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Afghanistan: Krieg in der Phantomstadt Mardscha

von Anahita Girishki

Die mediale Metamorphose eines Lehmweilers zur 80.000 Einwohner-Stadt

Wie die weltweite Mainstream-Presse, also alle von Agenturnachrichten oder Regierungsinformationen abhängigen Medien, übereinstimmend berichteten, richtet sich die neue Offensive der NATO-Streitkräfte in Afghanistan in der Provinz Helmand vor allem gegen die Taliban-Hochburg Mardscha, auch Marja, Marjah oder Marjeh geschrieben. Mardscha, so die Presse übereinstimmend, soll eine Stadt mit 80.000 bis 85.000 Einwohnern sein. Die früheste Quelle für diese Einwohnerzahl stammt vom 3. Februar 2010, und zwar aus einem Artikel der „Los Angeles Times“. Dieser Artikel wird auch als Referenz für den englischen Wikipedia-Artikel herangezogen, der überhaupt erst am 27. Dezember 2009 angelegt wurde, also reichlich spät für eine so einwohnerreiche Stadt. Sehr viel mehr Angaben über die Stadt als aus dem Presseartikel liefert auch Wikipedia nicht. Die Angaben beziehen sich nur auf die Nato-Offensive, abgesehen von ein paar dürftigen klimatischen Daten, die sich auf ein paar Messungen in den 50er Jahren beziehen. Einen deutschen Wikipedia-Artikel gibt es bis dato überhaupt nicht, obwohl viele andere afghanischen Orte, auch solche mit deutlich weniger als 10.000 Einwohnern, bereits im führenden Online-Lexikon registriert sind.

Ich persönlich wurde deswegen stutzig, da ich selbst Afghanin bin und sogar aus der Provinz Helmand stamme. Als Kind und Jugendliche bin ich in Helmand viel herumgekommen, und ich war damals in ausnahmslos allen mehr als 5.000 Einwohner zählenden Orten dieser Provinz, also in allen Dörfern, die man mit etwas Wohlwollen als Stadt bezeichnen kann. Mardscha aber kannte ich nur als armselige verstreute Hüttensammlung im Distrikt Nad Ali. Nun kann es natürlich mal vorkommen, dass sich innerhalb von zwei Jahrzehnten ein kleiner Weiler zu einer größeren Stadt mausert. Aber ein intensives Studium aller neueren Landkarten von Afghanistan ergab nur einen Treffer: Auf einer Onlinekarte von AIMS (Afghanistan Information Management Services) befindet sich südwestlich des Distrikthauptorts Nad Ali ein kleines Pünktchen namens „Marjeh“. Um jeden noch so absurden Zweifel auszuschließen schaue ich also bei Google Earth nach, ob vielleicht in den letzten Monaten die Taliban hier ein Städtchen aufgezogen haben. Aber Google Earth zeigt an der Stelle, wo sich der Ort Mardscha befinden soll, nur viele Felder und dazwischen ein paar Pisten und Hütten.

Irgendetwas ist also faul an der Sache. Führt die NATO hier eine Phantomoperation und die Medien an der Nase herum? Aber vielleicht ist ja aus Versehen aus einer Region Mardscha die Stadt Mardscha geworden, auch wenn es auf jedweden Landkarten weder eine Region, noch einen Distrikt dieses Namens gibt, zumal der Weiler Mardscha selbst sich in einer Randlage des Distrikts Nad Ali befindet. Doch laut „ntv“ vom 16. Februar 2010 ist Mardscha nach dem Angriff nun eine „Geisterstadt“, was mit einem AP-Foto von einer verkohlten Lehmhütte bebildert wird. Und unter Berufung auf AFP und dpa meldet zum Beispiel das „Hamburger Abendblatt“ am 17. Februar 2010, dass die afghanische Flagge auf dem Marktplatz von Mardscha gehisst worden sei und dass von Gebäuden der Stadt die NATO-Soldaten von Heckenschützen beschossen worden seien. Es gibt sogar ein Foto einer afghanischen Flagge auf einem Gebäudefragment. Offenbar wollen, wenn nicht die Nachrichtenagenturen selbst, so doch die Informanten der Agenturen, also höchstwahrscheinlich die NATO-Kommandeure vor Ort, uns weismachen, dass es eine Stadt namens Mardscha gibt, die sogar über ein städtisches Zentrum verfügt und in der es zu Häuser- und Straßenkämpfen kommt, ähnlich also wie seinerzeit 2004 im irakischen Falludscha. Über die Motive einer solchen potemkinschen Aufbauschung kann man nur spekulieren.

Dieser Fall ist also ein heißer Tipp für einen Enthüllungsjournalisten, der sich embedded oder unembedded auf den Weg nach Mardscha macht und entweder über gute Ortskenntnisse verfügt oder wenigstens Google Earth zu bedienen weiß.

Internet:

Englischer Wikpedia-Eintrag über Marja

AIMS-Landkarte mit dem Ortseintrag „Marjeh“

NTV-Artikel über Mardscha vom 16.02.2010

Artikel vom Hamburger Abendblatt vom 17.02.2010

18. Februar 2010

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Kommentare

Haiduk, am 18. Februar 2010 um 20:35 ( Link )

Eine Offensive auf eine Stadt mit 80.000 Einwohnern klingt einfach besser, als die Einnahme eines Kuhkaffs.

Griba, am 18. Februar 2010 um 23:17 ( Link )

Wenn man einen "Sauberen Krieg" vorführen will, macht sich eine Offensive ins Niemandsland am besten.
Dem Vernehmen nach soll es aber selbst dabei zu zivilen Opfern gekommen sein.

CrisisMaven, am 19. Februar 2010 um 0:42 ( Link )

Manche fragen sich, ob der Mond nicht im Hollywood-Studio betreten wurde. Offenbar haben in Mardscha aber sogar diese Kulissenbauer klaeglich versagt ... Man haette ja wenigstens EINEN "embedded fiilm director" mitnehmen koennen ...

Olaf Janowski, am 19. Februar 2010 um 2:51 ( Link )

"Es ist vollkommen belanglos, was der Volksgenosse auf ihm (dem Volksempfänger) einstellt (...) Hauptsache ist, dass er ihn einstellt (einschaltet)!"

Joseph Goebbels über den Vorläufer des Fernsehens und der medialen Massen-Gehirn-Kontrolle, dem damaligen Volksempfänger, auf einer Berliner Reichsrundfunkausstellung in den 30ern des letzten Jahrhunderts.

Got the message?

Olaf Janowski, am 19. Februar 2010 um 2:53 ( Link )

Nachtrag: Aber wir "hören" ja die "Feindsender" im Internet - z.B. ef-magazin.de.

N O C H ist das ja nicht verboten bei uns ...

Klaus-Hermann Otto Stanislaus Plöger, am 19. Februar 2010 um 4:05 ( Link )

Erstaunlicherweise hatte der ganze Distrikt "Bazaar Nad-e-Ali" nach Angaben der UNHCR 2002 ganze 84.244 Einwohner (http://www.aims.org.af/afg/dist_profiles/unhcr_district_profiles/
southern/helmand/nad_ali.pdf)
das nennt man zu Recht Bevölkerungsexplosion.
980 Personen von den 80.000 haben die Stadt verlassen, bevor die Kämpfe begannen. Wer hat das bemerkt?
Aber diese erstaunlichen Zahlen haben Methode. In Wardak ist die Bevölkerung vom Dezember 2008 bis zum Juli 2009 von 70.000 auf 410.000 angestiegen!
Das mit der Geisterstadt habe ich übrigens sofort geglaubt, wenn aus unserem Kuhkaff 980 gehen wollten, wäre es auch eine Geisterstadt, es müssten vorher aber noch 300 kommen, sonst wäre die Bevölkerung negativ.

Neutrino, am 19. Februar 2010 um 6:24 ( Link )

Ich nenne das typischen Wikipedia Journalismus. Jeder schreibt von jedem ab und alle schreiben von Wikipedia (und der BILD) ab.

Das sind die gleichen Journalisten, welche uns weiß machen, von Politik, Gesellschaft und der Welt Ahnung zu haben. Und diejenigen die uns erklären wollen, warum wir Sozialleistungen, Biodiesel und Che Guevara toll und konservative Frauen am Herd, neoliberale Heuschrecken und Steuersünder ganz schrecklich finden müssen.

Frau Girishki, warum ändern sie nicht den englischen, bzw. deutschen Wikipedia Artikel entsprechend diesen Erkenntnissen? Dann wird man ja sehr schön verfolgen können, ob es diese Phantomstadt auch weiterhin gibt.
Dafür gibt es schließlich Wikipedia!

Daniel Hartmann, am 19. Februar 2010 um 8:59 ( Link )

Die früheste Quelle für diese Einwohnerzahl stammt vom 2. März 2010

Es sollte wahrscheinlich 2. März 2009 heißen.

ef-online: Ist korrigiert, es sollte der 03.02.2010 heißen (engl.: 02/03/2010)

df, am 19. Februar 2010 um 11:03 ( Link )

Die 80000 einwohnerInnen von mardscha haben sicher alle karzai gewählt.

vonclausewitz, am 19. Februar 2010 um 13:17 ( Link )

Klingt nach der Bielefeld-Verschwörung.

Magnus Goeller, am 19. Februar 2010 um 14:52 ( Link )

Ich habe Google Earth einmal bemüht, und man findet in der Provinz Helmand, wenn man dem schmalen grünen Streifen von Nord nach Süd folgt, kurz nach seiner Gabelung östlich des Flusses eine größere Ansiedlung des Namens aus Lehmhütten, mit einem Notkrankenhaus und einem Hotel mit Pool gar; schwer vorstellbar ist indes, dass in diesem Städtchen 80-85000 Menschen hausen sollen.
Ebenso kaum begreiflich ist, weshalb die NATO-Streitkräfte dieses kaum einnehmbare Leningrad Zentralasiens von Westen her über wackelige Pontonbrücken angegangen sein sollten, statt von Osten her ohne naturgeographisches Hindernis.
Die Talibankämpfer werden bis auf ein paar Märtyrer längst ins Hinterland geflohen sein, den NATO-Truppen ihren grandiosen Sieg gerne gönnen und erstmal abwarten, wie der Feind sich dauerhaft aufstellt, bis sie punktuell wieder zuschlagen.

CrisisMaven, am 19. Februar 2010 um 15:27 ( Link )

df: "Die 80000 einwohnerInnen von mardscha haben sicher alle karzai gewählt." Koestlich!

Blutscheich, am 19. Februar 2010 um 16:03 ( Link )

# Magnus Goeller,

ich habe auch mal gegoogelearthed, was Sie gefunden haben, ist wahrscheinlich die Provinzhauptstadt Lashkargah mit laut Wikipedia ebenfalls sehr unwahrscheinlichen 200.000 Einwohnern. Selbst wenn jede Hütte 50 Menschen beherbergen würde, müssten wir hier 4000 Gebäude zählen.

Auch in der gesamten Provinz Helmand ist die Bevölkerungszahl seit 2007/2008 (siehe dt. Wikipedia) von 860.000 auf nunmehr 1,4 Millionen (engl. Wikipedia) explodiert. Eine solche Fruchtbarkeit kriegen nicht einmal afrikanische Wachstumsweltmeister mit 5% jährlich hin. Und Zuwanderung in das Kriegsgebiet Helmand scheidet auch aus.

Der Grund für die statistische Bevölkerungsexplosiion ist einfach: Noch mehr Zuwendungen und Hilfmittel der westlichen Geberländer, die offenbar nicht einfachst zu widerlegende Behauptungen hinterfragen oder gar prüfen.

Wenn das Beispiel Schule macht, hat Afghanistan bald 100 Millionen Einwohner.

Magnus Goeller, am 19. Februar 2010 um 16:48 ( Link )

Noch ein interssanter Link zur momentanen Offensive und der US-Kriegsführung insgesamt:
http://www.thiscantbehappening.net/?q=node/480

Magnus Goeller, am 19. Februar 2010 um 16:58 ( Link )

@Blutscheich
In der Tat, da habe ich mich (wer sonst?) wohl vertan; dort, wo Google Earth einen unter Eingabe von "Mardjeh" zunächst hinführt, fand ich auch jetzt nur ein paar wenige Hütten in braunem Dreck, nördlich und südlich Felder mit weiteren einzelnen Gehöften, das Ganze zumal vom Fluss ein ganzes Stück weit entfernt.
Wenn nun gar dort 80000 Menschen leben sollen, können sie nicht sehr viel größer als Wüstenspitzmäuse sein.

Olaf Janowski, am 19. Februar 2010 um 17:21 ( Link )

Ich denke, Osama Bin Laden hat auch nie existiert.

Alles Desinformation zu politischen Zwecken.

Anton B. Caesar, am 19. Februar 2010 um 18:20 ( Link )

Ich denke, Osama Bin Laden hat auch nie existiert.

Wieso? Ist der nicht Präsident im US-Laden geworden?

Olaf Janowski, am 19. Februar 2010 um 19:12 ( Link )

ROFL - ymmd!
(Ich schau heut mal den Uwe Boll Film "Postal" ... hi hi ...)

Olaf Janowski, am 19. Februar 2010 um 19:14 ( Link )

http://www.youtube.com/watch?v=G6JaCv109Lo

Magnus Goeller, am 19. Februar 2010 um 20:02 ( Link )

Ich habe gerade mal die Redaktionen der großen Nachrichtenmagazine, -agenturen und Tageszeitungen auf die Sache telefonisch aufmerksam gemacht. Mal sehen, was das erbringen wird.

Kurt_G Fördermitglied, am 19. Februar 2010 um 20:18 ( Link )

warum mußte Bush den Arabern vor ca. 2 Jahren Waffen für 28 000 000 000 $ US DOLLAR schenken? War das Medina & Mekkakartell eingeweiht? Wussten die womöglich was geht ... ??? Schweigedollar?

Olaf Janowski, am 19. Februar 2010 um 23:06 ( Link )

@nahum:

Also ist Uwe Bolls "Postal - der Film" realer als die Realität?

"Jeder weiß inzwischen, dass wir Filmen nur noch trauen können, wenn wir das Filmen selbst gesehen haben. Also macht es keinen Sinn mehr, Filme zu drehen, wenn bei dem Dreh keine Zuschauer dabei sind.

Aber jenseits meines Sarkasmus: Full ACK.

Juergen , am 19. Februar 2010 um 23:39 ( Link )

Irgendjemand (einer der hier diskutierenden?) hat bei wikipedia folgenden kommentar eingefügt:

"Germany based Afghan journalist Anahita Girishki has heavy doubts about the existence of a town called Marja. In a few maps of Afghanistan Marja appears as a small village, and on Google Earth no town can be recognized on the place where Marja is supposed to be."

Allerdings ist die Referenz auf diesen Artikel hier fehlerhaft, sie verweist auf einen TIME-Artikel. Vielleicht kann das jemand beheben der von wiki mehr Ahnung hat als ich (ich hab keine)?

Magnus Goeller, am 19. Februar 2010 um 23:57 ( Link )

@Juergen
Ich habe den neuen Passus jedenfalls nicht eingefügt, aber vorhin auch schon dort gesehen; ansonsten ist die Rede davon, die Stadt befände sich 45 km südwestlich der Provinzhauptstadt, also etwa dort im Sand, wo Google Earth einen hinführt und die Taliban wohl ihr Opiumblitzbrasilia hingebaut haben müssen.
Unter Freunden nennen wir den Wiki "Ficki".

OBERSCHLESIER, am 21. Februar 2010 um 16:21 ( Link )

Allerdings bietet www.wikipedia.pl (polnisch) durchaus eine ganze Menge Informationen mehr:

u.a. daß das Städtchen in den 50ger Jahren des 20.Jhds. 'auf Bitten' des afganischen Königs von....den Amerikanern ausgebaut wurde. Und daß das 'umfangreiche' Kanäle-System dazu geführt hat, daß der Ort zügig zum regionalen Zentrum der Landwirtschaft (z.B.Weizen!) werden konnte.

Also doch kein "Fatamorgana-Ort" ?
Aber schon ein "komischer Zufall", daß es damals ausgerechnet die Amis den Ort "hochgezogen" hatten, kann (Zufall oder nicht) sein. Hmmm.

Grüße aus dem schönen
und stolzen Oberschlesien ! :)
OBERSCHLESIER

OBERSCHLESIER, am 21. Februar 2010 um 16:24 ( Link )

PS: Hier der Link zu der Ortschaft namens - polnisch: Mardza ("z" mit Punkt darüber) :
http://pl.wikipedia.org/wiki/Mard%C5%BCa
(Auch eine Landkarte dabei etc.)

OBERSCHLESIER, am 21. Februar 2010 um 16:30 ( Link )

Ergänzung/Übersetzung einiger Details
- "Aller guten Dinge[r?] sind 3" :) :

- Viele 'Nomaden' damals angesiedelt und zur Arbeit in der Landwirtschft gezwungen.
- So wurde diese Gegend zur "Kornkammer" Afganistans.
- Vorbei mit der Taliban-Machtergreifung.
- Jetzt eher nur "Rauschgift-Kammer".
- Mi]e?]nen-Fabrik, Verwaltung, Gerichte usw.

frdl.Gruß
O/S.

Blutscheich, am 22. Februar 2010 um 13:35 ( Link )

# Oberschlesier,

der polnische Artikel bezieht sich offensichtlich auf das gesamte Helmand-Projekt, in dem ein Gebiet westlich der Provinzhauptstadt Lashkargah in den Distrikten Nad Ali und vor allem Nawa-i-Barakzayi mit Kanälen durchzogen und mit paschtunischen Nomaden besiedelt wurde.

Wenn mit "Mardscha" eines dieser Neulandgebiete gemeint ist, dann muss es sich um ein auf Googlemaps nördlich des Referenzlehmorts "Marjeh" befindliches Gebiet handeln mit etwa 30 qm und vielleicht maximal 400 erkennbaren Gehöften und Hütten. Wenn jedes Gehöft 10 Personen beherbergt, käme man also maximal auf 4000 Einwohner. Aber auch hier ist nirgendwo auch nur ansatzweise so etwas wie ein geschlossenes dörfliches oder gar städtisches Siedlungsgebiet zu erkennen.

Siehe Googlemaps-Ausschnitt: http://maps.google.de/maps?
f=q&source=s_q&hl=de&q=Marjeh,+Helmand,+Afghanistan&sll=
33.027088,66.203613&sspn=12.823362,16.940918&ie=UTF8&cd=
1&geocode=FUvs4AEdM07SAw&split=0&hq=&hnear=Marjeh,+Helmand,
+Afghanistan&ll=31.509776,64.113464&spn=0.051003,0.066175&t=h&z=14

Das größere südlich des Referenzpunkts befindliche Gebiet befindet sich nicht mehr im Distrikt Nad-i-Ali (zu diesem Distrikt soll Marja ja gehören), sondern im Distrikt Nawa-i-Barakayi. Selbst wenn dieses ungleich größere mit kerzengeraden Kanälen und vereinzelten Gehöften und auch ein paar dorfähnlichen Hüttenanballungen durchzogene Gebiet gemeint sein sollte, das vielleicht 200qm umfasst und grob geschätzt maximal 2000 Gehöfte umfasst, so kommen wir auch hier auf höchstens 20000 Bewohner. Allerdings haben wir es dann immer noch nciht mit einer Stadt zu tun, sondern mit einer sehr großen landwirtschaftlichen Nutzfläche mit einzelnen Häusern und keinerlei auch nur ansatzweise erkennbarem größeren Dorf oder gar Kleinstadt. Siehe Ausschnitt:
http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&q=Marjeh,+
Helmand,+Afghanistan&sll=
33.027088,66.203613&sspn=12.823362,16.940918&ie=UTF8
&cd=1&geocode=FUvs4AEdM07SAw&split=0&hq=&hnear=Marjeh,+
Helmand,+Afghanistan&ll=31.509776,64.113464&spn=
0.051003,0.066175&t=h&z=14

Man kann es drehen und wenden, es gibt einfach keine noch so kleine Stadt namens Mardscha o.ä. Es handelt sich also entweder um vorsätzliche Desinformation oder um grobe Schlampigkeit, indem man zum Beispiel einfach ganze landwirtschaftliche Landstriche zur Stadt umgetauft hat.

Magnus Goeller, am 22. Februar 2010 um 17:17 ( Link )

Ich las gerade noch auf der Seite von Al Jazeera, es werde auch in Nad Ali noch gekämpft, einem Ort in der Nähe von Marjah (diese Schreibweise hat sich bei den Angelsachsen inzwischen gegen "Marja" und "Marjeh" weitgehend durchgesetzt).
Dieses - gemessen an dem Marjeh, das mir Google Earth zeigt - geradezu saopaoleske urbane Monster fand ich denn auch über Google Earth daselbst; es ist etwa 500 Meter lang und besteht aus vielleicht hundert Lehmhütten.
In sämtlichen sonstigen Berichten über die Kämpfe in Mardscha (so lautet inzwischen die deutsch gängigste Schreibweise) fand ich nicht ein einziges Bild von der Stadt, auf dem sie als solche zu erkennen gewesen wäre; es gibt dagegen jede Menge Videos von irgendwo im Dreck herumfahrenden oder steckengebliebenen Marines, detaillierte Kampfberichte usw.
Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen.

OBERSCHLESIER, am 22. Februar 2010 um 17:53 ( Link )

@ Magnus Goeller (frdl.Grüße)

Ja, hast recht, die Berichte/Filmbeiträge und Photos sind tatsächlich merkwürdig "minimalistisch" und kommen auch mir inszeniert/gestellt vor oder zumindest "photoausschnittskontrolliert". Oder noch anders: nichtssagend. Und das ist, für uns "(kritisch) denkende Menschen", schon ein wenig ungewöhnlich und verdächtig.

PS: In den Filmen finde ich die amerik.Soldaten etwas zu frisch/fit/ruhig/erholt/entspannt. Ich weiß, wie ich nach 1 Woche ("friedlicher" Manöverübung) "im Terrain" ausgesehen habe.
Und sie haben ja noch Streß und Angst; jedoch überhaupt keine Spur von streßbedingter spezifischer Erschöpfung zu erkennen....

Blutscheich, am 22. Februar 2010 um 18:41 ( Link )

Erstaunlich, dass sich die Qualitätspresse noch nicht darauf gestürzt hat. Bis auf die Lesekommentare in "Der Standard" findet das Phänomen, dass diese Stadt einfach nicht auffindbar ist, keine Erwähnung.

Offenbar funktioniert trotz moderner Gegenkontrollmöglichkeiten wie Google Earth die Desinformation weiterhin wie geschmiert.

Magnus Goeller, am 22. Februar 2010 um 20:33 ( Link )

Ich habe, wie schon erwähnt, mehrere Nachrichtenagenturen, "Qualitätszeitungen" usw. schon Ende letzter Woche auf die Sache telefonisch aufmerksam gemacht (man möge mir jetzt einfach glauben; ich nenne deshalb keine Namen, weil ich dafür keine Beweise habe und nicht auch noch eine Abmahnung an den Hals gehext bekommen möchte), und nichts ist passiert.
Entweder sind wir hier alle ein bisschen minderbemittelt, oder es läuft ein ganz merkwürdiges Ding.
Man kann den ganzen grünen Streifen entlang des Helmand-Flusses absuchen und findet die Stadt nicht (ich bitte nochmal um Verzeihung, dass ich die Provinzhauptstadt als einzige Möglichkeit fahrlässigerweise für "Marjeh" hielt).
Vielleicht stehen wir ja in ein paar Tagen sämtlich wie ein Haufen durchgeknallter Paranoiker da, dann haben wir eben Pech gehabt und dürfen Asche auf unsere Häupter streuen.
Vorher aber meckere ich weiter wie ein alter Ziegenbock, dem es selber stinkt.
Eine Möglichkeit fällt mir noch ein: Vielleicht ist die Stadt ja doch dort irgendwo, aber Google Earth hat sie freundlicherweise fürs Pentagon wegretuschiert...

Kreuzweis, am 22. Februar 2010 um 21:17 ( Link )

"Erstaunlich, dass sich die Qualitätspresse noch nicht darauf gestürzt hat."

Oh - es gibt also auch hier noch Leute, die glauben, Nachrichtenagenturen und 'Qualitätsmedien' wären an der Wahrheit und an Fakten interessiert. Entzückend!

Fallweise sind diese Qualitätsmedien sogar in der Lage, über Ereignisse zu berichten, die noch gar nicht stattgefunden haben. Und hier mal wieder ein Beispiel für die saubere Arbeit unserer Nachrichtenagenturen:
http://info.kopp-verlag.de/news/sensation-im-fall-neda-im-iran-ist-blut-mindestens-so-dick-wie-ketchup.html

Fakt oder Fiktion - wer will's schon so genau wissen?

Magnus Goeller, am 22. Februar 2010 um 22:45 ( Link )

Nach einem längeren Telefongespräch, das sich bezüglich dieser Sache um das schlichte "cui bono" drehte, kamen mein Gesprächspartner und ich auf den Verdacht, dass die Sache mit der erfundenen Stadt dann Sinn ergeben könne, wenn es sich in Wirklichkeit um etwas ganz anderes drehte als Mohnanbau und böse Taliban: Bodenschätze etwa? Noch etwas ganz anderes?
Die Erfindung der Stadt Mardscha - wofern es sie eben nicht doch geben sollte - könnte ein sehr geschicktes Täuschungsmanöver sein, um nach Entdeckung der Täuschung gerade erst recht alle in die Irre führen zu können.
Klingt verrückt, wäre aber nicht neu, und sollte deshalb als Möglichkeit miterwogen werden.

Magnus Goeller, am 22. Februar 2010 um 22:47 ( Link )

Die sogenannten "Qualitätsmedien" nenne ich schon seit einiger Zeit "Schafsmedien".

OBERSCHLESIER, am 23. Februar 2010 um 0:15 ( Link )

Hallo, liebe Kollegen:

1) Naja, es bliebe aber noch die Frage,
was ist mit den Afganen (im Lande und außerhalb).

Es kann doch kaum sein, daß sie a l l e geographisch
so ungebildet sind und sich von den Amis so täuschen lassen.

Während ich mir noch vorstellen kann, daß in Afganistan es denkbar wäre bzw. daß diejenigen, die sich dorte doch ein wenig wundern, nicht "zu Worte kommen", sprich: zum Mikrophon etc. - ist es eigentlich unvorstellbar, daß die Exilafganen (und es sind ja teilweise die Eliten), z.B. die hier in Europa, nicht laut stutzig geworden wären und ihre(n) Unmut/Zweifel inzwischen irgendwie irgendwo öffentlich/medial angemeldet/artikuliert hätten. Hmm.

2) Und was ist mit den Flüchtlingen, die man uns zeigt ? Im Kopf habe ich eine relativ (eig.: überraschend)niedrige Zahl, so um die 15.000, wenn ich mich nicht irre. Sind die auch fingiert bzw. irreführend interpretiert ? Hmm.

Hmmmmmm?

MfG O/S.-er

OBERSCHLESIER, am 23. Februar 2010 um 0:21 ( Link )

PS: Und Aljazzira, Alarabija u.ä. ? Die recherchieren doch sicher auch, aus (im doppelten Sinne:)naheliegenden Gründen. Müßten eigentlich inzwischen auch schon "monieren". Kann von Euch jemand Arabisch ? :) [ich nur Obärschleeeesisch, hehe]

Jan Stephan, am 23. Februar 2010 um 1:41 ( Link )

Link 1
Link 2

Damit sollte alles gesagt sein.

CrisisMaven, am 23. Februar 2010 um 1:46 ( Link )

Al Jazeerea et al. berichten auch Englisch, auch Russia Today, aber ich habe keine Zeit, da reinzuucken.

Blutscheich, am 23. Februar 2010 um 12:15 ( Link )

# Jan Stephan,

hm, da steht aber auch nicht mehr als in dem Artikel und den vorherigen Kommentaren, oder habe ich irgendeine zusätzliche Erkenntnis übersehen?

CrisisMaven, am 23. Februar 2010 um 12:53 ( Link )

Nein da verspotten sie nur "unsere" Weltverschwoerungstheorie ... Es ist wohl ziemlich klar, dass im ganzen Distrikt gerade mal soviele Leute wohnen (koennten) wie in Marjahs jeglicher Schreibweise. Wenn man diese Ortschaften mit vergleichbaren abgleicht (dort gibt es ja keine vierzigstoeckigen Sozialbauten mit zehn Wohnungen pro Stockwerk!) und beruecksichtigt, dass manche der Huetten Stalllungen und/oder Lagerraeume sein duerften, manche zerstoert, manche Bewohner geflohen usw. dann sieht man, dass da keine 80.000 Menschen leben koennen.

Magnus Goeller, am 23. Februar 2010 um 13:25 ( Link )

Dass die Stadt Mardscha als solche und als schwieriges Kampfgebiet in die Medien geriet, kann schlechterdings nicht einem Volontär oder einem Agenturentrottel und den dann bedenkenlos Abschreibenden geschuldet sein, denn das Militär selbst berichtete von anhaltenden und langen Kämpfen in diversen Stadtvierteln, so dass die NATO selbst wohl diesen Simpeln dasjenige glauben müsste, was sie nicht sieht noch je vorfand.
Wenn es Mardscha als 80000-Einwohner-Stadt nicht gibt, dann gibt es mindestens einen wichtigen Grund dafür, dass sie uns vorgegaukelt wird. Nach diesem "cui bono" ist zu fragen.
Und wir sollten in Sachen Krieg meines Erachtens keinerlei Propaganda einfach hinnehmen oder als unerheblich verharmlosen, wie dies anlässlich dieser Sache teils schon wieder geschieht.
Die "Abschreibdeppen" hatten übrigens inzwischen nach entsprechenden Hinweisen genug Zeit und Gelegenheit, sich zu korrigieren.
Sie tun es aber nicht.
Weshalb, das sollte man sie mal fragen.
Oder sie sollen uns paranoiden "Verschwörungstheoretikern" (der pauschal herabsetzende Lieblingsbegriff für Leute, die nicht alles einfach glauben) zeigen, wo die Stadt liegt, dann wäre Ruhe, und sie könnten mal wieder feixen, was für ein leichtgläubiges Gesindel sich in Netzforen so herumtreibt.
Wäre doch eine prima Sache im Sinne der "Qualitätsmedien", oder?
Ich ließe mir diesen Leckerbissen an deren Stelle jedenfalls nicht entgehen...

Blutscheich, am 23. Februar 2010 um 13:29 ( Link )

# CrisisMaven,

man muss ja auch nicht direkt eine dicke Verschwörung draus machen. Aber wenn der Presse bzw. den Agenturen Details zugespielt werden wie

- Flagge im Stadtzentrum von Mardscha gehisst
- Häuserkampf, Heckenschützen
- 15000 Flüchtlinge aus der Stadt

Dann scheint das eher nicht auf Schlampigkeit oder Missverständnissen zu beruhen. Es sieht dann, ohne dass man jetzt besonders paranoid wäre, nach gezielter Desinformation aus.
Oder aber man unterstellt, dass die NATO und die afghanische Armee selbst im Dunkeln stochern und ihnen im Eifer des Gefechts noch nicht klar geworden ist, dass sie gerade wenn nicht gegen Windmühlen so doch gegen sehr verstreute Lehmütten in Feldern und Halbwüsten kämpfen.

CrisisMaven, am 23. Februar 2010 um 13:43 ( Link )

Magnus Goeller - das mit den Qualitaetsmedien wird ohnehin zunehmend zum Witz. "Embedded Journalists" koennen nie objektiv sein, sie haengen fuer ihr Ueberleben zu sehr von den sie mitnehmenden Bewaffneten ab. Leute wie einst Tizio Terzani scheint es schon laenger nicht mehr zu geben. Der Spiegel hat zwar ein Riesen-Archiv, aber in Zeiten des Internet und der nachgepraegten Info-CDs relitiviert sich das auch zusehends. Was bleibt ist Arroganz um fehlenden Mut zu kompensieren. Hinzu kommt, dass mittlerweile im Netz Leute unerwegs sind, die mit ernsthafter Arbeit KOSTENLOS mehr Zeit zubringen als alle bezahlten Schreiberlinge selbst bei Provision zu investieren bereit waeren.

CrisisMaven, am 23. Februar 2010 um 17:17 ( Link )

Die Gegenmeinung zu den alliierten Besatzern, von der ich mich pflichtschuldigst zuerst hier deutlich distanziere, ist hier zu finden: Mujahideen of Islamic Emirate of Afghanistan military operations against the kafirs, munafiqs and the worshippers of Idols and Statements from Afghanistan . Fortlaufender "Nachrichten"ticker.

Blutscheich, am 23. Februar 2010 um 17:46 ( Link )

Die oben verlinkten Allahkrieger scheinen noch viel weniger Ahnung zu haben, wo Marjah liegt:

"It is now for one week that the invading enemy have launched military operations named “ together” against Mujahideen in Marjah, a part of Nad Ali district, Helmand province."

So weit so gut, Marjah gehört zum Distrikt Nad Ali, das wussten wir schon. Ob das eine Stadt ist oder ein Ziegenkaff, sagen die auch nicht. Aber jetzt kommts:

"In fact, Marjah is a geopolitically important area because it borders on Baluchistan, Pakistan "

Wenn Marjah in Nad Ali liegt ,kann es unmöglich an Baluchistan grenzen. Geostrategisch ist Marjah völlig uninteressant, um nach Balutschistan zu gelangen.

"White House wants to install new espionage equipments in Marjah close to the Iranian border."

Noch nicht einmal irgendein Teil der ganzen Provinz Helmand grenzt an Iran. Das ist noch mehr an den Ziegenhaaren herangezogen.

Das beantwortet vielleicht auch die Frage nach den Ortskenntnissen der afghanischen Einheimischen.

CrisisMaven, am 23. Februar 2010 um 18:05 ( Link )

Das sind ja die auslaendischen Insurgenten - die Afghanen halten sich raus und waehlen ... mehrheitlich Karsai wie frueher schon anklang.

OBERSCHLESIER, am 23. Februar 2010 um 21:50 ( Link )

@crisismaven - 'Gegendarstellung'

"...Colonialist Motives..." :

The British are also involved in drug trafficking in Helmand province. They are secretly taking heroin in British planes to black markets in Europe.

Habe mich gerade beim Essen verschluckt. :))

CrisisMaven, am 23. Februar 2010 um 22:05 ( Link )

Na ja, mich wundert nichts mehr:
a) Das FBI hat nachgewiesen, dass Nixon mit dem IOS-Betrueger Vesco von Mexiko kommend per Flugzeug Drogen nach USA schmuggelte.
b) Der CIA ist Jahrzehnte ins Drogengeschaeft verwickelt gewesen, um Schwarzkassen zu schaffen und tut esvermutlich heute noch, warum nicht auch MI6 und MI5?
c) Als Bush senior Mexiko besuchte, lag ihm ein dringendes Amtshilfeersuchen seiner eigenen DEA - Drug Enforcement Agency vor, er moege sich persoenlich fuer einen ihrer Undercover-Agenten verwenden, der aktuell zu der Zeit in mexikanischen Gefaengnissen von der mexikanischen Polizei mit Stromstoessen gefoltert wurde.
d) Es ist ein offenes Geheimnis, dass die organisierte Kriminalitaet die harte Anti-Drogenpolitik der Regierungen foerdert, da sie durch Legalisierung ihre beste Einnahmequelle verloere.
Was soll man da der Jugend noch sagen???

Magnus Goeller, am 23. Februar 2010 um 22:59 ( Link )

Das Thema Drogenhandel unter westlicher Ägide ist sicherlich spannend und lohnenswert, ergründet zu werden.
Aber wir weichen damit vom hier gestellten Thema ab, meine ich, denn man muss zum Behufe des Mohnanbaus in Afghanistan keine Opiumhandelsstadt erfinden, oder etwa doch?
Dann wären wir wieder beim eigentlichen Thema: Weshalb, wozu wird eine Stadt erfunden, die es nicht zu geben scheint?
Darauf müssen sich meines Erachtens die Gedanken sinnvollerweise richten, ich betone es jetzt hier vielleicht ein letztes Mal.
Einzubeziehen in diese sind dabei noch die Statements McChrystals, es handele sich um eine Operation, die wohl 12-18 Monate dauern könne.
Wenn auch hier schon alles zerschwatzt werden sollte, werde ich das Thema eben an anderer Stelle weiterbetreuen, und sei es damit nur dort, wo ich die Befehlsgewalt habe, nämlich auf meinem eigenen Blog: http://www.unzensiert.zeitgeist-online.de/.

CrisisMaven, am 24. Februar 2010 um 0:21 ( Link )

Na ja, vielleicht hat die Vertuschung eigenen Rauschgifthandels ja was mit der Erfindung einer Potemkinschen Stadt zu tun, wer weiss. Aber zum Thema: vielleicht hat man eine 80.000 Einwohnerstadt gebraucht, um dann nur ganz wenige Kollateralschaeden als Erfolg einer neuen Taktik vorfuehren zu koennen? Wo keine Haeuser und Zivilisten sind, kann man ja auch keine versehentlich treffen. Und doch ist es passiert, dumm gelaufen. Besser waere Armstrong in Helmand gelandet und Chrystal auf dem Mond.

Magnus Goeller, am 24. Februar 2010 um 1:26 ( Link )

@ChrisMaven
Ihr Gedanke ist nicht schlecht; er nähert sich immerhin wieder der Frage: Wozu?
Er erscheint mir aber immer noch nicht als hinreichend: vielleicht ist er es doch.
Wir kommen immerhin weiter und sollten nicht darin nachlassen, unsere Hirnkästen darauf zu konzentrieren, wofür man uns eine ganze Stadt erfunden haben sollte.
Sehen wir es mal sportlich: Das ist mal ein Rätsel für echte, harte, kalte Logiker.
Glühende Patrioten mögen gerne mittun, aber in diesem Spiel ist weniger löbliche Heimatliebe sondern gerades genaues Denken gefragt.
Wozu eine Stadt erfinden???

OBERSCHLESIER, am 24. Februar 2010 um 17:06 ( Link )

@ alle Diskutanten

Schlage den Ansatz des guten, alten Inspektor/Kommissar
Colombo:) vor - die AKTION selbst bzw. deren ERFOLG:
a) wem nützt sie/er ? b) wem schadet sie/er ?

z.B. u.a. das mit dem geogr.-strat. Besetzen des "Schachbrett-Feldes" im Zshg. mit den Chinesen in Pakistan hätte in meinen (laienhaften) Augen etwas für/in/hinter sich.[zugegeben: nur wenn es um die Frage geht, warum gerade in dieser Gegend, aber nicht betr. "Phantom-Mardjah"-Frage] --> Waffenhandel?, Ölanlagen-Investitionen, ....

und ähnliche Analysen.

OBERSCHLESIER, am 24. Februar 2010 um 17:17 ( Link )

@ alle Diskutanten

Und wenn es um den - wahrscheinlichen - medialen Bluf (Schreibweise?) geht:

Vielleicht wollen die Amis nicht, wie alle glauben (sollen), daß die "Insurgenten" dort verschwinden, sondern daß sie dort....erscheinen ? Und wo anders sich zurückziehen bzw. ihre Aktivitäten reduzieren ? Und in(um) - eher bevölkerungsarmen und übersichtilichen - Mardjah wäre dann die US Army schon vorbereitet.

Ja, ich weiß - dieser Gedankengang klingt zwar etwas komisch und abwegig(sic), aber vielleicht geht es um Stabilisierung anderer Regionen ? Also sozusagen um propagandauntestütze "Lockung" des/der Gegner(s) in die Marjah-Region ? Und im Rahmen dieser Strategie auch geogr. Desinformationsmaßnahmen ?

Ufff - nur ein Versuch. :)

Magnus Goeller, am 24. Februar 2010 um 18:15 ( Link )

@Oberschlesier
Gar keine schlechte Idee, zumal dass die 15000 angeblich bei "Amarschda" zusammengezogenen Soldaten vielleicht in Wirklichkeit woanders eingesetzt werden (sollen), brachte ein Bekannter als logische Erklärungsmöglichkiet auf.
Das wäre nicht das erste behauptet große Schlachtfeld der Geschichte, von dem eifrig berichtet wurde, um von einem anderen Aufmarschort abzulenken.

Blutscheich, am 24. Februar 2010 um 18:46 ( Link )

Vielleich sollten diese 15000 ja stattdessen für ihren Iran-Einsatz vorbereitet werden. Sie an einean Iran grenzende Provinz zum Einsatz zu bringen, wäre zu offensichtlich. Aber vielleicht ist Mardscha, das ja in den 50er Jahren von den Amis selbst als landwirtschaftliches Neuland konstruiert wurde, die ideale geheime Operationsbais, um von dort aus einen Blitzkrieg gegen das Mullah-Regime zu starten. Na hoffentlich, habe ich jetzt aus Versehen nicht zuviel verraten und bekomme von der CIA eins auf den Deckel!

Magnus Goeller, am 24. Februar 2010 um 20:20 ( Link )

@Blutscheich
Könnte durchaus sein, dass es Richtung Iran gehen soll. Ein neuer Hinweis noch zur Sache: "rense.com" hat die Sache unter dem Titel "Marjah is basically a mud hut town" inzwischen auch aufgegriffen.
Da diese Seite weltweit sehr hohe Zugriffszahlen hat, dürfte diese merkwürdige Geschichte inzwischen ein ganzes Stück weitergetragen sein.

OBERSCHLESIER, am 25. Februar 2010 um 17:42 ( Link )

TV-Hinweis:
Jetzt am Freitag (also morgen), ich glaube auf 3SAT,
abend: "Wie viel kostet uns Afganistan wirklich ?"

CrisisMaven, am 26. Februar 2010 um 14:33 ( Link )

Danke, nahum, fuer den Link. Ich bin ja in der Bekaempfung der oK taetig (gewesen, hurra wir leben noch ...). Die Verflechtung mit der Politik (und nolens volens der Wirtschaft) geht viel tiefer als die meisten ahnen oder wissen wollen. Glaubt denn einer, dass eine Versammlung von Bankern einen Politiker einer kleinen Partei reden hoeren will? Wozu, worueber? Aber so kann man ihn halt bezahlen, ohne dass es auffaellt. Schliesslich sind die Rechnungen fuer wertlose Gutachten in der Parteispendenaffaere uebel aufgestossen, mittlerweile macht man das nicht mehr so direkt. Auch der Insiderhandel (mit Drogengeld zwischenfinanziert wie auch der Menschenhandel u.v.a.m.) funktioniert mittlerweile so, dass man nicht mehr direkt die Aktie kauft oder verkauft, sondern strukturierte Produkte, die scheinbar in die andere Richtung laufen, "shorted" oder umgekehrt. Keine SEC oder BaFin kann das heute noch nachweisen und die Padrones werden immer reicher und lassen ihre Puppen tanzen. Und wenn ein Giuliani ueber die Straenge schlaegt, bekommt er eine Puupe mehr ab, die ihn dann auffliegen laesst, so wie viele Diplomaten sexuell hofiert werden, um sie gefuegig zu machen. Waehrend der einzelne Kriminalbeamte sich abmueht und sein Leben riskiert, trinken die oberen Raenge Bruederschaft. Und von denen will keiner die Legalisierung, dann waere ihre Party ja zuende. Umso mehr Hochachtung habe ich derzeit vor den italienischen "mani pulite", die taeglich das Leben ihrer Kinder riskieren (oder gleich darauf verzichten), um Mafiosi das Handwerk zu legen.

CrisisMaven, am 26. Februar 2010 um 15:03 ( Link )

Die Perversitaet eines Krieges sieht man daran, dass man seine Einsatzkosten gar nicht wirklich berechnen kann:
a) Die Vollkosten darf man nicht nehmen, denn die Armee kostet auch was, wenn sie zuhause bleibt. Andererseits gaebe es keine, wenn man sie nie irgendwo hinzuschicken beabsichtigte. Als doch dieVollkosten? Aber was ist dann mit den Opportunitaetskosten fuer Kriege, die man angeblich nicht fuehren muss, weil man eine Armee hat?
b) Auch die verschossene Munition ist so eine Sache: nach ein paar Jahren Ueberlagerung muss sie nutzlos ausgetauscht werden. Somit ist nur die Munition, die man vor Ablauf des sonstigen Lagerungsumsatzes verfeuert, echte Kosten?
c) In der Realitaet geuebtes Kriegfuehren erspart Manoeverkosten, etwa auch die heimischen Flurschaeden?
d) Andererseits wird nicht beruecksichtigt, dass halb Irak in Schutt und Asche gelegt wurde – diese Kosten werden fein saeuberlich aussen vor gelassen, ach nein, sie steigern sogar das Bruttosozialprodukt!

CrisisMaven, am 26. Februar 2010 um 16:18 ( Link )

Danke, nahum, fuer diese neuerlichen Links! Es ist ein offens Geheimnis, dass in Russland Nobelmarken-Niederlassungen nur in DEN Staedten an die dortigen Neureichen Autos verkaufen, wo sie sich vorher diskret mit der Russenmafia arrangiert haben. Wie soll da aber sichergestellt sein, dass die Mafia nicht auch immer gleich die neusten Codes fuer die Wegfahrsperren hat? So kann die oK auch noch des normalen Sonntagsfahrers Autoversicherung mit abgreifen. Das mit der Panzermunition ist auch schoen, Ludendorff beschreibt auch, dass er angeblich neben Hindenburg gesetzt wurde, damit das was wurde mit dem Kriegfuehren, man ihn aber offiziell halten konnte. Wieviele heimliche Assistenten wohl in Wahrheit die Strippen ziehen? Und Praesidenten, die keinen Einfluesterer brauchen, brauchen immer bald darauf einen Sarg. Eigenartig.

Anton B. Caesar, am 26. Februar 2010 um 16:30 ( Link )

"Auslandseinsätze"/Kriegskosten: Und da regt sich in Deutschland alles über die angeblich so hohen Hartz IV Kosten des Bundes auf. Die angedachte "Arbeitspflicht" wird dann wohl die Vorstufe dazu, das Prekariat ebenso rücksichtslos in personae zu verballern. Statt Schnee schippen kann man ja auch als Frontfutter tätig sein. Wahrscheinlich ist "man" deshalb auch über die Gebärfreudigkeit dieser Kreise in Wirklichkeit ähnlich erfreut wie einst der Führer.

Afghanistan hat angeblich 25 Millionen mit einem "BIP" pro Einwohner von ca. 350 USD: Da scheinen mir die "Befriedungskosten" (ohnehin ein Euphemismus, offensichtlich scheint ja seit Jahren "kein Frieden gebracht" worden zu sein) doch einiges höher zu sein als dieses. Ein Irrsinn.

OBERSCHLESIER, am 27. Februar 2010 um 23:45 ( Link )

@ alle Diskutanten

Hallo Freunde, jetzt also Kandahar :
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680742,00.html

frdl.Gruß

OBERSCHLESIER, am 27. Februar 2010 um 23:48 ( Link )

@ alle Diskutanten

>>nur ein "taktisches Vorspiel"
für die Einnahme von Kandahar<<

h m m m

Magnus Goeller, am 28. Februar 2010 um 20:18 ( Link )

Bisher hieß es doch immer, dass ein Opium-Spezi von Karzai und der CIA (den Namen habe ich grade nicht parat) mit seiner Miliz in Kandahar im Wesentlichen das Sagen habe...
Ist der jetzt plötzlich in Ungnade gefallen, oder war das auch mal wieder falsch?

Magnus Goeller, am 07. März 2010 um 18:45 ( Link )

Der Deckel ist auf der Sache drauf.

Ich habe in einer zweiten Runde noch einmal mit Vertretern der "Leitmedien" gesprochen, die zunächst durchaus interessiert waren, jetzt aber nur noch Meister Arroganzgroß spielen, wie sie das gelernt haben.

Das Fläschchen Sauternes, das ich für denjenigen auslobte, der eine Stadt Mardschah denn doch fände, oder über deren Nichtvorhandensein als erster berichtete, kann bzw. will sich niemand verdienen.

Ich rief auch bei den beiden berühmtesten US-Zeitungen an, und als ich der jeweiligen außenpolitischen Redakteurin erklärt hatte, worum es geht, wurde wortlos aufgelegt.

Alle wissen es, keiner redet, Business as usual, also Demokratie, wie wir sie kennen.

CrisisMaven, am 07. März 2010 um 20:13 ( Link )

Magnus Goeller - vielen Dank fuer diese aufopferungsvolle Arbeit. Wortlos auflegen spricht ja schon Baende. Seit dem Zeitalter des embedded journalist scheine diese Medien alle mit dem militaerisch-industriellen Komplex versippt zu sein.
nahum: "Helmuth von Moltke die Marneschlacht verloren habe, weil er dem Einfluss des Okkultisten Rudolf Steiner erlegen sei" - das war irgendwie damals so ueblich, dass jeder Militaer einen Astrologen hatte wie Wallenstein oder, wie Ludebndorff, gleich selber einer wurde, sozusagen. Wer weiss, wieviele Militaer-Esoteriker heute in Mardschah etwas sehen, was wir nicht finden koennen. Es muss "die Amis" und ale anderen "hoeherstehenden" Zivilisationen immer noch maechtig kraenken, dass Guerilleros mit primitiven mitteln ihnen im Terrain ueberlegen sind.

Manfred Fenn, am 14. April 2010 um 1:49 ( Link )

Nun, ich habe mich weiter bemüht, das Rätsel "Mardschah" (div. Schreibweisen: Marjeh, Marjah, Mardscha etc.) zu lösen. In der hohen Politik stieß ich auf Widerwillen. Die Linken taten interessiert, aber bis heute gab es keine Ergebnisse. Der Abgeordnete Stroebele war auch bemüht, mich für dumm zu verkaufen. In den ersten Mails von ihm hieß es: "Interessant, das bringe ich im Ausschuss vor". Welchen Ausschuss hat er nicht erläutert.

Dann gab es einen Zufallstreffer. Man glaubt es kaum, doch die Bundeswehr, Abtlg. Bürgeranfragen, sandte mir ein Datenblatt, aus dem hervorgeht, dass Mardscha ein Dorf sei. Zudem sogar zwei Bilder und ein Karte.

Hoffnungsvoll leitete ich diese Informationen dem Herrn Stroebele weiter. Kommentar: "Was wollen Sie denn, wie Sie selbst sehen, gibt es Mardscha doch."
Da tat er so, als ginge es um die reine Existenz des Dorfes und nicht darum, dass dieses Dorf als Ortschaft mit 80.000-85.000 Einwohner dargestellt wurde und PR-Gag der US-Armee ist.

Den ganzen Vorgang inkl. der Bundeswehrdaten können Sie auf meiner Internetseite einsehen.
http://www.manfredfenn.de/2010/03/27/mail-an-h-c-stroebele-am-27-03-2010/
Sollten Sie Fragen dazu haben, senden Sie mir eine Mail, ich beantworte sie gern.

CrisisMaven, am 14. April 2010 um 3:35 ( Link )

Vielen Dank fuer diese Muehen! Die meisten Enten, mit denen die Politik uns zu manipulieren versucht werden ja as Zeitmangel nie aufgedeckt.

matt, am 19. Juli 2010 um 7:01 ( Link )

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matt, am 29. Juli 2010 um 6:31 ( Link )

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