29. Juni 2010

ef 104 Editorial

Tradition, Verantwortung und Wohlstand

„Europa rückt nach rechts“, vermutete kürzlich die „Financial Times Deutschland“. Sechs Wahlen in sechs Wochen haben die These jetzt bestätigt. Ob in Tschechien oder Ungarn, Belgien oder Großbritannien, der Slowakei oder den Niederlanden, überall gewinnen bürgerliche Protestparteien hinzu, während die alten Volksparteien und Linken oft dramatisch verlieren. „Tatsächlich befinden sich rechte Parteien schon seit einiger Zeit in vielen europäischen Ländern im Aufwind“, bemerkt die „FTD“. Ihr Spektrum reiche „von norditalienischen Regionalisten bis zu ungarischen Rassisten“. Gemeinsam ist allen der Affront gegen „die da oben“ und der zuweilen offene Angriff auf die herrschende politische Klasse.

In den USA findet der Protest vorwiegend in den Medien und auf der Straße statt. Die Tea-Party-Bewegung sorgt auch in der hiesigen Presse für Irritationen. Der „Spiegel“ schreibt reflexartig wie wahrheitswidrig über „Rechtsextreme“, der linke „Freitag“ macht einen „Aufstand der Underdogs“ aus, und der „Focus“ meint: „Revolution der wütenden Teebeutel“. Das „Wall Street Journal“ in den USA selbst sieht gar „Geistesgestörte“ am Werk. Werden wir Zeuge eines Aufstands von Verrückten, Extremisten und Rassisten? Oder wehren sich in Ost und West lediglich die ausgebeuteten Nettosteuerzahler als ausgepresste Mitte der Gesellschaft gegen die immer neuen Zumutungen aus Brüssel und Washington?

Das Zerrbild vieler Medien manifestiert sich in unserem Titelbild: Hauptdarsteller Michael Douglas im Film „Falling Down“ – man könnte ihn einfach als einen Verrückten beschreiben. Doch ist dieser William Foster nicht auch ein Getriebener, der am zunehmenden Moral- und Wirtschaftsverfall um sich herum verzweifelt? Sein Autowunschkennzeichen lautet D-Fens: Verteidigung. Geht es am Ende um die Verteidigung von Tradition, Verantwortung und Wohlstand, jenem Namenstrio, unter dem eine der erfolgreichen neuen Parteien sinnbildlich firmiert? Was bedeutet all das politisch für uns in Deutschland? Und welche Rolle spielen die Medien bei dieser Revolte? Spannende Fragen, denen wir schwerpunktmäßig in diesem Heft nachgehen möchten.

Aus der Redaktion: Unser langjähriger Autor David Schah leitet seit drei Wochen mit viel Geschick als Chef vom Dienst das Tagesgeschehen der Online-Redaktion. Neben zahlreichen Kommentatoren und Essayisten sorgen zusammen mit Schah unsere Redakteure Dirk Friedrich, Robert Grözinger und Luis Pazos für den Fluss täglich aktueller Nachrichten, die im Mainswamp unterzugehen drohten. Schauen Sie rein, es lohnt sich!

Und wieder meldet auch der Vertrieb Wachstum: Inzwischen ist eigentümlich frei an Kiosken auch im Osten Berlins, an Mecklenburgs Küste, in Leipzig, Dresden und Halle sowie an Bonn, Köln, Lübeck und Ostbayern vertreten. Auch dort liegt ef jetzt in vielen Kiosken bereit oder kann von allen Verkaufsstellen auf Wunsch beim Grossisten kurzfristig bestellt werden, um es zukünftig im Angebot zu führen. Letzteres erfolgt auf Käuferwunsch. So können Sie bereits in weiten Teilen Deutschlands mithelfen, eigentümlich frei als frisch-freche Alternative zum Einheitsmeinungsmief dauerhaft auch im Einzelverkauf zu verankern.

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eigentümlich frei erscheint zehn Mal im Jahr. Vor Ihnen liegt die Sommerdoppelausgabe. Wir sehen uns wieder Anfang September. Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer – und bleiben Sie auch bei Hitze cool: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien! Mehr netto!

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Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 104


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