Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Gutes Geld, schlechtes Geld: Der Papiergeldschwindel

von Andreas Tögel

Oder: Die Geschichte von der Schuldenorgie

Täglich kann sich der interessierte Zeitgenosse an Meldungen von beidseits des Atlantiks erreichten Rekordverschuldungen „erfreuen“. Zwar ist die bürgerliche Kultur des Sparens in unserer vollends proletarisierten Welt längst diskreditiert und das Schuldenmachen durch Private – und sei es, nur um einen Kurzurlaub zu „finanzieren“ - ungeheuer chic geworden; dennoch sind es primär die Regierungen, die in ihrem ständigen Bemühen, dem auf ihre Rolle als unmündige Untertanen konditionierten Stimmvieh Brot und Spiele zu bieten, zum Mittel des exzessiven „Deficit Spending“ greifen und damit nachwachsenden Generationen eine gewaltige Hypothek aufbürden. Staatsverschuldung ist, da sie nicht unmittelbar zu Kaufkraftverlusten führt und den von den regierenden Eliten angerichteten Schaden geringer erscheinen lässt als er tatsächlich ist, aus deren Sicht ein demnach wesentlich zweckmäßigeres Instrument zur Finanzierung ihrer frivolen Politik, als neue oder höhere Steuern.

Es kommt, wie langsam aber sicher selbst manchen Redakteuren in den staatsverliebten, Mainstreammedien zu dämmern beginnt, ein weiterer Faktor hinzu. Es handelt sich um die seit Beginn der Finanzkrise vor allem in den USA betriebene, ungezügelte Geldschöpfung. Es geht mittlerweile nicht mehr „nur“ um Milliarden an frisch produziertem Papier- und Buchgeld, sondern bereits um Billionen davon. Vorgeblich sei das erforderlich – ganze Horden von beamteten Nationalökonomen werden nicht müde, die Notwendigkeit dieser Strategie zu betonen – um die durch das ruchlose Profitstreben einiger weniger „Heuschrecken“ (wer oder was auch immer man sich darunter vorzustellen hat) in Schieflage geratene Banken zu „retten“. Nur der beherzten Intervention Leviathans und seiner Finanzbürokratie sei es zu danken, dass Millionen wackerer BürgerInnen heute noch ein Dach über dem Kopf und einen Arbeitsplatz haben. Gerade noch einmal Glück gehabt!

Doch leider liegt so ziemlich alles, was mit Steuergeldern finanzierte „Experten“ von sich geben, ungefähr so nahe an der Wahrheit wie die gute alte Erde beim Alpha-Centauri – gleich, ob es sich nun ums Waldsterben, das Ozonloch, den Klimawandel, die Schweinegrippe oder eben um die Finanzkrise handelt. Es kommt einfach darauf an, – und zu diesem Behufe wird im Monatstakt eine neue Sau durchs Dorf getrieben – dem Bürger einzubläuen, dass er ohne das segensreiche Wirken seiner großen Vorsitzenden (und deren Beraterklüngel!) rettungslos verloren wäre.

Um auf die Finanzkrise zurückzukommen: Die private Schuldenmacherei in den USA wurde von Staats wegen massiv gefördert und eigens zu diesem Behufe sogar zwei spezielle Organisationen, Fannie Mae und Freddie Mac, ins Leben gerufen. Dass eine Kreditpolitik, welche die Vergabe von Darlehen an Menschen ohne Vermögen erlaubt – also an solche, die keinerlei Sicherheiten bieten können –, ja die nicht einmal über ein regelmäßiges Einkommen verfügen, früher oder später zu Fehlentwicklungen führen musste, sollte nicht überraschen. Die massenhaft eintretende Zahlungsunfähigkeit vieler Debitoren führte am Ende zur tatsächlichen oder zur zumindest drohenden Insolvenz dutzender Banken – allen voran die beiden oben genannten Immobilienfinanzierungsinstitute. Die „Rettung“ dieser maroden Buden mittels Steuergeldern auf dem Wege der Verstaatlichung nun als Folge der entfesselten Gier plutokratischer „Spekulanten“ dazustellen heißt, die Wahrheit glatt auf den Kopf zu stellen.

Es wurden eben nicht, wie vielfach behauptet, dem kleinen Mann abgenommene Steuergelder an die Banken verteilt, sondern es ist der Lastesel jeder Volkswirtschaft – der Mittelstand – der für die Sanierung jener Institute herangezogen wird, welche zuvor die Unterschicht – der politischen Kaste allerliebstes Kind – großzügig mit (in absehbarer Weise nicht rückzahlbarer) Liquidität versorgt hat!

Die seither betriebene, hemmungslos inflationistische Geldpolitik wird Probleme aufwerfen, gegen die sich die zurückliegenden vergleichsweise harmlos ausnehmen.

Denn dass eine massive Zunahme der verfügbaren Zahlungsmittel – bei mehr oder weniger gleichbleibendem Warenangebot – nicht folgenlos bleiben kann, ist klar. Derzeit ist es hauptsächlich dem Unstand zu danken, dass schon wieder gewaltige „Spekulationsblasen“ (diesmal bei Finanzderivaten und Rohstoffen) entstehen, die riesige Geldsummen binden und somit vom für den kleinen Mann relevanten Markt der Dinge des täglichen Bedarfs fernhalten. Hauptsächlich deshalb (und weil ein guter Teil des frisch geschöpften Geldes – noch – in den Tresoren und Büchern der Geschäftsbanken ruht) rollt bislang noch keine generelle Teuerungswelle über uns hinweg.

Im Wesen des heute verwendeten – im Gegensatz zum Warengeld von einst stehenden – „Schuldgeldes“ liegt eine große Gefahr. Wer in jener Zeit, als es noch echtes Geld, also Gold, oder zumindest durch Gold und Silber gedecktes Papiergeld gab, bezahlte oder tauschte man damit einen real existierenden Wert gegen das gewünschte Gut ein (diese Epoche wurde durch Präsident Nixon 1971 endgültig beendet, als er die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold für beendet erklärte. Seither schwimmt die Welt auf einem Meer von deckungslosem Fiat-Money). Wer also heute „Geld“ ausgibt, der gibt lediglich ein Stück Phantasie, das bloße Versprechen eines künftig zu schaffenden Wertes hin. Das ist ein entscheidender Unterschied, der sich – ob die Menschen sich mit diesen Überlegungen bewusst auseinandersetzen oder nicht – auf ihr wirtschaftliches Verhalten, auf ihre Zeitpräferenz, auswirkt. Und da wir bereits seit Jahrzehnten in einer Welt des Fiat-Money leben, denkt auch so gut wie niemand mehr darüber nach – es ist eben einfach „normal“. Was Milton Friedman als „Tyrannei des Status Quo“ bezeichnet hat, kommt in dieser Frage voll zum Tragen.

Dennoch scheint sich wachsendes Unbehagen auszubreiten, was die Kaufkraft des staatlich oktroyierten Schwundgeldes angeht. Die Entwicklung des Goldkurses, der seit Monaten nur eine Richtung kennt: steil nach oben, ist ein (negativer) Spiegel des Vertrauens in die staatlich monopolisierte Währung. Damit scheint es offenbar täglich schlechter bestellt zu sein.

Eine nach dem britischen Kaufmann Thomas Gresham benannte Regel besagt, dass schlechtes Geld gutes Geld verdrängt. Es handelt sich dabei um eine Regel, die nur in einem System zwangsbewehrter Zahlkraftgesetze gilt. Denn wer frei darüber entscheiden kann, welches Zahlungsmittel er akzeptiert, wird sich nicht darauf einlassen, wertlose Papierfetzen an Geldes Statt entgegenzunehmen. In dem Moment allerdings, an dem große Teile der Bürger erkennen, dass aus dem Nichts geschaffenes staatliches Papiergeld einen Wert von Null aufweist (wie es einst Voltaire formuliert hat), wird der großangelegte Schuldgeldschwindel sein Ende finden. Spekulationen darüber, wie man sich dieses Szenario vorzustellen hat, möge jedermann für sich selbst anstellen…

15. November 2009

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