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„Wandel durch Annäherung“ zwischen Konservativen und Liberalen (Vol. 1): Strukturelle oder konjunkturelle Krisenbewältigung?von Andreas Lehmann „Die Konservativen der Gegenwart sind nicht mehr als von der Demokratie misshandelte Liberale.“ (Don Nicolás Gómez Dávila) Im rechts-konservativ geprägten Spektrum, rings um die sogenannte „Neue Rechte“, also die Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“, das Institut für Staatspolitik und die im Antaios-Verlag erscheinende rechts-intellektuelle Zeitschrift „Sezession“, gibt es eine relativ rege Debatte darüber, wie das Verhältnis der Konservativen und Rechten zum Liberalismus beziehungsweise zu einem seiner Steckenpferde, der Ökonomie, zu sein habe (nicht zuletzt wohl auch im Angesicht der derzeitigen Wirtschaftskrise). In dem mittlerweile zum bundesdeutschen Leitmedium der klassisch Liberalen und Libertären gewordenen Magazin eigentümlich frei ist ebenfalls seit längerem eine Bewegung hin zur Debatte mit den Protagonisten und Ansichten „rechts der Mitte“ feststellbar. Bisher eher oder sogar vollständig konservativ besetzte Begriffe wie „Heimat“, „Vaterland“, „Familie“ oder „Religion“ halten Einzug in die liberale Diskussion, und werden hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit als genuin liberal empfundenen Werten überprüft. Der Autor selbst hält, um das Ansinnen etwas verständlicher zu machen, weder den Liberalismus noch den Konservativismus als dogmatisch verstandene Prinzipien für das „Maß aller Dinge“. Für ihn ergeben sie erst in einer merkwürdigen und doch stimmigen gemeinsamen Anordnung ein gedeihliches Abbild der verworrenen und komplizierten menschlichen Realität. Dieses Abbild ist dann erst „recht“ und „richtig“, also „rechts“ (so wie es uns nicht umsonst viele Sprachen der Welt lehren), wenn es wie ein Mosaik aus eigenständigen, „beseelten“, nicht-austauschbaren Teilen begriffen wird. In diesem Sinne, und im Unterschied zur geistigen Konditionierung des Linken, leiden im Großen und Ganzen weder der Konservative noch der Liberale unter Geschichtsvergessenheit, noch sind sie „gezwungen“, ihr Haus auf dem Treibsand von Mittelmäßigkeit und Emotionalität zu bauen. Sie sind zum kühlen Blick fähig, sie sind „strukturell“ im Stande, die gegenseitigen Erkenntnisse anzuerkennen und in ihr eigenes Denken mit einzubeziehen, ihre Debatte kann also Früchte tragen. Daher soll hier aus einer relativ unabhängigen Perspektive auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Liberalen und Konservativen eingegangen werden. Im Sinne dessen, dass sich ein stimmiges Bild nur dann ergeben kann, wenn zusammen wächst was auch zusammen gehört. Als Aufhänger soll ein aktueller Beitrag in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Sezession“ dienen. Neben einigen regelmäßig zu lesenden Seitenhieben gegen den (wirtschaftlichen) Liberalismus erschien in der Online-Ausgabe der „Sezession“ am 23. November nun ein Beitrag des neuen Autors Claus Wolfschlag. Die folgende, kurze Auflistung der Vita des Autors sei deswegen angebracht, weil es verdeutlicht, mit was „man“ sich beschäftigt und mit was nicht. Wolfschlag, Jahrgang 1966, studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft in Frankfurt am Main und Bonn. Seit vielen Jahren ist er als Journalist, Kultur- und Geisteswissenschaftler für Magazine, Wochen- und Tageszeitungen tätig und veröffentlichte Bücher und Aufsätze zu den Themenbereichen Geschichte, Politik und Kunst. Er wird von Götz Kubitschek als einer beschrieben, der „viel weniger ‚einer von uns’“ ist „als andere, die hier mitschreiben.“ Nur ein „Anspitzer“ von links also? Man wird sehen… In der Argumentation Wolfschlags, wie auch in den Beiträgen einer Vielzahl von Kommentatoren des Artikels, tauchen einige der speziell im rechts-konservativen Spektrum häufig anzutreffenden Vorurteile, Anwürfe und Halbwahrheiten über die liberale Auffassung der Marktwirtschaft auf. Eine kleine Auswahl soll hier und in weiteren Folgen thematisiert werden. Wir wollen heute mit Wolfschlags erster These beginnen, die da vom Neomarxisten Robert Kurz aufgegriffen lautet: „Die derzeitige Krise ist eine Krise des Kapitalismus. Sie ist nicht konjunkturell, sondern strukturell bedingt.“ Bevor wir uns dieser These widmen muss bemerkt werden, dass bei allen Fragen zur Ökonomie ein leider bei vielen Konservativen grundsätzlich feststellbarer Mangel erkennbar wird: ihr Unwille, sich ausgiebig mit ökonomischen Fragen zu beschäftigen. Und ihre spürbare Abneigung gegen den „Kaufmann“ als einen der seit allen Zeiten prägenden Haupttypen jeder menschlichen Gesellschaft. Die Ökonomie erscheint dann in diesem Lichte betrachtet profan und nicht weiter untersuchenswert. Das Kapital soll möglichst dienen, und das kaufmännische Streben ist in jedem Fall niederer als alle anderen Künste anzusehen. Der Kaufmann wird – gerade im Hinblick auf die heutige Wirtschaftskrise – nicht nur pauschalierend mit einer Art „Schweinchen Schlau“-Mentalität in Verbindung gebracht, er ist geradezu ihr Sinnbild. Nun zum ersten und stets gerne gemachten Vorwurf: Die derzeitige Krise sei eine Krise des Kapitalismus. Sie sei nicht konjunkturell, sondern strukturell bedingt. Dass es sich bei der derzeitigen Krise weder um eine konjunkturelle noch gar um eine strukturelle Krise des Kapitalismus handelt, wird aus einer Fülle von Punkten heraus erkennbar. Einige davon seien genannt: Der Kapitalismus respektive der freie Tauschhandel waren „von Anfang an da“. Der liberale Ökonom erfindet ihn nicht, er beschreibt lediglich seine Mechanismen. Man könnte sagen, er „entdeckt“, was offensichtlich zu Tage liegt (so wie auch der Konservative aus den Lehren der Geschichte seine Schlüsse zieht und diese zum Beispiel für seine „Lehre von den notwendigen Institutionen“ nutzt). Zu dieser Aufgabe des Ökonomen gehört, dass er aus den gewonnenen Erkenntnissen ableitet, welche Form des Wirtschaftens zu besseren Ergebnissen führt, ja führen muss. Im Zuge dieser Überlegungen treten nun die bekannten und sehr unterschiedlichen Ansatzpunkte zutage. Eine Art der Herangehensweise, um das bestmögliche ordnungspolitische System zu bestimmen, ist das theoretische Studium, eine andere die Beobachtung seiner praktischen Auswirkungen. Im ersten Fall sollten die liberalen Grundaussagen über das individuelle Handeln für den Konservativen den Ausschlag zugunsten des (wirtschaftlichen) Liberalismus und gegen die „sozialisierenden“, kollektivierenden Ansätze geben, wird doch im liberalen Ansatz von einem Menschen ausgegangen, der unaufhebbar fehlerhaft und egoistisch ist. In der liberalen Beschreibung wird deutlich, dass das Leitmotiv individuellen Handelns nicht von utopisch anmutenden, „kollektiven“ Zielvorstellungen bestimmt wird, sondern in erster Linie dem Eigennutz und in zweiter Linie kleinen, klar bestimmbaren Gemeinschaften oder gewachsenen, bewährten Institutionen zu Gute kommen wird. Alle darüber hinausgehenden und den Menschen letztlich idealisierenden Vorstellungen sollten doch gerade den „geerdeten“ Konservativen stutzig machen! Der berühmte und gerne zum Vorwurf genutzte „homo oeconomicus“ passt dabei sehr wohl ins Bild, wird doch sein Drang zur Nutzenmaximierung keineswegs ausschließlich auf die rationale Ebene beschränkt: Seine ganz persönlichen Wünsche, Interessen oder Vorlieben können ebenso sehr auf irrationale Weise begründet sein. Um das sozusagen wirtschafts-liberale Pendant zum „neuen Menschen“ der Linken handelt es sich dabei also gewiss nicht. Die wohl gerade für einen Konservativen (bezogen auf sein Interesse für die Geschichte) besonders interessante Studie der praktischen Auswirkungen spricht noch klarer für die Unanwendbarkeit der marxistischen Lehren. Je marxistischer, sagen wir verallgemeinernd: je sozialistischer, eine der real existierenden Gesellschaften war, desto größer waren die Verwerfungen. So sehr wie die (Handlungs-) Freiheit in der liberalen Marktwirtschaft geradezu unglaubliche Energien freisetzte, so sicher ebnete der sozialistische Planungs- und Sozialisierungszwang alle menschlichen Träume und Hoffnungen ein. Je sozialistischer, je sozial-demokratischer die westlichen Gesellschaften wurden, je mehr Forderungen der Apologeten der sozialen Gerechtigkeit sie erfüllten, desto größer wurden Bürokratismus, Gesetzesflut, Arbeitslosigkeit, lobbyistischer Einfluss, Sondergesetzgebung, Einzel- und Staatsverschuldung und Geldentwertung. Diese Zeitlinien sind klar zu erkennen, die Entwicklung war eben so und nicht umgekehrt, und kein Konservativer dürfte dies in irgendeiner Form bestreiten können, ohne sich auf die Diskussionsebene der Linken, also des Emotionalisierens, Ablenkens und Diffamierens herabzubegeben. Es ist daher nicht einzusehen, wie nun ausgerechnet das dem (wirtschafts-) sozialistischen, dem staatskapitalistischen Großversuch diametral entgegengesetzte Wirtschaftssystem für Verwerfungen verantwortlich sein soll (auch noch strukturell!), die eindeutig erst nach Erfüllung der Forderungen der linken Ökonomen Schritt für Schritt, und in ihrer Heftigkeit zunehmend, zu Tage traten. Nicht die Struktur des Kapitalismus und der freien Marktwirtschaft ist es, die uns in die derzeitige Krise geführt hat, ganz im Gegenteil. Auf die derzeitigen Probleme bezogen hätten gerade die kapitalistischen Mechanismen dafür gesorgt, dass bankrotte Unternehmen bankrott gehen, dass veraltete Strukturen nicht mehr aufrecht erhalten werden können, dass für spekulatives Verhalten mit echtem Geld und vollständig eigenem Risiko gehaftet und dass risikohaftes Verhalten auch von Konzernen und anderen „politisch aktiven“ Gebilden alleine ausgebadet werden muss. Eine konjunkturell bedingte Krise des Kapitalismus, was ja dann im Grunde gar keine echte Krise mehr darstellen würde, ist ebenfalls nicht der Fall, geht es hier doch nicht um konjunkturelle Schwankungen, sondern um die schwerwiegenden Auswirkungen der jahrzehntelangen Eingriffe in die Mechanismen des Marktes. Behauptungen, wir befänden uns heute lediglich in einer der „typischen“ Phasen des wirtschaftlichen Abschwung, werden daher nicht nur von den Liberalen, sondern auch von einigen Konservativen zu Recht als starke Verharmlosung, ja als bewusste Irreführung betrachtet. Das Gespür Letzterer für das Wesen echter Krisen (und der damit zwangsläufig einhergehenden Beschwichtigungsversuche) und gesellschaftlicher Missstände eint die Konservativen mit den Liberalen, die vor allem die Ökonomie betreffend schon seit vielen Jahrzehnten die Missstände benennen. Das Beschwichtigungsgerede von dem regelmäßig eintretenden und damit relativ harmlosen konjunkturellen Abschwung ist lediglich ein ziemlich durchsichtiges propagandistisches Mittel der keynesianischen Wirtschaftslehre (und ihres wirtschaftlichen Interventionismus), deren gigantischen Anteil an der derzeitigen Krise sie möglichst verschweigen will. Wenn der Konservative also sein skeptisches Menschenbild und sein Vertrauen auf die Anwendbarkeit von „erprobten“, tradierten Erkenntnissen auch auf die Bereiche der Ökonomie angewandt sehen will, und wenig bis gar nichts sollte dagegen sprechen, so ist er verpflichtet, den Aussagen der freimarktwirtschaftlichen Schulen der Ökonomie sein Ohr zu schenken. Er sollte sich im Falle des Falles ernstlich fragen, ob der in ökonomischer Hinsicht von ihm bisher vertretene Machbarkeitswahn wirklich mit seinen sonstigen Ansichten, mit seinem Gespür für politische „Sozialingenieursprosa“ in Einklang zu bringen ist. So wenig wie Interventionismus von außen und Zentralismus von oben für das Gedeihen von Kultur, Tradition, Familie und Heimatgefühl förderlich sind, so wenig sind sie das auch für die Wirtschaft. Und wenn wir von „der Wirtschaft“ reden, sprechen wir nicht nur von einigen Managern, nicht nur von viel einfachem Volk, sondern vor allem auch von der größten volkswirtschaftlichen Kraft Deutschlands, dem mittelständischen Unternehmer. [Fortsetzung folgt] Der Artikel von Claus Wolfschlag in der „Sezession“: „Kapitalistische Amokfahrt“ 26. November 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. 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Die Zentralbank ist nichts anderes als eine von Machbarkeitswahn befallene Sozialingenieursorganisation - sie maßt sich an, die Marktgeschehnisse nach ihrem Gutdünken zu gestalten. Ich möchte nicht sehr darauf eingehen, aber Free Banking scheint doch die bessre Lösung zu sein. Guten Abend hoeppe, am 26. November 2009 um 22:26 ( Link ) Bevor wir uns dieser These widmen muss bemerkt werden, dass bei allen Fragen zur Ökonomie ein leider bei vielen Konservativen grundsätzlich feststellbarer Mangel erkennbar wird: ihr Unwille, sich ausgiebig mit ökonomischen Fragen zu beschäftigen. Da hat der Liberale aber Schwein gehabt. Sollte der Konservative tatsächlich die Grundlagen der ökonomischen Anthropologie von A bis Z, von Aristoteles bis Weber, vom Formalismus bis zum Substantivismus durchkämmen, so würde der Liberale im Korsett seiner zeitlosen universellen ökonomischen Logik ziemlich ins Schwitzen kommen. Aber ich will nicht das anvisierte liberal konservative Tête-à-tête stören und dafür meine Lernwilligkeit unterstreichen: Der Kapitalismus respektive der freie Tauschhandel waren „von Anfang an da“. Von was war der Tauschhandel frei? Und wo kann ich hinter plündernden Stammesfürsten, herrschsüchtigen Pharaonen, Tribut eintreibenden Kaisern, absolutistischen Königen, ausbeutenden Feudalherren, hoheitlichen Merkantilisten und regulierenden Demokraten, etwas über den freien Tauschhandel erfahren? Wobei ich dazu sagen muss, das ich eher so’n praktisch orientierter Typ bin. Wir können uns natürlich darauf einigen, dass der frei Tauschhandel von Anfang an da war, nur dass er, in dem Moment, als er seine Herrlichkeit entfalten wollte, plötzlich nicht mehr frei war. Sphairon, am 26. November 2009 um 22:54 ( Link ) @hoeppe: Den Meter gab es theoretisch auch schon immer, auch vor seiner wissenschaftlichen Festlegung. In der freien Natur jedoch genau einen Meter aufzufinden, das dürfte schwierig werden. Konservativer, am 27. November 2009 um 0:04 ( Link ) Habe mir den verlinkten Artikel in der Sezession angetan. Den könnte grundsätzlich auch das Neue Deutschland abdrucken. Allein wie da das Wort "Kapitalismus" gebraucht wird - als wäre das ein System, das irgendwie gemacht, das nach seiner Ersinnung einer Gesellschaft oktroyiert würde. Das ist die Denke staatsverliebter Gesellschaftsklempner. Die suchen noch immer den perfekten Sozialismus unter wechselnden Farben und begreifen nicht, dass Wirtschaft auch ohne Masterplan von oben funktioniert, ja dass der freie Austausch von Gütern und Leistungen einfach "da ist", wo Menschen miteinander in Verkehr treten. Letztlich ist der biographische Hinweis über den Sezessions- Autor von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Hat womöglich noch nicht mal in den Semesterferien eine Tüte Brötchen oder Äpfel verkauft, geschweige dass er jemals auch nur einen Arbeitsplatz geschaffen hätte - aber verbreitet sich über das Wohl und Wehe der Weltwirtschaft. Matthias Auer, am 27. November 2009 um 0:42 ( Link ) @webbaer Hat er nicht? Soweit ich informiert bin, hat es einen nationalen Sozialismus bisher nur in Deutschland zwischen 1933 und 1945 gegeben und das Dritte Reich ist nicht an wirtschaftlichen Problemen gescheitert. Molot, am 27. November 2009 um 9:01 ( Link ) @Matthias Auer und das Dritte Reich ist nicht an wirtschaftlichen Problemen gescheitert. Kein Sprit für Flugzeuge, z.B. sind das keine "wirtschaftlichen" Probleme? B.Ullmann hoeppe, am 27. November 2009 um 9:05 ( Link ) @Konservativer Allein wie da das Wort "Kapitalismus" gebraucht wird - als wäre das ein System, das irgendwie gemacht, das nach seiner Ersinnung einer Gesellschaft oktroyiert würde. Dann klär mich mal auf…, was ist Kapitalismus? Anschließend können wir deine Definition anhand dessen, was wir über die letzten 10.000 Jahre in Erfahrung bringen konnten, auf sein ewig gültiges Wirkprinzip hin Prüfen und mit der Wirklichkeit ins Verhältnis setzen und dann schauen wir mal was übrig bleibt. Freu mich schon…!! Matthias Auer, am 27. November 2009 um 9:56 ( Link ) @molot Nö, kann ich nicht gelten lassen. Dieser Spritmangel ist auf Grund von Kriegshandlungen aufgetreten und nicht als Folge nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik. nl, am 27. November 2009 um 9:59 ( Link ) K. ist eine Wirtschaftsordnung, die auf Privateigentum der Produktionsmittel beruht. Das Gegenteil kann ja nur Sozialismus sein. Oder es ist mit K. der freie Markt gemeint, dann kann die Alternative nur der nicht freie Markt sein, also Interventionismus, also die Chimäre "dritter Weg", die aber auch nur aus Kapitalismus und Sozialismus zusammengesetzt ist. protagoras, am 27. November 2009 um 11:28 ( Link ) Sehr guter Artikel, insbesondere aufgrund der treffenden Analyse zum Hintergrund der Krise. Dennoch bin ich nicht überzeugt von der These, dass sich Konservative und Liberale tatsächlich so nahe stehen, wie das der Autor vermitteln will. Insbesondere da nicht klar definiert ist, was konservativ in den Augen des Autors bedeutet. Im Unterschied zum Liberalismus, bei dem es zwar unterschiedliche Schulen gibt, ist der Konservatismus ja nicht durch eine eigene Richtung, eine Ideologie oder ein Ziel geprägt, sondern im Gegenteil durch das Opponieren gegen diese. Der Konservatismus will bewahren und wehrt sich gegen das Neue. Das bedeutet aber, dass es dem Konservativen grundsätzlich egal ist, welche Wirtschaftsordnung besteht. Es soll in erster Linie der status quo beibehalten werden oder zumindest der Richtungswechsel (Liberalismus - Sozialismus oder umgekehrt) möglichst langsam vollzogen werden. Hayek hat dies sehr klar in seiner Rede "Why I am not a conservative" dargestellt. zu finden unter: In diesem Sinne steht der Konservative dem Liberalen genauso nahe oder fern wie dem Sozialisten. Seine Position ist immer eine relative zur herrschenden Staats-/Wirtschaftsform, nie eine absolute wie das vom Autor dargestellt wird. MarkMallokent, am 27. November 2009 um 14:16 ( Link ) Ob der Autor nun liberal oder konservativ ist, weiß ich nicht, aber ich beobachte bei ihm, was man bei vielen Liberalen findet, nämlich die Ansicht, der Kapitalismus oder die Marktwirtschaft wären der gleichsam "natürliche" Zustand der Wirtschaft, aus dem diese erst durch den Sozialismus oder dergl. vertrieben worden sei. Typisch etwas das Statement "Der Kapitalismus respektive der freie Tauschhandel waren „von Anfang an da“" Marcel_G, am 27. November 2009 um 15:36 ( Link ) MarkMallokent, ich möchte Ihnen zustimmen. Der Autor täte gut daran, statt von einem immer dagewesenen Freien Kapitalismus eher über einen schon immer dagewesenen Markt an sich zu schreiben. Der Markt an sich war tatsächlich schon immer da und er zeigt sich gar im Balzverhalten vieler Lebewesen, auch des Menschen. Wer das beste Angebot macht... Konservativer, am 27. November 2009 um 23:55 ( Link ) hoeppe Dann klär mich mal auf…, was ist Kapitalismus?Der kritisierte Autor verwendet ebenso wie ich das Wort "Kapitalismus" weitgehend synonym für "Marktwirtschaft". Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass das nicht unproblematisch ist, sowohl semantisch als auch etymologisch. Aber wenn man "Kapitalismus" schlicht für eine "Wirtschaft mit kapitalintensiver Industrieproduktion" setzen würde, gäbe das noch mehr Probleme: Dann gäbe es Kapitalismus auch inmitten von Sozialismus, wenn dort komplexe Industrieanlagen, Kraftwerke etc. errichtet werden. - MarkMallokent die Ansicht, der Kapitalismus oder die Marktwirtschaft wären der gleichsam "natürliche" Zustand der WirtschaftSo ist es nun mal. Versuche, den Markt regierungsamtlich zu manipulieren, mögen alt sein (Ständeordnungen, Importverbote und -zölle). Der Markt selbst ist viel älter: Fell gegen Früchte, Pfeilspitzen gegen Mokassins. Konservativer, am 28. November 2009 um 0:45 ( Link ) Protagoras Das bedeutet aber, dass es dem Konservativen grundsätzlich egal ist, welche Wirtschaftsordnung besteht. Es soll in erster Linie der status quo beibehalten werden oder zumindest der Richtungswechsel (Liberalismus - Sozialismus oder umgekehrt) möglichst langsam vollzogen werden. Die entscheidende Frage ist, wie man "konservativ" definiert. Wäre es nun (wie unterstellt) das Festhalten am und das Bevorzugen des Alten und Althergebrachten, dann müsste man auch einen Gewerkschaftsfunktionär als konservativ bezeichnen, der den durchregulierten Vollkaskostaat der 70er/ 80er Jahre bewahren ("konservieren") will. Hier wird aber schon deutlich, wie stark eine solche Definition in die Irre führt. Zu bevorzugen ist deshalb die Definition, mit "konservativ" die Einsicht zu bezeichnen, dass der Mensch das Schlechte in sich trägt. Immer noch am besten in theologischen Termini: Die Sünde ist in der Welt, im Menschen, in seinem Wesen. Diese Erkenntnis ist der Urgrund des Konservatismus. Aus ihr heraus erst erwächst der Skeptizismus gegenüber dem Neuen - weil das auch nie perfekt sein kann, nie zum irdischen Paradies führen wird. Ein weiterer Ausfluss dieser Ansicht ist die Vorliebe für Autorität und Obrigkeit - als notwendige Institutionen um den gröbsten Auswüchsen des Bösen zu wehren. Richtig ist die Beobachtung, dass der Konservatismus an sich indifferent in bezug auf die wirtschaftliche Ordnung ist. Oder soll ich besser sagen: Er war es ursprünglich. Wobei auch hier einzuschränken ist: Respekt vor dem Eigentum und Ächtung des Diebstahls in jeder Form gehört zu den wichtigen konservativen Werten. Dazu tritt m.E. aber nun ein historischer Aspekt. Vor 100 Jahren, also im Jahr 1909 konnte ein Konservativer sich noch unbekümmert- gleichgültig gegenüber einem Mehr oder Weniger an wirtschaftlichem Staatsinterventionismus geben. Doch nach einem Jahrhundert voller Sozialismen hat diese Gleichgültigkeit ihre Unschuld verloren. Es liegt nun die (bittere) Erfahrung vor, dass sozialistisches Wirtschaften immer mit Totalitarismus, Massenmord und nicht zuletzt dem Auslöschen aller Nichtsozialisten einhergeht. So gesehen ist der Liberale für mich zwingend das ungleich kleinere Übel. Der Liberale wird sich hier und da über meine altmodischen Schrullen belustigen. Aber im Gegensatz zum Sozialisten wird er nicht meine Existenz in Frage stellen. zebra, am 28. November 2009 um 9:06 ( Link ) Konservativ im Sinne von Sündenbewußtsein sagt mir zu. Libertäre Motivation als verzweifelte Gegenreaktion auf die Bevormundung eines "sozialen" Monsterkrakenstaates ist eine oppositionelle Haltung aber keine konstruktive Alternative oder Weiterentwicklung. Das Wachstumsmantra erscheint mir persönlich überholt, vielleicht geht es eher um Konsum- und Tätigkeitsentscheidungen und persönliche Prioritäten: wieviel Energie und beispielsweise Bäume "kostet" denn nun eine belanglose Anfrage in der Suchmaschine? Wird dadurch Arbeit geschaffen oder vernichtet? Welchen Fisch kann ich noch mit gutem Gewissen verzehren, wenn ich Überfischung nicht unterstützen mag? Dieses Abwägen der persönlichen Prioritäten und Wahlmöglichkeiten kann ein grundsätzliches Nachdenken in Gang bringen. Selbstverständlich ein Luxus, den sich nicht jeder auf dem Globus leisten kann. MarkMallokent, am 28. November 2009 um 16:11 ( Link ) @Konservativer TrebMelsa @ hoeppe Eigentlich wollte ich mich zu Ihnen nicht mehr äußern, da Sie letztens im Artikel von Herrn Grözinger zu meinen Fragen keine Antwort gegeben hatten - aber sei es so. Gamma, am 08. Dezember 2009 um 20:20 ( Link ) @ Konservativer "Der Markt selbst ist viel älter: Fell gegen Früchte, Pfeilspitzen gegen Mokassins." Das mag sein, heißt aber nicht dass es eine Art Ursprungszustand ist. In Stammesgesellschaften findet man desöfteren eine eher "sozialistische" Art des Wirtschaftens, in welcher der direkte Tausch eher eine Nebenrolle einnimmt, während z.B. die Nahrungsmittelverteilung nach Bedarf erfolgt. Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Carl, am 26. November 2009 um 17:33 ( Link )
Es ist weniger eine Krise des Kapitalismus, als viel eher eine Perversion des Kapitalismus. Präziser: Eine Perversion der Zentralbankpolitik.