22. Juni 2010

Aktuelle Nachricht – Schimpansenforschung Genozid und Landgewinn

Was die Menschen von ihren nächsten Verwandten unterscheidet

(ef-DS) Dass Schimpansengruppen in freier Wildbahn blutige Kriege untereinander führen, ist Primatenforschern schon länger bekannt. Amerikanische Anthropologen wollen nun anhand von Beobachtungen in afrikanischen Nationalparks herausgefunden haben, dass das Ziel dieser intraspezifischen Aggressionen in erster Linie die Eroberung von neuem Lebensraum ist. Die untersuchten Schimpansen haben demnach zunächst tödliche Terrorangriffe in fremdem Territorium unternommen, um die dortigen Bewohner zu vertreiben. Anschließend wurde das nunmehr verlassene Territorium an das Stammgebiet der Angreifergruppe annektiert.

Da die Gene von Schimpansen und Menschen zu etwa 98 Prozent identisch sind, gehen viele Anthropologen und Ethologen auch von einem gemeinsamen Ursprung bei der intraspezifischen Aggression aus, die ja beim Menschen unter bestimmten Umständen große Ausmaße annimmt. Dies ist allerdings kein zwingender Beleg, da auch die überaus friedlichen und sexuell hyperaktiven Bonobos mindestens genau so eng mit den Menschen verwandt sind.

Ein entscheidender verhaltensspezifischer Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen ist der Eigentumsbegriff. Wildlebende Schimpansen kennen kein Eigentum und entsprechend auch keinen Tauschhandel. Allerdings konnte die Psychologin Sarah Brosnan in einem Labor in Atlanta Schimpansen das Tauschen beibringen. Individuelles Eigentum und Handel scheinen Grundvoraussetzungen für ein friedlicheres Zusammenleben unter höheren Primaten zu sein, da hierdurch Spezialisierung, Arbeitsteilung, Kommunikation und Verständigung gefördert werden. Vor allem auch primitive Menschenpopulationen wie die Yanomami und einige Papua-Gruppen, die keinen ausgeprägten Eigentumsbegriff haben und nicht miteinander handeln, sind bekannt für ihre regelmäßigen Überfälle auf Nachbarstämme. Dies legt den Schluss nahe, dass Einschränkungen beim Privateigentum und beim freien Warentausch intraspezifische Aggressionen auch beim homo sapiens begünstigen. Solche Einschränkungen ergeben sich zumeist infolge der Entstehung von Gewaltmonopolen und der damit verbundenen Umeignung von Privat- in Kollektivbesitz.

Quellen:

Artikel in „Current Biology“


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