01. Dezember 2009

ef 98 Editorial

Bildungskommunismus und Einheitsschule

„Wir müssen mehr Geld in die Bildung stecken!“ Kaum eine politische Parole ist weniger umstritten, allenfalls vielleicht das Glaubensbekenntnis zur Demokratie selbst. Immer mehr Steuergelder in die staatlichen Bildungssysteme zu leiten, das ist nicht nur von FDP bis Linke, von Arbeitgeberverband bis IG Metall, von „FAZ“ bis „taz“ heute Grundkonsens, es wird auch zur unhinterfragbaren zivilreligiösen Kirchenfrage erklärt; die Lehranstalt als sakraler Raum der Massendemokratie. Doch ist irgendwo schon einmal ein marodes System dadurch besser geworden, dass man mehr Geld hineinsteckte? Das Rentensystem etwa? Der „Kampf gegen rechts“? Das Gesundheitswesen? Opel? Und was ist das überhaupt – „Bildung“? Bildet sich nicht jeder Mensch in erster Linie individuell selbst? Muss nicht eine Gesellschaft im kulturellen Zusammenbruch enden, in der man den persönlichen Aufwand, sich nach Interesse zu bilden, in einen kollektiven Rechtsanspruch mit gleichzeitigem Annahmezwang verwandelt?

Immer mehr Geld in die Bildung – die Zwischenbilanz: Vor 100 Jahren sind in Deutschland nur ein Prozent eines Jahrgangs ans Gymnasium gegangen. Heute ist es fast jeder Zweite. Waren unsere Eltern, Groß- und Urgroßeltern nach wenigen Jahren Volksschule schlechter auf Leben und Beruf vorbereitet als heutige Taxifahrer nach Vollendung ihrer vollumfänglichen Bildungskarriere in Krippe, Kindergarten, Schule und Hochschule? Sprachen sie schlechter Deutsch und konnten schlechter rechnen als die Abiturienten an heutigen Staatsschulen? Oder waren die neun US-amerikanischen Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, James Madison, John Quincy Adams, William Henry Harrison, Abraham Lincoln, Theodore Roosevelt, Woodrow Wilson und Franklin D. Roosevelt, die allesamt nie in ihrem Leben irgend eine Schule besuchten, tatsächlich schlechter gebildet als Angela Merkel, Andrea Nahles oder Joschka Fischer?

Unser Autor Rahim Taghizadegan geht solchen Fragen in dieser Ausgabe philosophisch auf den Grund und entlarvt den deutschen Bildungsvollstreckungswahn als Hirngespinst. Nebenbei: In Hamburg wollen CDU und Grüne das gegliederte deutsche Schulsystem beerdigen. Nicht etwa, um sich aus dem Milliardengrab der Staatsbeschulung zu verabschieden, sondern vielmehr, um den Bildungskommunismus durch Einführung der Einheitsschule Margot Honeckers in der Hansestadt erst wirklich zu vollenden. Die rechte oder besser linke Hand der Bildungssenatorin Goetsch und beauftragt mit der Umsetzung der schwarzgrünen Schulreform ist dort Hans-Peter de Lorent, ein langjähriges DKP-Mitglied. Währenddessen treibt im Bund die vermeintlich bürgerliche Koalition auch noch den scheinkostenlosen Zwangskindergarten für alle weiter voran. Kinderverwahranstalten von Geburt an, ohne Ausnahme, der alte sozialdemokratische Traum, und oft ganz persönliche Albtraum für die kleinen Insassen, wird nun Wirklichkeit.

Trotz alledem: Ich wünsche Ihnen, verehrte Leser, besinnliche und gesegnete Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Machen Sie es gut bis Ende Januar! Und denken Sie immer daran: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien und Anstalten! Mehr netto!

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Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 98


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