Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Veranstaltungsbericht Bodrum 2010: Die Illusion vom „billigen Kredit“ – die Wurzel allen Übels?

von Andreas Tögel

Die Jahreskonferenz der Property and Freedom Society (PFS), Teil 3

Der größte Schuft im ganzen Land – das ist und bleibt der Spekulant! So tönen die Sozialisten in allen Parteien und die mit diesen aufs engste liierten Meinungsbildner in den Massenmedien. Die Zunft der zum größten Teil beamteten Nationalökonomen übt sich angesichts derlei Haltet-den-Dieb-Kampagnen in verständlicher Zurückhaltung – ist doch klar, dass sie als zuverlässige Apologetin der Anwendung politischer Mittel in Fragen der Wirtschaft davon am Ende nur profitieren kann. Ohne robusten Interventionismus geht beim „Krisen-Containment“ am Ende halt gar nichts. Ist es daher nicht wunderbar, einen so eindeutig Schuldigen für ein so komplexes Problem wie die Finanzkrise vorweisen zu können?

Dass eine weltweit verfehlte – staatliche – Geld- und Kreditpolitik es war; dass also Regierungen die Hand an der Wiege der Krise hatten, passt nicht ins von der politischen Klasse gewünschte Bild. Doch: „Wenn alle Experten einig sind, ist Vorsicht geboten“ (Bertrand Russel). Aber sind wirklich alle Experten einer Meinung? Nein, es gibt eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die dem neoklassischen (keynesianischen) Mainstream Widerstand leisten. Sie doktern nicht an Symptomen herum, sondern gehen an die Wurzel des Übels: Die Vertreter der „Austrian Economics“. Einer der lebenden Protagonisten dieser Schule, Guido Hülsmann von der Universität Angers, hielt anlässlich der 5. Konferenz der Property and Freedom Society in Bodrum einen erhellenden Vortrag, der sich dem Trugbild des „billigen Kredits“ widmete.

Hülsmann beginnt mit einer Begriffsdefinition: „Kredit ist ein endgültiger oder befristeter Transfer eines wirtschaftlichen Gutes im Austausch für eine im Voraus vereinbarte künftige Zahlung.“ Kredit kann in Form von Anleihen, Warenkrediten, Pfand- und Hypothekardarlehen, Miete, Leasing, etc. gewährt werden.

Nach einer ausführlichen Darstellung der historischen Entwicklung des Kredits – von John Law bis John Maynard Keynes – geht es an die zentrale Frage, nämlich ob und unter welchen Umständen von der Gewährung eines Kredits eine produktive Wirkung ausgeht, am Ende also mehr als ein „Nullsummenspiel“ herausschaut. Klassische Erklärungen einer produktiven Wirkung des Kredits heben auf den Mitteltransfer zu kompetenteren Akteuren, die Ermöglichung größerer Projekte und eine verbesserte Arbeitsteilung (zwischen Investoren und Unternehmern) ab. Zeitgenössische Begründungen stellen unter anderem die Konsumstabilisierung und die umfangreichen Angebote von Finanzdienstleistungen (zum Beispiel Risk Management und Monitoring) in den Mittelpunkt.

Stark vereinfacht lässt sich folgende Kreislaufwirkung des „produktiven Kredits“ formulieren: Er führt zu einem besseren Einsatz der Ressourcen; dadurch erhöht sich der „Return on Investment“; das bedeutet wachsende Ersparnisse, die wieder das Kreditvolumen erhöhen (können). Die Grenzen des Kredits erblickt Hülsmann in der Zeitpräferenz, unternehmerischer Urteilsfähigkeit, Risken (des Marktes und der Politik) und Präferenzen für die Unabhängigkeit.

Nach der Darstellung der Wirkung von durch reale Ersparnisse ermöglichtem Kredit werden die Konsequenzen des „Fiat Kredits“ beleuchtet.

„Fiat Kredit ist der befristete Transfer von durch Verletzung von Eigentumsrechten geschaffenem Geld im Austausch für eine im Voraus vereinbarte künftige Zahlung.“ Diese Art von Kredit tritt in Form von unbesicherten Bankdarlehen und Zentralbankemissionen auf.

Die “Multi-Trillionen-Dollar-Frage” lautet: Schafft Fiatkredit einen aggregierten Nutzen – ist er mehr als ein Nullsummenspiel?

Schumpeters „intellektuelle“ Antwort auf diese Frage ist positiv. Durch Ersparnisse ermöglichte Kredite bedeuten für ihn lediglich Stagnation. „Billige“ Antworten gehen in Richtung Verkaufsbelebung, Innovationsförderung und Konsumstabilisierung. „Österreichische“ Antworten messen der Geldausstattung dagegen keinerlei Bedeutung bei. Für „Austrians“ ist jede Geldmenge „optimal“. Vom Fiat-Kredit erwarten sie daher keine Wohlstandsmehrung, dafür aber ein „Crowding Out“ (Verdrängung) von echten Ersparnissen, Vorteile der einen auf Kosten der anderen und die Auslösung von Interventionsspiralen. Fiatkredit löst demnach kein „Kreditproblem“, zerstört das natürliche Vertrauen, schafft Anreize für Praktiken, welche die Bankenstabilität untergraben und führt zu Schuldenspiralen, die in Hyperinflation und/oder totaler Regierungskontrolle enden.

Guido Hülsmann fasst zusammen. Erstens: Kredit führt dann zu einem aggregierten Nutzen, wenn er im Wettbewerb kreiert wird und auf Eigentumsrechte gegründet ist, die auf Selbsteigentum und „homesteading“ basieren. Zweitens: Kredit, der auf die Verletzung von Eigentumsrechten gegründet ist (Fiat-Kredit), tendiert dazu, keinerlei nutzenstiftende Effekte zu zeigen. Drittens: Fiat-Kredit hat verschiedene Konsequenzen, die von einem allgemeinen Standpunkt aus gesehen sehr gefährlich sind.

11. Juni 2010

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