet (siehe z.B. Dykstra 1968 und Hollon 1976) — wenn man von den Verbrechen der Vertreter des Staates absieht, beispielsweise Shermans „March to the Sea“ oder später in den Indianerkriegen.

Es gibt keinerlei empirische Belege für die Vermutung, durch Waffenverbote ließe sich Gewaltkriminalität eindämmen. Die Wirklichkeit bestätigt das Gegenteil: Legaler Waffenbesitz verhindert Gewaltverbrechen. Wenn sich jemand zu unsicher fühlt und keine Waffe zu führen wünscht, dann ist dies sein gutes Recht. Anderen den gleichen Verzicht aufzuzwingen ist es nicht. Es ist unverantwortlich: Die Gefahr, die von Gewohnheitsverbrechern ausgeht, ist alltäglich. Die Gefahr, die von einem gesetzestreuen, sachkundigen Waffenbesitzer ausgeht, ist praktisch nicht existent. Jeder, der Verbote gegen ihn betreibt, opfert andere Menschen seiner Irrationalität.

Naturrecht auf Selbstschutz und die Mittel dazu

Der gesellschaftliche Nutzen liberaler Waffengesetze ist empirisch belegt. Doch solche Überlegungen gehen an der Sache vorbei: Unsere Rechte erwachsen nicht aus Nützlichkeitserwägungen der Politik. Vielmehr besitzt jeder einzelne von uns von Natur aus die gleichen Rechte auf Freiheit, Leben und Eigentum. Dagegen ist ein „Recht“, für dessen Gewährung man eine Notwendigkeit nachweisen muss, kein Recht mehr. Es ist eine ebenso rasch gewährte wie entzogene Gnade. Gerade Journalisten auch des Mainstream sollten wissen: Ein Recht können wir unseren Mitmenschen nicht allein verweigern, weil wir es selber nicht für notwendig halten. Auch unser Unbehagen ist kein ausreichender Grund.

Dieses Bewusstsein um die natürlichen Rechte stammt aus der Aufklärung, siehe besipielsweise John Lockes „Of Civil Government“. Sie steht bis zu diesem Tag im Konflikt mit der Vision des Absolutismus, welcher den Zweck des Individuums allein im Erhalt der Gesellschaft sieht. Zu den wichtigsten unserer Naturrechte zählt das Recht auf Selbsterhaltung (etwa bei Montesquieu 1748), und die Aufklärer erkannten ganz selbstverständlich, dass aus diesem Recht auch das Recht auf die Mittel zu dessen Durchsetzung folgt. Das moderne europäische Strafrecht beruht auf dieser Naturrechts-Idee. Sein Begründer, Cesare Beccaria, bekräftigte ausdrücklich das Recht des einzelnen, sich Waffen zu seinem Schutz zu verschaffen (Beccaria 1764).

Folgende Erkenntnis kann somit geradezu als Lackmustest dienen, um den aufgeklärten Menschen vom Untertanen zu unterscheiden: Wo der Besitz von Waffen gesetzestreuen Bürgern verboten wird, werden nur noch Kriminelle bewaffnet sein. Oder wie bereits Thomas Paine wusste: „Der gute Mensch (hat) sowohl das Recht als auch das Bedürfnis auf Waffen (...). Kein Gesetz kann den Eindringling und Plünderer davon abhalten, sich Waffen zu verschaffen. (Deswegen könne es) nur unglücklich enden, wo der (rechtschaffene Bürger) derer beraubt werde: Der Schwache würde zur Beute des Starken.“ Wer seinen Nachbarn unter Gewaltandrohung zwingt, auf diese Mittel zu verzichten, hat keinen Anspruch auf moralische Anerkennung. Auch wer diesen Zwang an den Staat delegiert, ist keinen Deut besser.

Das sind alles andere als abstrakte Ideen. Es gibt zahllose gesetzestreue Menschen, denen ihre Waffe das Leben rettete. Etwa in den folgenden Beispielen:

„Als Taxifahrer Thomas Ristics aus Scranton, Pennsylvania zu einer zweiten Fahrt geschickt wurde, hielt ihm der Mann der sich bereits an Bord befand eine Pistole an den Kopf und sagte 'Du hältst nirgendwo.' Um sein Leben fürchtend zog Ristics den .357 Mag. Revolver, zu dessen Führen er lizenziert ist, und feuerte dreimal, wobei er den Mann verletzte. Ristics riskierte anschließend, in einer Einbahnstraße gegen die Richtung zu fahren, um in einem nahe gelegenen Krankenhaus Hilfe für seinen Angreifer zu finden.“ (The Tribune, Scranton, PA, 11. Februar 1998)

„Der Angriff am Mittwoch ereignete sich ungefähr um sieben Uhr abends, als ein Mann die Waschküche eines Wohnhauses in Block 100 der Gable Avenue betrat, eine Frau die sich dort aufhielt, schlug und sie zwang, sich teilweise zu entkleiden bevor er von einem anderen, mit einer Schusswaffe bewaffneten Mann gestellt wurde.“ (Vallejo Times Herald, Kalifornien, 29.12.2006)

Auch bei uns sind Gewaltverbrechen leider alltäglich. Doch welchen unausweichlichen Ausgang nehmen Angriffe wie oben bei uns? Mit welchem Recht zwingen wir den Taxifahrer im ersten Fall oder den fremde Helfer im zweiten Fall, entweder zu Opfern oder zu Rechtsbrechern zu werden?

Das Misstrauen moderner Untertanen gegenüber solchermaßen bewaffneten Bürgern findet man wortgleich in den Schriften der Absolutisten wieder. So erklärte Bodin, ein Anhänger des Elitismus Platos und einer der ideologischen Verteidiger des Absolutismus: „Die Ursache einer endlosen Zahl von Verbrechen (ist) jener, welcher ein Schwert, einen Dolch oder eine Pistole trägt“ (Bodin 1576). Die Bürger sollten daher im Interesse des Allgemeinwohls auf Waffen verzichten. Das ist heute wie damals völlig unlogisch: Mit Gesetzen soll das Wohlverhalten von Menschen erzwungen werden, denen man unterstellt, diese hielten sich ohne Zwang nicht an Gesetze.

Zu viele sehen in ihrem friedlichen, gesetzestreuen Nachbarn, der sich zu seinem Schutz bewaffnen möchte, nur den künftigen Verbrecher. Dieses Zerrbild, nach dem wir einander misstrauen ist der Erfolg der Gegenaufklärer. Glücklicherweise lässt es sich umkehren: Durch Tatsachen statt Vorurteile und Denken statt Furcht. Die Furcht vor der Waffe in der Hand eines freien Mannes ist nicht nur das Kennzeichen der Tyrannei; es ist das Kennzeichen der selbstgewählten Knechtschaft.

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Literatur

Cesare Beccaria (1764): Dei Delitti i delle Pene. 1764. ("Gesetze, welche das Tragen von Waffen verbieten (...) entwaffnen nur jene, welche weder geneigt noch entschlossen sind, Verbrechen zu begehen. (...) Solche Gesetze verschlimmern die Dinge für die Überfallenen und machen sie besser für die Angreifer; sie helfen eher Morde zu fördern als sie zu verhindern, denn ein unbewaffneter wird mit größerer Sicherheit angegriffen als ein bewaffneter Mann.")

Jean Bodin (1576): Six livres de la republique. Paris, 1576

Robert A. Dykstra (1968): The Cattle Towns: A Social History of the Kansas Cattle Trading Centers. New York: Alfred A. Knopf, 1968. - ISBN

W. Eugene Hollon (1976): Frontier Violence: Another Look. Oxford: Oxford University Press, 1976 - ISBN 0195020987

G. Kleck (1991): Point Blank: Guns and Violence in America. Hawthorne, N.J.:Aldine de Gruyter, 1991 - ISBN 0425113299

G. Kleck, M. Gertz: Armed Resistance to Crime: The Prevalence and Nature of Self-Defense with a Gun. J. of Criminal Law and Criminology, v.86,1 (1995): 150-187

John R. Lott, David B. Mustard (1997): Crime, Deterrence, and Right-to-Carry Concealed Handguns. Journal of Legal Studies 26 (Januar 1997)

John R. Lott (1998a): More Guns, Less Crime: Understanding Crime and Gun-Control Laws. Chicago: Univ of Chicago Press, 1998 - ISBN: 0226493636

John R. Lott (1998b): The Concealed-Handgun Debate. Journal of Legal Studies 27 (1998): 221

John R. Lott, W.M. Landes (1997): Multiple Victim Public Shootings, Bombings, and Right-to-Carry Concealed Handgun Laws. Chicago: Univ. of Chicago Law School, 1997

Charles-Louis Baron de Montesquieu (1748): Vom Geist der Gesetze. 1748; ("Wer könnte nicht sehen, daß die eigene Verteidigung eine Pflicht ist, allem Gesetz übergeordnet?" zitiert nach ??)

Anthony J. Pinizzotto, Edward F. Davis, and Charles E. Miller III (2006): Violent Encounters: Felonious Assaults on America’s Law Enforcement Officers. Washington DC: U.S. Department of Justice, Federal Bureau of Investigation, 2006. ("(Keiner dieser Verbrecher wurde) durch irgendein Gesetz zurückgehalten — Bundes-, Staats- oder lokales — welches jemals in Kraft gesetzt wurde um Waffenbesitz zu verhindern.")

o.V. (1995): NCJ-143454: Urban Delinquency and Substance Abuse. Washington DC: U.S. Department of Justice, National Institute of Justice, Office of Juvenile Justice and Delinquency Prevention, 1995. ("The socialization into gun ownership is also vastly different for legal and illegal gunowners. Those who own legal guns have fathers who own guns for sport and hunting. On the other hand, those who own illegal guns have friends who own illegal guns and are far more likely to be gang members. For legal gunowners, socialization appears to take place in the family; for illegal gunowners, it appears to take place 'on the street.'")

Tony Thompson (2000): One in three young criminals is armed. In: The Observer,(3.9.2000)

Zimrig (1968): Is Gun Control Likely to Reduce Violent Killings? 35 Univ. Chi. Law Rev. 721 (1968)

Zimrig (1981): Controlling Guns. Nat. Law J., 13. Apr. 1981, 14


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