02. April 2010

UNO-Klimarat Vernichtende Berichte in „Spiegel-Online“

Skeptizismus über Klimahysterie ist – dank der Blogger – im Mainstream angekommen

Vor knapp zwei Monaten konnten wir feststellen, dass in der Klimadebatte die skeptischen Blogger einen gewaltigen Sieg über den unkritischen Wissenschaftsjournalismus in den Mainstream-Medien errungen hatten. Damals schrieben wir: „Die Blogger haben die Wissenschaftsjournalisten bis auf die Knochen blamiert – sowohl als Wissenschaftler wie auch als Journalisten, die ihren „Priestern“ unkritisch glaubten. Sie werden jetzt umdenken müssen.“

Mindestens ein Organ hat umgedacht. Dieser Tage hat „Spiegel-Online“, das einflussreichste deutschsprachige Nachrichtenportal im Internet und bislang verlässlicher Lautsprecher der Alarmisten, gleich zwei Artikel veröffentlicht, die ausgewogen über den Stand der Dinge in der Klimadebatte berichten. Einen sehr ausführlichen Überblick vom 29. März sowie einen kürzeren Bericht am 30. März über einen niederländischen Wirtschaftswissenschaftler, der festgestellt hat, dass die Zahlen im dritten Teil des IPCC-Berichts „geschönt“ wurden, um sie für Politiker appetitlicher zu machen.

Zunächst zum kürzeren Artikel: Im darin erwähnten dritten Abschnitt des IPCC-Reports ging es um die Maßnahmen, die zur Bekämpfung der angeblich zu erwartenden negativen Auswirkungen eines angeblich vom Menschen verursachten Klimawandels notwendig seien. Und um die Kosten dieser Maßnahmen. Genau hier habe der Klimarat systematisch die Zahlen heruntergerechnet, so Richard Tol von der Freien Universität Amsterdam laut „Spiegel-Online“. Die Darstellungen und Rechtfertigungsversuche der Gegenseite dazu fallen im Artikel denkbar schwach aus. Es ist kein Versuch von „Spiegel“-Autor Gerald Traufetter erkennbar, diesen weiteren Sargnagel für den IPCC irgendwie zu beschönigen. Der „Spiegel“ hat gemerkt, dass sich der Wind gedreht hat. Nach Umfragen in Amerika und Großbritannien zeigt jetzt auch eine vom Hamburger Magazin in Auftrag gegebene Befragung der Deutschen, dass auch hierzulande die Angst vor dem Klimawandel merklich nachgelassen hat.

Kuriosität am Rande: Nur Anhänger der Linken und der FDP sind noch mehrheitlich ängstlich. Grüne hingegen sagen jetzt zu 52 Prozent, dass sie keine persönliche Angst vor dem Klimawandel haben. Nun hat grüne Ideologie ohne Umweltangst eigentlich keine Existenzgrundlage. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Möglicherweise haben die – üblicherweise gut informierten – Anhänger der Grünen ihre persönliche Angst exportiert und fürchten sich jetzt stellvertretend für Inselatolle und Pinguine, die, im Gegensatz zu Mitteleuropa, irgendwie vielleicht doch noch vom Klimawandel stark betroffen sein könnten.

Dass die erwähnte Anprangerung im „Spiegel“ kein Einzelfall ist, zeigt das Tags zuvor veröffentlichte lange Dossier „Die Wolkenschieber“, das Traufetter zusammen mit zwei Kollegen geschrieben hat. Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen. Die „ganze Forschungsdisziplin“ der Klimawissenschaftler befinde sich „in der Krise“. Weiter heißt es: „Wer dieser Tage mit führenden Klimatologen spricht, erfährt, wie viel in Wahrheit noch ungeklärt ist. Medien, Politiker, aber auch die Wissenschaftler selbst haben bisweilen eine Sicherheit über die Veränderungen von Sonne, Wind und Regen vorgegaukelt, die so nicht existiert.“ Thematisiert werden ungelöste Probleme, ungeklärte Unstimmigkeiten verschiedener Datensätze, die berühmte Hockeyschlägerkurve, Versuche, kritische Publikationen zu unterdrücken, völlig falsche Prognosen über stärkere und häufigere Wirbelstürme, wie es zur Erfindung der politschen Zwei-Grad-Anstiegsgrenze kam und vieles mehr.

Die Autoren vergessen auch nicht, stellvertretend für viele Blogger Stephen McIntyre ihren Respekt zu erweisen. Nur mit einem 6 Jahre alten 40-Gigabyte-Laptop ausgestattet hat der, wie der „Spiegel“ ihn nennt, „Rebell gegen die Klimapäpste“ die mit Petabytes operierenden Forscher und ihre Modelle ausgestochen.

Auch auf ihrer englischen Seite hat „Spiegel-Online“ diesen Artikel veröffentlicht. James Delingpole vom „Daily Telegraph“ ist von ihm beeindruckt. Das Dossier sei „eines der besten und umfassendsten [über die Klimadebatte], das ich je in irgendeiner Zeitung gelesen habe – und es könnte kaum vernichtender sein.“ Wenn die Deutschen, die seit „den 1930er Jahren“ den Ton für die moderne Bewegung der Grünen angegeben haben, jetzt „Auf Wiedersehen AGW“ sagen, dann sei es Zeit für den Rest der Welt, aufzumerken.

Doch bei allem Einfluss, den der „Spiegel“ hat, ist er nicht „die Deutschen“, schon gar nicht die deutsche Regierung, die, wie viele andere Kabinette, weiter an einer weltweiten Wetterregierung als Vorstufe zu einer umfassenden Weltregierung arbeiten. Diese wird, wie Altforscher James Lovelock vor kurzem locker ausplauderderte, „leider zeitweilig undemokratisch“ sein müssen, weil die Menschen zu dumm seien, der Gefahr des Klimawandels angemessen zu begegnen. Womit wir wieder bei den „1930er Jahren“ wären.

Dennoch: Ehre, wem Ehre gebührt. Der „Spiegel“ ist auf ef-online, nicht zuletzt auch vom Autor dieser Zeilen, oft genug für seine Einseitigkeiten und Dümmlichkeiten gescholten worden. Doch angetrieben vom Erfolg ihrer Blogger-Kollegen und -Konkurrenz haben Marco Evers, Olaf Stampf und Gerald Traufetter dieser Tage gezeigt, was Qualitätsjournalismus, der diesen Namen verdient, kann, wenn er nur will. Weiter so!

Internet:

Marco Evers, Olaf Stampf und Gerald Traufetter: Die Wolkenschieber (Spiegel-Online)

Gerald Traufetter: Experte wirft Uno-Klimarat Schönrechnerei vor (Spiegel-Online)

James Lovelock: Humans are too stupid to prevent climate change (The Guardian)

James Delingpole: When the Germans give up on AGW you really do know it’s all over (Daily Telegraph blog)

Robert Grözinger: Klimadebatte – Sieg der Blogger über unkritischen Wissenschaftsjournalismus (ef-online)


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