21. Oktober 2009

Meine Quelle Die Geschichte von Herrn K. und seinen ungenannten Kollegen

Der Antikapitalismus in seinem Lauf…

Der „Spiegel“ berichtet heute exemplarisch über Rolf K., dem „die Erschütterung ins Gesicht geschrieben“ stehe. „Bis vor wenigen Wochen war der 46-Jährige im braunen Anzug noch der Mann von der Quelle, bei dem sich jeder freute, wenn er an der Tür klingelte“. Nun hat K. „den dunklen Mantel über den Arm gehängt und steht hilflos vor dem Versandzentrum in Nürnberg“. Die Quelle ist versiegt. Pleite. Die Botschaft vom unsozialen Kapitalismus und dessen Opfern wird überbracht. Das alte Lied…

Was „Spiegel“ und Co. zu erwähnen vergessen sind die vielen zufriedenen Mitarbeiter der in den letzten Jahren neu geschaffenen Versandhäuser, die von Beginn an konsequent aufs Internet gesetzt haben. Die Strategie dieser modernen Firmen war am Markt schlicht erfolgreicher. Die Mitarbeiter dort haben den Menschen ihre Produkte und Dienstleistungen besser oder günstiger anbieten können, zum Vorteil aller.

Die Arbeit von Herrn K. hat sich deshalb als unrentabel herausgestellt, weil die neu geschaffenen Arbeitsplätze von Hernn Kistenhaber und Frau Kostenheber die Kunden besser zufrieden gestellt haben. Der österreichisch-amerikanische Ökonom Joseph Schumpeter sprach in diesem Zusammenhang von der „schöpferischen Zerstörung“ des Kapitalismus. Alte Strukturen müssen fallen, damit neue, eben: bessere, entstehen können.

Dazu kommen in unserer hochpolitisierten Gesellschaft und verstaatlichten Wirtschaft „die Dinge, die man nicht sieht“, auf die der französische Vorgänger Schumpeters, Frédéric Bastiat, so gerne hinwies. Herrn K.s Arbeitsplatz nämlich sollte von der Politik künstlich alimentiert werden. Das Geld für die Technologien und Dienstleistungen von Vorgestern wird dabei produktiven Unternehmen mittels staatlicher Umverteilung genommen. Manch ein zukunftsträchtiger Arbeitsplatz, der ohne die dafür fälligen Abgaben rentabel wäre, konnte deshalb gar nicht erst entstehen. Es sind auch diese fehlenden Arbeitsstellen von Herrn Lastenhuber und Frau Kostengeber, über die der „Spiegel“ leider nicht berichtet.

Und so werden wir, sofern den literarisch so begabten (Merke: Der in seinen Gesichtszügen erschütterte Quelle-Mann trug einen braunen Anzug unter dem dunklen Mantel) Journalisten des „Spiegel“ niemand wirtschaftliche Zusammenhänge im Grundstudium erklärt, in 30 Jahren vollends im Sozialismus aufwachen. Zerstörung ohne Schöpfung. Wir fahren dann alle einen nagelneuen Opel, den unser Vater vor 20 Jahren bei unserer Geburt bestellt hatte, und den freiwillig bei noch bestehenden Alternativen kein Mensch kaufen würde.


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