Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Euro am Ende: Kollaps eines Elitenprojekts

von Andreas Tögel

Die Folge der Hybris

In der Vorwoche wurde an dieser Stelle die Frage gestellt, ob der Euro am Ende sei. Nach den Ereignissen der letzten Tage dürfte die Antwort klar sein: ja. Die unvorstellbare Summe von 750 Milliarden Euro, die zur Rettung der Gemeinschaftswährung gegen böse „Spekulanten“ eingesetzt wurde (500 Milliarden davon von der Eurokratie bewegt, 250 Milliarden vom IWF), konnte der EU gerade einmal eine eintägige Atempause verschaffen, ehe es erneut bergab ging. Die Märkte haben das Vertrauen in die Fähigkeit der Politelite zum Risikomanagement offenkundig endgültig verloren. Folgerichtig steigt der Goldkurs auf ein Allzeithoch – in Euro wie auch in Dollar. Auch die Kurse anderer Edelmetalle (Silber, Palladium und Platin) ziehen steil an. Ein Menetekel!

Das von der politischen Klasse stereotyp ausgestoßene, gegen „Finanzspekulanten“ gerichtete „haltet den Dieb“-Geschrei kann über fundamentale Tatsachen nicht hinwegtäuschen: Wer meint, dauerhaft gegen die Schwerkraft der Marktgesetze agieren zu können, ist auf dem Holzweg. „Spekulanten“ können ihre Finger nämlich lediglich auf bestehende Wunden legen, aber keine schlagen. „Spekulanten“ können bestimmte Entwicklungen zwar verstärken, aber niemals auslösen. Den die „Spekulanten“ begünstigenden Sündenfall bildet der Versuch der Politik, den Markt und dessen Gesetze auszuhebeln. Diese Gesetze besagen schlicht und ergreifend, dass Angebot und Nachfrage in einem dynamischen Prozess stets zu einem Gleichgewicht tendieren. Wird mit politischen Mitteln in die Angebotsseite eingegriffen (etwa indem Höchstpreise für Waren oder Dienstleistungen festgelegt werden), wird ein Warenmangel nicht ausbleiben. Dasselbe gilt für Eingriffe auf der Nachfrageseite – etwa durch die willkürliche Festlegung von Mindestlöhnen. Strukturelle Arbeitslosigkeit – insbesondere im Bereich niedrig Qualifizierter – ist die logische und empirisch belegte Folge. Da das Geld denselben Gesetzmäßigkeiten folgt wie alle übrigen für die Produktion relevanten Faktoren, zeitigen politische Eingriffe in dessen Angebot gleichfalls unerwünschte Nebenwirkungen.

Auf einem freien Markt bestimmen allein die (Zeit-) Präferenzen der Konsumenten den Preis des Geldes – den Zins. Hohe Zeitpräferenzen bedingen hohe Geldnachfrage und dementsprechend hohe Zinsen (die wieder bremsend auf die Nachfrage wirken). Wird das Geldangebot durch politische Eingriffe in die Zinsbildung erhöht (etwa durch staatliche Risikoübernahmen für die verleihenden Banken oder – wie es derzeit praktiziert wird – durch Anwerfen der Notenpresse) erweitern sich die Kredit- und Schuldenmenge weit über das „natürliche“ Maß hinaus. Kommen, wie im Falle Griechenlands, betrügerische Machenschaften hinzu, wird recht rasch der Punkt überschritten, an dem realistischerweise mit einer Rückführung der geliehenen Mittel zu rechnen ist. In einer solchen Lage ist ein Ende mit Schrecken wohl jedem anderen Szenario vorzuziehen: ein (Staats-) Konkurs mit entsprechender Entwertung der Gläubigerforderungen („Haircut“). Die involvierten Banken wussten schließlich, wem sie Kredite gewähren und die geschädigten Sparer werden künftig größte Vorsicht bei der Veranlagung ihrer Mittel walten lassen. Der erzieherische Effekt für den künftigen Umgang mit Ersparnissen könnte positiver nicht ausfallen. Ein solches Szenario aber ist für die Eurokratie, die – völlig abgehoben – an ihrer Utopie vom „Einig Volk von Brüdern“ im angepeilten Bundesstaat festhält, unerträglich. Daher wird die bisher nur auf nationaler Ebene gelebte Liederlichkeit nun, zum absehbaren Schaden ganz Europas, auf die Ebene der Gemeinschaft gehoben.

Selber verschuldete, aber – gerade eben noch – kreditwürdige Mitglieder der Gemeinschaft nehmen weitere Kredite auf, um vorerst einem konkursreifen Kandidaten auszuhelfen und eine letzte, kurze Atempause zu verschaffen. Mehr als das wird es nicht sein, da ja die Höhe der Verbindlichkeiten Griechenlands dadurch erneut steigt. Dies umso mehr, als der Druck zu substantiellen ausgabenseitigen Maßnahmen dadurch erheblich reduziert wird. Zu Maßnahmen übrigens, die – die eindrucksvollen Bilder vom in den Straßen griechischer Städte tobenden Pöbel sind noch nicht vergessen – von der roten Regierung des abgewirtschafteten Balkanstaates wohl nicht ernsthaft durchzusetzen beabsichtigt sind.

Fassen wir zusammen: einem bankrotten, betrügerischen Debitor, der nachweislich seit mehr als einem Jahrzehnt vor keinem Bilanztrick zurückgeschreckt ist, wird eine Erweiterung des Kreditrahmens gewährt – ohne dass von den Kreditoren dafür auch nur der Schatten einer Sicherheit gefordert würde. Dieser Kredit wird von einem Klüngel von Politikern und Bürokraten gewährt, die wissen, dass eine Rückzahlung dieser Mittel keinesfalls erwartet werden kann und die wissen, dass lediglich der Zeitpunkt einer Bankrotterklärung des Schuldners hinausgezögert wird, dessen Lage sich bis dahin weiter zuspitzen wird. Dieses Verhalten ist zu vergleichen mit dem eines Seiltänzers, der auf immer höheren Seilen mit einem immer kleineren – am Ende gar keinem – Sicherheitsnetz arbeitet.

Während aber der Seiltänzer nur sein eigenes Leben gefährdet (wozu er selbstverständlich jedes Recht hat), gefährden die verantwortlichen Politiker, Bürokraten und Bankster die Zukunft der am Ende die Schulden bezahlenden (zum Teil noch nicht einmal geborenen) Bürger Europas. Zu behaupten, mit zusätzlichen Schulden einen bereits erfolgten Schuldenexzess sanieren zu können, ist nicht nur verantwortungslos, es ist, angesichts der im Spiel befindlichen Summen, kriminell.

Hinzu kommt die unerträgliche Chuzpe, mit der die politische Elite vor die Mikrophone tritt und die großartigen Erfolge bejubelt, die sie bei der Bewältigung der Schuldenkrise angeblich errungen hätte. Denn die von ihnen reklamierte „Verantwortung für Europa“, die sie damit bewiesen hätten, ist pure Fiktion. Keiner von ihnen wird für das dräuende Debakel je persönlich haftbar gemacht werden.

Vorsichtige Gemüter beginnen spätestens jetzt, falls das nicht längst geschehen ist, ihre Vorratskeller zu füllen. Wie schon einmal ausgeführt: Optimisten setzen in dieser Lage auf Gold. Pessimisten dagegen auf Konserven…

14. Mai 2010

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