Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Österreich: Kulturschickeria in der Parallelwelt

von Andreas Tögel

Krise? Wir haben wirklich andere Sorgen!

18. Juni 2010

Seit Wochen wird der Medienkonsument ununterbrochen mit Meldungen vom heroischen Kampf der politischen Klasse gegen die bekanntlich von ruchlosen Spekulanten vom Zaun gebrochene Wirtschaftskrise in Atem gehalten. Ständig alarmiert, bangen und hoffen Herr und Frau Österreicher – voll Vertrauen in die vielfach erprobte Krisenbewältigungskapazität der Regierenden – dass das Schlimmste, also die Abschaffung von Frührente oder gar des 13. und 14. Monatsgehalts, abgewendet werden möge. Und die Aussichten stehen gar nicht so schlecht. Es gibt erste Erfolge zu vermelden. So erfahren wir etwa: „Diejenigen, die an der Krise schuld sind, werden dafür auch bezahlen“ (leider ist damit jedermann gemeint, der leichtfertigerweise über mehr als das gesetzlich fixierte Existenzminimum verfügt). Den heimischen Banken wiederum, die sich kollektiv im rauhen Osten ein bisserl vergaloppiert haben, kann – dem staatlichen „Rettungsschirm“ sei Lob und Dank – rein gar nichts mehr passieren. Das zuletzt völlig aus dem Ruder gelaufene Budget schließlich wird demnächst mittels neu einzuführender Erbschafts-, Vermögens- und Kapitaltransaktionssteuern saniert. Wir werden also – infolge der raschen, beherzten Intervention unserer erleuchteten Obertanen – gerade noch einmal mit dem Schrecken davonkommen, wenn auch nur knapp.

Nach einem derartigen Wechselbad der Gefühle ist es eine wahre Wohltat, endlich einmal mit anderen Themen (abseits der für Fußballmuffel maximal uninteressanten Weltmeisterschaft) konfrontiert zu werden. Wenn man also in aller Früh bereits den Morgennachrichten entnehmen darf, dass ein halblustiger Komödiant einer illegalen Immigrantin, der heute nach jahrelangem Gezerre und einem eben ergangenen Höchstgerichtsurteil der Abschiebungsbescheid ins Haus steht, anbietet, sie zu ehelichen (um sie damit dem Zugriff der in Kakanien laut „Amnesty International“ besonders entmenscht agierenden Flüchtlingsbürokratie zu entziehen), wird einem geradezu warm ums Herz. Dies umso mehr, als der selbstlose Freier seine Offerte vom anderen Ufer aus abgegeben hat. Soviel Edelmut ist wahrhaft erhebend – der Mann (?) ist ein wahrer Heroe im Dienste der Menschlichkeit – sexuelle Orientierung hin oder her!

Kaum solcherart moralisch gestärkt ins Auto gestiegen, dringt aus dem Radio (die Senderauswahl fiel heute nicht auf den staatlichen „Bildungssender“ Ö1, sondern auf das Wiener „Radio Stephansdom“) die Stimme des Präsidenten der Bregenzer Festspiele, Günter Rhomberg, ans Ohr. Der tut bemerkenswertes zu wissen kund. Zunächst das sattsam bekannte, PC-kompatible und für alle Kulturschaffende typische Sorge-um-die-Umwelt-Gewäsch und eine treuherzig offenbarte Hoffnung, die Menschheit möge sich doch endlich wieder auf die „wahren Werte“ besinnen. Dann, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er ja ständig mit anderen Kulturschaffenden zu tun habe: „Geld spielt für mich überhaupt keine Rolle.“ Wer würde ihm das nicht auf der Stelle abnehmen? Braucht er sich – als hochprivilegierter Nettosteuerempfänger – wie sämtliche seiner ihm zweifellos gleichgesinnten Kollegen – um schnöden Mammon tatsächlich keinerlei Gedanken zu machen. Den brauchen er und seinesgleichen ja nun wirklich nicht zu verdienen.

Denn der ohnmächtige Steuerzahler steht ja bekanntlich zuverlässig zur Verfügung, um jeden staatlich veranlassten Unfug zu finanzieren (womit keineswegs die Bregenzer Festspiele im besonderen gemeint sind).

Fazit: Auch wenn der Bär tobt wie seit Jahrzehnten nicht; in einer Zeit, da Banken, einst angesehene Firmen und Staaten pleite gehen, da ficht all das die steuerfinanzierte Kulturschickeria in keiner Weise an. Egal, ob es sich – wie im Falle der zitierten „Illegalen“ um eine offensichtliche Umgehungshandlung zum Schaden der Leistungsträger handelt, oder um ein auf „öffentlichen Mitteln“ finanziertes Stelldichein der Reichen und Schönen: „Geld spielt keine Rolle.“

Im nächsten Leben werde ich (falls es mit der Karriere als Eisenbahngewerkschafter nicht hinhauen sollte) ebenfalls „Kulturschaffender“. Es muss herrlich sein, fernab jeder Realität – von Irdischen ernährt – in einem Paralleluniversum zu leben.

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