29. März 2010

Medienkampagne gegen die katholische Kirche Die letzte Bastion gegen den Zeitgeist

Es geht darum, den Widerstand zu brechen

Die Medienkampagne, die gerade wieder gegen die katholische Kirche inszeniert wird, lässt aufhorchen. Eine erstaunliche Einigkeit ist bei den Mainstream-Medien deutschlandweit zu verzeichnen. Der Missbrauchsskandal, so die einhellige Meinung, mache die katholische Kirche endgültig unglaubwürdig. Die Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger griff die Kirche an und warf ihr mangelnden Aufklärungswillen vor. Unter anderem finanzielle Wiedergutmachung und längere Verjährungsfristen seien vonnöten. Die „taz“ sah Fehler des Unfehlbaren und meinte damit die Beschäftigung eines Pädophilen in Joseph Ratzingers früherer Erzdiözese. Dem in Essen straffällig gewordenen Priester sei unverzeihlicherweise eine zweite Chance eingeräumt worden. Die „Zeit“ trauerte über die gegenüber der Vertuschungspolitik der Kirche bestehende Machtlosigkeit der Opfer. Und so weiter.

Zunächst meint der unvoreingenommene Beobachter: Welch’ glückliche Gesellschaft, die keine anderen Probleme hat. Dass wir in Deutschland nur noch mit der Sexualität Probleme haben, muss aus der Sicht des Kongos, Haitis und Südafrikas befremdlich erscheinen.

Dann muss aber auch klar gesagt werden, dass nachweislich sexuelle Straftaten in Institutionen der katholischen Kirche stattfanden, die unzureichend aufgeklärt wurden, was ohne Zweifel Änderungen in der internen Aufsicht und bei der Einschaltung von Strafverfolgungsbehörden verlangt.

Aber gleichzeitig kann nicht übersehen werden, dass die allgemeine Häufigkeitsrate von sexuellem Kindesmissbrauch zwischen 6 und 25 Prozent bei Mädchen und 2 bis 8 Prozent bei Jungen liegt. Quelle für diese Daten ist der Artikel „Formen der Misshandlung von Kindern – Definitionen, Häufigkeiten, Erklärungsansätze“ von Annette Engfer in dem von U. Egle, S. Hoffmann und P. Joraschky 2005 herausgegebenen Buch „Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung“ im Stuttgarter Schattauer Verlag. Diese simplen Zahlen machen die Dimension des Problems deutlich. Sexueller Missbrauch wird ausgeübt von Männern (Vätern, Stiefvätern, Großvätern, Onkeln, Erziehern, Pfarrern, Lehrern ...), Frauen (Müttern, Tanten, Erzieherinnen,  Lehrerinnen ...) und auch Jugendlichen (Brüdern, Schwestern, Freunden, Freundinnen ...), mithin eigentlich potentiell von allen dazu neigenden Menschen. Nichts spricht dafür, dass es sich hier um ein Problem der katholischen Kirche handelt oder auch nur um eines, das verstärkt in der Kirche vorkäme.

Die Kirche hat sich selbst übrigens – soviel zur Glaubwürdigkeit – nie als eine Versammlung von Heiligen gesehen. Die pilgernde Kirche ist eine Kirche der Sünder auf dem Weg zum Reich Gottes.  Warum also die Fixierung der Medien auf die katholische Kirche? Die Antwort ist einfach. In einem Blog bei Spiegel Online schreibt ein Teilnehmer, was jetzt notwendig sei: 1. Lückenlose Aufklärung, 2. Tätige Reue, 3. Buße in Form einer finanziellen Entschädigung, 4. Abschaffung des Zölibates, 5. Reformierung der Sexuallehre, 6. Zulassung der Empfängnisverhütung, 7. Zulassung von Frauen zum Priesteramt. Dieser Katalog ist repräsentativ für die stereotyp wiederholten Forderungen gegenüber der Kirche.

Aufklärung, Reue und Buße in Ehren. Aber was haben der Zölibat, die Sexuallehre, die Empfängnisverhütung und die Zulassung von Frauen zum Priesteramt mit der Verhinderung von sexuellem Kindesmissbrauch zu tun? Soll eine Liberalisierung der Sexuallehre in der Kirche bewirken, was sie in der Gesellschaft nicht vermochte? Sollen jetzt verheiratete Pädophile und pädophile Frauen wie in der Zivilgesellschaft auch in der katholischen Kirche Kindesmissbrauch treiben können? Soll die Kirche also lediglich „normalisiert“ werden? Nein, nicht normalisiert – gleichgeschaltet!

Die katholische Kirche ist die letzte Institution im Westen, die sich dem Zeitgeist verweigert. Kein Feminismus, kein Gender Mainstreaming, keine Quotenfrauen. Für die Zeitgeist- und Mainstream-Presse ist jetzt wieder einmal die Gelegenheit gekommen, den Widerstand der Kirche gegen diese gesellschaftsweit durchgesetzte Ideologie zu schwächen. Es geht überhaupt nicht um die missbrauchten Kinder. Es geht darum, die letzte Bastion zu schleifen, die aus wohlerwogenen theologischen Gründen sich weigert, um goldene Kälber des Zeitgeists zu tanzen.


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