Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Arme Reiche: Das linke Meinungsdiktat und die Folgen

von Andreas Tögel

Vermögen als ethisches Plus

27. März 2010

„Wenn ich einmal reich wär’…“ singt der Milchmann Tewje im Erfolgsmusical Anatevka. So wie er träumt die überwiegende Mehrheit der Menschen vom mit materiellem Reichtum vermeintlich zwingend verbundenen Glück. Eine Insel im Pazifik, einen Privatjet, eine 100-Meter-Jacht oder – ein paar Nummern kleiner – zumindest eine repräsentative Villa in Bestlage im Nobelviertel zu besitzen, das wäre für viele einfach das Größte. Und so führen Millionen von Möchtegerngeldsäcken Woche für Woche beträchtliche Summen von Deppensteuern an den Fiskus ab, wenn sie Lose kaufen, auf Fußballvereine oder Boxer wetten oder anderen Formen des Glücksspiels frönen. Mit dem Besitz von viel Geld, so scheint es, wäre jedes irdische Problem so gut wie gelöst. Die Art und Weise, auf die man zu Geld kommt, spielt dabei keine große Rolle. Im Falle von Lottogewinnen allerdings scheint festzustehen, dass diese in der Mehrzahl der Fälle keinen nachhaltig positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Situation der „Glücklichen“ ausüben. Schon nach wenigen Jahren finden sich die meisten von ihnen wieder dort, wo sie vorher waren – oder noch weiter unten.

Kurios ist, dass zwar das Streben nach Reichtum als ganz selbstverständlich und legitim angesehen wird, es sich mit dem Reichsein aber gänzlich anders verhält. Künstlern und Sportlern wird ihr Reichtum noch einigermaßen unkritisch zugebilligt, ihnen wird sogar ein exzessiver Lebensstil nicht nur nicht zur Last gelegt, sondern sogar als positives Markenzeichen betrachtet. Diese Sichtweise ändert sich, wenn viel Geld durch unternehmerisches Handeln erworben wurde. Reichen Unternehmern wird stets mit Misstrauen begegnet. Wirtschaftlichem Erfolg im Geschäftsleben haftet ein ekelhafter Geruch unehrenhaften – ja sogar kriminellen – Verhaltens an. Auf ehrliche Weise kann einer, der nicht als Pop-, Tennis- oder Fußballstar zu Ruhm gelangt ist, in der Wahrnehmung des „kleinen Mannes“ keinesfalls ein Vermögen gemacht haben. Ziel seines Neides und der Umverteilungsphantasien sozialistischer Gesellschaftsklempner sind daher stets erfolgreich agierende Wirtschaftstreibende, selten aber auf andere Weise zu Geld gekommene Individuen.

Das ungünstige Bild, das die Öffentlichkeit sich von reichen Unternehmern macht, hat viel mit der in den Massenmedien veröffentlichten Meinung und dem Wirken von Film- und Fernsehschaffenden zu tun. Kein Fernsehformat – vom deutschen Erfolgsprogramm „Der Bulle von Tölz“ bis zur US-Comicserie „The Simpsons“ – in dem der Unternehmer nicht klischeehaft als ebenso gewissenlose wie ausbeuterische Kreatur karikiert wird. Für die meisten Kinofilme gilt dasselbe. Im gleichen Maße, in welchem intakte Familien so gut wie nicht mehr gezeigt werden, bleibt auch für den ehrlichen, hart arbeitenden und kreativen Entrepreneur kein Platz in der Wahrnehmung der nahezu ausnahmslos linken Filmschaffenden und Herren über die Deutungshoheit. Die auf dem Höhepunkt ihrer Macht stehende 68er-Dressurelite diktiert ein durchgängig negatives Bild des Unternehmertums und der Obszönität in dessen Hand befindlicher Vermögen.

Die Sozialwissenschaften wiederum beschäftigen sich zwar exzessiv mit der Erforschung von Armut (und sehen die Lösung dieses Problems gewohnheitsmäßig in der Enteignung der Wohlhabenden und in staatlich orchestrierter Umverteilung zu Wohlfahrtsstaatsklienten), aber so gut wie nie mit Untersuchungen zum Reichtum. Niemanden scheint es zu interessieren, wie es möglich wäre, einer möglichst großen Zahl von Menschen den Weg dorthin zu ebnen.

Eine wohltuende Ausnahme bietet der Soziologe Thomas Druyen, der bei einem von der „Go Ahead Plattform für Führungskräfte“ in Wien organisierten Vortrag mit einigen bemerkenswerten Thesen aufhorchen ließ: Weltweit gibt es derzeit an die Tausend Dollar-Milliardäre, 35.000 Menschen, die über mehr als 30 Millionen US-Dollar und rund 13 Millionen, die über mehr als 3 Millionen US-Dollar verfügen. Dass diesen wenigen Personen rund die Hälfte der auf der Welt verfügbaren Vermögen gehört, sieht er nicht als Problem.

Der Unternehmerfeindlichkeit vieler Intellektueller steht Druyen kritisch gegenüber. Zwar zweifle kaum einer davon ernsthaft an der entscheidenden Bedeutung vermögender Unternehmerpersönlichkeiten für jede Volkswirtschaft, jedoch bestehe keinerlei Interesse daran, deren Wirken öffentlich positiv darzustellen. Druyen unterscheidet zwischen Reichtum, den er als quantitatives Phänomen begreift und Vermögen als qualitatives Phänomen. Letzteres sei es, das der Gemeinschaft (etwa den in Betrieben Beschäftigten) diene. Dem gerne kolportierten Bild vom durch Erbschaft unverdient erlangten Reichtum widerspricht er vehement. Nur wenige Vermögen hätten über Generationen hinweg dauerhaften Bestand. Die Mehrzahl davon ginge schon nach recht kurzer Zeit wieder unter. Nie sei es allerdings – die richtigen Ideen vorausgesetzt – leichter gewesen als heute, in kurzer Zeit gewaltige Vermögen zu erwerben. Besonders im Bereich der Computer- und Informationsindustrie gebe es dafür zahlreiche Beispiele.

Die Wettbewerbsfähigkeit der alten Welt leide darunter, dass hier bei weitem zu wenig Augenmerk auf die Schaffung und Erhaltung produktiver Vermögen gelegt werde. Stattdessen konzentriere man sich schwerpunktmäßig auf die Wahrung „wohl erworbener“ Ansprüche. Die Ursache der derzeit weltweit kritischen wirtschaftlichen Lage ortet Druyen in einer umfassenden Ethikkrise. Alle Welt rede zwar über Ethik, lebe diese aber nicht. Nie zuvor sei daher die Diskrepanz zwischen Wort und Tat so groß gewesen wie heute. Die Schaffung einer neuen Vermögenskultur täte dringend Not. Soziale Probleme seien bevorzugt durch unternehmerisches Handeln zu lösen, nicht durch hoheitliche Regulative.

Aus dem Mund eines Soziologen ein bemerkenswert untypischer Befund…

Erhellende Lektüre zum Thema

Thomas Druyen: Goldkinder Die Welt des Vermögens

http://www.go-ahead.at/

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