21. Juni 2010

Aktuelle Nachricht – Václav Klaus Das Versagen des Eurosystems

Tschechischer Staatspräsident warnt Kollegen vor Euro-Beitritt

(ef-LFP) Zuletzt war es ein wenig still um ihn geworden. Doch jetzt hat sich Václav Klaus, seit 2003 Staatspräsident der Tschechischen Republik, erneut zu Wort gemeldet. In der heute erscheinenden Ausgabe der „Wirtschaftswoche“ appelliert der erklärte Kritiker des Eurosystems an seine osteuropäischen Kollegen, unbedingt an den jeweiligen nationalen Währungen festzuhalten. Gleich zu Beginn konstatiert Klaus in aller Deutlichkeit: „Die Europäische Währungsunion hat versagt.“ Egal ob das versprochenen beschleunigte Wirtschaftswachstum, die Verminderung der Inflation oder der Schutz vor externen wirtschaftlichen Störungen: „Nichts davon ist eingetreten.“ Vor allem das durchschnittliche jährliche Wachstum ging im Jahrzehnt der Euroeinführung sukzessive zurück. „Etwas Derartiges ist nirgendwo in der Welt zu finden“, wundert sich nicht nur der tschechische Staatspräsident. Die Ursache sieht er ganz klar in der primär politischen Konstruktion der Euro-Währungszone, infolgedessen es eben nicht anders sein könnte, „als dass die Kosten für deren Schaffung und Erhaltung die Erträge übersteigen, die deren Funktionieren mit sich bringt.“ Dennoch, da ist sich Klaus sicher, wird das politische Experiment bis zuletzt mit allen Mitteln verteidigt werden: „Eine andere Frage ist aber auch, ob die Euro-Zone auch als Institution scheitert. Meine Antwort darauf ist: Nein. In die gemeinsame Währung als kittendes Element der auf Supranationalität ausgerichteten Europäischen Union wurde so viel politisches Kapital investiert, dass davon – in für mich vorstellbarer Zukunft – gewiss nicht abgelassen wird. Das Projekt wird fortgesetzt. Der Preis dafür sind weniger Wirtschaftswachstum und höhere Finanztransfers für die Länder mit den größten wirtschaftlichen und finanziellen Problemen.“ Für die Tschechei und ihre Nachbarn stellt er abschließend erleichtert fest: „Sicherlich haben wir als Tschechische Republik daher keinen Fehler gemacht, dass wir der Euro-Zone noch nicht beigetreten sind. Und damit stehen wir nicht allein.“

Quelle:

WirtschaftsWoche Nummer 25 vom 21.06.2010, Seite 42


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