Petr Bystron

Der Autor ist Politologe und Publizist.

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Agenda 2020: Der Marsch der EUdSSR in die Planwirtschaft

von Petr Bystron

Einwurf zum Überzeugungstäter Zapatero und seinen Freunden

Der spanische Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero hat einen Plan, wie man ganz Europa ein für alle Mal vor Wirtschaftskrisen beschützen kann: durch Planwirtschaft! Zapatero stellte seine großartigen Pläne zur Rettung der europäischen Wirtschaft der verdutzten Weltöffentlichkeit nur einige Tage nach Spaniens Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft vor. Laut Zapatero sollen sich alle 27 Mitgliedsstaaten der EU verpflichten, ihre Wirtschaft mit Hilfe von Konjunkturprogrammen zu lenken. Wer nicht planen will oder wer das Soll nicht erfüllt, den würde Zapatero gern bestrafen – entweder mit einer Geldbuße oder mit der Kürzung von EU-Subventionsmitteln.

Zapatero will seine Pläne für ein besseres Europa mit anderen Regierungschefs während des EU-Gipfels in Brüssel Anfang Februar diskutieren. Achtung: Das ist nicht irgendein Meeting! Die Damen und Herren wollen hier nämlich die sogenannte „Agenda 2020“ zur Welt bringen – die offizielle Strategie für mehr Wirtschaftswachstum in Europa in den nächsten zehn Jahren. Diese soll den glorreichen Zehnjahresplan ablösen, der im Jahr 2000 in Lissabon ausgeheckt wurde. Damals hatte man genauso hoffnungsfroh in die Zukunft geblickt und Europa im Jahre 2010 als den wettbewerbsfreudigsten Wirtschaftsraum der Erde gesehen, in dem Spitzenwissenschaftler mit wertvollen Ideen die sich dynamisch entwickelnden neuen Industriezweige befruchten werden. Das roch schon damals nach der berühmten Ostblockparole aus den Fünfzigern: „Den Kapitalismus werden wir einholen und überholen!“. Es endete auch mit dem gleichen Erfolg, wie alle Fünfjahrespläne im Sozialismus. Anstatt dass vor Kraft strotzende europäische Firmen auf den Gebieten der Nanotechnologie, der Humanmedizin oder der Gentechnik den Ton angeben, plagen wir uns noch immer mit subventioniertem Kohlebergbau sowie mit am Rande der Pleite stehenden Autoherstellern, Textilfirmen und Glasereien.

Während der real existierende Sozialismus vor zwanzig Jahren das Weltliche segnete, lebt die Idee der Planwirtschaft weiter. Denn Zapatero bekam sofort Schützenhilfe von dem vermeintlich konservativen französischen Präsidenten Nikolas Sarkozy. Dieser würde gerne eine europäische Wirtschaftsregierung installieren (die er dann natürlich gleich selbst führen könnte). Während sich Sarkozy nur ein Pöstchen für seine post-präsidiale Zeit schaffen will, schreitet Zapatero aus voller Überzeugung in Lenins Fußstapfen. Zuhause in Spanien ließ er sich gerade einen Haushalt verabschieden, durch den das Staatsdefizit auf 8,1 Prozent erhöht wird. Mit irgendwelchen Maastricht-Kriterien zerbricht sich ein Staatsmann wie er nicht den Kopf.

Auch unsere Kanzlerin erlag dem Charme der Zehnjahrespläne. In ihrer Neujahrsansprache verkündete sie die Notwendigkeit der grundlegenden Veränderung unserer Wirtschaftsweise in den kommenden zehn Jahren. Die Merkelsche Perestrojka soll zu mehr Nachhaltigkeit führen. Und: „Im nächsten Jahrzehnt wird sich entscheiden, ob wir unseren Wohlstand erhalten, indem wir unsere Art zu leben und zu wirtschaften ändern“. Der Schlüsselbegriff der nächsten zehn Jahre wird „Nachhaltigkeit“ sein. Mit ihm wird das offiziell erklärte Ziel vieler europäischer Politiker kaschiert: die Sicherung des gewohnten Lebensstandards. Niemand will den Wählern die unbequeme Wahrheit ins Gesicht sagen, dass wir Jahrzehnte lang über unsere Verhältnisse gelebt haben.

Mit dem Fall des Kommunismus endete nämlich die Ära des „Wettbewerbs der Systeme“, in der es dem westlichen Proletarier nicht schlechter gehen durfte als seinem Genossen jenseits des Eisernen Vorhangs. Die breite Masse der Bevölkerung kam so in den Genuss einer nie dagewesenen sozialen Absicherung, die jedoch auf Pump finanziert war.

Anstatt sich nun mit der Realität abzufinden und dem internationalen Wettbewerb zu stellen, glauben manche Politiker, das System überlisten zu können. Nun bitte, liebe EU: „Auf in die strahlende Zukunft in den Fußstapfen des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe!“

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 99

29. Januar 2010

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Kommentare

vonclausewitz, am 29. Januar 2010 um 22:17 ( Link )

Wirtschaftsnachhilfe von Spanien? Finanzreformen unter der Ägide des Gordon Brown? Deutsche "Nachhaltigkeit" der Wetterhexe?

Welcome to Euro-Bizarroworld

CrisisMaven, am 30. Januar 2010 um 1:05 ( Link )

"oder mit der Kürzung von EU-Subventionsmitteln." - na, wenn, nur so als Gedankenspiel, alle nicht mitmachten (bis vielleicht auf Spanien selbst ...), waeren wir auf einen Schlag mind. 26/27tel des EU-Subventionsaufwandes los!

rohbust, am 30. Januar 2010 um 9:00 ( Link )

Zapatero (Bilderbergteilnehmer 2004)
Merkel (Bilderbergteilnehmer 2005)
Roland Koch (Bilderbergteilnehmer 2009)

Was will uns das denn wieder sagen? Mit nur ein bisschen Recherche Wer oder Was diese Bilderberger sind ist es mehr als nur offensichtlich, dass hier nichts weiter stattfindet als uns in ein neues Feudalsystem zurückzubomben und das bei maximaler Überwachung, also unsere totale Versklavung! Hört sich paranoid an, aber nehmt euch mal ein bisschen Zeit und seht euch Filme wie Zeitgeist oder Endgame auf google video an, da werdet ihr sehen, wie sehr die Menschheit komplett Gehirngewaschen und VERARSCHT wird und das ist kein Scherz sondern bittere Realität, oder warum glaubt ihr soll uns plötzlich Planwirtschaft untergeschoben werden? Warum kommt Koch plötzlich auf die glorreiche Idee mal Zwangsarbeit für Hartz IV Empfänger einführen zu wollen? Das sind nur 2 von wesentlich mehr Anzeichen für das was hier geplant wird!

Friedrich Dominicus, am 30. Januar 2010 um 9:28 ( Link )

Ist doch typisch. Die Antwort auf alle Frage ist: "Weil wir nicht genug Staat haben, müssen wir nur mehr "Staat" machen".

Tendenzen sind ja wohl unverkennbar. Und sei es damit anzufangen Kinder frühzeitig zu "sozialisieren". Schule ab 6, viel zu spät Kindergarten ab 3 viel zu spät.

JohnGalt, am 30. Januar 2010 um 10:07 ( Link )

Q.e.d.!!!
Gerade in der FAZ gelesen, dass die EU die Vermieter zwingen will, alle Mietwohnungen behindertengerecht umzubauen!
Kosten? Egal, müssen ja die Vermieter zahlen!

Juergen , am 30. Januar 2010 um 10:14 ( Link )

@Bystron

Nanotechnologie, Humanmedizin und Gentechnik sind bei größtenteils öffentlich finanzierter Grundlagenforschung als genauso subventioniert anzusehen wie bspw. Kohle + Landwirtschaft. Dass man sowas noch erklären muss.

Der Plan bietet doch wunderbare Möglichkeiten: Man verzichtet auf Konjunktursteuerung, erhält dafür aber auch keine Subventionen und schon läufts mit der Wirtschaft dynamischer als bei den verplanten Nachbarn. Solange der Freihandel nicht betroffen ist...

Rüdiger Märzen, am 30. Januar 2010 um 12:18 ( Link )

Deswegen:
www.wikileaks.org

Unzensierbar, bisher geheimgehaltene Dokumente über Korruption veröffentlichen. Und Korruption ginbts in DE mehr als man als braver Bürger vermuten möchte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikileaks

War neulich wegen der Veröffentlichung der Autobahnmaut-Verträge im Gespräch.

Jake James, am 28. Mai 2010 um 14:31 ( Link )

Hervorragende Thema zum Nachdenken. Der spanische Ministerpräsident äußerte seine große Idee des wirtschaftlichen Reformprozesses auf der Grundlage der EU-Mitgliedstaaten. Allerdings ist nicht, ob die Idee eines gespenstischen, insbesondere unter Berücksichtigung des Zustands der Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Spanien selbst. Nun ist die globale Krise, den Stand der finanziellen Systeme, selbst entwickelten Ländern stehen unter großem Bedrohung. Also nicht gesehen werden, ob eine solche radikale Reform des großen Fehler, die später zu unumkehrbaren Folgen führen. Nun die Zeit wird zeigen, aber so weit wir können nur das Beste hoffen.
Jake James

jessie31, am 11. Juni 2010 um 8:51 ( Link )

Wow..he is one of my idols indeed, I admire him pretty much!
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