André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Staatsschule und Demokratie: „Homeschooling ist Nordkorea!“

von André F. Lichtschlag

Volkes Stimme und das Stockholm-Syndrom

Was haben die Erfinder Alexander Graham Bell, Thomas Edison, Cyrus McCormick und die Gebrüder Wright, die Generäle Stonewall Jackson, Robert E. Lee, Douglas MacArthur und George Patton, die Künstler Claude Monet, Leonardo da Vinci, Charles Chaplin und Andrew Wyeth, die US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt, die Wissenschaftler Pierre Curie, Albert Einstein, Booker T. Washington und Blaise Pascal, die Staatsmänner Konrad Adenauer, Winston Churchill, Patrick Henry und William Penn, die Komponisten Irving Berlin, Wolfgang Amadeus Mozart, Anton Bruckner und Felix Mendelssohn, die Schriftsteller Hans Christian Anderson, Charles Dickens, Agatha Christie und C.S. Lewis gemeinsam? Sie alle waren, glaubt man den Angaben der Seite Hausunterricht.org, in ihrer Kindheit ganz oder zeitweise – wie jetzt im Moment zwei Millionen US-Amerikaner – nicht auf einer Schule, sondern wurden zuhause unterrichtet. Die so zahlreichen amerikanischen „Homeschooler“ gelten heute an den Universitäten des Landes als weit überdurchschnittlich erfolgreich.

In den meisten Ländern ist der Hausunterricht legal, teilweise wie in Russland wird er sogar gefördert. Deutschland steht mit seinem unerbittlichen Schulzwang recht alleine da. Jedes Jahr wächst die Zahl der Homeschooler weltweit nach verschiedenen Schätzungen um zehn bis 20 Prozent, während nicht nur in Deutschland die staatliche Schulbildung in einem immer schlechteren Ruf steht.

Gestern nun hat ein US-Gericht der deutschen Familie Romeike Asyl gewährt, weil deren Kinder entgegen dem Eltern- und Kinderwillen in die deutsche Schule eingewiesen werden sollten, den Eltern hätten bei weiterer Zuwiderhandlung Geld- und Haftstrafen gedroht. Das Menschen-und Familienbild könnte unterschiedlicher nicht sein: In den USA genießen die Eltern das natürliche Erziehungsrecht ihrer Kinder und der Staat hat sich in Familienangelegenheiten nicht einzumischen, in Deutschland sind Kinder wie Eltern Untertanen des allmächtigen Staates.

Der „Spiegel“, das war zu erwarten, verhöhnt die Opfer und deren „angebliche Verfolgung“. Das ist von einem Blatt, das zwei- bis dreimal im Jahr Adolf Hitler in Farbe auf ihrem Cover platziert, nur konsequent. Schließlich hatte der auch mit dem Reichsschulpflichtgesetz von 1938 den deutschen Sonderweg zementiert, wenn nicht erfunden.

Bemerkenswerter sind die Leserreaktionen beim „Spiegel“, die gestern so ähnlich auch bei der „Welt“ und anderen viel genutzten Kommentarspalten zu finden sind. Diese sind zwar grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen und Manipulation ist nicht ausgeschlossen. Doch ist das Thema für Politik und Medien eher zweitrangig und damit der Aufwand zielgerichteter Beeinflussung eher unwahrscheinlich. Ein paar Zitate aus Volkes Stimme könnten sich also lohnen.

- „Wer sich an die hiesigen Gesetze nicht halten will, kann gehen. Wo ist das Problem? Für evangelikale Fundamentalisten sind die USA ohnehin das bessere Land. Sie haben dort zwar keine Alters- und Krankenversicherung, aber Hauptsache sie dürfen ihre Kinder weiter indoktrinieren. Ich denke, wir brauchen diese Leute nicht und wenn sie dort Asyl bekommen, dann ist allen damit gedient.“ (Klo)

- „Kinder sind nicht das Eigentum ihrer Eltern! Nicht ohne Grund gibt es eine Schulpflicht in Deutschland, eben um zu verhindern, dass sich Eltern herausnehmen, bestimmen zu wollen, ob, und wenn ja, was, ‚ihre’ Kinder lernen. Derselben Logik folgend dürften allerdings Eltern auch nicht bestimmen, ob ihre Kinder einer Religionsgemeinschaft angehören sollen (und wenn ja, welcher) bzw. was diese zu glauben haben oder auch nicht. Das können sich diese – dann hoffentlich zu selbständig denkenden Menschen erzogen – immer noch aussuchen, wenn sie dazu in der Lage sind, z. B. ab 18.“ (Emmi)

- „Schlimm für die armen Kinder, die so der Erziehung der Eltern ohne alternativen Einfluss ausgeliefert sind. Traurig, dass Amerika da auch noch mitzieht, aber von dort ist man ja christlich fundamentalistisch einiges gewohnt.“ (electrastar)

- „Asyl für alle Spinner, dann sind wir die wenigstens los...“ (snickerman)

- „Herr und Frau Romeike behaupten von sich, Christen zu sein. Gerade die evangelikalen Christen sind dafür bekannt, dass sie die Bibel möglichst wortgetreu auslegen. Deswegen frage ich mich, warum Herr und Frau Romeike sich nicht an die in der Bibel, genauer gesagt im Neuen Testament, vorgegeben Regeln halten? ‚So gebet dem Staat, was des Staates ist, und Gott, was Gottes ist!, frei nach Matthäus 22,22.“ (Parvis)

- „Schule ohne Schulpflicht ist sinnlos. Entweder grundsätzlich freiwillig: Dann können wir die staatlichen Schulen dicht machen und jede Religion und Weltanschauung gestaltet ‚ihre’ Art von Bildung nach Gutdünken, entweder gemeindeweise oder nur auf die jeweilige Familie begrenzt: Die evangelikalen Christen, die katholischen Christen, die neuapostolischen Christen, die schiitischen Moslems, die sunnitischen Moslems, die Scientologen, die Zeugen Jehovas, die orthodoxen Marxisten usw. usf. Oder wir machen ein verbindliches Schulsystem für alle.“ (Porgy)

- „Es ist schlichtweg lächerlich zu behaupten, es würde jemand aufgrund der Schulpflicht politisch verfolgt. Das ist reiner Realitätsverlust.“ (Celegorm)

- „Diese Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder mit den Ansichten Andersdenkender konfrontiert werden. Unsere Demokratie funktioniert aber nur in einer pluralistischen Gesellschaft, in der ich zwar Meinungen nicht teilen aber zumindest respektieren muss. Wenn sie in einer solchen Gesellschaft leben wollen, sollten sie auch deren Grundprinzipien anerkennen – oder gehen! Andernfalls gefährden die Eltern oder später die Kinder unsere Demokratie.“ (BoliviaQueViva)

- „Es ist in der Psychologie/Soziologie mehrfach bewiesen worden, dass Kontakt zu anderen Gruppen die Toleranz gegenüber diesen Gruppen steigert und Vorurteile abbaut, genau das wollen diese Art von Leuten verhindern. Auch sollte jeder Mensch selbst entscheiden dürfen, welcher Religion (wenn überhaupt) er sich anschließen möchte, doch ich glaube kaum [Achtung, Rechtschreibung nach Staatsschulbesuch, die Red.] das dass [sic!] im Plan dieser HomeSchooler erlaubt wäre. Mir tun nur die Kinder leid!“ (th3_j4cka55_r00l5)

- „Ein paar Spinner weniger, wo ist das Problem?“ (netchilla)

- „Ein paar Spinner weniger in D. Ich hoffe, dass die deutschen Gerichte auf ihrer Linie beharren. Nichts gegen Heimunterricht als solchen, aber sobald den Kindern essentielle Bestandteile der Bildung enthalten werden (Evolution nur als ein Beispiel) und sie durch den Heimunterricht auch völlig beabsichtigt von der Gesellschaft isoliert werden, dann ist DAS ein Verstoß gegen die Menschenrechte der Kinder. Und die tun mir wirklich Leid. Bekloppte und offenbar paranoide Eltern (weiß ja nicht, wann der Vater das letzte Mal in ein Schulbuch geguckt hat) und jetzt müssen sie auch noch in Amiland leben. Ist es jetzt sarkastisch, wenn ich Gott darum bitte, dass aus den Kindern trotzdem noch was vernünftiges wird?“ (Narn)

- „Ich finde die Schulpflicht in Deutschland richtig, sie fördert soziale Kompetenz und und und... Jedem steht es doch frei sein Kind zu Hause von ‚richtigen’ Weltbild zu überzeugen. Es ist in meinen Augen ein Verbrechen wenn Eltern Kinder wie Gefangene einer Gehirnwäsche unterziehen können.“ (DasBrot)

- „Bin hier völlig Meinungskonform, ein paar Spinner weniger in unserer Heimat ist die positive Message, des hier beschriebenen Gesamtumstandes.“ (verbal_akrobat)

- „Wenn Sie das freiheitlich und demokratisch nennen wollen, wenn jeder Spinner machen darf, was er will, auch wenn er damit anderen (in diesem Fall seinen Kindern) schadet, bitteschön. Man könnte es auch dumm, verantwortungslos und asozial nennen.“ (OWL-Dirk)

- „Reden die Amerikaner nicht immer so stolz von Trennung von Kirche und Staat? Wo ist in dem Urteil die Trennung? Die Entscheidung des Gerichtes war falsch und ist gegen die US Verfassung. Homeschooling ist großer Blödsinn, denn die Kinder haben erstens keinen Kontakt zu anderen nicht immer gleich-denkenden Kindern und somit sozial unterentwickelt und zweitens glaube ich kaum, dass die Qualität die gleiche wie an Schulen ist. Homeschooling ist Nordkorea, brain washing.“ (Jay's)

Nun sind alle diese Kommentare das beste Argument gegen die Staatschule, hat diese doch offenbar viele Menschen zu hasserfüllten Dummbeuteln gemacht, die Orwells schlimmste Visionen noch übertreffen. Krieg ist Frieden. Homeschooling ist Nordkorea – einer der ganz wenigen Staaten auf der Welt, der ähnlich unerbittlich wie Deutschland Schulzwang betreibt.

Die hier zitierten Kommentare sind nur beispielhaft für ein – im Wortsinne – überwältigendes Stimmungsbild. Wie sehr muss man als Schüler heimlich gelitten haben, um einen solchen Hass gegen die zu entwickeln, die nichts tun als ihre Familie demselben Erlebnis zu entziehen? Wie sonst wäre die unerbittliche Häme gegenüber Andersdenkenden und die seltsam verdrehte Argumentation zu verstehen? Sind die kollektiven Liebeserklärungen an das pisagebeutelte deutsche Bildungswesen am Ende mit dem Stockholm-Syndrom zu erklären?

Es ist erstaunlich, in welchem Ausmaß es staatliche Schulen hierzulande geschafft haben, das religiöse Vakuum durch den Kult um die „Demokratie“ zu füllen. Einen sich fortschrittlich-atheistisch dünkenden unerschütterlichen Glauben an die Mehrheit, die jede abweichende Minderheit nach Belieben „erziehen“ darf, immer im Namen des Gottes Demokratie. Brain washing?

Doch es gibt auch die anderen, durchschnittlich die Intelligenteren. Über 200.000 Deutsche verlassen jedes Jahr dieses Land, der größte Teil davon in Richtung USA. Sie alle lassen uns allein mit totalitären Medien und Spießercharakteren, die seltsam stolz darauf sind, Zwang für Freiheit zu halten und die sich gebildet wähnen, wenn sie Nordkorea als Paradies für Homeschooler preisen.

Internet

Liste bekannter Homeschooler

28. Januar 2010

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Kommentare

Reiner Vogels Fördermitglied, am 28. Januar 2010 um 12:48 ( Link )

Die Kinder der Familie Romeike werden jedenfalls höchstwahrscheinlich später weder kriminell werden noch Drogen nehmen, der Sozialhilfe zur Last fallen oder kinderlos bleiben. Sie werden nach allen Erfahrungen, die man mit evangelikalen Familien gemacht hat, vermutlich fleißig und leistungsbereit sein, ihre Steuern und Rechnungen bezahlen, Familien gründen und Kinder großziehen. Sie gehören in einer alternden und zerfallenden Gesellschaft wie der unseren zur kommenden Elite. Und wir vertreiben sie. Es ist ein Skandal!

Sphairon, am 28. Januar 2010 um 13:07 ( Link )

Wie sehr muss man als Schüler heimlich gelitten haben, um einen solchen Hass gegen die zu entwickeln, die nichts tun als ihre Familie demselben Erlebnis zu entziehen?

Genau das halte ich für die treibende Kraft hinter dem verbissenen Festhalten an vorgestrigen Konzepten wie allgemeiner Wehrpflicht, Schulzwang oder Zwangskollektivversicherungen:

98% mussten mitmachen, und kaum einer gönnt der nächsten Generation, diese Erfahrung auslassen zu dürfen. Die Neidgesellschaft zieht jeden wieder runter, der sich über die Masse der Zyniker erhebt.

Daher auch das neurotische Mantra von den "evangelikalen Spinnern". Ihr Ausbrechen aus der Gesellschaftsordnung muss mit ihrer geistesbenebelnden Religion zu erklären sein. Vernünftige Menschen tun das nicht. Vernünftig sind wir - hat die Schule gesagt.

Es ist zum Heulen.

Stefan Miller, am 28. Januar 2010 um 13:32 ( Link )

bei den Kommentaren ist in der Tat Vorsicht geboten. Ich teste regelmässig die Zensoren von Focus, weil man dort keine Anmeldung benötigt. Politisch inkorrekte Kommentare werden nur dann durchgelassen, wenn sie völlig sinnlos sind.

Was die besagte Familie angeht, da war doch nichts anderes zu erwarten. Die staatlichen Propaganda-Instrumente (sämtliche Massenmedien) können doch überhaupt nicht anders als den Fall ins Lächerliche zu ziehen. Alles andere wäre ein Fehlereingestädnis und könnte verherrende Folgen haben, und zwar nicht nur auf das Schulsystem.

PS:
die Kelly-Family hatte seinerzeit auch ähnliche Probleme, wenn ich mich richtig erinnere.

loyalbushie, am 28. Januar 2010 um 14:11 ( Link )

Normalerweise müsste es einem demokratischen Staat zu denken geben, wenn seine Bürger in anderen demokratischen Staaten als "politisch Verfolgte" anerkannt werden. Man pocht ja selbst so gerne auf "Menschenrechte", wenn es um die EU-Beitrittsambitionen der Türkei oder um Antiterrorgesetze in den USA geht.

Aber das Ja zum Schulzwang vereinigt alle Gesslerhüte, die man in unserem Land zu grüßen hat, hinter einer sozialistischen und staatsautoritären Fahne: Die Linken ohnehin, da der Staat ohnehin besser weiß, was für die Bürger gut ist, als diese selbst, und weil es außerdem gegen die bösen konterrevolutionären "christlichen Fundamentalisten" geht.

Viele Konservative und Rechte lassen sich wiederum mit der Angstmache vor dem Islam ködern, unter dessen Banner dann ja auch selbstorganisierte Schulprojekte betrieben werden dürften.

Daneben kommen noch Neidgenossenschaft und ein doktrinärer Antiamerikanismus als neuer gesellschaftlicher Konsens sowie der Modetrend Atheismus zum Tragen.

In Europa werden Vielfalt und Diversität eben offenbar immer noch als Gefahr wahrgenommen. Funktionierende Gemeinschaften wie zB die Amish in den USA würden hier mit aller Macht der Medien und der Behörden als "Parallelgesellschaften" plattgemacht.

Mal sehen, wie lange es dauert, ehe die EU die Unabhängigkeitserklärung von 1776 zum illegalen Akt fundamentalistischer Menschenfeinde erklärt und die Rückgliederung der abtrünnigen Provinzen an England verlangt.

Olaf Janowski, am 28. Januar 2010 um 14:28 ( Link )

Ich denke, dieses Urteil hat vielen in Deutschland Mut gemacht.
Bei mir hat es den letzten Ausschlag gegeben, dieses Land und die EUdSSR zu verlassen.

Im Prinzip haben die USA in ihrer jahrhundertelangen Geschichte alle Freigeister aus der "alten Welt" wie ein Magnet, wie ein Schwamm aufgesogen. Welch ein Aderlass ... man bedenke, wieviele Wissenschaftler, Schauspieler, Künstler, Intellektuelle alleine Deutschland in den letzten 150 Jahren Deutschland verlassen haben - im Kern immer aus dem gleichen Grund: Dem notorisch unfreien Deutschland, in dem jeder ein kleiner Polizist zu sein scheint, zu entfliehen.

Und dieser Prozess nähert sich seinem Ende, ist aber noch nicht vorbei.

Dieses Urteil ist sehr wohl eine Art Fanal, eine Initialzündung für viele Menschen, egal was sie von bibeltreuer christlicher Lebensweise halten, die Deutsche Volksdemokratische Beamtenrepublik zu verlassen.

Ein US-Offizier mit deutschen Wurzeln (bis zum 22. Lebensjahr in Deutschland, danach auch bekannter Time-Life-Fotoreporter), der Name ist mir leider entfallen, meinte einmal treffend:

"In every German there is a little policeman. And what makes it even worse: In every German policeman there is a little policeman..."

Nach dem Tod meiner Mutter und meines Vaters hält mich hier nichts mehr. Ich habe lange genug bei der Verwaltung der US Army in Frankfurt und Darmstadt gearbeitet und denke die Vor- und Nachteile einer Einwanderung in die USA beurteilen zu können.

Eigentlich ist jeder zu bedauern der noch hier bleiben muss, aus welchen Gründen auch immer.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rochester_(Minnesota)
http://de.wikipedia.org/wiki/Minnesota

Neutrino, am 28. Januar 2010 um 14:36 ( Link )

Erst mal: Albert Einstein war kein Homeschooler! Er ist jahrelang in München auf das Luitpold Gymnasium (heute Albert Einstein Gymnasium), später in der Schweiz in Aarau. Schließlich besuchte er das ETH Zürich, danach war er als Privatlehrer tätig.
Da kann man nun wirklich nicht von Homeschooling sprechen. Auch wenn er nebenbei mehr gelernt hat als in den Lernveranstaltungen. Insbesondere verhasst waren ihm die Lehrer im Luitpold Gymnasium.

Ich finde Homeschooling ist keine echte Alternative für die Masse der Schüler. Das System ist hauptsächlich für Hochbegabte geeignet.
Auch einen Lernzwang finde ich richtig. Skandalös ist dagegen, wie er durchgesetzt wird. Das deutsche System bietet keinerlei individuelle Entfaltungsmöglichkeiten. Lehrinhalte, Organisation und Ausrichtung der Schulen sind uniform von Kiel bis München. Zudem haben sie sich kaum seit Einsteins Zeiten verbessert.
Der Skandal ist nicht, dass die Eltern ihre Kinder nicht selbst unterrichten durften. Der Skandal ist, dass unser System keine Angebote für solche Familien zulässt. Keine Kompromisse möglich. Entweder Schule wie sie ist, oder Kinderentzug und Gefängnis. Das war die Wahl der Familie. Das ist ein Skandal.

Skandalös ist auch, wie die Massenmedien jetzt noch bei der Familie nachtreten und nicht einen Funken von Selbstkritik oder Kritik am verbeamteten und verwalteten deutschen Schulsystem gezeigt wird.
Hier erleben wir wieder mal Journalismus auf allerniedrigstem Niveau.

dickbrettbohrer, am 28. Januar 2010 um 15:21 ( Link )

@Neutrino

Auch einen Lernzwang finde ich richtig.

Mit welcher Begrünung?

dickbrettbohrer, am 28. Januar 2010 um 15:21 ( Link )

Begründung natürlich!

Olaf Janowski, am 28. Januar 2010 um 15:36 ( Link )

@dickbrettbohrer :

Wegen der Orthografiekenntnisse? Aber Begrünung ist auch ein hübsches deutsches Wort.

(Sorry could not resist - scnr - *ggg ...)

loyalbushie, am 28. Januar 2010 um 15:49 ( Link )

"Lernzwang" für Minderjährige im Sinne einer Bildungspflicht halte ich auch für berechtigt.

Nur sollte die Art und Weise, wie dies bewerkstelligt werden soll, der Entscheidung des Elternhauses anheim gestellt werden: Öffentliche Schule, Privatschule, Homeschooling oder wie auch immer.

Ein Bildungsgutscheinsystem nach US-Vorbild ("No child left behind") wäre grundgesetzkonform, sinnvoll und wirksam. Bildungsgutscheine können im Unterschied zu Geldleistungen nicht versoffen werden oder in einer undurchsichtigen Schulbürokratie versickern.

Radiergummi, am 28. Januar 2010 um 16:23 ( Link )

Ja, die armen kleinen Kinderlein, die tatsächlich im Sinne der Eltern erzogen bzw. indoktriniert werden. Da lobt man sich doch den sozial kompetenten Menschen jüngeren Alters, der mithilfe staatlich definierter Lehrpläne gebildet wurde.

In meiner Schulzeit hatte ich mich genau ein einziges Mal mit dem Gegensatz Home Schooling und Schulpflicht zu befassen. Witzigerweise war das während eines 2-jährigen Aufenthalts an einer Privatschule.

Ich finde es sehr gut, dass die USA mit dieser Entscheidung einen Präzedenzfall geschaffen hat.

Die spezielle deutsche Gesetzgebung was Weltanschauungen anbelangt und noch einiges anderes bieten einige Möglichkeiten, um in den USA Asyl zu beantragen und vielleicht auch gewährt zu bekommen. Wenn man nämlich darüber nachdenkt, dann ist fast jede liberale Haltung in diesem Land mittlerweile verfassungsfeindlich bzw. sind entsprechende Personen Verfassungsfeinde.

Lesezeichen, am 28. Januar 2010 um 16:30 ( Link )

Hier in Kanada gibt es ungefähr 80000 homeschooler. Nun hat homeschooling hier eine andere Tradition, ist teilweise auch durch die extrem hohen Entfernungen begründet.

Aber das System funkioniert. Es wurden immer wieder Studien durchgeführt, nach denen die homeschooler genauso den Zugang zur Universität bekommen, wie die anderen Schüler. Sie schaffen ebenso die Abschlüsse, zeichnen sich aber durch die Bank durch eine hohe Lernfähigkeit und überdurchschnittliche Sozialkompetenz aus.

Vergessen wird immer gern, dass homeschooling im Geheimen in Deutschland längst stattfindet, entweder in den Familien oder aber verdeckt durch tausende von Nachhilfestunden.

Irgendwie musste der immense Stundenausfall, wie z.B. in NRW, ja bisher ausgeglichen werden.

Aber darüber spricht man nicht so gern:-)

Dr. Spiele, am 28. Januar 2010 um 16:41 ( Link )

Auch ich halte die Einhaltung des Reichsschulgesetzes von 1938
für unabdinglich!

Die Kommentare meiner zahlreichen Volksgenossen bei SozioPathenONline, die das auch so sehen, zeigen wie wichtig und erfolgreich eine gründliche Schulung als Staatsbürger ist.

Es darf keine Ausnahmen geben, der Staat, das sind wir schliesslich alle!
Ein Hoch auf Kollektiv und Demokratie!
Keine Macht dem Aberglauben!

Dr. Spiele, am 28. Januar 2010 um 16:48 ( Link )

Ausserdem wissen die versammelten Hartz4 Empfänger
und Oberstudienräte und Dipl. Soz. Päderasten
im SPON Forum vermutlich sehr genau, wie sehr ihnen die jüngeren Generationen mit Schwung in den fetten Arsch treten würden, statt brav ihre maßlosen Schulden und Renten zu zahlen, wenn, ja wenn sie nicht genau so staatlich hirngewaschen werden wie sie selber. Deshalb muss Schulpflicht sein. Und zur Not auch wieder KZ, diesmal halt für Gottesgläubige allgemein.

Dr. Spiele, am 28. Januar 2010 um 16:56 ( Link )

Und Arbeits- Bildungs- und Fortpflanzungspflicht,
ABFP.

kfa, am 28. Januar 2010 um 17:11 ( Link )

@Olaf Janowski,
vielleicht gefällt Ihnen das hier:
http://freestateproject.org/

Der einzige Wermutstropfen an der Geschichte ist, daß es ausgerechnet Leute wie die Romeikes sind die hier zum heldenhaften Vorbild dienen müssen. Ich applaudiere ihnen natürlich trotzdem für ihren Mut und Durchhaltewillen. Leider werden die Kinder jetzt wahrscheinlich mit Kreationismus-Lügen und Erbsünde-Schuldkomplex aufwachsen. Aber auch sie werden erwachsen und werden die Möglichkeit haben zu entdecken, daß die Welt der Wirklichkeit noch viel größer und schöner ist. Wenn sie es wollen. Sie werden es sicher gut haben, und alles ist besser als Zwang.

Olaf Janowski, am 28. Januar 2010 um 17:33 ( Link )

@kfa: Na vielen Dank für den link!

BTW: New Hampshire - das ist ja das "Saarland der USA"!

Das bringt einen schon auf "unmögliche" Gedanken wie diese: Was wäre wenn ... alle Freigeister Deutschlands komplett ins Saarland ziehen würden? Und dort die Landtagsabgeordneten, Bürgermeister und den Ministerpräsidenten stellen würden?

Weia - dann hätten unsere "Eliten" ein Problem ...

anyway: Zur Freiheit des Andersdenkenden Evangelikalen (Wie ich auch einer bin, googeln sie mal nach Calvary Chapel):

Zwangsnassgespritzte Heidenbabies machen den Himmel nicht voll, nur die bewusste Lebensübergabe als Erwachsener zu Jesus Christus nach freier Entscheidung ist verantwortbar (wie das auch die Baptisten und Brüdergemeinden lehren).

Darum hat die Bibel auch recht, wenn in ihr steht dass es solche Leute nur wenige geben wird, die durch die "enge Pforte" sich am mainstream vorbei quetschen werden.

Aber lassen wir das, theologische Streitgespräche törnen auch mich ab...

Friedrich Dominicus, am 28. Januar 2010 um 17:57 ( Link )

Der Kommentar von Parvis:
"So gebet dem Staat, was des Staates ist, und Gott, was Gottes ist!, frei nach Matthäus 22,22."

Also Kinder gehören dem Staat.

Pervers ist da wohl noch ein milder Ausdruck.

Und wer behauptet Kinder gehören den Eltern hat wohl auch ein bisschen viel Sonne abbekommen.

Urs Bleiker, am 28. Januar 2010 um 18:39 ( Link )

Ich würde es mal von der positiven Seite sehen: Der Staat hat mehr und mehr nur noch die völlig verwirrten Dummköpfe auf seiner Seite - das ist doch ein gutes Omen für die Zukunft!

Ein schlechtes Omen ist allerdings der Brain-Drain. Was weg ist, ist auch bei einem Systemwechsel nicht einfach plötzlich wieder da!

loyalbushie, am 28. Januar 2010 um 18:43 ( Link )

Leider werden die Kinder jetzt wahrscheinlich mit Kreationismus-Lügen und Erbsünde-Schuldkomplex aufwachsen.

Da wir wie ich denke alle damals, als alles begann, nicht dabei waren und Zeitzeugen sich bis dato noch nicht geäußert haben, vermag ich daran nichts Bedenkliches zu erkennen. Ich bin kein besserer oder schlechterer Betriebswirt, CNC-Fräser oder Patentanwalt, wenn ich an die Schöpfungsgeschichte wörtlich glaube als ich bin, wenn ich dies nicht mache.

Und unter anderem spricht das, was an staatlichen Rütli-Schulen so abgeht, im Übrigen wohl eher für als gegen die Richtigkeit der Erbsünde-Vorstellung.

Den geilsten Spruch habe ich aber heute in der Kommentarspalte meines Blogs lesen dürfen - von einem bekennenden Grünen, der sich dort regelmäßig äußert: "Man sieht’s. Der Markt ist das Problem, der Staat die Lösung. Nicht nur hier, übrigens. Auch in Sachen Gerechtigkeit, in Sachen Bildung, in Sachen Sicherheit. Wir brauchen einen mächtigen, gut ausgestatteten Staat."

Und ich glaube, der hat das NICHT ironisch gemeint...

Neutrino, am 28. Januar 2010 um 18:49 ( Link )

@ dickbrettbohrer

Weil Kinder die Folgen nicht gänzlich überblicken können die dadurch entstehen, wenn sie sich der Bildung gänzlich enthalten. Und machen wir uns nichts vor: Es gibt genügend Eltern (i.d.R. aus der Unterschicht), die ihre Kinder nicht beim lernen sehen wollen.
Das darf aber nicht zu Lasten der Kinder gehen. Ich sehe darin auch keine Freiheitsbeschränkung der Kinder, denn Bildung versetzt Menschen erst in die Lage, die Welt um sich herum wahrzunehmen und das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Für mich stehen hier – wie sie sehen- die Rechte der Kinder im klar im Vordergrund und nicht die Rechte der Eltern. Eltern haben die Pflicht zur Erziehung, allein schon aus Verantwortung ihrem Nachwuchs gegenüber (nicht wegen irgendeiner staatlichen Regelung). Für Eltern, die ihre Kinder vom Lernen abhalten wollen habe ich kein Verständnis.
Ein Lernzwang ist keine Beschneidung der Rechte von Kindern oder Eltern, wenn sie dem Kind die Gelegenheit gibt, seinen Horizont entsprechend seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen zu erweitern (auch wenn mir klar ist, dass es einige unverzichtbare Kenntnisse, wie vor allem Lesen und schreiben gibt, die jedes Kind lernen muss). Das Lernen an sich und die gewonnen Kenntnisse versetzt einen jungen Menschen erst in die Lage, Freiheit wahrzunehmen. Etwas überspitzt formuliert, könnte man sagen: Wer keine Träume kennt, der kann seinen Traum auch nicht leben.
Kein Verständnis habe ich für den Staat, der mit allen Mitteln versucht, Kindern und Jugendlichen Bildung und die dazu nötige Persönlichkeitsentwicklung vorzuenthalten.

Wie sehen sie das?

Lesezeichen, am 28. Januar 2010 um 21:05 ( Link )

Es gibt genügend Eltern (i.d.R. aus der Unterschicht), die ihre Kinder nicht beim lernen sehen wollen.
Das darf aber nicht zu Lasten der Kinder gehen.

Das sehe ich auch so. Nur sehe ich nicht, dass das auch für die Familien gelten soll, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt und sie sie deshalb selbst (organisiert) unterrichten wollen.

Mich stört die Zwangsorientierung aller an dem schlechtesten Beispiel. Genau diese Denke hat dazu geführt, dass in Deutschland alle Eltern in Sippenhaft genommen werden. Man möchte die wenigen Übeltäter nicht diskriminieren, statt dessen diskriminiert man gleich alle - und schreit nach dem Staat.

Merkt eigentlich jemand, wie unfrei man in Deutschland lebt?

Ich kann nur immer wieder mein Erlebnis mit der Externenprüfung zur Mittleren Reife unseres Sohnes als mahnendes Beispiel für Unfreiheit und Perversion eines Bildungsdenkens anführen:

Die mündliche Englischprüfung wurde zur Grundsatzdiskussion über Klassenkampf, fing an mit "so your parents are rich?" und endete mit "children like you are the main reason for the split of our society"

Schlimmer geht's nimmer und ich frage mich, was diese - verbeamtete - Lehrerin von einem 16-jährigen als Antwort erwartet? Da sitzt er nun, der Klassenfeind, das Kind, das auf einer Privatschule unterrichtet wurde. Das muss man vernichten.

Übrigens ist das auch der Grund, weshalb angeblich Privatschulen nicht besser sind, als das öffentliche. Insbesondere die Schüler der Ergänzungsschulen müssen ihre Prüfungen vor den verbeamteten Lehrern der öffentlichen Schmutzkonkurrenz ablegen. Eine MR-Prüfung in einer öffentlichen Schule umfasst 3 schriftliche Arbeiten, in einer Ergänzungsschule sind es 4 schriftliche plus 7 mündliche Prüfungen - zu je 45 min - alle an einem einzigen Tag aufeinander folgend abgelegt. Ich würde gern mal den Aufschrei hören, wenn man das mit den Schülern der öffentlichen Schulen so veranstalten würde.

Das öffentliche Bildungssystem ist - mit wenigen Ausnahmen - durch und durch verkorkst, verdorben von selbstverliebten Machern an den grünen Tischen, von Lehrern, die ihr Geld sowieso kriegen, von verblendeten Soziologen, die ihr Heil in ständig neuen unerprobten Lehrmethoden sehen, von Systemidiologen, die Gleichbehandlung mit Gleichmachen verwechseln.

Würde ich gefragt, würde ich sofort und bedenkenlos für die Zulassung von homeschooling stimmen. Wenn ich allein die vielen Stunden zählen könnte, die ich schon zuhause für das einspringen musste, was in der Schule wieder mal nicht gelehrt wurde, kommen Monate, wenn nicht Jahre, zusammen. Das gilt auch für viele andere meiner Mitmütter.

Aber ist ja ohnehin der nächste Feind hinter der Dartscheibe. Die Mütter, die sich selbst um ihre Kinder kümmern, anstatt sie dem Kollektiv zu überlassen, wo sie im Gleichschritt zum gleichgemachten, abrasierten und folgsamen Staatsbürger werden.

Es gibt einen unbestrittenen Vorteil, wenn ein System nur Einheitsgrößen stricken kann. Nach einer Weile braucht man auch nur noch Einheitsgrößen.

Petra, am 28. Januar 2010 um 21:14 ( Link )

Gratulation zu diesem Artikel und auch an die Familie Romeike! Als Mutter einer schulpflichtigen Tochter, hängt mir das Schulsystem, die Lehrer und die Schule zum Hals heraus. Gäbe es Homeschooling hätte ich dieses längst gewählt!
Alle Schulreformen wurden nur dahingehend benutzt, die Schulen noch schlechter zu machen, als sie ohnehin schon waren. Lehrermobbing gegen Kinder, bei denen man als Elternteil machtlos ist. Der Lehrstoff scheint immer weniger und schlechter zu werden. Hauptaufgabe der Schule ist es nun, die Kinder mit Aufgabenstellungen zu traktieren, bei denen ich als Erwachsener Stunden beschäftigt bin, um diese verstehen und nachvollziehen zu können. Erst wenn ich diese verstanden habe, ist es mir möglich, den eigentlich leichten Stoff meiner Tochter weiterzuvermitteln. Und anstatt das die Eltern angesichst dieses schikanösen Schulstoffs auf die Barikaden gehen, werden zu Hause die Kinder zu noch mehr lernen angehalten. Wobei mein Fazit ist, die Kinder lernen in der Schule nichts mehr, werden aber von allen Seiten schikaniert, diesen teilweise unsinnigen Lehrstoff zu lernen. Traurige Tatsache ist es, daß der Lehrstoff nicht mehr geworden ist, sondern weniger, nur die Art es Kindern beizubringen hat sich extrem verschlechtert. Die Kinder heutzutage können einem richtig leid tun, ebenso die absolut macht- und hilflosen Eltern. Deutsche Schulen verdienen ihren Namen nicht!
Nur angepasste Schüler, mit angepassten Eltern, haben eine Chance. Alle anderen sind dem Untergang geweiht!

Stefan Sedlaczek, am 28. Januar 2010 um 21:14 ( Link )

@Neutrino

Auch wenn es an Dickbrettbohrer gerichtet war:

Zwang ist immer eine Beschneidung von Rechten. Und er kann allenfalls bei zutreffender Antizipation ausnahmsweise gerechtfertigt sein. Die wird aber eine Zentralbürokratie niemals besser treffen können als Eltern mit ihren Kindern zusammen. Daß sie versagt, ist evident. Wir haben Schulzwang seit 1938 und 4 Millionen funktionale Analphabeten.
Außerdem ist Beschulung nun einmal nicht die einzige Methode des Lehrens - und schon gar nicht die allenthalben beste. Von den Nachteilen eines staatlich verwesten Schulsystems ganz zu schweigen.

Mit "Rechten" kommt man hier sowieso nicht weiter - und jemand, der ein Recht verlangt, ist ohnehin schon ein Sklave.

Es kommt hier tatsächlich auf etwas - und diesmal naturgesetzlich - Zwingendes an: Sie können Menschen nur in Grenzen abrichten, Lernen in der heute notwendigen Qualität aber funktioniert niemals per Zwang. Lernen ist ein Vorgang des Innenlebens, er findet im Lernenden statt (so auch die Erkenntnisse der Hirnforschung), man kann Wissen nicht eintrichtern. Es ist also wichtig, auf die Motivation zu achten, die aus den Kindern selbst kommen muß. Und das geschieht auch: Laufen, Gesprochenes verstehen, Sprechen, all dies lernen Kinder. Und sie wollen auch alles andere lernen, von dem sie im Alltag ja sehen, daß man das braucht. Dabei gibt es - je nach Persönlichkeit (und eben Eltern) ganz unterschiedliche Entwicklungstempi. Der eine lernt eher Rechnen, der andere eher Lesen. Bei den Unschoolern, die das Lernen konsequent dem kindlichen Empfinden überlassen, gibt es Kinder, die mit 3 - und solche, die erst mit 10 Lesen lernen. Dies ist also die natürliche Spannweite. Es muß Probleme geben, wenn ich dies via Beschulung vereinheitliche.
Und das ist nur ein Beispiel von vielen, die für ein mehr kindgerechtes Lernen und eben auch Lehren sprechen.

Wir brauchen also Freiheit. Auch in Bildungsfragen.

Robin Renitent, am 29. Januar 2010 um 0:13 ( Link )

Der Unterschied zwischen der Familie Romeike und mir und meiner Familie ist folgender:

Familie Romeike ist stark religiös orientiert, wie fast alle Schulverweigerer. Das sind wir nicht. Unser Verhältnis zur Religion ist eher lax bis gar nicht, obwohl wir uns für Kirchenarchitektur und Musik, Bach etc. interessieren und Jesus sicher ein toller Typ war und die Bibel ein interessantes Geschichtsbuch ist.

Wir haben das mit weniger Publicity hinbekommen und die deutsche Rechtsprechung durch Auswanderung (Nordamerika) schon unterlaufen, als die Kinder noch nicht schulpflichtig waren.

Wir unterrichten die Kinder täglich selbst, wobei wir auf unserer mehrjährigen Weltreise die jeweiligen Länder und Orte in den Lehrstoff mit einbauen. Sie sehen also die Realität und lernen nicht nur aus Büchern.

Eine starke Motivation war auch, die Kinder nicht dem links-gutmenschlichen GEW-Personal auszuliefern und staatshörig indoktrinieren zu lassen. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich meine Kinder Alt-68igern, oder deren Nachfolgern, ausliefern müsste. (nur zur Info: Solche Typen gibt es auch in Nordamerika...)

Bisher klappt es sehr gut. Die Kinder (14 und 10) sind hochmotiviert und sprechen jetzt Englisch, Deutsch und Russisch fließend. Schriftlich auch sehr gut. Chinesisch und Spanisch kommen später noch hinzu.

Das immer angeführte Argument des „Mangels an sozialer Kompetenz“ ist totaler Quatsch und ein typisches Modeschlagwort, welches ungeprüft übernommen wird. Unsere Kinder lernen überall Gleichaltrige kennen und pflegen intensiv zunächst persönliche Kontakte und später per Skype und Email.

Unsere Weltreise dauert 4 Jahre und in jedem Land unserer Wahl bleiben wir mindestens 2 Monate, oft länger. Nach zahlreichen Ländern auf dem amerikanischen Kontinent und der Mehrzahl europäischer Ländern waren wir einige Monate in Israel und angrenzenden Ländern. Ab April sind wir in Sibirien, Nord- und Südkorea, China und Japan. Gelegentlich geben wir die Kinder auch mal in eine Schule für einige wenige Wochen, damit sie sehen, wie in anderen Ländern die Schule aussieht…

Ich habe leider noch nie von einer anderen libertär-konservativen Familie gehört die das macht. Es sind immer nur religiöse Fanatiker, die Angst davor haben, dass ihre Kinder was über Sex lernen.

em , am 29. Januar 2010 um 0:19 ( Link )

Wir brauchen also Freiheit. Auch in Bildungsfragen.

Aber unbedingt!

Man kann ja z. B. privaten Nachhilfeunterricht auch als eine spezielle Form von "Homeschooling" betrachten. Dazu erschienen just gestern einige Berichte, u. a. dieser: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,674582,00.html

Was mir an dem Artikel auffiel: Durchschnittlich werden für den Nachhilfeunterricht eines Schülers 108 Euro jährlich ausgegeben. Die staatliche Schule verursacht m. W. Kosten von ca. 6.000 Euro jährlich. Nun werden Eltern kaum dafür bezahlen, daß sich die Leistung ihrer Kinder um rund 1,8% verbessert - von einer 5 auf eine 4,9. Also wird der Nachhilfeunterricht um einiges effektiver sein.

Ich würde daraus den einfachen Schluß ziehen, daß diese Eltern mit 6.000 Euro eine wesentlich bessere Bildung ihrer Kinder bewerkstelligen könnten.

ErgrauendeHausfrau, am 29. Januar 2010 um 0:38 ( Link )

@ Petra

Genau dasselbe mußte ich auch feststellen, da müssen irgendwelche Zahlenstränge gezeichnet werden, die weder das Kind, noch diejenigen verstehen, die die Rechenart an sich beherrschen. Da müssen absolut komplexbeladene Bürokraten ihre eigene Dämlichkeit auf jedes heranreifende Hirn projizieren. Vielleicht hat denen ein ebenso komplexbeladener Bürokrat diese Rechenart auf diese Art und Weise ins Hirn gedroschen, weil er selbst als Opfer dieser brutalen Leistungsgesellschaft nurmehr für einen Beamtenjob geeignet war. Nun meint er es wahrscheinlich gut, weil er nicht einsehen kann, daß er einfach nur dumm ist.

Und genau diese Einstellung ist typisch sozialistisch, demokratisch, infantil; sprich die heute herrschende Mehrheitsmeinung.

Mein Kind war froh, als es sich in der 3. Klasse durch Zensuren endlich messen lassen "durfte".

Ich glaube der Satz, den Sphairon, ganz am Anfang der Kommentare gepostet hat, beinhaltet sehr viel Wahrheit, obwohl ich persönlich mir so etwas nicht vorstellen kann. Aber hätte man sich d i e s e s Deutschland jemals so vorstellen können?

Vielleicht, wenn man eher älter gewesen wäre und/oder die Möglichkeit gehabt hätte, jenseits des Mainstreams über ein derart fantastisches Medium wie das Internet zu verfügen.

Was Homeschooling betrifft, ist dieses natürlich auch ein weiterer unschätzbarer Schatz.

Hans-Peter Hammer, am 29. Januar 2010 um 2:13 ( Link )

Sehr geehrter Herr Lichtschlag, ich habe mir eben die Mühe gemacht mittels Wikipedia ihre Angaben zu berühmten Homeschooling-Schülern zu überprüfen!
Das Ergebnis ist leider nicht sehr positiv!
Von den, von ihnen genannten 32 Persönlichkeiten sind tatsächlich nur 4 (!) definitiv und ausschließlich zu Hause und nur von den Eltern unterrichtet worden. Bei weiteren 4 gibt es keine Angaben (auch weil es zweifelhaft ist ob es zu dieser Zeit schon öffentliche Schulen nach unserem Verständnis gab), bzw. es wäre zu klären ob der Unterricht durch Heimlehrer - teilweise zusätzlich zu den Eltern - als Homeschooling gilt!
Die restlichen 24 haben - zumindest zeitweise und/oder mit Unterbrechungen öffentliche oder Privatschulen besucht!
In 24 von 32 Fällen entsprechen ihre Angaben nicht der Wahrheit! Das ist ein ziemlich hoher Fehlerquotient (!), mit dem sie ihre These vom guten - ja besseren - Homeschooling belegen wollen!
Wenn schon diese, am Anfang des Beitrags stehenden Angaben so eklatant "ungenau" sind, was soll man dann von ihren Schlußfolgerungen halten?
Entschuldigung, aber ganz böse formuliert entspricht dies der IPCC-Klimawandel-Methode, die auch durch erhebliche Fehler in Methodik und Zahlen inzwischen - um es vorsichtig zu formulieren - erheblich an Glaubwürdigkeit verloren hat!

Lion Edler, am 29. Januar 2010 um 3:56 ( Link )

Zitat:
"Die hier zitierten Kommentare sind nur beispielhaft für ein – im Wortsinne – überwältigendes Stimmungsbild. Wie sehr muss man als Schüler heimlich gelitten haben, um einen solchen Hass gegen die zu entwickeln, die nichts tun als ihre Familie demselben Erlebnis zu entziehen? Wie sonst wäre die unerbittliche Häme gegenüber Andersdenkenden und die seltsam verdrehte Argumentation zu verstehen? Sind die kollektiven Liebeserklärungen an das pisagebeutelte deutsche Bildungswesen am Ende mit dem Stockholm-Syndrom zu erklären?"

Ich glaube nicht, daß es so kompliziert ist. Es ist einfach das Ergebnis von Jahrtausenden massivster autoritär-,,schulistischer" Gehirnwäsche und Staatspropganda. Man darf nicht vergessen, daß 12 Jahre nationaler Sozialismus und 90 Jahre Kommunismus sich tief in die Gehirne eingepflanzt haben, gegen diese Indoktrination läßt sich nicht so leicht ankommen. Und für dieses autoritäre Gedankengut werden Menschen ja vor allem anfällig, wenn sie über gesellschaftliche Mißstände frustriert sind und ein Sündenbock dafür brauchen. Und zu diesen Sündenböcken gehört in Folge des 68er-Werteverfalls neuerdings ja vor allem wieder die angeblich zu ,,lasche" und ,,antiautoritäre" Erziehung.

Konservativer, am 29. Januar 2010 um 4:06 ( Link )

Ich finde die Schulpflicht in Deutschland richtig, sie fördert soziale Kompetenz

Dazu aktuell eine Anekdote aus dem privaten Kreis am vergangenen Abend: Wir sitzen beim Abendbrot, mein Ältester belegt seine Schwester mit unflätigen Ausdrücken aus dem Reich der Haustierfauna. Ich wende ein, solche Titulierungen in meinem Haus und eigentlich auch jenseits seiner Pforten für unschicklich zu halten. Seine Rechtfertigung für die Ausdrucksweise: "Das machen doch alle so." Wobei er auf Nachfrage einschränken musste, dass ich nicht zu "alle" gehöre.

Dreimal darf man raten, wo er das sozial kompetente Vokabular - als selbstverständlich(!) - gelernt hat...

Lesezeichen, am 29. Januar 2010 um 6:54 ( Link )

Passend dazu:

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Nachhilfe-fuer-jeden-siebten-Grundschueler_aid_812973.html

Jeder siebte Grundschüler erhält bereits Nachhilfe

André F. Lichtschlag, am 29. Januar 2010 um 7:33 ( Link )

Sehr geehrter Herr Hammer,
ich hatte als Quelle den Link unter den Text gesetzt. Vielen Dank für Ihren Hinweis, ich habe diese Quelle im Artikel jetzt noch deutlicher gemacht. Meine Stichproben haben die Quelle allesamt bestätigt, wenn es um zumindest zeitweisen Hausunterricht geht. Ich habe diesen Punkt dank Ihres wichtigen Hinweises jetzt auch noch deutlicher herausgestellt.

Klaus Wulf, am 29. Januar 2010 um 14:51 ( Link )

Es geht auch ohne Asyl in den USA.

Einfach die Kinder in D von der Schule abmelden mit Begründung Umzug ins Ausland. Damit ist nicht nur der deutsche Schulzwang beendet sondern auch gleich noch die Wehrpflicht.

Ob, wie und wo man dann die Kinder im Ausland anmeldet bleibt einem selbst überlassen.

In Spanien hat das so funktioniert.

Stefan Sedlaczek, am 29. Januar 2010 um 22:15 ( Link )

@Hans-Peter Hammer
Goethe fehlt dafür zum Beispiel, so jedenfalls meine Information aus einer Redaktion, die für einen großen deutschsprachigen staatlichen Fernsehsender arbeitet.

@Robin Renitent
Es ist nicht so, daß fast alle Homeschooler religiös motiviert sind, selbst in den USA sind es allenfalls die Hälfte. Aus Österreich kenne ich sogar ausschließlich anders motivierte Freilerner. Für Deutschland gibt es dazu eine fundierte soziologische Studie von Thomas Spiegler:
http://astore.amazon.de/liedicfre-21/detail/3531157299
Insgesamt sehr lesenswert. Auf dem deutschsprachigem Kolloquium (NBF/EFFE) auf Burg Rothenfels waren die beiden größten Fraktionen die Natürlichlerner auf Platz eins, dann die christlich motivierten und auf Platz drei die Liberal-Libertären.
Zum Sexualkundeunterricht: Das ist teilweise wirklich nicht schön und schädlich. Ein nichtchristlicher, deutlich links sozialisierter Freund hatte unlängst den offiziellen Lehrplan Bayerns (Grundschule) aus beruflichen Gründen studiert - und bekannte freiweg, daß das doch erstaunlich und erschreckend sei, was er dort gelesen habe und er - wirklich kein Kind von Traurigkeit und mit der kirchlichen Sexualmoral nichts am Hut habend - doch die dies reklamierenden Eltern nunmehr verstehen könne.

Eine "nette" Anekdote noch zum Thema schulische Indoktrination, ganz frisch von heute morgen aus der Schule meiner Jüngsten. Sie führen ein Theaterstück auf zum Thema Trinkwasser/Brunnen im Lande Senegal (O-Ton natürlich "im Staat Senegel"). Die Ziegen haben den Brunnen beschädigt, dieser muß repariert werden, man braucht Zement, welchen es (angeblich) in der Stadt nur gegen Geld gibt. Ich bin baff erstaunt, als es auf einmal heißt: "Wir müssen etwas unternehmen!" Mein strahlendes Gesicht erstirbt sogleich, alsdann also seitens des Ältestens die "Lösung" folgt: "Wir stellen einen Antrag bei der Regierung!" Und siehe da, sie bekommen den Zement sogar. Ist das nicht toll?
Im Matheunterricht hatten Sie dazu verglichen, wieviel Wasser ein senegalesischer Haushalt verbraucht und wieviel ein deutscher. Siehe da, es ist weit mehr als das zehnfache in Deutschland. Als ich meiner Tochter daraufhin erkläre, "siehe da, die im Senegal sollten also mehr Wasser verbrauchen, dann haben sie keine Hygieneprobleme mehr, bleiben gesund und sterben nicht so früh an so vielen Krankheiten", wußte diese mich zu belehren, "nein, Papa, wir müssen viel weniger brauchen, soviel Wasser verbrauchen ist nicht gut ..." und der ganze indoktrinierte Salmon ergoß sich über mich. Selbstverständlich erfolgten meinerseits dann Darlegungen zu Ressourcennutzung, Abwasserreinigung, Nutzen usw. und sie ist immerhin nachdenklich geworden. Es ist so, wie Roland Baader es einmal so schön geschrieben hat: Man verbringt Stunden damit, den ganzen schulischen Indokrinationsmist zu korrigieren oder gar notwendigerweise umzudrehen. Natürlich kennen die Kinder jetzt ganz toll verschiedene Meinungen. Das muß es einem natürlich wert sein. Nur bezahlen das nicht die, die das fordern. Sondern stehlen meine Zeit - und die meiner Kinder.

Soviel für heute.

Horst Böttcher, am 29. Januar 2010 um 23:05 ( Link )

Ich habe das für und wieder des Homeschooling mit Interesse verfolgt, aber bleibe aus verschiedenen Gründen dagegen.

Zunächst die praktische Seite: meine Mutter, eine Akademerikerin, wollte mir vor der Einschulung das Lesen beibringen, was heute in einer Vorschule selbstverständlich ist. Sie schaffte es nicht, mir zu erklären, dass 2in "h" wenn danach der Vokal "o" folgt, nicht "ha" sondern "ho" ausgesprochen wird. In der ersten Unterrichtsstunden der 1. Klasse, vermittelte die Lehrerin diese Kenntnisse sehr einfach, und danach konnte ich alles lesen. Wenn ansonsten kluge Frauen, so einfache Dinge nicht vermitteln können, dann bezweifele ich, wie andere Eltern komplexere Themen unterrichten können.

Weiter bin ich der Ansicht, dass der Kontakt in der Schule mit Gleichaktrigen sehr wichtig ist. Bie mir hat dies zu lebenslangen Freundschaften geführt!

Die in ef behandelten Fälle betrafen stets christliche Eltern, die ihre Kinder z.B. nicht dem Sexualkundeunterricht aussetzen wollten. Wie würde dieses Forum reagieren, wenn Eltern auf Homeschooling bestehen, weil sie nicht möchten, dass Kinder marktwirtschaftlich erzogen werden, sondern möchten, dass sie nur im Sinne des Sozialismus erzogen werden?

Was nun die Asylgewährung in den USA anbetrifft, so sollte man das wirklich nicht weiter ernst nehmen. Das liegt auf der Linie der US-Doktor-titel, die man kaufen kann. Klar, dass sich ein evagelikaler Richter diese Publicity nicht entgehen lässt und so dem laizistschen Deutsch-land eins auswischen kann.

Lion Edler, am 29. Januar 2010 um 23:32 ( Link )

An Horst Böttcher:
Ich habe nichts dagegen, wenn Eltern ihre Kinder freiwillig zur Schule schicken - und dies dürfte ja auch bei der Mehrheit der Eltern so bleiben, wenn die Schulfplicht abgeschafft würde. Es ist nicht zu bestreiten, daß der intensive Kontakt mit Gleichaltrigen für Kinder ein Vorteil ist. Allein, den Eltern auch dann nicht die Möglichkeit des ,,Home-Schooling" zu geben, wenn klar erkennbar ist, daß die Situation des Schülers in der Schule hoffnungslos und eine einzige Farce ist und er z.Bsp. ständig gemobbt und fertig gemacht wird und die Lehrer zu blöd sind um dagegen anzugehen (oder gar nicht dagegen angehen wollen), oder er durch den Schul-Blödsinn völlig demotiviert ist und jeden Ehrgeiz eingestellt hat - das ist doch schlicht Wahnsinn!

Und zu ihrer Frage:
"Die in ef behandelten Fälle betrafen stets christliche Eltern, die ihre Kinder z.B. nicht dem Sexualkundeunterricht aussetzen wollten. Wie würde dieses Forum reagieren, wenn Eltern auf Homeschooling bestehen, weil sie nicht möchten, dass Kinder marktwirtschaftlich erzogen werden, sondern möchten, dass sie nur im Sinne des Sozialismus erzogen werden?"

Dann muß man das so hinnehmen! Es ist doch keine Frage, daß die Abschaffung der Schulfplicht auch manche Kinder in fragwürdige Hände geraten lassen würde, aber zu welchem Preis?

Anton B. Caesar, am 29. Januar 2010 um 23:35 ( Link )

@böttcher

Ist das ihr Ernst? An einem sehr subjetiven Erlebnis eine Haltung festzumachen, die anderen andere Erfahrungen unmöglich macht? Und wenn ich das in dem Buch "Unsere Kinder brauchen uns" richtig verstanden habe, kann Gleichaltrigenkontakt auch schlecht sein. Überhaupt könne kinder die nicht in die Schule gehen, in der Zeit woanders kinder kennelernen. das ist doch kein Argument.
Christen-Bashing ist ja en vogue, da wundert es mich auch nicht, das nur soclhe Fälle berichtet werden. Zu dem USA-Urteil habe ich im radio etwas interessantes gehört und hier den Podcast rausggesucht:
http://www.wdr.de/radio/wdr4/wort/zur_sache/2010/20100128_deutschland_muss_lernen_.html

Anton B. Caesar, am 29. Januar 2010 um 23:38 ( Link )

Oh Graus, bitte die Schreibfehler oben entschuldigen. Da habe ich wohl zu schnell getippt.

kfa, am 30. Januar 2010 um 7:18 ( Link )

Ich halte den in Österreich gegangenen Kompromiß für gar nicht so schlecht. Schulzwang nein, aber Teilnahme an den gleichen Prüfungen für alle. Das schließt natürlich auch die biologischen Themen ein, die manche so gerne ausklammern würden. Ich bin nicht sicher, ist daran aus freiheitlicher Sicht etwas auszusetzen? Ich finde, daß Kinder ein Recht darauf haben gewisse Informationen zu erhalten, und zwar dann wenn es wichtig ist, und nicht erst wenn sie als Erwachsene selbst darauf stoßen. Kinder sind doch kein Spiel- oder Werkzeug für die ideologische Selbstbefriedigung von Eltern. In diesem Sinne gönne ich auch den Romeikes ihren Erfolg nicht, falls das in meinem vorherigen Kommentar so verstanden worden wäre. Im Hinblick auf solche Fälle vertraue ich lediglich auf die Kraft der Rebellion in jungen Leuten, die wenn sie alt genug sind dazu tendieren eher das Gegenteil von dem zu machen was ihre Eltern wollen, und so den angerichteten Schaden meistens dann doch noch reparieren können. Allerdings, das habe ich auf Reisen erfahren, scheint das eher der westlichen Hemisphäre im Blut zu liegen, währen viele Orientalen eher dazu neigen noch rechts zu überholen. Das ist eine statistische Beobachtung und trifft natürlich nicht auf jeden Einzelfall zu.

Stefan Sedlaczek, am 30. Januar 2010 um 8:31 ( Link )

@kfa

Die kodifizierte Rechtslage in Österreich ist ja eine recht alte, geht auf das Staatsgrundgesetz von 1867 zurück. Dort ist gewissermaßen das Subsidiaritätsprinzip verwirklicht.
Was die "biologischen Themen" angeht, so ist es doch vor allem eine Frage des Stils und des Alters, wie und wann dies gelehrt wird. Am besten ist es, wenn auch hier beim vom Kind ausgehenden Interesse daran angesetzt wird. Das ist auch ein Problem von Schule, wie eben auch bem streng formalisierten Hausunterricht in Österreich, daß nicht die Kinder die Fragen stellen, sondern die Lehrer/Prüfer.
Aus der Sicht eines Verständnisses, frei zu leben, ist natürlich eine Prüfung durch andere, erst recht eine staatliche, aber auch eine private und staatlich erzwungene, keineswegs in Ordnung. Grundsätzlich ist auch die Verstaatlichung des Qualifikationswesens aus verschiedenen Gründen von Übel. Sehr deutlich legte dies Borgius schon 1930 dar: Schule, ein Frevel an der Jugend
Borgius ist übrigens vehement kirchenkritisch. Interessant, ist, damit beschäftige ich mich jetzt schon etwas länger und werde das noch vertiefen, daß die Verstaatlichung des Schulwesens, obschon von Liberalen wegen des Entzugs der "Macht der Kirche" befördert, doch enorme Kritik und Skepsis durch Liberale bereits im 19. Jahrhundert erfahren hat.
Im übrigen sind Kinder natürlich kein redliches Spiel- und Werkzeug für Eltern, schon gar nicht aber für Menschen, deren Kinder sie nicht einmal sind - und schon ganz und gar nicht für staatliche "Bildung". Nach liberalem Verständnis bilden die Bürger den Staat, nicht umgekehrt. Und da kommen wir zu dem von Ihnen angesprochenen Punkt. Wenn man überhaupt so ein Ding wie "Staat" Wirklichkeit werden lassen möchte, dann sind die verschiedenen Anschauungen seiner Bürger das, was diese in eine solche Wirklichkeit einbringen. Das hat nichts mit Selbstbefriedigung zu tun. Verschiedene Menschen haben verschiedene Überzeugungen (wir sind nun nicht mehr alle katholisch - was ja allgemein heißt - wie im Mittelalter). Sie haben verschiedene Lebensarten. Und wissenschaftliche Überzeugungen, dies am Rande, sind seltenst eine geeignete Basis, kommen und gehen diese doch, denn Wissenschaft ist ja gerade undogmatisch. Wenn nun Eltern dies oder das glauben, vermitteln sie das nun einmal, das ist authentisch und in Ordnung. So tradieren sich Anschauungen - und entwickeln sich mit der Zeit. Die Fiktion von Schule, daß dort dann alles zusammenkomme und dies Pluralismus befördere, ist doch eine Mär (und gingen Kinder nicht in die Schule, verschwänden sie ja nicht von dem Planeten). Kinder sind keine Erwachsenen, sie brauchen einen geschützten Raum, um gesund eben heranzuwachsen. Und sie sitzen in der Schule sowieso Unterrichtenden gegenüber, werden alle gleich beschult. Und das die halbe bis ganze Stunde Pause mehr "Sozialisation" ermöglichen soll, als Kinder, die den ganzen Tag in Freiheit sind, ist doch offensichtlich abwegig.
Noch ein Wort zu Romeikes: Vielleicht können Sie ja auch Andersdenkenden den Erfolg (um welchen Preis ist der erkämpft!) gönnen, wenn Sie sich klarmachen, daß hier ein allgemeines Freiheitsrecht verteidigt ist, das eben deshalb so allgemein ist, weil eben auch wiederum Andersdenkende unter anderen politischen Vorzeichen, davon profitieren. Es sei hier an die Worte von Rosa Luxemburg erinnert: Freiheit der Andersdenkenden
Ihr Dafürhalten, "daß Kinder ein Recht darauf haben, gewisse Informationen zu erhalten", ist eigentlich eine Leerfloskel, als positives "Recht" ohnehin nicht von freiem Geiste. Denn wer soll dieses vermeintliche Recht wie gewährleisten? Welche Informationen sollen es sein, vielleicht auch welche nicht (The Saw schon für Zweijährige?), sind Fragen, die ja Wertungen enthalten. Wenn Sie den Damen und Herren vom Staat diese Wertungen erlauben, die diese ja verbindlich und strafbewehrt für alle vereinheitlichen und damit dogmatisieren müssen, dann ist die "pluralistische Gesellschaft" hinweg. Und die Freiheit sowieso.

Robin Renitent, am 30. Januar 2010 um 9:37 ( Link )

@ Stefan Sedlaczek

Danke für die Beispiele von Ihrer Tochter. Das ist es genau, was ich meine. Als meine Kinder noch in die ersten Klassen gingen wollten sie plötzlich nicht mehr essen was wir gekocht hatten. Und kamen mit neuen Essens- und Ernährungsvorschriften. Und berichteten von bohrenden Fragen nach unserem Wasser- und Stromverbrauch.

Zum Sexualkundeunterricht: Auch das wird meiner Meinung nach zu hoch gehängt. Wir haben das von jeher ganz nebenbei gemacht und es nicht ausdrücklich deklariert. Jedenfalls möchten wir nicht, dass irgendwelche "Fremden" den Kindern ein politkorrektes Geschlechterbild vermitteln. Den Aufwand alles Verkorkste wieder gerade zu rücken scheue auch ich.

Wir erziehen die Kinder von Anfang an äußerst medienkritisch. Fernsehen (Erfahrungen der zweiten Hand) haben wir vor 8 Jahren komplett abgeschafft. Wir erziehen sie auch zur Staatsferne und dazu sich in schwierigen Situationen selbst zu helfen.

Sie sollen auch lernen den Staat auszuhebeln, und wissen jetzt schon, daß Steuerhinterziehung eine existentielle Notwendigkeit sein kann, in jedem Fall ein Recht auf Bewahrung von Lebensarbeitsleistung ist.

Diese Weltreise dient auch dieser Schulung. Wir reisen ja auf jeweiliger "Landesebene", also mit öffentlichen Verkehrsmitteln, eben wie Einheimische. Es ist uns wichtig, daß sie sich z. B. in Ägypten, in Korea, in Dänemark oder in Kentucky locker und wie selbstverständlich (auch alleine) bewegen lernen.

Wir haben keinen Kontakt zu anderen Homeschoolern. Es ist uns auch wurscht, wir machen wie wir denken. Wir laden die dem jeweiligen Curriculum entsprechenden Aufgaben aus dem Internet, ergänzen das nach unseren Vorstellungen, jedes Kind hat sein eigenes unzensiertes Laptop, und Recherche lernen ist ganz wichtig.

Die Kinder haben einige gute Freunde, lernen Freundschaften pflegen und, daß die Qualität der Freundschaft nicht von der Häufigkeit des Sehens abhängt. In jedem Fall sind sie "sozial kompetent" und gehen offen, aber kritisch auf andere Menschen zu.

Mehr wollen wir gar nicht. Der Staat soll uns in Ruhe lassen. Und wenn er nicht läßt tauchen wir eben ab....

kfa, am 30. Januar 2010 um 9:38 ( Link )

Vielen Dank Herr Sedlaczek, das war sehr informativ. Ja, Sie haben natürlich recht.

Ich meinte auch ganz sicher nicht auszudrücken daß ich den Romeikes Ansichten nicht gönne die ich nicht teile, nichts läge mir ferner. Aber wir haben es doch hier mit einem Versuch der Abkapselung zu tun, mit Zensur in reinster Form. Ihre Kinder werden nicht die Möglichkeit erhalten, bei der Suche nach Antworten auf gewisse Fragen auch andere Informationsquellen zu nutzen als die von den Eltern gewünschten. Das hat doch nichts damit zu tun, Kinder vor Bildern zu schützen die für ihr Alter wirklich nicht geeignet sind (Saw ist ja selbst für manchen Erwachsenen starker Tobak), und daher gewisse Dinge einfach für später aufzuheben. Es wettert doch hier immer alles gegen Zensur, und in dem Fall geht sie plötzlich in Ordnung, nur weil die Eltern ein Recht auf ihren Glauben haben? Das leuchtet mir noch nicht ein, aber ich will gerne lernen.

Stefan Sedlaczek, am 30. Januar 2010 um 13:01 ( Link )

@Robin Renitent

(Bei Ihrem Künstlernamen muß ich doch immer wieder schmunzeln, wurde ich so doch immer wieder während meiner schulischen und studentischen Zeit belegt.) Es gibt eine ganze Reihe Homeschooler, die keine Kontakte zu anderen Homeschoolern pflegen, das ist auch Zeichen für ein Stück Normalität. Für Ihre Praxis habe ich ja vor Jahren einmal den Ausdruck Streetschooling geprägt, wobei ich damals auf die Idee kam, daß sich unter den beklagten Kindern auf der Straße, die echten Schulschwänzer sozusagen, analog zum Homeschooling ein Streetschooling entwickeln könnte. Alldieweil: Warum sollen Kinder eigentlich nicht auf der Straße sein - und in der Natur? Vor allen Dingen, wenn da andere Kinder sind und das Leben ganz echt, nicht nachgelebt wie in der Schule! Kennen Sie eigentlich Families on the road? Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich Kontakt zu Kimberly Gaza, der damals eine Familie bekannt war, die so durch Spanien tourte.

@kfa
Daß es bei Romeikes ganz so krass ist, glaube ich eher nicht, ich komme noch darauf zurück. Zunächst zur Vergleichbarkeit der Nutzung von elterlich unerwünschten Informationsquellen und Filmkonsum des Films 'Saw': Die Postulation eines solchen Unterschiedes ist schlicht und einfach eine subjektive Bewertung. Es mag Ihnen ein klarer Unterschied sein, was aber nicht das Problem löst, daß hier eine Bewertung vorgenommen wird. Und so werden, beispielsweise, in den USA meist Gewaltdarstellungen weniger schlimm angesehen als die Vorführung sexueller Handlungen. Es muß also bewertet werden, und da stellen sich die bereits genannten Probleme. Tatsächlich kann eine zu frühe und inadäquate Sexualaufklärung ebensolchen lebenslangen Schaden anrichten wie entsprechende Sexualexilierung. Und insofern hat es schon etwas miteinander zu tun, denn beim "starken Tobak" 'Saw' motiviert ja auch die psychische Beschädigung zum Unterlassen bzw. zum "für später aufzuheben".
Nun zur Zensur: Hier sehe ich nun doch einen Unterschied zwischen Zensur und Auswahl. Kein Mensch kommt darum herum auszuwählen, man kann nicht alles haben, nicht alles tun - und schon gar nicht gleichzeitig. Der Mensch muß diskriminieren, trennen, sich entscheiden. So müssen auch die Eltern eine Auswahl treffen, was sie lehren, wie sie lehren usw., wenn sie lehren (es gibt ja auch noch das Unschooling). Das ist etwas anderes, als wenn Leute - zumal unter Mißbrauch der Staatsgewalt - anderen gewaltsam (oder trickreich und damit perfide) den Zugang verbieten oder Anbietern ein Angebot. Zensur ist ein Begriff massenwirksamer Beschränkung, Ayn Rand geht soweit, nur staatliche Zensur unter den Begriff zu fassen, was sogar einigen Sinn macht. Es scheint mir, daß in Ihrer Analogsetzung die weit verbreitete Vorstellung drinsteckt, daß die Familie der Vater/die Eltern regiert, der Staat wiederum die Familienoberhäupter. Meines Erachtens ist diese Vorstellung unhaltbar: Im Staate stehen sich Erwachsene gegenüber, die nichts unterscheidet, als daß die einen aus ihrer Verkörperung als Staatsvertreter Sonderrechte und Machtbefugnisse postulieren und aufgrund der Staatsgewalt - siehe dazu Bertrand de Jouvenel -, die sie mißbrauchen, auch Macht haben. In der Familie haben wir jedoch Heranwachsende und Erwachsene vor uns, die mithin deutlich unterschiedlich sind. Dies ist auch keine Eigentumsfrage, und man würde Kinder völlig verkennen ohne die Selbstverständlichkeit, daß diese sie selbst sind und sich gehören. Eltern sind vielmehr die Schutzbefohlenen ihrer Kinder, und bezeichnenderweise kann man das sowohl mit der Evolution als auch mit der Bibel belegen. Das ist auch der Grund dafür, daß Eltern (mit dem Reifen des Nachwuchses abnehmend) überhaupt Entscheidungen für ihre Kinder treffen müssen, die eben eine Auswahl sind.
Mir scheint dies, trotzdem bleibt obige Klarstellung notwendig, ohnehin nicht der eigentliche Grund für die Aufregung zu sein. Und damit komme ich auf den eingangs erwähnten Punkt zurück. Im Grunde ist die Wahl der Eltern Romeike und die damit möglicherweise verbundene Informationsreduzierung marginal. Bei anderen Eltern ist dies ganz genauso - und bei staatlichen Möchtegern-Elternsubstituten ist es sicher quantitativ und qualitativ noch stärker. Nehmen wir gleich die Staatsschule nebst den staatlich beaufsichtigten Privatschulen: Unisono wird die Demokratie gepriesen, keineswegs gleichwertig, wenn überhaupt, Monarchie, Anarchie oder Selbstbeherrschung. Es wird nicht einmal der Unterschied zwischen 'kratie" und 'archie' gelehrt. Kurzum, es wird ausgewählt und weggelassen. Bei allgemeiner staatlicher Erziehung trifft es dummerweise alle, bleibt die Erziehung privat, wie es allein rechtmäßig und natürlich ist, finden sich plurale Bildungsprofile. Schon deshalb kann man bei letzteren nicht von Zensur sprechen, denn jeder wählt hier nur für sich (das Thema, warum die Eltern für die Kinder, ist oben bereits behandelt). Festzuhalten bleibt, daß Romeikes eher weniger Spezialauswahl treffen als Staatler und andere Eltern, denn in den meisten Bereichen sind sie vollkommen bürgerlich, auch nach säkularen und Mainstream-Kriterien. Wenn die Stimmung sich angesichts dessen, was sich nüchtern feststellen läßt, trotzdem so geladen zeigt, dann ist der Grund eben nicht die gar nicht gegebene Abkapselung, sondern es ist das Thema, bei dem abgewichen wird. Sexualität, zumal mit Religion, ist ein sehr starkes Thema. Ich komme darauf zurück, daß die Menschen Entscheidungen treffen müssen. Außerdem leben sie nur einmal. Im Bereich Sexualität werden nun sehr grundlegende Entscheidungen getroffen - und das Vorgelebtbekommen den eigenen völlig konträrer Entscheidungen muß verunsichern. Beide Seiten: Denn wer sich beispielsweise für Promiskuität, ob in serieller oder paralleler Weise, entscheidet, dem bleibt das Gegenteil verwehrt, das, wie er sich fragen wird, ja vielleicht doch besser ist?!? Und der treue monogame, womöglich enthaltsame Mensch sieht sich ebensolchen Zweifeln ausgesetzt. Womöglich ist es ja doch viel toller, wie "die anderen" leben?!? Hier finden wir eine Auschließlichkeit der Wahlalternativen, die die vehemente Parteinahme erklären kann. Man bedenke, wie fanatisch bereits die Parteinahme für Fußballclubs, Automarken oder politische Parteien ist, die ja tatsächlich ohne weiteres gewechselt werden können. Es kann also nicht verwundern, daß sich im hier betrachteten Fall eine derart "emotionale Engagiertheit", die die tatsächlich marginale Abweichung ja nicht ansatzweise rechtfertigen würde, zeigt, zumal, wie bereits ausgeführt, hier ein existentielles Thema berührt ist.
Nicht immer ist der Aufhänger eines Engagements auch der Grund dafür. Es ist einfach hilfreich, sich dies bewußt zu machen. Gelingt dies, finden sich oft genug selbst en detail unterschiedliche Auffassungen doch auf einem gemeinsamen, allgemeinen Grund wieder, der das verkörpert, was Kant Gesetz nennt. Angesichts der ungeheuren Flut von Papiergesetzen und der fast schon unisono betriebenen Inflation postulierter angeblicher Rechte, geht der Sinn dafür leicht verloren. Holt man ihn sich zurück und bewahrt ihn sorgfältig, dann gewinnt und behält man eine Freude, die nur der liberale Mensch kennt. Dem liberalistischem allerdings bleibt sie verwehrt, denn er bekämpft den, der es wagt, sich zu entscheiden. Der Liberale erkennt den Urgrund unterschiedlicher Entscheidung in der gemeinsamen Freiheit.

Horst Böttcher, am 30. Januar 2010 um 13:11 ( Link )

@Anton B. Caesar

"Ist das ihr Ernst? An einem sehr subjetiven Erlebnis eine Haltung festzumachen, die anderen andere Erfahrungen unmöglich macht?"

Das mag ein Einzelerlebnis sein, aber Sie muessen zugeben, dass die meisten Eltern nicht pädagogisch ausgebildet sind. Wie sollen sie dann komplexe Unterrichtsstoffe vermitteln? Ich selbst habe eine Zeitlang als Privatdozent gearbeitet (Aussenwirtschaft) und gab mein berufliches Wissen weiter. Ich weiss, dass es sehr viel Vorbereitung bedarf um berufliche Kenntnisse, die man selbst aus dem effeff beherrscht, verständlich, unterhaltsam und interessant weiterzugeben. Wie sollen das durchschnittlich begabte Eltern schaffen wenn es um mehr als Lesen und Schreiben geht?

@ Lion Edler

Ich verstehe Ihre Einwände! Ich selbst war später auf dem Gymnasium ein sehr schlechter Schüler! Das lag aber an dem Lehrplan
aus dem man sich damals noch nicht die einen interessierenden Fächer aussuchen konnte. So wurde ich mit Latein gequält und vieles andere, dessen Sinn ich nicht erkennen konnte. Ich weiss, wie es ist, unmotiviert zu sein, ich entwickelte eine richtige Abneigung gegen die Schule als ganzes! Heute sind die Lehrangebote auf die Interessen der Schüler abgestimmt, vermutlich würde ich heute sogar gern zur Schule gehen! Ob Kinder, die von pädagogisch nicht ausgebildeten Eltern im Wohnzimmer mit einem Stoff gefüttert werden, der ihnen keinen Spass macht, motivierter sein werden, ist eine andere Frage. Ich bezweifele es.

Ich halte die Schulpflicht für richtig, verstehe aber durchaus viele der in diesem Forum vorgetragenen Gegenargumente.

Stefan Sedlaczek, am 31. Januar 2010 um 20:56 ( Link )

@Horst Böttcher

Ob Pädagogik überhaupt etwas Gutes ist, mag jetzt einmal dahingestellt bleiben. Typischerweise sind aber gerade die fachlich besonders Kompetenten keine guten Lehrer. Wenn dies, was ausnahmsweise auch hin und wieder vorkommt, doch der Fall ist, so sind dies besondere Glücksfälle und werden unisono auch so bezeichnet.
Der beste Lehrer ist immer noch das Leben. Die Schule "spiegelt" bestenfalls das Leben (an Tafel und im Buch), sie bleibt Theorie (etymologisch = beschauen, anschauen). Erfahrenes, erlebtes Lernen bleibt dagegen leicht, blitzschnell und lange "sitzen".
Welt der Schule

Lernen ist eben ein Vorgang des Innenlebens, das Kind selbst lernt, sein Gehirn leistet. Das weiß man heute aus der Wissenschaft, die alten Pädagogen wußten es auch schon und wehrten sich bis ins 19. Jahrhundert erfolgreich gegen zuviel Beschulung. Bindung, Authentizität, Interesse etc. sind die Stichworte dazu. Nicht umsonst finden sich unter Autodidakten soviele "Genies". Lernen ist eben keine Fütterung.

"Heute sind die Lehrangebote auf die Interessen der Schüler abgestimmt", schreiben Sie. Es hat sich, aber wirklich nur teilweise, hier und da etwas gebessert. Unbestreitbar aber haben wir eine enorme zeitliche Ausdehnung von Beschulung und eben staatliche Lehrpläne, lassen Sie sich von bunten Schulbüchern nicht blenden. Lehrer, selbst Schulleiter haben doch gar nichts zu sagen. Auch die werden bis ins kleinste von der Schulbürokratie gegängelt. Aber wie will ein Bürokrat in einer Landeshauptstadt wissen, was Klein-Fritzchen in Pusemuckel diesen Dienstag um 9:30 interessiert?

Noch hinzu kommt, daß Kindern und allgemein Lernenden heute Möglichkeiten des Zugangs zu Wissen zur Verfügung stehen wie nie zuvor, dank Internet, Fernkursen, und tollsten Lernkursen, auf die man allerdings nur nachmittags als Nachhilfe Zugang hat, demnächst gar nur noch abends.

Und wenn nicht Riesenbeträge in die Monopolschulen fließen wurden, dann wäre bestimmt auch genug Geld da für Chemiebaukästen, ein paar bezahlte Stunden in Handwerksbetrieben, Industrie und anderen Werkstätten, in denen man leicht und direkt etwas lernt. Vielleicht gäbe es Spezialschulen, Lernorte, wo die Kinder, wenn diese wirklich gerade Interesse (weil das eben dann am besten ist, Kindheit ist ein Schutzraum) dafür entwickelt haben, hingehen können: Für Sportangebote, Physiklabore mit Fachpersonal u.ä. Dinge, die manche Eltern wirklich nicht können.
Öffentliche Konsultation Schulen für das 21 Jahrhundert
Und am Flughafen "erwischte" Familien, die einen Tag "zu früh" in den durch Schulferiendiktat der KMK künstlich verteuerten Urlaub fliegen, gibt es dann auch nicht mehr.

Abschließend: Die "Schulpflicht" manifestiert eine von mehreren Bildungsarten zum Monopol. Schon deswegen ist es hinlänglich unwahrscheinlich, daß dies auf Dauer nicht gutgehen kann.

Anton B. Caesar, am 31. Januar 2010 um 21:06 ( Link )

@böttcher
Mir stellt sich die Frage nicht wie das geht, da man ja sieht, dass das geht. Im Ausland zum Beispiel, selbst aber sogar in Deutschland.

Habe jetzt auch raus, wie man hier richtig verlinkt. Der Link von vorgestern: Podcast

Neutrino, am 31. Januar 2010 um 23:13 ( Link )

@ Stefan Sedlaczek

Zwang ist zwar eine Beschneidung der Freiheit, aber sie werden doch wohl zugeben müssen, dass in der Kindererziehung auch gewisse Zwänge nötig sind. Jedenfalls hat sich die Praxis der so genannten antiautoritären Erziehung der 68er Kinder als ungeeignet erwiesen.

Da haben sie mich falsch verstanden. Wenn ich von Lernzwang spreche meine ich explizit nicht den Schulzwang in den derzeitigen Verwahrungsanstalten. Und ich bin auch explizit gegen die derzeit herrschende Zentralbürokratie in unseren Schulen.
Ich bin überzeugt, dass privatrechtlich organisierte Schulen ihre Aufgaben besser erledigen; das schließt auch ein, dass Lehrern der Beamtenstatus verweigert bleiben sollte.

Ich denke deshalb sollten den Schulen nur absolute Minimalvorschriften gemacht werden (etwa, das sie Grundschulkindern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen). Aber ansonsten sollten die Schulen selbst ihr Programm und vor allem Lerninhalte bestimmen dürfen und müssen. Wie die Schulen den Unterricht organisieren, bleibt ihnen selbst überlassen.
Vor allem aber sollte man Begabte und Hochbegabte fördern.
Durch eine solch radikale Reform würde der Lernprozess bei Lehrern und Kindern wieder in Gang gesetzt werden.
Und wenn sich eine solche Schule dazu entschließen würde, einzelnen, leistungsfähigen Kindern besonderen Unterricht zu geben, dann gäbe es auch keinen echten Bedarf mehr für Homeschooling.

kfa, am 01. Februar 2010 um 9:12 ( Link )

@Stefan Sedlaczek

Ihr Dafürhalten, "daß Kinder ein Recht darauf haben, gewisse Informationen zu erhalten", ist eigentlich eine Leerfloskel, als positives "Recht" ohnehin nicht von freiem Geiste.

Ich bewege mich hier auf dünnem Eis mangels juristischer Fachbildung, aber: Ist nicht jedes Recht das wir Kindern oder Schwächeren zugestehen ein positives Recht? Es gab einmal eine Zeit, da hatte ein Familienvater das uneingeschränkte Recht, jederzeit das Leben von Frau und Kindern zu nehmen. Niemand hätte an seinem Urteil gezweifelt. Heute ist das nicht mehr akzeptabel, und wir setzen Machtmittel ein, um jedem, der in seinem eigenen kleinen "Reich" physische und/oder psychische Überlegenheit besitzt, ensprechend Grenzen zu setzen. Alles, heute selbst als fundamental empfundene Rechte, basiert auf gesellschaftlichem Konsens, der prinzipiell veränderlich ist. Z.B. auch daß wir Behinderte am Leben lassen. Insofern halte ich auch den Begriff des Naturrechts für kritikwürdig, m.M.n. ist dieses die eigentliche Leerfloskel, geprägt um die vertretene Position zu verstärken und davon abzulenken daß es sich eigentlich nur um eine Meinung, eine Übereinkunft handelt. Ich habe längere Zeit in Südostasien verbracht und bin immer wieder darauf gestoßen, wie verächtlich man dort dem Begriff der Menschenrechte begegnet. Es sei ein Konzept des dekadenten und wie immer arroganten Westens, das mit Macht exportiert werde. Nicht alle, aber weite Teile der Bevölkerung denken so. Gerade in Singapur und China sieht man den starken Staat, der den Menschen aus ihrer Sicht den heutigen Lebensstandard erst ermöglicht hat, praktisch wie ein Elternpaar an. Eltern schränken eben auch ein, aber nur dank ihnen ist man da wo man jetzt ist. Es gibt Kritik, aber die wird niemals die Dankbarkeit und Verehrung aushebeln können, die für diese Menschen vollkommen "natürlich" ist. Die Art und vor allem Schärfe der Rebellion gegen die Vorgängergeneration, wie wir sie kennen, ist ihnen fremd. Sie sehen, hier prallen einfach Kulturen, d.h. verschiedene Standards positiven Rechts aufeinander, und so schließt sich auch wieder der Kreis zum Thema dieses Artikels. Selbst in diesem Forum geraten ja immer wieder Christen und Freidenker aneinander über Fragen, die mit Gott gar nichts zu tun haben, sondern darüber was "gut und richtig" sei. Menschen wie die hier beispielhaften Romeikes empfinden das "unchristliche Treiben" als widernatürlich und unerträglich, und versuchen ihre Kinder davor abzuschirmen. Und ich behaupte, sie legen ihnen damit nur Scheuklappen an, die verhindern daß sie aus eigenem Antrieb und ohne Barrieren die Welt entdecken. Kann man sie "rechtmäßig" daran hindern? Wahrscheinlich nicht. Man müßte die Ausübung jener Zensur als eine Form der Initiation von Gewalt werten, um eine Rechtfertigung für Gegengewalt zu haben. Das ist sicher grenzwertig, hängt aber natürlich wieder vom Konsens zu einem Standard ab, den man anlegen möchte. Ich hoffe, ich habe mich als Techniker mit diesem Ausflug ins Rechtswesen nicht zu sehr blamiert. Nur als Anmerkung, mir persönlich ist der Schulzwang genauso zuwider wie den meisten anderen in dieser Runde auch, allerdings halte ich die Motive der Romeikes für so fragwürdig, daß sie geeignet sind die Position dagegen zu schwächen.

Petra, am 04. Februar 2010 um 12:11 ( Link )

@Horst Böttcher

Die Lehrangebote sind auf die Interessen der Kinder abgestimmt? Dies kann ich nicht erkennen. Die absolut sinnlose Rechtschreibreform, die ich eigentlich schon bei Einführung abgeschrieben habe, beschäftigt mich nun, weil ich eine Tochter habe. Mal als Beispiel: "Oma hat schlechte Augen, deshalb solltest du groß schreiben."- "Buchstaben am Satzanfang musst du großschreiben." Jetzt erklären sie mal einem Kind, warum es manchmal getrennt und dasselbe dann wieder zusammenschreiben soll. Beispiel Mathematik: Früher lernte man Minus-Rechnen von rechts unten, nach links oben. Meine Tochter lernte es anders, nämlich von links oben, nach rechts unten. Probieren Sie es aus und entscheiden Sie ob dies leichter ist. Hinzu kommt, daß ich als Elternteil, die 10 Jahre Schule hinter sich hat, sich diesen Stoff erstmal selbst beibringen muß, damit ich ihn meiner Tochter erklären kann! Neu eingeführt wird nun, daß Fächer wie Erdkunde, Biologie, Geschichte usw., nun auch in englischer Sprache gelernt werden müßen. Für ein Kind, daß bei einem einzigen Fach Probleme hat, nämlich Englisch, führt dies unweigerlich in allen anderen Fächern zu Verschlechterungen der Noten, die wiederum entscheidend für die spätere Jobsuche sind. Dieses Jahr, haben wir das amerikanische Jahr! Alle Fächer, bei denen es geht, ist die USA das Hauptthema. Wen interessiert das, sind wir nicht mehr in Deutschland, oder was? Auch dürfen wir uns wochenlang mit Referaten herumschlagen, über Indianer und Pflanzenöl. Meine Tochter ist in der 8. Klasse und hat weder vom 1. noch vom 2. Weltkrieg irgendetwas beigebracht bekommen, aber über die Indianer weiß sie jetzt Bescheid. Dies sind ein paar Beispiele, meines täglichen Wahnsinns mit der Schule. Ich frage mich oft, wozu ich 10. Jahre die Schule besucht habe, um jetzt Stunden damit zu verbringen, mir den heutigen Stoff beizubringen, der komplizierter nicht mehr sein kann. Und die pädagogische Fähigkeit unserer Lehrer ist auch äußerst mangelhaft. Warum benötigen heutzutage soviele Kinder Nachhilfeunterricht? Weil der Schulstoff mehr geworden ist? Oder vielleicht deshalb, weil unpädagogische Lehrer den komplizierten Schulstoff nicht mehr vermitteln können und Eltern eine komplett andere Schulbildung erhalten haben, und keine Zeit haben, sich diesen Stoff neu beizubringen, was Voraussetzung dafür ist, will man dem Kind bei Deutsch und Mathematik helfen. Hinzukommt, daß Kinder irgendwann das Interesse verlieren, wenn das Wissen zu kompliziert vermittelt wird und sie es nicht verstehen. Dies zieht sich dann von der Grundschule, bis zum Ende der Schulzeit. Meine Tochter hat mittlerweile erkannt, daß ich ihr denn Stoff erklären kann, was dazu führt, daß sie in der Schule gar nicht mehr aufpaßt. Ich mag nicht pädagogisch ausgebildet worden sein, aber sich in das Gehirn eines Kindes hineinzudenken, fällt mir wohl leichter, als einem pädagogisch ausgebildeten Lehrer. Eigentlich traurig, oder? Kinder sind verschieden, jedes hat eigene Begabungen und eine eigene Art zu denken. Dies wird weder beachtet, noch gefördert! Unsere vielfältigen Kinder, verschwinden in einem Einheitsbrei, der sich Schule und pädagogische Erziehung nennt. Alles was sich diesem Einheitsbrei nicht anpassen kann, verschwindet irgendwo im Niemandsland. Das ist ein Mangel, den die Menschen, jetzt schon, bitterlich zu spüren bekommen. Einen großen Teil dieses Mangels, verursachen sicherlich die Schulen. Vielleicht läßt sich darauf, die meiner Meinung nach, fehlende geistige Entwicklung des Menschen, zurückführen. Technisch entwickeln wir uns weiter, ohne Frage. Aber die geistige Entwicklung, sitzt noch irgendwo in der Steinzeit fest.

Ronny, am 07. Februar 2010 um 6:05 ( Link )

Ich bin wirklich froh auf diese Webseite gestossen zu sein. Hatte keine Ahnung dass es in Deutschland ueberhaupt libertaer denkende Menschen gibt. Die meisten Homeschooler, die wir hier in den USA kennen sind nicht nur christlich sondern auch libertaer. Wir haben hier eine geistige Heimat gefunden. Christlich und libertaer zu sein ist meiner Meinung nach voellig logisch. Schliesslich waren Jesus Christus und elf seiner Juenger durch zivilen Ungehorsam ums Leben gekommen; sie haben sich gegen die Unterdrueckung der Obrikeit und des religioesen Establishments gewehrt. Wir sind so froh dass wir unsere Kinder die 68er Indoktrination (auch in US oeffentlichen Schulen) ersparen koennen. Wie sehr musste ich mich in der Schule in Deutschland mit diesen Lehrern herumstreiten. Meine freiheitliche Gesinnung wurde von meinen Lehrern immer als "rechtsradikal" abgestempelt. Dass sie aber insgesamt erfolgreich sind mit ihrer Indoktrination merke ich jedes Jahr bei meinem Deutschlandbesuch. Wie staatsglaeubig die Menschen fast alle geworden sind ist erschuetternd. Die extem engstirnige Intoleranz, die vor allem von Linken/Atheisten auf anderen Blogs gegenueber Homeschoolern ausgedrueckt wird, ist erschuetternd. Ich bin so froh, dass ich meine Kinder nicht in eine deutsche Schule schicken muss und ihnen die feindselige und giftige Haltung gegenueber Andersdenkenden ersparen kann. Da meine Kinder nicht nur freiheitlich gesinnt sind sondern auch noch euro-asiatisch (meine Frau ist Kanadierin asiatischer Abstammung)wuerden sie ja nur noch angefeindet werden. Ausgerechnet die totalitaeren Schulanwesenheitsplicht Fanatiker, die immer sagen in der Schule wuerde man verschiedene Sichtweisen kennenlernen, sind ja uberhaupt nicht an einer pluralistischen Gesellschaft interessiert. Sie koennen es einfach nicht ab, wenn es libertaere Eltern gibt, die ihre Kinder ihrer 68er Indoktrination entziehen, so wie mein Grossvater meine Mutter von der Hitlerjugend ferngehalten hat. Mein Lieblingslied schon waerend der Schule: "Die Gedanken sind frei, wer kann Sie erraten....."


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