13. März 2010

„Der Spiegel“ wie er leibt und schreibt Hilfe, die Schweinepest an US-Schulen!

Wie deutsche Journalisten eine gefährliche Krankheit in Übersee bekämpfen

Der „Spiegel“ wittert mal wieder die Schweinepest. Die neue Vogelgrippe grassiere „an US-Schulen“ und diese Krankheit heißt diesmal „Homophobie“, was in der Gefahrenstufe irgendwo zwischen Klaustrophobie und Arachnophobie liegen muss. Zusammengerechnet ergibt das nach dem journalistischen Katastrophen-Einmaleins im Hause des Müllers von Blumencron den entsetzten Aufschrei: „Homophobie an US-Schulen!“

Was aber war geschehen? Des „Spiegels“ Antwort: „Der Abschlussball an einer Schule wurde wegen eines lesbischen Paares abgesagt.“ Tatsächlich wurde die Veranstaltung in Fulton im südlichen Bundesstaat Mississippi storniert, weil Constance McMillen, 18 Jahre jung, wohl im Wortsinne verlautbaren ließ, entgegen der traditionell dort leise vorgeschriebenen Regel – Jungs im Anzug oder Smoking, Mädels im Abendkleid – im Smoking erscheinen zu wollen. Weil die Schule bei der altbewährten Etikette auch für Constance keine Ausnahme machen wollte, sind nun gemeinsam mit dem „Spiegel“ gleich auch alle „Bürgerrechtler entsetzt“. Tatsächlich sind es auch die Mitschüler, die nun wegen des uneinsichtigen Mannweibs auf den „bedeutendsten Abend im Leben eines US-Schülers“ verzichten müssen. Nachdem, so der „Spiegel“, die „Schulbehörde homophob“ auf die Trotzköpfigkeit des Teenagers reagierte, sind auch die „homophoben Reaktionen“ der Mitschüler im fernen Hamburg äußerst kritikwürdig. Aus der Sicht der 18-jährigen Spielverderberin erläutern die mitfühlenden „Spiegel“-Fechter: Weil die Absage des Balls auf ihre persönliche Haltung zurückgehe, „werden mich eine Reihe Leute an der Schule wirklich hassen.“ Ach!

Mitschülerin Anna Watson, 17 Jahre jung, sagt, sie sei „etwas genervt“. Und fügt hinzu: „Einer wäre doch immer enttäuscht gewesen, entweder Constance oder wir.“ Ein anderer High-School-Comrade wird deutlicher: „Danke, dass du meinen Abschlussball ruiniert hast.“

Das erinnert den Autor dieser Zeilen an eigene übermütige Jugendjahre. Damals ist er aus dem örtlichen Schützenzug geflogen, weil er statt in grüner Jägeruniform partout im schwarzen Anzug zuzüglich Hut und Sonnenbrille durch die geschmückten Dorfstraßen flanieren wollte. Keiner mochte sich dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit damals annehmen. Es müssen dunkle Zeiten gewesen sein, als der „Spiegel“ statt vom Schützenfest in Wevelinghoven oder von der High School in Fulten zu berichten tatsächlich die Erfolge Ronald Reagans und Helmut Kohls nacherzählen musste und Antidiskriminierungsvorgaben der EU noch unbekannt waren. Ein älterer Schützenkollege löste das Problem Lichtschlag damals kurzentschlossen mit einer Pechfackel in der Hand, er wollte sich seine Festivität auch nicht ruinieren lassen.

Solche Vorfälle scheinen Lichtjahre entfernt, denn zurück in Fulton 2010 greift die ACLU-Vertreterin die Schulbehörde scharf an. Und auch McMillen selbst ist als Unschuld vom Lande ganz „fassungslos“ und meint: „Die Botschaft ist doch: Bevor wir Homosexuelle auf unseren Abschlussball lassen, machen wir lieber gar keinen.“

Seltsam nur, dass in den Vorgaben der Schule zum Abschlussball Homosexualität überhaupt nicht erwähnt wird. „Spiegel“ und Bürgerrechtsunion haben McMillen dennoch „ermutigt, den nächsten Schritt zu gehen“: Sie hat nämlich nun „ihre High School verklagt“, sie „will erzwingen, dass der Ball stattfindet“, samt ihrer Anwesenheit im Smoking selbstverfreilich.

Als wenn die zum weltweiten Skandal hochgejubelte Provinzposse einer übermütigen jugendlichen Querulantin nicht genug wäre, setzt Jared Polis, schwuler demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus in Washington, noch eins drauf. Er hat – und das befriedigt den „Spiegel“ am Ende doch sehr – „einen Gesetzentwurf in den Kongress eingebracht, der die Diskriminierung homosexueller Schüler verbietet“. Der „Fall McMillen“ zeige nämlich, „dass Schüler gegen Diskriminierung geschützt werden müssen.“ Denn, so Polis und die Pressewart von der Waterkant: „In diesem Fall ist es ein Ball. In einem anderen geht es darum, getötet zu werden.“

Und morgen verklagen wir die örtliche Feuerwehr, weil sie sich gegen das rosa Tutu anstelle des bislang vorgeschriebenen Schutzanzugs gewehrt hat, und die Schornsteinfegerinnung, die den Lederdress mit dezentem Gesäßausschnitt noch nicht im Programm hatte. Denn, na klar, „in dem Fall ist es nur der Schlot, morgen geht es darum, getötet zu werden.“ Und das Hamburger Organ für politische Korrektheit in Deutschland meldet dann: „Homophobie in deutschen Feuerwehren: Löscheinsatz wegen schwulem Brandmeister abgesagt“.

Internet

„Der Spiegel“: „Homophobie an US-Schulen: Abschlussball wegen lesbischen Paares abgesagt“


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