Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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„Crack-up-boom“ und Hyperinflation: Der Fluch der bösen Tat

von Andreas Tögel

Analyse der aktuellen Wirtschaftslage

Erstaunlich, aber wahr: Selbst von den ebenso staatsverliebten wie -abhängigen österreichischen Massenmedien wird der Begriff „Hyperinflation“ im Zusammenhang mit den gewaltigen Geldmengen, die insbesondere vom US-FED-System in den zurückliegenden zwei Jahren produziert wurden (und immer noch werden!), immer häufiger gebraucht. Langsam scheint auch in den Redaktionsstuben die Erkenntnis einzuziehen, dass die planmäßige Zerstörung von Währungen doch nicht unbedingt das beste Mittel ist, um zu neuer Prosperität zu gelangen. Man muss schon ein auf der Gehaltsliste von Leviathan stehender, auf Desinformation spezialisierter Makroökonom sein, um der Öffentlichkeit das exzessive Bedrucken von Papier als geeignetes Mittel zur Bewältigung einer strukturellen Krise zu verkaufen.

Ein Phänomen, das in unmittelbarer Beziehung zu einer Hyperinflation steht, wird derzeit noch nicht ganz so häufig thematisiert. Es handelt sich um den „Crack-up-boom“ – ein von Ludwig von Mises in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts geprägter Begriff. Der im Deutschen nur etwas umständlich zu beschreibende Sachverhalt kann auch als „Katastrophenhausse“ bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um ein typisches Symptom einer galoppierenden Inflation. Menschen, die ernsthafte Zweifel an der künftigen Werthaltigkeit der (ihnen von einem Staat oder einem Hyperstaat aufgezwungenen) Währung zu entwickeln beginnen, „flüchten“ in Sachwerte und lösen damit eine, meist allerdings nur recht kurz währende, Scheinkonjunktur aus. Historische Musterbeispiele dafür sind die in Deutschland 1922/23 und in Ungarn kurz nach dem Krieg (1946) aufgetretenen inflationären Krisen, die am Ende nur durch umfassende Währungsreformen beendet werden konnten. Dabei kamen besonders die braven Sparer zum Handkuss. An dieser Stelle sei, um Ursache und Wirkung vorsätzlich verdrehenden Begriffsumdeutungen entgegenzutreten, einmal mehr betont, dass „Inflation“ das vermehrte Angebot ungedeckten Geldes bezeichnet und nicht, wie heute üblich, eine allgemeine Teuerung, bei der es sich lediglich um eine Folge der vorangegangenen Geldmengeausweitung handelt.

Die Antwort auf die Frage, ob es die Welt – besonders die Neue Welt – gegenwärtig bereits mit einer „Katastrophenhausse“ zu tun hat oder nicht, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Die von ihrem Genie und dem Triumph ihres Willens überzeugten neoklassischen Mainstreamökonomen, die das Wohlwollen der hohen Politik genießen, halten es nach wie vor für eine großartige Idee, die Notenpressen auf Hochtouren laufen und zur Bewältigung der Krise notfalls Geld von Hubschraubern aus abzuwerfen zu lassen – wie FED-Kapo Ben Bernanke das bereits ernsthaft in Aussicht genommen hat. Von der Allmacht der Bürokraten weniger überzeugte Fachleute, wie etwa der der Österreichischen Schule nahe stehende Thorsten Polleit, Chefökonom bei Barclays Capital und Hochschullehrer in Frankfurt, sehen das indessen anders. Polleit befürchtet, dass die Welt auf ein dramatisches Inflationsszenario zusteuert.

Ein Blick auf die im Zuge der „Wirtschaftsrettung“ bewegten Summen: Unter einer Zahl von 4,6 Billionen (4.600 Milliarden) Dollar – das ist jene Geldmenge, die von der US-Administration allein im Jahr 2008 in die (Banken-) Wirtschaft gepumpt wurde, kann sich Otto Normalverbraucher naturgemäß kaum etwas vorstellen. Um die Dimension dieser – allein in den USA – durch diverse „Rettungspakete“ in die Welt gesetzten Mengen an „fiat money“ fassbar zu machen, hier ein Vergleich: Die Kosten des Marshall-Plans, der Kriege in Vietnam, Korea, Afghanistan und im Irak, sowie des gesamten NASA-Programms inklusive Mondmission zusammengenommen, summieren sich zu einem weitaus kleineren Betrag als dem oben genannten.

Wohlgemerkt: Es handelt sich dabei keineswegs um bereits vorhandene Mittel – um in der Vergangenheit produzierte Vermögen, die hier auf Geheiß der Zauberlehrlinge in den Staatskanzleien für ihre hochgradig dubiose Interventionen verbraten werden. Denn da die amerikanischen Haushalte – im Gegensatz zu den japanischen oder chinesischen – jahrelang „entspart“ – also mehr ausgegeben als eingenommen haben, ist da einfach so gut wie nichts vorhanden. Es handelt sich daher um buchstäblich aus dem Nichts geschaffenes „Geld“ – um Schuldtitel, die von den am Debakel unschuldigen Jungen irgendwann, irgendwie abgetragen werden müssen. Angesichts der nahezu unvorstellbaren Dimension dieser bislang generierten Verschuldung ist es allerdings so gut wie ausgeschlossen, dass diese durch das klassische Mittel des Sparens (des Konsumverzichts) je wieder getilgt werden können. Ohne eine – durch Inflation – künstlich herbeigeführte Entwertung der Schulden wird es also menschlichem Ermessen nicht abgehen.

Zurück zum „Crack-up.boom“: Ludwig von Mises legte – als Kind seiner Zeit – seiner Analyse die Ereignisse der 20er Jahre zugrunde. Da das allgemeine Wohlstandsniveau damals vergleichsweise weit niedriger lag als heute, manifestierte sich die „Flucht aus der Währung“ daher in der sprunghaft zunehmenden Anschaffung von Artikeln des täglichen Bedarfs. Heute dagegen liegen die Dinge anders. Einen dritten Gefrierschrank, einen fünften Fernsehapparat oder eine zehnte Armbanduhr zu kaufen, erscheint vielen unsinnig. Die „Fluchtbewegungen“ unserer Tage spielen sich daher bevorzugt an den Börsen und auf den Immobilienmärkten ab – und sie finden ihren Niederschlag folgerichtig in steigenden Wertpapierkursen und Grundstückspreisen. Besser eine teuer gekaufte Aktie im Safe, so scheinen viele Anleger zu kalkulieren, als einen – demnächst womöglich wertlosen – Geldschein.

Der den Verfall der US-Währung deutlich widerspiegelnde, seit Monaten anhaltende Aufwärtstrend sämtlicher Edelmetallkurse ist ein unübersehbares Signal. Von staatlichen „Experten“ wie zum Hohn unentwegt getrommelte Warnungen vor Goldinvestments werden vom Markt ganz offensichtlich und wohl zu Recht als Kaufempfehlungen gewertet. Bleibt zu hoffen, dass die erstandenen Sachwerte (Platin, Gold und Silber und Diamanten) sicher – aufbewahrt werden. Also nicht im Schließfach bei der Bank um die Ecke, das allfälligen Raubzügen des Fiskus schutzlos preisgegeben ist, sondern möglichst in einem Schweizer Institut deponiert oder in einer uneinsehbaren Ecke des Gartens (am Besten bei Neumond!) vergraben. So kann man dem Drama, das da dräut, einigermaßen beruhigt entgegensehen…

Internet

There Will Be (Hyper)Inflation von Thorsten Polleit

http://mises.org/story/3390

17. Oktober 2009

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