Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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IPCC: „Climategate“ und „Post Normal Science“

von Edgar L. Gärtner

Warum die Forscher besser im Elfenbeinturm aufgehoben sind

Der britische Star-Blogger James Delingpole hat kürzlich entdeckt, dass die durch den „Climategate“-Skandal publik gewordenen Datenmanipulationen des „Weltklimarates“ IPCC nicht auf die Bosheit und Verlogenheit von Einzelpersonen zurückgehen, sondern System haben. Dieses beruht auf einer theoretischen Begründung, die die neo-marxistischen Wissenschaftsphilosophen Silvio Funtowicz und Jerome Ravetz schon im Jahre 1991 lieferten. Nach dem von den beiden für Situationen höchster Ungewissheit vorgeschlagenen Konzept der „Post Normal Science“ (PNS) brauchen sich die Forscher nicht mehr an der regulativen Idee der Wahrheit zu orientieren. Vielmehr sollen sie auf die Qualität ihrer „Erzählung“ (narrative) achten. Während „normale“ Naturwissenschaft nach dem inzwischen schon als „klassisch“ genannten Modell im Buch „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ von Thomas S. Kuhn (1962) im Rahmen eines allgemein anerkannten Paradigmas auf experimentellem Wege nach reproduzierbarem, wirtschaftlich nützlichen Wissen sucht, orientiert sich „post-normale“ Wissenschaft an neuen Leitbildern wie „Vorsorge“, „Klimaschutz“ und „ökologische Nachhaltigkeit“ oder auch "soziale Gerechtigkeit".

Die herkömmliche Wahrheitssuche kann/soll im Grunde genommen verdrängt werden durch die diskursive Einigung auf etwas, das als Wahrheit gelten soll. So wird ergebnisoffene Wissenschaft am Ende durch politisch nützliche Fiktionen einer geschlossenen Welt ersetzt. Die Grenze zwischen gutmenschlicher Selbsttäuschung und organisierter Irreführung der Öffentlichkeit wird fließend. Es erscheint auf der Grundlage des PNS-Konzepts durchaus erlaubt, die direkte oder indirekte Ermittlung von Temperaturdaten so zu manipulieren, dass sie in die Geschichte von der menschlich verursachten globalen Erwärmung passen, da es den postnormalen Wissenschaftlern ja in erster Linie darum geht, „guten“ politischen Zielen wie der massiven Subventionierung unwirtschaftlicher „erneuerbarer“ Energien oder dem CO2-Emissionshandel zum Durchbruch zu verhelfen. So entstand die berühmt-berüchtigte „Hockeyschläger“-Kurve der Temperaturentwicklung in den letzten tausend Jahren.

Allerdings stieß die Idee einer „Post Normal Science“ auch auf Seiten der politischen Linken keineswegs auf ungeteilte Zustimmung. Zumal bei den Sozialdemokraten gab es zu Beginn des 21.Jahrunderts noch eine einflussreiche Strömung, die sich auf die Wissenschaftstheorie Karl Poppers berief. Angeführt wurde diese Strömung von keinem Geringeren als Helmut Schmidt. Hintergrund war die mit der Verabschiedung des Godesberger Programms verbundene Distanzierung der SPD vom Marxismus. Diese wiederum hatte nicht nur mit dem Widerspruch zwischen dem Nachkriegs-Wirtschaftswunder und der marxistischen Verelendungstheorie zu tun, sondern auch – was inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten ist – mit der Selbstentlarvung der nihilistischen Motive der Gründerväter Karl Marx und Friedrich Engels in deren erst im 20. Jahrhundert veröffentlichten Briefwechsel. Dessen kompromittierender Inhalt war trotz der vom Herausgeber Karl Kautsky und dessen Nachfolgern ausgeübten verschämten Zensur nach und nach bis zum sozialdemokratischen Fußvolk vorgedrungen. Jedenfalls gehörte Edelgard Bulmahn, die Bildungs- und Forschungsministerin der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder, wie ich von ihr persönlich weiß, zu jenen Sozialdemokraten, die sich, obwohl dem linken Flügel der SPD angehörend, mit grüner Ideologie nur schwer anfreunden konnten, weil sie wie ihr Ehemann stark beeinflusst war von Popper.

Auch in der in Deutschland schon im Zusammenhang mit der 1987 eingesetzten Bundestags-Enquête „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“ besonders früh staatlich mit Milliardenbeträgen geförderten Klimaforschung gab es noch bis zum Beginn dieses Jahrhunderts in den Naturwissenschaften viel Skeptizismus und zum Teil offenen Widerstand gegen die Politisierung der Wissenschaft im Sinne des PNS-Konzepts. Zu erwähnen ist hier insbesondere das Buch „Klimafakten“ von Ulrich Berner und Hansjörg Streif, zwei Forschern an der dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellten Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Diese an bewährten Prinzipien und Gütekriterien naturwissenschaftlicher Forschung orientierte Bestandsaufnahme, die zu einer Art Indizienbeweis für den dominanten Einfluss der Sonnenzyklen auf das irdische Wettergeschehen gelangte, gab Anlass zu wachsender Skepsis in der Öffentlichkeit und zu einer kritischen Anfrage des CDU-Abgeordneten Axel Fischer im Deutschen Bundestag. Um die Wogen zu glätten, setzte Edelgard Bulmahn den interdisziplinär zusammengesetzten Sachverständigenkreis „Globale Umweltaspekte“ (SV GUA) ein.

Zu dessen Mitgliedern zählte mit dem bekannten Bielefelder Wissenschaftssoziologen Peter Weingart auch ein mit der von Funtowicz und Ravetz angeregten „neuen Wissensordnung“ sympathisierender Vertreter der Linken. Weingart gehörte allerdings gleichzeitig zu jenen, die die mit dem Ende des Kalten Krieges verbundene Aufgabe des Leitbildes der Forschungsfreiheit und der regulativen Idee der Wahrheit im Westen bedauerten und eindringlich davor warnten, dass das PNS-Konzept die Gefahr des Verlustes der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft gegenüber dem gesunden Menschenverstand von Laien birgt. Wie berechtigt diese Warnung war, zeigt der „Climategate“-Skandal.

Der Ende 2003 vorgelegte Abschlussbericht des von Edelgard Bulmahn eingesetzten Sachverständigen-Gremiums unter dem Titel „Herausforderung Klimawandel“ zeugt denn auch von der Konfusion, die die „post-normale“ Politisierung der Forschung schon damals in den Naturwissenschaften angerichtet hatte. Um den argumentativen Eiertanz dieses Wissenschaftlergremiums angesichts des wachsenden politischen Drucks zu dokumentieren, zitiere ich im Folgenden aus einem Unterkapitel meines Buches „Öko-Nihilismus“ (2007), das sich mit dem PNS-Konzept auseinandersetzt.

Schon die Vorbemerkung des Berichts „Herausforderung Klimawandel“ enthält den Hinweis, statistische Untersuchungen zeigten keine Korrelation zwischen der Häufigkeit von extremen Wetterereignissen und der Entwicklung der bodennahen Durchschnittstemperatur. Das Gremium beklagte des weiteren, Politik und Medien hätten sich in den letzten Jahren darauf versteift, im Klimawandel etwas Böses zu sehen, das es zu verhindern gelte – koste es, was es wolle. Doch es sei gar nicht möglich, den Klimawandel aufzuhalten: „Die bisherige pauschale Annahme, dass Klimaänderungen ‚negativ’ zu sehen seien, sollte durch eine vorurteilsfreie Sicht ersetzt werden, da es nicht um ‚gut’ und ‚schlecht’ geht, sondern darum, wie mit dem, was da kommt, rational umgegangen wird“ (S. 52).

Das Kioto-Protokoll vom Dezember 1997 sei jedenfalls nicht geeignet, das Klima zu stabilisieren. Es habe lediglich politische Bedeutung, denn vor dem Jahr 2050 sei von der Umsetzung der in Kioto eingegangenen Reduktionsverpflichtungen kein Einfluss auf die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur zu erwarten. Ohnehin sei dieser Mittelwert für die Ökologie und die menschliche Gesellschaft belanglos. Vielmehr komme es auf die lokalen Auswirkungen des Klimawandels an, die aber kaum absehbar seien.

Dabei stellten die Ratsmitglieder die dem Abkommen von Kioto zugrunde liegende Annahme, zumindest die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gemessene leichte Erwärmung der Erde gehe überwiegend auf das Konto industrieller CO2-Emissionen zurück, nicht grundsätzlich in Frage. Das scheint aber von vornherein festgestanden zu haben; stringent herleiten lässt sich dieser Schluss aus den Aussagen der Studie keineswegs. Denn immerhin gingen die Forscher davon aus, die Erwärmung in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts gehe wahrscheinlich nicht auf den umstrittenen „Treibhauseffekt“, sondern auf verstärkte Sonnenaktivität zurück. Sie geben auch offen zu, dass die Ergebnisse der von ihnen untersuchten mathematischen Klimamodelle entscheidend von geschätzten Eingabegrößen abhängen und dass die Modellrechnungen gleich mehrere Unbekannte (wie Veränderungen der Landnutzung, etwa durch Urbanisierung oder Waldrodung, des Aerosol- und Wasserdampfgehalts der Atmosphäre beziehungsweise der mittleren Wolkenbedeckung der Erde unter dem Einfluss von Schwankungen der Sonnenaktivität und der kosmischen Strahlung) enthalten, deren potentieller Einfluss auf die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur wahrscheinlich größer ist als der angenommene Einfluss anthropogener „Treibhausgase“. Sie wiesen auch darauf hin, dass das bislang wärmste Jahr seit Menschengedenken (1998) mit Sicherheit nicht auf CO2, sondern auf ein El Niño-Ereignis zurückgeht.

Zudem scheint es in den letzten 10.000 Jahren mehrmals deutlich wärmer gewesen zu sein als heute: „Rekonstruktionen belegen, dass die Alpen während der letzten zehntausend Jahre wiederholt nahezu frei von Gletschern waren“, heißt es in der Studie (S. 43). Baumleichen, die man heute infolge des Abschmelzens von Gletschern in den Alpen weit oberhalb der aktuellen Schneegrenze findet, sprechen da übrigens für sich. Auch eine Rekonstruktion des Wechsels von Kalt- und Warmzeiten in den letzten 400.000 Jahren aufgrund von Bohrkernen des Antarktis- oder Grönland-Eises erlaube es nicht, die Rolle von CO2 für die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur zu klären, stellte der Beirat fest, zumal die in der Studie (S. 33) abgebildete Temperaturkurve der CO2-Kurve immer vorauseilt und somit darauf hinweist, dass die CO2-Zunahme der Erwärmung folgte und nicht umgekehrt.

Unter normalen Umständen dürfte also kaum jemand großes Aufheben von der CO2-Erwärmungs-Hypothese machen. Sie würde wohl gerade noch für diskussionswürdig erachtet. Doch die Klimaforschung sei eben keine normale Naturwissenschaft, sondern Post Normal Science (PNS), meinten die Sachverständigen. Unter „postnormal“ verstehen sie folgende Situation: „Große Unsicherheit und hohe Risiken sind miteinander gekoppelt. Die Unsicherheit kann nur in einem beschränkten Maße durch weitere Forschung vermindert werden; oftmals erhöht die Forschung die Unsicherheit im Umgang mit dem Problem als Ganzes.“ (S. 53) Daraus folge: „Wissenschaft ist nicht mehr der wichtigste gesellschaftliche Ratgeber, und wissenschaftliche Argumente sind nicht die einzigen, die in den Köpfen der Wissenschaftler wirken. Klimaforschung wird damit zu einem sozialen Prozess, und in einem demokratischen System ist es angezeigt, den Beratungsprozess und seine Dynamik im Hinblick auf vorgefasste Meinungen [...] zu analysieren. [...] Es ist an der Zeit, die Forschung programmatisch neu zu gestalten, d.h. in einem genuinen transdisziplinären Verbund, um Öffentlichkeit und Politik über die Problematik der Klimaänderung ‚holistisch’ beraten zu können“, forderte der SV GUA (S. 54).

Doch mit diesem Hinweis haben die Wissenschaftler ein Fass aufgemacht, das sich als Büchse der Pandora erweisen könnte. Denn es geht dabei nicht lediglich um die Einsicht, dass die (Natur-) Wissenschaft niemals zur einzigen beziehungsweise ausschlaggebenden Informationsquelle für individuelle und kollektive menschliche Entscheidungen werden kann. Es geht vielmehr um die Frage, welcher Stellenwert dem freien Markt als Informationsquelle und damit der individuellen Freiheit im Verhältnis zu politischen Vorgaben und zu den Ratschlägen politisierter Naturwissenschaftler und davon abgeleiteten quasireligiösen Vorstellungen eingeräumt wird.

Was unter „Post Normal Science“ aus der Sicht der heute dominierenden Politischen Ökologie zu verstehen ist, hat Hans-Jochen Luhmann, Abteilungsleiter im Wuppertal Institut für Klima-Umwelt-Energie, in einer in der Nummer 4/2003 der Zeitschrift für Umweltpolitik und Umweltrecht (ZfU) erschienenen Rezension eines Buches von Peter Weingart et al. offenbart: „Es ist die Handlungs-, die politische Perspektive, die die Naturwissenschaft einnimmt (und sie dadurch zur Umweltwissenschaft mutieren lässt) und die es ihr zugleich ermöglicht, aus dem viel reicheren Geflecht von Ursachen, welche sich rein naturwissenschaftlich gesehen anbieten, einzelne auszuzeichnen und sie als ‚die’ Ursachen zu kennzeichnen. Insofern ist das framing zwar eine Leistung der Naturwissenschaft, (…). Aber die Beschränkung ihrer Definitionsfreiheit [...] ergibt sich erst dadurch, dass sie eine Handlungs-, d.h. eine pragmatisch/politische Perspektive einnimmt – also dadurch, dass die Naturwissenschaft zur Umweltwissenschaft wird.“ (S. 521). Das erinnert unwillkürlich an die „deutsche Physik“ in Hitler-Deutschland oder an die stalinistische Scharlatanerie des russischen Biologen Trofim Lyssenko in der Sowjetunion. Und zwar vor allem deshalb, weil hier das „framing“ nicht in erster Linie den Bedingungen des freien Marktes, sondern Politik und Wissenschaft (oder was man dafür hält) zugeschrieben wird.

Wohl um sich von dieser durchaus naheliegenden Interpretation des von ihm ersonnenen Konzeptes zu distanzieren, hat der inzwischen über 80-jährige Jerome Ravetz in einem Gastbeitrag auf dem führenden Skeptiker-Blog „Watts Up With That“ (WUWT) versucht, Lehren aus „Climategate“ zu ziehen. Darin erklärt er das nicht entschuldbare Verhalten der Klimaforscher um Phil Jones (University of East Anglia) und Michael Mann (University of Virginia) dadurch, diese hätten „normale“ und „missionierende“ Wissenschaft in unzulässiger Weise in einer „post-normalen“ Situation miteinander verknüpft. Damit legt er seinen Lesern nahe, „Climategate“ wäre vermeidbar gewesen, wenn die nun kompromittierten Forscher nur konsequent „post-normale“ Wissenschaft betrieben hätten.

Er unterschlägt dabei die Erkenntnis, dass sich die Politisierung der Wissenschaft nicht in erster Linie in den Ergebnissen naturwissenschaftlicher Forschung niederschlägt als vielmehr in deren Fragestellungen. „Wer fragt, der führt“, lautet nicht von ungefähr eine der wichtigsten Management-Regeln. Mit anderen Worten: Ravetz tut so, als gäbe es die heutige global ausgerichtete Klimaforschung und den „Weltklimarat“ IPCC sowie die Fragen und Forschungsaufgaben, mit denen sie sich hauptsächlich beschäftigen, auch ohne die nun schon über 100 Jahre alte Weltstaatsidee und das dahinter stehende Weltmachtstreben einer selbsternannten Elite. Dass dem nicht so ist, ist schon daraus ersichtlich, dass der Klimabegriff naturwissenschaftlich sauber nur regional definierbar ist - und zwar als jeweils typischer Jahresgang von Temperatur und Niederschlag. Ein „Weltklima“ gäbe es ohne den IPCC und die hinter seiner Gründung stehenden politischen und wirtschaftlichen Interessen gar nicht. Der inzwischen auf der Abschussliste stehende IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri hat das selbst unfreiwillig bestätigt, indem er das von ihm geleitete zwischenstaatliche, d.h. politische Gremium aus Funktionären, Diplomaten und Forschern mit dem Hinweis verteidigte. „Wenn es den IPCC nicht gäbe, warum sollte sich dann irgendjemand um den Klimawandel sorgen?“

Doch statt sich kritisch mit der raison d’être des IPCC zu beschäftigen, schmeichelt Jerome Ravetz der Blogosphäre, die bei der Entlarvung des Klimaschwindels tatsächlich eine Schlüsselrolle gespielt hat, indem er den skeptischen Bloggern vorschlägt, sich im Rahmen einer „extended peer community“ an der „Wissensqualitätsprüfung“ zu beteiligen. Zu fragen, ob es Wissenschaft und Gesellschaft nicht besser täte, wenn die Forscher wieder in den Elfenbeinturm zurückkehrten, kommt Ravetz offenbar gar nicht erst in den Sinn.

Internet

Wohin mit den Zweifeln?

James Delingpole’s Blog

James Delingpole: ‘Post-normal science’ is perfect for climate demagogues – it isn’t science at all

Climate Change and the death of science

Silvio Funtowicz and Jerome Ravetz: Values and Uncertainties

Jerome Ravetz: Plausibility and the Blogosphere in the Post Normal Age

Diesen Beitrag gibt es auf Deutsch in der „Weltwoche“ unter dem Titel „Die Lehren aus Climategate“ 

Ulrich Berner/Hansjörg Streif (Hrsg.): Klimafakten

BMBF: Herausforderung Klimawandel

Peter Weingart: Die Stunde der Wahrheit? Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft

Peter Weingart et al.: Von der Hypothese zur Katastrophe. Der anthropogene Klimawandel im Diskurs zwischen Wissenschaft, Politik und Massenmedien

Edgar L. Gärtner: Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie

09. März 2010

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Kommentare

Pieter De Vos, am 09. März 2010 um 12:36 ( Link )

Exzellenter Artikel. Inhalt plus Quellen. Ein beispielhafter Gegensatz zur sonstigen Klima-"forschung".

Danke

EEkat, am 09. März 2010 um 13:17 ( Link )

Klasse Zusammenfassung.

Klar müssten die Forscher, muß die Wissenschaft wieder zurückkehren sich auf die Popperschen Kriterien zurückziehen.

Das ist aber eine Frage der Interaktion zwischen der von Wissenschaft abhängigen Politik
(Stichwortgebung) und der von Steuergeldern ihrerseits abhängigen Wissenschaft.

Da ist eine Symbiose entstanden, die man ohne erhebliche Demolierungsfolgen, also in einer Demokratie, nicht mehr wird aufbrechen können.

Wie viele Helmut Schmidts haben wir hervorgebracht? Und wie ist er (ausgerechnet) geendet?

Auch wenn wir ihm noch heute zuhören.

Oder: eben deswegen.

Die BRD wird, obwohl der Zusammenhang nicht zwingend erscheint, genau mit diesem Manne ihr Ende finden.

EEkat

Reiner Vogels Fördermitglied, am 09. März 2010 um 15:14 ( Link )

Ein großartiger und fundiert recherchierter Artikel! Dass es für die beschriebene Art von "Wissenschaft" sogar ein "wissenschaftstheoretisches" Konzept namens "Post Normal Science" gibt, war mir neu. Vom marxistischen Denkansatz jedoch leuchtet es mir unmittelbar ein. Allerdings meine ich, man sollte nicht von PNS sprechen, sondern von Lügenwissenschaft.

Wolf-Dieter Schleuning, am 09. März 2010 um 15:40 ( Link )

Super Beitrag. Ergänzend sollte man vielleicht den Wahrheitsbegriff von Jürgen Habermas erwähnen, der sehr stark mit post-normal science überlappt:Für seine Diskurstheorie ist eine Aussage dann wahr, wenn sie Anerkennung von allen vernünftigen Gesprächspartnern verdient und über sie ein Konsens hergestellt werden könnte. Habermas erläuterte dies 1973 in seinem Aufsatz "Wahrheitstheorien". Er definiert darin:„Wahrheit nennen wir den Geltungsanspruch, den wir mit konstitutiven Sprechakten verbinden. Eine Aussage ist wahr, wenn der Geltungsanspruch der Sprechakte, mit denen wir, unter Verwendung von Sätzen, jene Aussage behaupten, berechtigt ist.“

Habermas gilt als Staatsphilosoph der Bundesrepublik. Wenn ich ihn richtig verstehe ist Wahrheit nicht das Produkt der Analyse empirischer
Daten sondern die gemeinsame Schnittmenge von Meinungen nach einer Art kollektiver talk-show.
Es deshalb durchaus folgerichtig wenn die Medien den Gründen für die deutschen Lieblingsängste (Kernenergie, Gentechnik, Klimawandel) den Rang von Wahrheiten zubilligen.

Reiner Vogels Fördermitglied, am 09. März 2010 um 17:22 ( Link )

@Wolf-Dieter Schleunig,

vielen Dank für den Hinweis auf den Marxisten Habermas. Wenn ich das alles richtig verstehe, verdankt die deutsche Philosophie diesen "Wahrheitsbegriff" letztlich keinem geringeren als Hegel. Hegel verlegt in bewusster Abkehr vom platonischen Wahrheitsbegriff, der auf das objektiv und übergeschichtlich Wahre, Schöne und Gute abstellte, die Wahrheit an das Ende eines "dialektischen" Prozesses des "Weltgeistes".

Jede Vorstufe des Bewusstseins hin zu diesem Ende ist dann nur eine Durchgangsstufe. Wahrheit "ist" nicht, sondern Wahrheit geschieht, entwickelt sich. Der Marxismus hat daraus gemacht: Wahrheit wird hergestellt, wird gemacht. Deshalb war es logisch zu formulieren: "Die Partei hat immer recht". Und deshalb war es nur konsequent, wenn man Andersdenkende in die Psychiatrie gesperrt hat. Wenn sie die "objektive" Wahrheit nicht erkannten, konnten sie nur geisteskrank sein.

Dass dieser "Wahrheitsbegriff" des Marxismus auch in die exakten Naturwissenschaften eingezogen ist, erschüttert mich. Schande über solche "Wissenschaftler"!

EEkat, am 09. März 2010 um 18:28 ( Link )

@Wolf Dieter Schleunig, auch von mir Dank für diesen Hinweis auf Habermas. Man hätte es sich fast denken können.

Wahrheit, also das, was man als wahr empfindet ist nichts anderes als:

Von den eigenen Sinnesorganen aufgenommene Reize, neutral aufgearbeitet, und durch die im eigenen Bewußtsein vorhandenen Prägungen (durch Genetik, oder Erfahrung) aufbereitet.

Was dann an der individuellen Bewußtseins- Oberfläche erscheint, das hält das Individuum für wahr.

Es kann sich also sehr unterscheiden sowohl von dem, was ein neben ihm stehendes Individuum aufgrund seiner Sinneseindrücke als wahr "empfindet" - nicht umsonst sprechen wir dabei von "Empfindung" und findet beispielsweise in Gerichtsverhandlungen seine Entsprechung.

Indem vor einem Gericht zur lediglichen Offenlegung der Wahrheit ermahnt werden kann, an welche man durch Eidesleistung gebunden werden kann, damit jedoch immer nur die Offenlegung dessen erwarten kann, was dem Individuum aufgrund dessen eigener Sinneseindrücke und deren individueller Verarbeitung als Wahrheit „erscheint“. Da nun freilich nichts verborgen, oder hinzugefügt werden darf.

Bereits zwei Individuen müssen demnach unterschiedliche Wahrnehmungen eines objektiv gleichen Sachverhaltes empfinden, dies schon aufgrund der individuell unterschiedlichen Prägung.

Daher wäre es besser davon auszugehen, daß ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Wahrheiten zu einem Abgleich, und damit zu einer gemeinsamen Wahrheit führen muß, die man dann als Wirklichkeit bezeichnet. Je mehr Beteiligte, so gewisser die gemeinsame Wirklichkeit.

Wirklichkeit ist demnach ein Unterfangen, durch kollektive Abgleichungen individueller Wahrheiten sich gemeinsam um eine höhere Wahrheit, also um die Wirklichkeit zu bemühen.

Diese Verfahrensweise reflektiert die begrenzten Fähigkeiten des Menschen, ein tatsächliches Abbild von Realität bieten zu können. Demnach ist jedoch selbst das, was wir als Wirklichkeit gemeinsam festgestellt haben prinzipiell immer noch verschieden von dem, was der tatsächlichen Realität entspricht.

Wir können dies, um das Grundthema nicht aus den Augen zu verlieren, sehr gut bei der gemeinsam Welt- Wirklichkeit eines unmittelbar drohenden Klimawandels feststellen. Eine Wirklichkeit, die für viele unumstößlich geworden ist, aber dennoch mit der Realität nichts zu tun haben muß.

Marxisten haben allesamt keine Ahnung vom Menschen, sie verstehen ihn als ein reines Verstandeswesen, sie haben keine Ahnung von der Dualität der Quelle, aus der menschliches Handeln sich speist. Sie verstehen den Unterschied nicht zwischen Wissen und Wollen. Letzteres ist Werte-basiert, hängt also von Prägungen ab, die alles überdecken, was ein Mensch fühlt und denkt, und wie er handelt.

Deren Auffassung von Ökonomie ist daher von vornherein Murks. Dieses mangelhafte Menschenbild findet sich bei Habermas wieder in einer Negierung dessen, was den Menschen ausmacht, und damit natürlich auch des dadurch prinzipiell beschränkten Geltungsbereiches eines Wahrheits-Begriff.

Wenn jemand ahnt (mehr geht ja nicht! Wahrheit!) wie es sich tatsächlich verhält, so wird diesem übel. (Realität)

EEkat

Hanna Thiele, am 10. März 2010 um 9:06 ( Link )

Man muß sich nur mit der Syndromansatz-Studie des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung (PIK) beschäftigen, um zu erkennen, zu welch faschistischem Füllhorn diese Büchse der Pandora werden kann. Die absolute Macht liegt darin, als "krank" und "entartet" zu bewerten und zu bekämpfen, was den eigenen Zielen im Wege steht.
http://www.itas.fzk.de/deu/tadn/tadn993/reus99a.htm

Man definiert Probleme, die wir gar nicht haben und nennt des schlicht Problemdefinitionskompetenz. Diese nichtvorhandenen Probleme werden dann "wissenschaftslogisch" abgearbeitet.
"Die Selbstselektion einzelner Forscherindividuen ist eine wichtige Größe in diesem Spiel" schreibt Dr. Reusswig vom PIK.
Wieweit das zu "Selbstselektion" großer Teile der Gesellschaft führt, erleben wir gerade mit Schrecken.

Erschreckend, daß diese Kastrierung des Denkens in Deutschland wieder totaler abläuft als im Rest der Welt.
Andernorts wird kritisiert, untersucht und gespottet.
Die deutsche Regierung erlaubt keine Fragen und das Parlament kuscht.
Frau Merkel kann sich auf ihre "willigen Helfer" verlassen, die aus blankem Opportunismus trotz Climategate und Kopenhagen-Flop die gleichen unsäglichen Figuren erneut auf den Schild heben.
http://www.kerntechnik.info/fileadmin/user_upload/downloads/Dinner_Speech.pdf
http://www.kerntechnik.info/fileadmin/user_upload/downloads/Vorprogramm.pdf
http://www.kernenergie.de/kernenergie/documentpool/Service/201002-ik-zukunftsfragen.pdf

leewe, am 10. März 2010 um 13:05 ( Link )

@Hanna Thiele;
treffender Kommentar zum treffenden Beitrag!
Mir wird schon schlecht. wenn dieser amerikanisierte Name dieses dubiosen Institutes genannt wird. Offenbar wähnt sich Gen. Schellnhuber dann auf "Augenhöhe" mit dem MIT aus Boston u.a.?

Man definiert Probleme, die wir gar nicht haben und nennt des schlicht Problemdefinitionskompetenz. Diese nichtvorhandenen Probleme werden dann "wissenschaftslogisch" abgearbeitet.

So wird sie vorangetrieben, die Forschung ins Nichts bzw. es wird weiter die ABM für Wissenschaftler betrieben.
PNS - danke für die Aufklärung! So erklärt sich manche Entscheidung, die wir nur leider mit Steuergeldern bezahlen.

EEkat, am 10. März 2010 um 14:09 ( Link )

Wer findet denn mal heraus, worin der Bogen , die Klammer zwischen den von Gärtner hier thematisierten Machern aus der Grünen- und SPD-Szene zu denjenigen besteht, die das dann in der durchgesetzt haben.

Die Kenntnisse dazu fehlen uns vollständig.

Die jedoch wären wichtig.

Was genau hat eine Merkel dazu befähigt, einem Töpfer nachfolgen zu können.

Wir bescheiden uns mit der Flach-Information: das hat der Kohl so bestimmt.

Das ist aber Quatsch.

Bevor der Kohl die ins Visier nahm, muß irgendwer die Merkel unter die Fittiche genommen haben und vors Visier von Kohl gestellt haben.

Und dann bedeutet dies immer noch nicht, daß die Merkel deswegen Nachfolger von Töpfer hätte werden könmnen. Denn: Töpfer ist ja nicht rausgeflogen, selber er folgte einer Mission. Der ist ja nicht abgesägt worden, sondern aus freien Stücken zur UNO in genau diesen Klimapolitik-Dunstkreis gewechselt.

Interessant, daß dies in der öffentlichen Wahrnehmung der BRD überhaupt keine Rolle spielt.

Ein Töpfer wechselt doch dann nicht, ohne sichergestellt zu habem daß eine dazu geeignete Person seine Nachfolge antritt.

Was ja nun auch genau so eingetroffen ist.

Dem Klimakämpfer Töpfer folgte die Klimakämpferin Merkel. Nur hat dies damals in der Öffentlichkeit niemand registriert. Und da muß bereits eine Querverbindung zu den hier im Artikel thematisierten Wissenschafts-Umdeutern bestanden haben. Auch das PIK lief da bereits an.

Wer also hat dies im Hintergrund gefingert, in die Wege geleitet, die Merkel an die Hand genommen aufgebaut, und in die entsprechenden Startlöcher platziert.

Das fehlt, Herr Gärtner.

Daß Merkel dann auch noch Kanzler wurde, ist dumm gelaufen und vielleicht Zufall.

Oder eben auch nicht.

Und bitte, Herr Gärtner, kommen Sie nicht mit den Bilderbergern. Dort wird koordiniert, was bereits in Gang ist. Die sind insoweit an einer Umsetzung beteiligt, aber sie sind nicht ursächlich nicht die Quelle, der Verursacher eines Impulses.

Die nächste Frage: wodurch wurde es ermöglicht, zu dieser Neubewertung von Wissenschaft die freie Presse völlig zu neutralisieren?

Da klafft ja ebenfalls eine Erklärungslücke.

Sie deckt sich übrigens halbwegs mit dem Niedergang des Spiegel. Oder der Inthronisierung von Aust.

Solche Entwicklungen der Wissenschaft wären früher hinterfragt, problematisiert worden.

Das alles fehlte.

Ist dies Zufall, oder hat es dazu eines Instruments, einer irgendwie gearteten Maßnahme bedurft, die Presse ins Boot zu bekommen? Eine Maßnahme, die womöglich ohne daß das willentliche Zutunn der Presse vonstatten ging, weil die sich auf etwas eingelassen haben, dessen Auswirkungen sie nicht abschätzen konnten?

Auswirkungen auf die Gesellschaft. Aber auch Auswirkungen auf sie selber.

Ich habe dazu eine konkrete Vorstellung. Und ich habe die Kenntnis von einer Maßnahme, die tatsächlich damals tatsächlich eingeführt wurde, und die diese verheerende Gleichschaltung bewirkt haben könnte.

Nur: wem nützt es? Es gibt keine wirksamen Medien, übert die man dies zumindest mal problematisieren könnte.

Das Internet ist dazu untauglich.

EEkat

CrisisMaven, am 10. März 2010 um 15:48 ( Link )

Wolf-Dieter Schleuning: "wenn sie Anerkennung von allen vernünftigen Gesprächspartnern verdient und über sie ein Konsens hergestellt werden könnte." und Hanna Thiele vielen Dank und auch natuerlich an Herrn Gaertner. Auch EEkat fuer den advocatus diavoli :-) Was an all diesen "soziologesischen" Ideen einer mehrheitsverpflichteten Wahrheitsfindung aufstosst, ist, dass es a) im Normativen keine Wahrheit gibt und b) naturwissenschaftliche wie wirtschaftswissenschaftliche "Wahrheit" nur durch logischen Rigorismus zu gewinnen ist.
Wenn Habermas u.a. meinen, Wahrheit sei aus der Mehrheitsmeinung wohlgelittener Sprecher zu gewinnen (wer ist uebrigens Schiedsrichter???) so meint er sicherlich C4-Professoren oder wer koennte es sonst sein – Blogger kommen sicher nicht infrage. Damit ist er beim verbeamteten Hegelschen Weltgeist angelangt. Es ist interessant, dass eine Figur wie Habermas damit einer Diktatur das Wort redet, denn es sind immer diktatorische Strukturen, die die zulaessigen Meinungen von anderen scheiden, BEVOR dann schliesslich aus diesem RESIDUUM die konsensfaehige Wahrheit desilliert wird. Damit gehoeren IPCC, Postnormale und Habermas (aber auch Luhmanns Legitimation durch Verfahren rechnet fuer mich hierzu – denn wer bestimmt ZUERST das legitimierende Verfahren?) zu VOR-aufklaererischen Stroemungen, denen es entschieden zu wehren gilt.
Zu a) der normativen "Wahrheit": aus der menschengemachten Erwaermumg, WENN es sie denn im vom IPCC unterstellten Sinne gaebe, folgen noch lange keine Massnahmen. IPCC und andere tun aber stets so, als drehe sich die Frage einzig darum, DASS sie anthropogen sei und folgern daraus dann ohne Umschweife, was stattdessen zu geschehen habe. Das ist ein nonsequitur.
Zu b) Leider ist heute kaum noch ein Jungwissenschaftler in der Lage, eine logische Gedankenkette ueber mehrere Seiten lueckenlos aufrechtzuerhalten. Es ist auch gar nicht noetig: heute steht am Ende der Forschung meist, man hat schliesslich einen Kostendruck, das vorausgeahnte Ergebnis dessetwegen die "Untersuchung" begonnen wurde. Zur Not wird nachgeholfen. Eine Psychologiestudentin berichtete mir, sie habe an einer Erhebung an ihrem Institut teilgenommen. Als es an die Auswertung ging, trat die Studienleiterin an sie heran und bat sie, ob sie nicht ihren Schulabschluss in "Realschule" und ihre Eltern in Arbeiter aendern koenne, damit die statistische Verteilung der Probanden gewahrt sei. Da nuetzt es dann auch nichts, wenn spaeter eine Cochrane-Initiative eine Metastudie (guten Gewissens?) als "evidenzbasiert" ausgibt, wenn die Einzelstudien solche Maengel aufweisen. Das zieht sich durch alles und jedes durch. Der "Peters"-Bericht ueber Fehl-Verurteilungen im Strafrecht kam in den fuenfziger Jahren zu teilweise verherrenden Schluessen, was die Zuverlaessigkeit der strafrichterlichen Beweisaufnahme und –wuerdigung betraf, er erging im Auftrag des Bundesjustizministeriums und sollte Anlass geben fuer Verbesserungen (die mir allerdings nie ersichtlich wurden). Aber schon in der Einleitung schraenkt Peters ein, er habe nur Faelle untersucht, in denen ein Wiederaufnahmeverfahren zu einer Aufhebung des urspruenglichen Urteils gefuehrt habe. Ja, zum Teufel: 1.) war die Verwerfung des Urteils denn in jedem Fall gerechtfertigter? Und 2.) – wer die Schwierigkeit der Wiederaufnahme in der deutschen Strafjustiz kennt, dem muss ja gaenzlich uebel werden, wenn er daran denkt, was alles NICHT zur Studie zugelassen und darum auch nicht erforscht wurde. Diese BLINDHEIT ist genau dieselbe, wie sie bei der Auswahl von Jahresringen oder Messstationen (auch diese muessen Habermas-sch "konsensfaehig" sein) herrscht.

Otto Wildgruber, am 10. März 2010 um 15:56 ( Link )

Ganz hervorragender Artikel. Vielen Dank, Herr Gärtner.
@EEkat
Dahinter steckt der Weltkommunismus, der durch seinen perfekt organisierten und inszenierten "Untergang" seinen Schrecken verloren hat und sich deshalb überall leicht einnisten kann - die zunehmende Planwirtschaft aller Orten sollte eigentlich langsam hellhörig werden lassen. War nicht Merkel, ehemalige Sekretärin der FDJ für Agitprop als 1000-prozentige DDR-Anhängerin mit unbeschränkten Reisemöglichkeiten, eine hervorragende Kandidatin auf dem Weg zur tyrannischen Weltregierung?

EEkat, am 10. März 2010 um 20:33 ( Link )

@Otto Wildgruber, ich teile Ihre Kennzeichnung von Angela Merkel, was jedoch Ihre Zuordnung zum Weltkommunismus angeht, da vermute ich einen anderen Ansatz, wenngleich auch dieser die Weltbeherrschung anpeilt. (Es geht hierbei zu wie in einem MickyMaus-Heft. Unter Weltherrschaft geht garnix). Diese anzustreben wird von Apologeten des Klima-Hypes jedenfalls völlig offen zugegeben. Beispiel Maurice Strong.

Der ordinäre Weltkommunismus wäre dazu jedoch garnicht in der Lage, weil ihm jeder Zugang zu funktionierenden psychologischen Massenlenkungsmitteln nachweislich abging. Die verwenden Zwang, Unterdrückung, das Gewehr und trösteten sich damit, daß erst ein neuer Mensch geschaffen werden müsse, bevor sie ihren Kommunismus ohne Zwang erreichen werden.

Jetzt jedoch haben wir es mit einer ganz anderen Qualität zu tun.

Die jetzigen Macher verstehen es, auf dem Klavier der psychologischen Beeinflussung zu spielen, und alleine dadurch erreichen Sie ihre Ziele. Als Zwangsmittel dient denen alleine das Recht. Bisher jedenfalls. .

Dies gelang Kommunisten nicht. Die verstanden nichts vom Menschen.

Die jetzigen Macher unterscheiden sich darin fundamental.

Kennen Sie:

Wer die Meinung kontrolliert,
der kann die Ereignisse lenken.

Nochmals, jetzt geht es nicht mehr darum, Meinung durch Gewalt kontrollieren zu wollen, jetzt haben wir es mit einem Ansatz zu tun, der die Kenntnis hat, den Menschen selber, seine Gefühlsebene zu instrumentalisieren.

Das war das Ende der freien Wissenschaft.

Nun wollen die Menschen den Klimaschutz.

Das ist die Wollensebene, mit der wir es zu tun haben.
Nicht mehr die Wissens-Ebene.

Davon muß man wissen.

Sowas hinzubekommen benötigt Könner, die nicht nur genau wissen, an welchen Knöpfen in den Köpfen man zu drehen hat. Der hier von Gärtner vorgelegte Bericht beschreibt die Ergebnisse.

Aber er thematisiert nicht die dahinterstehende Technologie.

Die auch als Verbindungsglied zwischen den hier thematisierten Grünen, und SPD- Teilen, und der CDU wirksam wurde.

Tatsächlich traten die sogar zunächst in der CDU auf, unter Kohl damals MP RhPfz, der das allerdings zunächst noch mitbekam, und diese Leute rauswarf.

Offenbar nicht alle.

Es bleibt also die Frage, wer genau die Frau Merkel dann an die Hand nahm, diese offensichtlich aufbaute und positionierte. Dabei dürfte es sich um jene handeln, die der Kohl nicht mehr enttarnen konnte.

Und die nach dem Mauerfall nicht nur in der DDR auftauchten.

Was die Merkel macht, und wie sie vorankam, das jedenfalls hat geradezu Lehrbuch-Charakter. Aber es ist ein anderes Lehrbuch als jenes von Marx und Engels.

Nur deren Ziele finden sich hier teilweise wieder. Angereichert durch den Entwurf einer gigantischen Geldmaschienerie.

Das dies am Ende scheitern wird, steht auf einem anderen Blatt. Vorher jedoch fliegt uns hier alles um die Ohren. Definitiv.

Es ist schon ein Witz, das ausgerechnet das kommunistische China zu unserer letzen Hoffnung zu werden droht.

Weil die ihre Macht nicht teilen werden.

Das hatte Maurice Strong übersehen. Auswirkungen von manipulierten Daten hingegen, sowas hatte der im Griff.

Der Mensch wird nicht durch Tatsachen geleitet, sondern durch das, was er als Tatsache zu akzeptieren bereit ist.

EEkat

dickbrettbohrer, am 11. März 2010 um 5:52 ( Link )

EEkat

Der Mensch wird nicht durch Tatsachen geleitet, sondern durch das, was er als Tatsache zu akzeptieren bereit ist.

Schön gesagt.

dickbrettbohrer, am 11. März 2010 um 8:10 ( Link )

Übrigens: Weltklima als Durchschnittsmenge einer Vielzahl willkürlich ausgewählter lokaler Temperaturen erscheint mir ebenso sinnig wie der Versuch, die ideale Lufttemperatur zu bestimmen, indem das Mittel zwischen Außentemperatur und Raumtemperatur gebildet wird. Etwa so: Draußen herrschen minus 30° C, drinnen plus 70° C. Das ergibt eine angenehme Durchschnittstemperatur von 20° C. Für die Lebenspraxis ergibt sich allerdings ein Problem. Der Mensch müßte sich gleichzeitig auf die beiden Parameter verteilen, um der Wohltat der Durchschittstemperatur anteilhaft werden zu können. Er könnte die obere oder die rechte Hälfte des Körpers zum Fenster oder zur Tür raushängen lassen (wobei die Wahl der jeweiligen kalten und warmen Hälften der persönlichen Vorliebe überlassen sein soll). Er könnte wie vom Itzebock verfolgt hinaus und wieder hereinhüpfen, was aber doch auf Dauer nicht durchzuhalten und relativ unpraktisch ist. Vielleicht aber hülfe es, Fenster und Türen des gewärmten Hauses zu öffnen, um den Kosmos auf die angenehme Mitteltemperatur zu bringen.
Die Politiker finden gewiß noch bessere Lösungen.

EEkat, am 11. März 2010 um 13:33 ( Link )

@Dickbrettbohrer

Ihr Beispiel ist garnicht mal so abwegig gewählt.

Um einen Klimawechsel bestimmen, ihn gar vorherssagen zu können, bedienen sich die Klimaforscher der Messung der Erd-Oberflächen.

Als ob Klima nicht abhängig wäre vom Wärmeinventar der gesamten am Klima beteiligten Körper.

Da wäre zumindest mal das Wärmneinventar der Meere, sowie das Wärmeinventar der gesamten Atmosphäre.

Das Wärmeinventar der Meere können wir aber nicht messen, weil uns dazu kein Instrumentarium zur Verfügung steht.

Man müßte dann nämlich ein dreidimensionales Meßgitter errichten, mit einer Kantenlänge von etwa 5 km, um eine Veränderung des Wärmeinventars der Meere bestimmen zu können. Dasselbe gilt für die Atmosphäre.

Ein weiteres Kriterium kommt hinzu: Es müßte dann auf ein tausendstel Grad genau gemessen werden. Warum ?

Weil bereits zwei Tausendstel Grad Entwärmung der Meere äquivalemnt wären der bisher behaupteten Erwärmung der Atmosphäre.

Wie jeder sehr leicht selber nachrechnen könnte.

Zwei tausendstel Grad!

Natürlich kann man weder die Meere so genau ausmessen, weil wir weder über genügend genaue Meßmethoden, noch über das Meßgitter verfügen.

Die Morgenstern, unser Meßschiff, mißt lediglich auf hunderstel Grad. Und dann auch nur an wenigen Punkten.

Für die Atmosphätre gälte dasselbe.

Also beschränken wir uns auf die Messung der Oberflächentemperatur von Meeren und Atmosphäre.

Das ist schlechter als eine Schätzung. Es ist Humbug.

Jedenfalls dann, wenn man darüber Aussagen zum Klimageschehen gewinnen will.

Jeder weiß dies, der beispielsweise die Auswirkungen von El Nino, Übergang von Wärme aus dem meer in die Atmosphäre, betrachtet.

Es handelt sich, wie Sie richtig schreiben, bei der IPCC-Temperaturbestimmung um eine Durchschnittsbildung von Irgendwas. Die könnten auch ihr Rektal-Thermometer dafür heranziehen.

EEkat

Hans_G_Bronik, am 11. März 2010 um 14:34 ( Link )

Dazu passt auch der Paradigmenwechsel des Bundesinstituts für Risikobewertung, demzufolge auch "gefühlte Risiken" (sic!) staatliches Handeln erfordern:

Auch wenn aus wissenschaftlicher Sicht ein gesundheitliches Risiko bei Lebensmitteln oder Produkten klein ist, kann der Staat zum Handeln gezwungen sein, weil das Risiko in der Öffentlichkeit als groß empfunden wird.

und weiter
Die Politik muss bei ihren Entscheidungen neben den rein wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Ausmaß eines gesundheitlichen Risikos auch andere Schutzbereiche und Rechtsgüter wie wirtschaftliche Interessen, Vertrauensverlust in die Institutionen und, wenn auch aus wissenschaftlicher Sicht unbegründete, so doch reale Ängste der Bevölkerung berücksichtigen.

Nach BfR-Präsident, Professor Dr. Dr. Andreas Hense gilt folgender Grundsatz:
Nahezu jedes gefühlte gesundheitliche Risiko kann sehr schnell zu einem tatsächlichen Risiko werden.

...dann benötigt man nur mehr die postnormale "Wissenschaft", um Wahrheiten zu liefern und die Sache ist erledigt.

Jörk Morawietz, am 11. März 2010 um 17:23 ( Link )

@EEkat
Ich stelle mir diese Fragen auch alle. Aber die mögliche Antwort darauf hat eine Dimension, die, wie Sie in anderen Beiträgen schon schrieben, wirklich alles sinnlos machen würde. Und ja, es gibt wirklich keine Medien (das Internet schon gar nicht), die geeignet wären, darüber zu diskutieren.

Für alle, die die Hoffnung hatten, dass sich an der Klimageschichte was ändern würde: Link Text

Schöne Grüsse aus der Schweiz

Hans_G_Bronik, am 11. März 2010 um 17:55 ( Link )

Zum Thema postnormale Klimawissenschaft gab es übrigens bereits 2001 einen Artikel in Climatic Change 50: 395–404: Tuomo M. Saloranta, Post-Normal Science and the Global Climate Change Issue.

Abstract:


Science has recently faced a new challenge in that it must now provide its best knowledge
to support the urgent policy-making concerning, e.g., risks of technology, environmental pollution, or the climate change. However, this knowledge unfortunately often can host high uncertainties as the natural systems are complex. How to proceed when the facts given by the scientists are diverging and uncertain, while the decision-making is urgent? Funtowicz and Ravetz (1992, 1993) argue that in this case traditional ‘Normal’ science (described by Kuhn (1970)) becomes inappropriate and that science should become ‘Post-Normal’ in order to more effectively cope with these contemporary problems. The philosophy, or methodology, of Post-Normal Science is briefly introduced and its corelation with the climate change issue, specifically with the compilation process and summary content of the Second Assessment Report (SAR) from theWorking Group I of the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, 1996a), is viewed. It seems that climate science around IPPC can, to a relatively large extent, be characterized as ‘Post-Normal’. Moreover, results from some related studies indicate that the elements of Post-Normal Science in the IPCC have enhanced the problem-
solving in the climate change issue.

EEkat, am 11. März 2010 um 20:40 ( Link )

@Jörk Morawietz

alles was ich also machen kann ist, die sich bietenden Gelegenheiten nutzen und die Leser langsam darauf vorzubereiten, sich zusätzliche Fragen stellen zu müssen.

Dieser Artikel von Gärtner ist solch eine Gelegenheit.

1. Merkel läßt sich in das von Gärtner gezeichneten Bild - das meiner Auffassung nach richtig ist - nicht einpassen. Sie wird darin auch garnicht eingepaßt.

2. Merkel jedoch ist die Haupt-Akteurin.

Beides sind Fakten, derer sich jedermann sofort vergewissern kann.

Mehr kann ich definitiv nicht machen, als auf diesen Widerspruch hinzuweisen.

So wie es Strong schaffte, die Leute dazu zu bewegen, sich dessen Sicht zueigen zu machen, sie zu "ergreifen" so wird es nur möglich sein, die Menschen dazu zu bewegen, diese Ergriffenheit abzulegen und sich die offenkundig unbeantworteten Fragen zu stellen, um davon ergriffen zu werden.

denn da haben sie dann Grund zur Ergriffenheit.

Weil: es geht in beiden Fällen um sie selber, um ihre nakte Existenz. Diese Erkenntnis zweier völlig entgegengesetzer an sie herangetragener Handlungsanforderungen müssen sie sich jedoch noch erarbeiten.

Eine hohe Hürde, die dem Menschen nicht in die Wiege gelegt wurde.

EEkat

nehring, am 12. März 2010 um 22:11 ( Link )

Sie stellen interessante fragen eekat. hege grossen respekt für Sie, wenn ich auch nicht immer konform gehe...

frau merkel: DAS ist wirklich... ihr vater kam (noch zu lebzeiten stalins) aus hamburg(?) ins "bessere" deutschland! mit kleinstkind! als pfarrer! unverfänglich physik studiert (unverfänglich?), bei havemann! (kommunist, wenn auch als "systemkritiker" bekämpft!) welches "system" wollte denn dieser kommunist einführen?
dann über DA plötzlich CDU, dann familienministerin (klar, so ohne kinder). kohls liebling! kanzlerin und weltbewahrerin!
(das verrät m.e. immer die linke: die "welt" verbessern! unter der "welt" machens sie nicht!)

im übrigen verstehen die kommunisten die menschen sehr gut. sonst wären sie nicht so erfolgreich... in ihrer ideologie!!
sie wissen doch selbst, dass "links" heute "normal" ist...

von der wirtschaft haben sie keine ahnung! das stimmt! deshalb heute anders herum: nicht enteignen, den unternehmer! besteuern und noch einmal besteuern!

zu stalins zeiten nannte man diese: schakale, schlangen, reissende wölfe, tiere - die es zu vernichten galt...
was ja auch tatsächlich geschah!

heute taucht das wort auf : heuschrecken! (für menschen!)

das wort: SPEKULANTEN war eines der bösesten vorwürfe leninscher art und eine einladung zur erschiessung!!

nun taucht es wieder auf: den SPEKULANTEN das handwerk legen!

die kommt von daher!

die kommunisten bedienen den neid! denn leider gottes fahren die meissten genau darauf ab...

EEkat, am 13. März 2010 um 1:05 ( Link )

@nehring:

zunächst vielen Dank.

wenn ich auch nicht immer konform gehe...

Das will ich hoffen. Ich äußere hier meine Meinung, ich verfüge nicht über das Evangelium. Also müssen unsere Meinungen voneinander abweichen.

Zu Frau Merkel: Nach ihrer Ernennung zur Familienministerin wurde sie ab 1994 Nachfolgerin von Töpfer, im Umweltministerium. Ich glaube, hierfür mußte Sie vorab die richtige Gesinnung nachgewiesen haben. In den Jahren vor 1994 liegt das Geheimnis der Frau Merkel, wer sie auf den Dreh gebracht hat, dann dem Töpfer nachfolgen zu können.
Familienministerin: das was nur zur Übung. Das war auf Kohls Mist gewachsen.

Zum letzten Teil Ihrer Ausführungen.

Wenn sich Rote als konservativ ausgeben, wird es anschließend dunkel in Deutschland.

Auf diese merkwürdige Symbiose fahren die Deutschen nachweislich ab. Da können sie nicht mehr widerstehen.

Das zu erkennen mußte man kein Genie sein, folglich liegt es auf der Hand, davon die in unsere Zeit passenden Elemente reproduzieren zu wollen. Da wäre zunächst einmal die Mission. Das ergreifende Thema Klimaschutz wurde hinzugezimmert, ein durchaus "ergreifendes" Ansinnen. Wie es dazu kam, schilderte Gärtner anschaulichst.

Wer also könnte Anleihen aus unserer dunkelsten Epoche genommen haben, dort die Technik von Massenbeeinflussung aufgenommen, auf unsere zeit umgewandelt, für unsere zivileren Zeiten umgeschrieben haben? Das ist die Frage.

Daß die Medien bei uns ein Tatalausfall sind, darüber sind wir uns vielleicht einig.

So wie einsmals der Guillaume gesetzt wurde als Perspektiv- Agent, auf Verdacht und nie ernsthaft damit rechnend, wie weit der es dann mal bringen würde, so hat man sich auch an Nachwuchs- Politiker der DDR herangermacht mit der Verheißung, ihnen auf ihrem Wege weiteiterhelfen zu können.

Dergleichen haben wir nach dem Kollaps der UdSSR im gesamten Osten erlebt. Sogar in Moskau waren die ganz oben. Bis Putin kam. Wir verdanken dem KGB viel. Und der wird die Frau Merkel womöglich mit ganz anderen Augen sehen, als wir. Sofern meine Rückschlüsse stimmen sollten.

denn hier bei den Deutschen ist das durchgeschlagen bis in die Spitzenposition.

Die damaligen Förderer von Merkel: ich bin sicher, daß es da Querverbindungen geben wird zu Al Gore, zu Maurice Strong, und wenn ich mir die eingesetzte Technik ansehe, die Tec, wie die das nennen, dann haben wir nur noch die Option gehabt, auf welche Weise wir verlieren würden.

Wissen Sie, was das Schlimmste sein dürfte? Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Merkel selber sich im Klaren ist darüber, daß sie auf eine Reise geschickt wurde. Daß sie einen Faustschen Pakt eingegangen ist, der unseren Wohlstand kostet.

Wie soll dieses eher unscheinbare meklenburgische Mädel auch den klaren Verstand behalten, wenn ihr plötzlich ein Chirac das Händchen abschleckt?

EEkat


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