18. Juni 2010

Aktuelle Nachricht – EZB-Monatsbericht Anhaltende Spannungen und ungewöhnlich große Unsicherheit

Liquiditätsverknappung trotz reichlicher Liquiditätsausstattung

(ef-DF) Gestern erschien der aktuelle Monatsbericht der EZB für Juni 2010. Einige beachtenswerte Zitate hieraus:

  • Mit Blick auf die Zukunft rechnet der EZB-Rat in einem Umfeld, das von anhaltenden Spannungen in einigen Finanzmarktsegmenten und ungewöhnlichgroßer Unsicherheit geprägt ist, mit einem moderaten Wachstum der Wirtschaft des Euroraums. (S. 7)
  • Was die Finanzpolitik anbelangt, so begrüßt der EZB-Rat die jüngste Entscheidung der Länder des Euroraums bezüglich der formellen Einrichtung einer Europäischen Finanzstabilitätsfazilität. (S. 7)
  • So können die Unterschiede zwischen den verschiedenen Messgrößen der Geldlücke als Hinweis auf die gegenwärtige beträchtliche Unsicherheit bezüglich der Liquiditätslage im Euroraum angesehen werden. Ungeachtet dieser Einschränkungen weisen die Messgrößen auf eine erhebliche Ansammlung monetärer Liquidität in den letzten Jahren hin, und das seit Ende 2008 gedämpfte M3-Wachstum dürfte nicht zur Rückbildung dieser zuvor aufgebauten Liquidität geführt haben. (S. 23)
  • Der erneute Anstieg der gesamten Geldvermögensbildung der Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen spiegelte den anhaltenden Zuwachs der Anlagen des geldhaltenden Sektors in versicherungstechnischen Rückstellungen wider, die sich auf der Passivseite der Bilanz bemerkbar machen.
    In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die vierteljährlichen Mittelzuflüsse in versicherungstechnische Rückstellungen im Schlussquartal 2009 deutlich über dem Durchschnitt seit 1999 lagen. (S. 30)
  • Die EZB unterstützte die Geldmärkte nach wie vor durch eine Reihe liquiditätszuführender Geschäfte mit Laufzeiten von einer Woche, einer Mindestreserve-Erfüllungsperiode sowie drei und
    sechs Monaten. (S. 32)
  • Außerdem setzte das Eurosystem sein Programm zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen fort. Am 9. Juni belief sich der Gesamtwert der bislang erworbenen Papiere auf 56,3 Mrd €. Bis Ende Juni 2010 sind 60 Mrd € für den Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen bestimmt. (S. 32 f.)
  • Angesichts der reichlichen Liquiditätsausstattung im Eurogebiet bewegte sich der EONIA im Berichtszeitraum weiterhin in der Nähe des Satzes für die Einlagefazilität und notierte im Durchschnitt bei 0,346 % (S. 36)
  • Am 6. und 7. Mai griffen die Spannungen an den Staatsanleihemärkten einiger Euro-Länder auf die
    Finanzmärkte insgesamt über. Die Volatilität im Bereich der Übernachtkontrakte nahm zu, die Liquidität verringerte sich und die Funktionsfähigkeit einiger Finanzmarktsegmente war ernsthaft beeinträchtigt. Der plötzliche Stimmungswandel löste eine massive Flucht der Finanzinvestoren in sichere Anlagen aus, die einen erneuten Abwärtsdruck auf die Staatsanleiherenditen nach sich zog. Um diesen Spannungen an den Finanzmärkten entgegenzuwirken, verständigten sich die EU-Finanzminister am 9. Mai auf einen europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus, und die EZB kündigte am 10. Mai die Einführung einer Reihe von Maßnahmen an. (S. 37)
  • Nach dem plötzlichen Einbruch des amerikanischen Dow-Jones-Index am 6. Mai, dessen Ursachen derzeit noch untersucht werden, griffen die Bedenken unversehens von den Staatsanleihemärkten auf die Finanzmärkte im Allgemeinen über. An den Finanzmärkten war binnen Tagesfrist eine sprunghafte Zunahme der Volatilität zu verzeichnen, und am 7. Mai verringerte sich die Liquidität spürbar. Einige Finanzmarktsegmente wurden in ihrer Funktionsfähigkeit deutlich beeinträchtigt. (S. 38)
  • Bedingt durch eine deutliche Zunahme der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Adressenausfallrisiko war die Entwicklung der Geldmärkte am 6. und 7. Mai von Ansteckungseffekten aufgrund der Turbulenzen an den Staatsanleihemärkten geprägt. Auch an den Interbankengeldmärkten kam es zu einer Liquiditätsverknappung. Die Liquiditätslage im Bereich der unbesicherten Kredite verschlechterte sich nicht nur für Termin-, sondern auch für Übernachtkontrakte. (S. 39)
  • Der drastische Anstieg vom 7. Mai könnte also wachsende Sorgen im Zusammenhang mit einem möglichen Zahlungsausfall einiger europäischer Finanzinstitute widerspiegeln. So stieg die Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen Zahlungsausfalls von zwei oder mehr großen und komplexen Bankengruppen des Eurogebiets gemessen an dem in Abbildung E dargestellten Indikator systemischer Risiken am 7. Mai sprunghaft an und überschritt die nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers beobachteten Werte. (S. 40)
  • Die Zahl der Transaktionen am Interbankenmarkt ging rapide zurück, und die Unsicherheit der Banken bezüglich der Bonität ihrer Geschäftspartner nahm zu. Folglich bestand das Risiko, dass die normale Funktionsfähigkeit der Märkte in Mitleidenschaft gezogen und das erste Glied in der Kette des Transmissionsmechanismus zwischen der Zentralbank und den Kreditinstituten beeinträchtigt werden könnte. Außerdem war zu befürchten, dass die Fähigkeit der Banken (der wichtigsten Finanzierungsquelle im Euro-Währungsgebiet) zur Kreditvergabe an die Realwirtschaft ernsthaft gefährdet werden könnte. (S. 43)

Quelle:

Monatsberichte der EZB


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