05. Juni 2010

Aktuelle Nachricht – Vorsicht Bundesanleihe!

Erst warnte nur Frank Schäffler, jetzt auch der Ex-Finanzminister

(ef-LFP) Seit langem hatte Frank Schäffler vor dem sich zuspitzenden Schuldendilemma der öffentlichen Haushalte in der Eurozone gewarnt. Insbesondere für den nun tatsächlich eingetretenen Fall der Schnürung paneuropäischer Rettungspakete für fallierende Staaten hatte der Ex-Obmann der FDP im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages geraten, die individuelle Anlagestrategie im Hinblick auf die Titel öffentlich-rechtlicher Emittenten zu überdenken und selbst Bundesanleihen auf die Verkaufsliste zu setzen: „Nicht morgen, aber übermorgen wird man Güterpreise und damit Inflation nicht mehr in den Griff kriegen“ kommentierte er beispielsweise die gesamtwirtschaftliche Lage bei einem öffentlichen Vortrag in Göttingen am 17. Februar 2010 (ef berichtete).

Mit dieser kritischen Haltung stand er bisher, siehe Abstimmungsergebnis zum Griechenland-Rettungspaket, recht isoliert da. Auch die veröffentlichte Meinung tendiert eher zum finanzwirtschaftlichen Euro-Patriotismus. So riefen die Chefredakteure des renommierten „Handelsblatts“ nicht nur zum Kauf griechischer Staatsanleihen auf, sondern gingen sogar mit gutem Beispiel voran. Doch ausgerechnet ihre Zeitung lieferte fast gleichzeitig, allerdings an weniger exponierter Stelle, der Gegenseite wesentliche Schützenhilfe. Ausgangspunkt war ein Interview mit Klaus Kaldemorgen, dem Sprecher der Fondsgesellschaft DWS und Chef-Aktienstratege der Deutschen Bank, zu den Themen Euro-Dollar-Kurs, Staatsverschuldung, Währungsinvestitionen und Null-Zins-Politik. Das von ihm gezeichnete Szenario deckt sich mit den Mutmaßungen Schäfflers: „Die niedrigen kurzfristigen Zinsen werden uns längere Zeit erhalten bleiben. Schließlich können die Zentralbanken den Politikern nicht in den Rücken fallen. Höhere Zinsen würden die Wirtschaft abwürgen und das Schuldenproblem noch weiter eskalieren lassen.“ Damit ist für Kaldemorgen die in den nächsten Jahren zu favorisierende Anlageklasse klar: „Dies ist natürlich ein goldgerändertes Szenario für den Aktienmarkt. Wo sollen die Anleger hin mit dem Geld? Cash bringt Null, Staatsanleihen bergen Verlustrisiken.“ Für PIIGS-Anleihen mag das nachvollziehbar sein, aber für Bundesanleihen? Hier kann der Fondsmanager ganz beiläufig auf Informationen aus erster Hand verweisen: „Nicht ohne Grund hat der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in einem Interview mit unserem Hause gerade gesagt, er würde keine deutschen Regierungsanleihen mehr kaufen. Man mache sich das einmal klar: Das sagt jemand, der vor kurzer Zeit noch für die Finanzen unseres Landes verantwortlich war.“

Dem ist dann eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Offen bleibt lediglich die Frage, warum diese Informationen augenscheinlich den vermeintlichen Finanzmarktprofis vorbehalten bleiben sollten, schließlich wurde Peer Steinbrücks – immer noch SPD – Warnung weder im Interview noch darüber hinaus weiter thematisiert.

Quelle:

Handelsblatt: „Griechenland ist die Spitze des Eisbergs“ – Interview mit Klaus Kaldemorgen vom 26. April 2010


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