Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Lebenszeichen einer erwachenden Bürgergesellschaft: Räuber in Wien von seinem Opfer erschossen

von Andreas Tögel

Selbst ist der freie Mann

Gewaltverbrecher leben zunehmend gefährlich in der Alpenrepublik. Nachdem im Vorjahr bereits eine Juwelenhändlerin und ein Waffenhändler erfolgreich bewaffneten Widerstand gegen angreifende Gangster geleistet haben, hat nun ein Überfall in Wien zum Tod des Räubers geführt. Als dieser gegen Geschäftsschluss mit einer Pistole in der Hand einen Tabakladenbetreiber – in Österreich sagt man dazu „Trafikant“ – ausplündern will, greift der Bedrohte ohne zu zögern zu seiner eigenen Waffe (die er der Behörde ordnungsgemäß gemeldet hat) und schießt dem Täter in den Oberkörper. Der kann gerade noch das Geschäft verlassen, stirbt aber kurz darauf auf der Straße.

Die Polizei stellt fest, dass es sich bei der Waffe des Täters um eine täuschend echt aussehende Attrappe handelt. Die Identität des Täters (der einen rumänischen Ausweis bei sich trägt, der offenbar nicht ihm gehört) ist bis heute nicht geklärt.

Die Reaktionen der Medien und der „Experten“ sind typisch: „Berechtigte Notwehr oder Schießwut?“ (ATV) „Warum der Trafikant sich so vehement zur Wehr gesetzt hat ist bislang unklar…“ („Kronenzeitung“) „Es ist viel sicherer, in solchen Fällen keinen Widerstand zu leisten.“ (Polizei)

Während sich die Lohnschreiber und Herolde der elektronischen Medien – wie immer – einhellig im Chor der „bloß-keine-Gewalt-als-Antwort-auf-kriminelle-Übergriffe“-Fraktion finden, sieht das die „vox populi“, betrachtet man die Einträge in den entsprechenden Internetblogs, etwas anders. Eine recht deutliche Mehrheit vertritt da die Ansicht, dass ein krimineller Angreifer um sein Risiko wissen muss, und das Opfer grundsätzlich im Recht ist – auch wenn es zu seiner Verteidigung massive Gewalt anwendet.

Dass dieser Fall erfolgreichen Widerstands gegen einen gewaltsamen Angriff auf Leben und Besitz eines rechtschaffenen Bürgers erneut eine Debatte über das Waffengesetz auslösen würde, war zu erwarten. Dabei zeigt sich, dass es die üblichen Verdächtigen – namentlich die Grünen – spontan zu „Waffen-weg-Aktionen“ treibt. So betet der „Sicherheitssprecher“ der Wiener Fraktion dieser radikalen Linken bezeichnenderweise brav nach, was ihm die im Sicherheitsbüro beheimateten Vertreter Leviathans vorbeten: „Man sollte niemals Widerstand leisten und immer tun, was der Angreifer wünscht. Nur ja keine Eskalation der Situation heraufbeschwören, denn der Verbrecher gewinnt ja am Ende doch immer…“

Diese haarsträubend törichte und durch so gar nicht ins Konzept passende Fakten nun mehrfach widerlegte These gipfelt in der logisch-konsequenten Forderung nach einem totalen Waffenverbot für Privatpersonen. Dem Bürger soll damit die einzige Möglichkeit genommen werden, sich effektiv gegen einen bewaffneten Angriff zur Wehr zu setzen. Das Leben krimineller Elemente (die sich keinen Deut ums Waffengesetz scheren und die sich – bis hin zum Sturmgewehr – auf dem Schwarzmarkt besorgen, was immer ihnen geraten erscheint) soll damit offenbar entscheidend erleichtert werden. Ist das der Dienst der Grünen an ihren potentiellen Wählern?

Nichts schmeckt glühenden Etatisten weniger als die Vorstellung, der Bürger könnte ohne die lenkende Hand des Großen Bruders irgend etwas unternehmen – und sei es der Schutz seines eigenen Lebens.

Hand in Hand mit diesem Unsinn geht der stereotype Vorwurf einer angeblich von einigen besonders reaktionären Protagonisten befürworteten „Lynchjustiz“. „Wien darf nicht Tombstone werden!“ – „Wollen Sie Zustände wie im Wilden Westen?“ (Zu diesem Thema eine Buchempfehlung am Ende des Beitrags) Das sind beliebte Totschlagargumente derjenigen, die eine Gesellschaft herbeisehnen, in welcher der rechtschaffene Bürger wehrlos zwischen die Fronten einer im Bedarfsfall naturgemäß abwesenden Exekutive (Räuber neigen gemeinhin dazu, die Polizei über Zeitpunkt und Ort der von ihnen geplanten Aktionen im Unklaren zu lassen) und zunehmend schwer bewaffneten Gangstern geraten. Das abschreckende Beispiel des Vereinigten Königreichs kann in diesem Zusammenhang nicht oft genug erwähnt werden. Dort eskaliert die Gewaltkriminalität, seitdem der legale private Waffenbesitz vom Blair-Regime faktisch abgeschafft wurde. Jeder Gewaltverbrecher auf den britischen Inseln kann seither sicher sein, ausschließlich unbewaffnete und damit wehrlose Opfer vor sich zu haben.

Was, in aller Welt, hat die im Paragraph 3 des österreichischen Strafgesetzbuchs geregelte Notwehr mit Selbstjustiz zu tun? Im Augenblick eines offensichtlich gefährlichen Angriffs bleibt dem Opfer in der Regel keine Zeit für ausführliche Erwägungen der möglichen Konsequenzen seines Handelns. Es gilt, einen Angriff „mit angemessenen Mitteln“ abzuwehren. Wer die Qualität von modernen Faustfeuerwaffenattrappen kennt, der weiß, dass sie zumindest für den Laien auf den ersten Blick von scharfen Waffen nicht zu unterscheiden sind. Es blieb im aktuellen Fall dem Trafikanten also keine Zeit zu überlegen. Der Mann sah sich bedroht und schoss. Mit „Selbstjustiz“ hat das nicht das Geringste zu tun.

Auch das gerne eingewendete „Argument“, dass es ja bei Raubüberfällen meist bloß um Vermögenswerte, also um „Sachen“ gehen würde, und deren Verlust keinesfalls das Opfer eines Menschenlebens rechtfertigen würde, erfreut sich weiter Verbreitung. Vergessen wird dabei, dass das Opfer niemals sicher sein kann, wie weit der Täter zu gehen gedenkt. Es kann nicht davon ausgehen, dass ein bewaffneter Gangster von seiner Waffen nicht Gebrauch machen wird. Das Opfer hätte keine Chance, den Fehler, sich nicht gewehrt zu haben, je zu korrigieren. Zum anderen sind sowohl Freiheit (die im Falle einer Bedrohung durch Waffengewalt jedenfalls in Gefahr ist) als auch Vermögen notwehrrechtsfähige Güter.

Und schließlich lehren in der Vergangenheit gemachte, bittere Erfahrungen, dass jemand, der fremdes Gut nicht respektiert, am Ende auch vor fremdem Leben nicht halt macht. Weshalb also der Schutz der Unversehrtheit eines Kriminellen höhere Priorität haben sollte als die Möglichkeit eines rechtschaffenen Bürgers, sein eigenes Leben zu schützen, dürfte schwer zu argumentieren sein.

Die beherzte Reaktion des Trafikanten ist ein ermutigendes Zeichen dafür, dass es Bürger gibt, die sich nicht bedingungslos dem Schutz und der Fürsorge des Staates ausliefern. Bürger also, die zeigen, was gelebte Bürgergesellschaft auch bedeuten kann.

Internet

The not so wild, wild West

06. Januar 2010

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