16. Dezember 2009

Klimakonferenz in Kopenhagen Skeptiker nennt Krakeeler „Hitlerjugend“

Ein Lehrstück in Standfestigkeit

Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Das wird sich der Klimaskeptiker Christopher Monckton gedacht haben, als vergangene Woche am Rande der UNO-Weltklimakonferenz in Kopenhagen seine Veranstaltung durch eine Meute von jungen Leuten massiv gestört wurde. Monckton sprach ins Mikrophon und nannte sie „Hitlerjugend“. Die entsprechende Sequenz ist auf „YouTube“ zu finden.

Tags darauf traf der Veranstalter zufällig auf die Gruppe der Störer an ihrem Stand in einer Halle und wiederholte dort seine Vorwürfe. Nach dem „Godwin-Gesetz“ könnte damit die Diskussion als beendet erklärt werden, doch sie fing naturgemäß nun erst richtig an. Im Verlauf dieser Debatte begründete Monckton seinen Vorwurf damit, dass das Verhalten der Störer ihn an das der Hitlerjugend erinnerte, und dass dieses Verhalten ebenfalls Millionen von Toten zur Folge haben wird.

Auch diese Auseinandersetzung ist auf „YouTube“ verlinkt. Die britische Zeitung „The Guardian“ hat dieses Gespräch auszugsweise übertragen. Dieser Text wird hier übersetzt wiedergegeben:

>> Ben Wessel: [von der Sustain-US-Jugend-Delegation] Zunächst mal, mein Name ist Ben [reicht seine Hand zum Gruß].

Monckton: Nein, nein. Ich schüttle nicht die Hand der Hitlerjugend. Tut mir leid.

Wessel: Sir, ich als Jude bin mir nicht sicher, wie ich das nehmen soll.

Monckton: Ich sage Ihnen, wie Sie das nehmen sollen. Nehmen Sie’s einfach hin.

Wessel: Meine Großeltern sind als Heranwachsende den Nazis in Deutschland entkommen.

Monckton: Wegen des Biosprit-Schwindels haben sich die Lebensmittelpreise weltweit verdoppelt. Das ist wegen der Hysterie um die globale Erwärmung, deren wissenschaftliche Fundierung Sie nicht untersuchen. Das Ergebnis davon ist, dass Millionen in der Dritten Welt sterben, weil die Lebensmittelpreise doppelt so hoch sind aufgrund des Biosprit-Schwindels. Und Ihr Leute kümmert Euch nicht darum. Und bis Sie nicht anfangen, sich darum zu kümmern, werde ich Sie Hitlerjugend nennen, wenn Sie jemals wieder eine Versammlung unterbrechen, an der ich anwesend bin, wo wir versuchen, ein privates Gespräch zu führen. [Monckton alle anderen überstimmend] Pech gehabt. Nun wissen Sie also, wie es aussieht, wenn Sie roboterhaft auf die Art skandieren, wie es die Hitlerjugend in Kopenhagen tat, als sie diese Stadt besetzt hielten.

Unidentifizierter Jugendlicher: Sir, Sie müssen nur erwachsen werden!

Monckton: Ich habe wissenschaftliche Papiere zitiert ... Deshalb denke ich, dass Sie sich alle einfach mal beruhigen sollten und akzeptieren, dass, wenn Sie sich jemals wieder so benehmen, ich Sie wieder öffentlich so nennen werde. Sie sind bereits bekannt und Ihre Gesichter sind um die Welt gegangen als Mitglieder der Hitlerjugend, oder Menschen, die den Armen so viel Schaden zufügen wie es die Hitlerjugend tat. Und Sie müssen akzeptieren: Wenn Sie nicht gewillt sind einzustecken, dann sollten Sie nicht austeilen. Und überfallen Sie Versammlungen anderer Leute nicht mehr! Vielen Dank. Ihnen allen einen guten Tag.

[Monckton entfernt sich und Wessel folgt]

Wessel: Ich denke es ist gut, nicht zu versuchen, Meinungen anderer Leute zu überdröhnen, da stimme ich Ihnen zu.

Monckton: Das ist, was Sie getan haben. Das ist, was die Hitlerjugend getan hat. Und wenn Sie sich wie die Hitlerjugend benehmen, dann sage ich, was Sie sind – Hitlerjugend. Und wenn’s Ihnen nicht passt, können Sie’s ja bleiben lassen.

Wessel: OK, ich lasse Sie gleich wissen, wie ich das persönlich empfinde.

Monckton: Pech gehabt.

Wessel: Ich würde Ihnen aber gerne sagen, dass, solange ich schon lebe ... in den letzten 20 Jahren, ist die wissenschaftliche Erkenntnis eindeutig.

[Die beiden diskutieren die Wissenschaft des menschgemachten Klimawandels]

Wessel: Ich würde Ihnen gerne meine Karte geben, wenn Sie das diskutieren wollen.

Monckton: Ich will keine Karten der Hitlerjugend. Nein.

Wessel: Sir, als Jude, nochmal ... ich glaube ... dies ist absurd und ich fange an, frustriert zu sein.

Monckton: Ich habe gerade gesehen, was passiert ist, zum Beispiel in Haiti, wegen Leuten wie Ihnen, die in öffentlichen Versammlungen krakeelen und propagandieren und eine Tendenz durchzusetzen versuchen, die nichts damit zu tun hat, sich um die Armen zu kümmern, die jetzt in großer Zahl an Hunger sterben. Weil Leute wie Sie so handeln wie jene, die in der Hitlerjugend waren. Also werde ich Sie so nennen, ob’s Ihnen passt oder nicht. Und wagen Sie es nie wieder, eine meiner Versammlungen zu überfallen und sich in solch kindischer, schlägertuppartiger, hitlerischer Weise zu verhalten. Habe ich mich klar ausgedrückt? <<

Im dazugehörigen Diskussionsforum auf der „Guardian“-Webseite beschwert sich Kommentator „nottydave“ darüber, dass der Vorwurf mit dem Biosprit nicht echte Aktivisten treffe, denn die seien gegen diese von Regierungen und Unternehmen entworfene „scheingrüne“ Politik. Das mag ja sein. Doch das entkräftet den HJ-Vergleich nicht. Denn genauso werden viele ehemalige HJ-Angehörige angesichts gewisser Entscheidungen ihrer Regierung nachher gesagt haben: „Das haben wir nicht gewollt.“ Die heutigen Umweltaktivisten sind die – manchmal – unwissenden Fußtruppen einer Politik, die einen millionenfachen Hungertod in Kauf nimmt.

Ein anderer dort gegen Monckton erhobener Vorwurf lautet, dass er schon lange dafür eintritt, HIV-Infizierte konsequent in Quarantäne zu setzen. Das stimmt, doch hat dieser inhaltliche Verweis nichts mit dem Vergleich der politischen Methode zu tun und ist nur der Versuch einer billigen Retourkutsche.

Monckton hat mit seinem mutigen Einschreiten möglicherweise den einen oder anderen bisherigen „Klotzkopf“ zum Nachdenken gebracht. Einer von ihnen jedenfalls hat ein weiteres, zufällig entstandenes Gespräch ebenfalls in „YouTube“ eingestellt und scheint von den Argumenten des Engländers tatsächlich beeindruckt gewesen zu sein.

Internet:

Veranstaltungsstörung in Kopenhagen (YouTube)

Konfrontation zwischen Monckton und seinen Störern (Bericht des Guardian mit Video)

Spontanes Interview mit Christopher Monckton am Tag nach der Veranstaltungsstörung (YouTube)

Welthungerhilfe: Hunger durch Biokraftstoff


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