27. Februar 2010

Mises, Rothbard und Hayek im Bundestag Eine geldpolitische Revolution

Bericht über ein außergewöhnliches Kolloquium

Ganz Deutschland ist in den Händen interventionistischer Politiker, die Krisen schüren. Ganz Deutschland? Für vier Stunden versammelte sich am 21. Januar 2010 ausgerechnet im Deutschen Bundestag ökonomischer Sachverstand. Eingeladen hatte Frank Schäffler, Bundestagsabgeordneter der FDP-Fraktion, zum „Finanzpolitischen Kolloquium“ mit dem wegweisenden Titel „Geld- und Kreditschöpfung, Staatsverschuldung, Überschuldung“ und dem Untertitel: „Oder weshalb eine marktwirtschaftliche Geldordnung eine höchst wirksame Schuldenbremse ist.“ Gekommen waren namhafte Verfechter einer freien Gesellschaft aus den Bereichen Wissenschaft, internationale Finanzbranche und Publizistik sowie zeitweise eine zweistellige Zahl Bundestagsabgeordneter. Auch der Koalitionspartner war mit einem prominenten Beratungsvertreter präsent.

Thorsten Polleit schilderte in seinem Vortrag „Die Schuldenkrise“ eindringlich, dass das Staatsmonopol über die Geldmenge immer schwerere Finanz- und Wirtschaftserschütterungen verursacht. Den Ausweg aus der kontinuierlichen Zerstörung des Geldwerts sowie einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung bildet die Rückkehr zu freiem Marktgeld. Diese Rückkehr ist angesichts der drohenden Katastrophe eine akute Aufgabe. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Geld- und Kreditmenge noch einmal drastisch vom Volkseinkommen abgekoppelt. Die kaum mehr beherrschbare Staatsverschuldung geht seit 1980 mit im Trend sinkenden Zinsen einher, die diese Entwicklung ermöglichen. Die Regierungen stehen nun vor dem von ihnen verursachten Scherbenhaufen – und vor des Teufels Alternative: Kreditdeflation als Bereinigung, die mit Zusammenbrüchen großer Unternehmen verbunden ist, oder Entschuldung über Inflation, die angesichts der Ausmaße in einer Hyperinflation zu enden droht. Der Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland zitierte abschließend Ludwig von Mises, der bei geldpolitisch verursachten Konjunkturen eine krisenhafte Korrektur als unausweichlich erkannt hatte, und zwar früher als freiwilliges Ende der Kreditexpansion oder später, wie derzeit politisch verfolgt, mit dem unausweichlichen Ende einer „totalen Katastrophe des Geldsystems“.

Zur Sprache kam, dass Investieren ohne Sparen nicht möglich ist, zumindest nicht in „nachhaltiger“ Form. In der Weltwirtschaft wurde spätestens seit August 2007 deutlich, dass die praktizierte Geld- und Kreditschöpfung aus dem Nichts und der private wie staatliche Konsum auf Pump nicht durchzuhalten sind. Diese Erkenntnis gilt allerdings nur für Menschen mit gesundem Menschenverstand. Dazu gehört unbedingt Claus Vogt, Leiter Research der Berliner Effektenbank, der nüchtern wie beißend die seit langem unübersehbaren Anzeichen der Finanzblasen erläuterte. Einfache Indikatoren wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis amerikanischer Aktien, durchschnittliche Einfamilienhauspreise im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen in den USA und der Anteil der US-Immobilienkredite an der gesamten Kreditvergabe der Banken sind historisch aus dem Ruder gelaufen. Seit 2001 hat es in den USA kaum Wirtschaftswachstum gegeben, wenn man wie der frühe Mahner die Immobilienpreiseffekte herausrechnet.

Die destruktiven Verteilungswirkungen der praktizierten Geld- und Kreditschöpfung sind nach Ansicht vieler Teilnehmer im staatlichen Geldmonopol augenfällig: Es profitieren diejenigen, die als erste an das frische Kapital gelangen, darunter die Regierung und Finanzinstitute, während die Verbraucher geschädigt werden („Cantillon-Effekt“). Zugleich sind Vermögenspreisblasen und Wirtschaftskrisen systemimmanent. Erst das staatliche Geldsystem ermöglicht die überbordende Staatsverschuldung, die mit jeder Regierung neue Rekordmarken erreicht und durch die „Bekämpfung“ der „Krise“ noch einmal gravierend ausgeweitet wurde.

Auf der Suche nach einer geeigneten Schuldenbremse herrschte Einigkeit darüber, dass Verfassungen kaum wirksame Barrieren für politische Begehrlichkeiten darstellen. Eine handfeste Schuldenbremse stellte die „goldene Bremse“ unter dem Goldstandard dar.

Konsequent mündete die von Norbert F. Tofall souverän strukturierte und geleitete Diskussion in der Erörterung der Frage, wie eine Ordnung privater Währungsemittenten gestaltet sein sollte. Free-Banking-Befürworter setzten hier unterschiedliche Akzente: Ein einziger Währungsstandard mit absolutem Eigentumsschutz im Sinne Murray N. Rothbards steht einer marktwirtschaftlichen Geldordnung im Anschluss an Friedrich August von Hayek gegenüber. Eine Lösung auch der Transformationsfrage könnte mit einer dann bereits dritten Veranstaltung für eine geldpolitische Freiheitsrevolution vorangetrieben werden.

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Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 100


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