Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Sarrazin, Haider und Obama: Die Welt ein Tollhaus?

von Andreas Tögel

Otto Normalverbraucher als Rudi Ratlos nicht nur in Österreich

Beschleicht auch Sie in jüngster Zeit immer häufiger der Verdacht, die Welt könnte – und zwar noch zu Ihren Lebzeiten – endgültig aus den Fugen geraten? Immerhin werden, keineswegs nur in meiner zum Skurrilen neigenden Heimat Kakanien, von einer breiten Bevölkerungsmehrheit Zustände und Tendenzen mittlerweile als absolut selbstverständlich hingenommen, die vor noch nicht allzu langer Zeit keineswegs als „ganz normal“ erschienen. Oder ereilt nur mich die bei Menschen fortgeschrittenen Alters häufig anzutreffende Drangsal, unausgesetzt die Welt untergehen zu sehen? Ohne mich mit einem Titanen vom Format eines Sokrates auch nur im Entferntesten vergleichen zu können: Auch der beklagte – 2.500 Jahre vor unserer Zeit – allgemeine Verfallserscheinungen. Und dennoch steht die Welt entgegen der von Johann Nestroy vor rund 150 Jahren geäußerten Prognose selbst heute noch. Nun zu den sechs Einzelheiten, die mir als besonders bemerkenswerte Endzeitsymptome erscheinen…

Da wäre einmal der Umstand, dass jene politischen Eliten unentwegt die zunehmende, in sinkenden Wahlbeteiligungen zum Ausdruck kommende, „Politikverdrossenheit“ beklagen, die zur selben Zeit und quer durch die Parteien eine Politik verfolgen, die den Interessen einer Mehrzahl der Bürger offensichtlich zuwiderläuft (Stichworte Zuwanderungspolitik und Islamisierung des „Christlichen Abendlandes“). Fahren dann „radikal rechte“ oder „populistische“ Gruppierungen absehbare Wahlerfolge ein, ist Feuer auf dem Demokratendach. Konsequenz: Wählerbeschimpfung. Sollte es wirklich möglich sein, dass die Mehrzahl der Politfunktionäre zu dumm ist, die begreiflichen und berechtigten Sorgen der von zunehmender Überfremdung und Kriminalität geplagten (mehrheitlich noch autochthonen) Bevölkerung zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren? Oder sind sie einfach arrogant genug zu glauben, sie wären (von „der Vorsehung“?) dazu bestimmt, dem dummen Stimmvieh den rechten (besser: den linken) Weg zu zeigen, der eben schicksalhaft in ein ödes, graues, weltweit einheitliches Bevölkerungsmischmasch führt?

Das führt zum nächsten, auf dieser Plattform bereits mehrfach thematisierten Punkt. Erdreistet sich einmal ein sich um aktuelle Zeitgeisterfordernisse nicht scherender Zeitgenosse – noch dazu ein Angehöriger der rosaroten Nomenklatura wie Thilo Sarrazin –, offenkundige Probleme beim Namen zu nennen, wird darauf nicht etwa mit den Mitteln des offenen Disputs und mit Argumenten reagiert, sondern durch Einschaltung des Staatsanwalts, der kaum kompetent sein dürfte, die getätigten Aussagen hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts zu prüfen. Ein unerhörter, ein haarsträubender Vorgang. Der Vorhang zum letzten Akt der Beseitigung letzter Reste von Meinungsfreiheit scheint sich damit gehoben zu haben.

Drittens: Dass in Deutschland die Nachfolgeorganisation jener Einheitspartei, die vor gerade zwei Jahrzehnten noch auf ihre eigenen Bürger schießen ließ, deutlich über das Niveau einer Kleinpartei hinauswachsen kann und sogar im Westen des Landes beachtlichen Wählerzuspruch findet, ist für einen Zeitzeugen, der anno 1989 den Exodus Hunderter „Ossis“ an der österreichisch-ungarischen Grenze hautnah miterleben durfte, geradezu bizarr.

Viertens: Vor exakt einem Jahr kam der Volkstribun, „Rechtpopulist“ und Landeshauptmann (Ministerpräsident) von Kärnten bei einem Autounfall ums Leben. Für die linke Journaille – konkret die des Staatsfunks ORF – Anlass genug, dem Mann zur besten Sendezeit aufs Grab zu pissen. Keine Frage, der Mann war das, was man ein „schillernde Figur“ nennt. Ohne jemals Großtaten von bleibendem Wert zu setzen, hat er es, gerissenes politisches Naturtalent das er war, geschafft, seine Partei für den schlichten Mann glaubwürdig als die bessere Sozialdemokratie zu positionieren und damit den von ihm als „Altparteien“ apostrophierten Wettbewerbern – insbesondere den Sozialisten – kräftig einzuheizen. Nun ist es keineswegs nötig, einem Toten posthum Rosen zu streuen. Wenn aber im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (wie auf Ö1 kürzlich geschehen) nicht der tote, verhasste politische Gegner selbst, sondern dessen um ihren Vater trauernden Töchter zur Zielscheibe von Spott und Hohn werden, dann sind die letzten Grenzen von Anstand, die man selbst vom tiefroten Staatsfunk erwarten sollte, überschritten. Dass der ORF – mit all seinen Programmen – laufend Marktanteile verliert, ist angesichts dieser genüsslich zelebrierten, kaum noch zu überbietenden Niedertracht (die von den Verantwortlichen vermutlich für brillante Satire gehalten wird) wahrhaftig kein Wunder.

Fünftens: Die Tatsache, dass das vor einem Jahr erfolgte Begräbnis Haiders unbestreitbar mit einigem Pomp und gehörigem Pathos inszeniert wurde, können die quasi beamteten Meinungsmacher offenbar noch heute nicht verwinden. Daher sei daran erinnert, dass ein gewisser Bruno Kreisky, der sieben Jahre, nachdem er die politische Bühne als entthronter Ersatzkaiser frustriert verlassen hatte und als Rentner und Privatmann starb, entgegen allen Gepflogenheiten ein pompöses, kostspieliges Staatsbegräbnis erhielt. Daran nahmen die roten Lohnschreiber bis heute keinerlei Anstoß. Es ist daher – zumindest in den Augen dieser dubiosen Zunft – selbst nach dem Tode nicht egal, wo einer politisch stand. Vermeintlich „Rechte“ (Haider war alles andere als das!) sollten nach deren Vorstellung, wie es scheint, ohne weitere Umstände, am Besten auf der nächstgelegenen Mülldeponie verscharrt werden…

Und schließlich sechstens: Dass kürzlich ein anderer – wenn auch erheblich stärker pigmentierter – begnadeter Selbstdarsteller den Friedensnobelpreis entgegennehmen durfte, für Leistungen, die er nicht etwa bereits erbracht hat, sondern die von ihm in der ihm eigenen, aus allen Poren Selbstbewusstsein ausdünstenden Art, lediglich angekündigt wurden, schlägt dem Fass den Boden aus. Unbegreiflich, dass eine Persönlichkeit wie der Dalai Lama den schwarzen Mann im Weißen Haus auch noch zu diesem Coup beglückwünschte; einen Mann also, der ihm – um die menschenverachtenden Kommunisten der chinesischen Führung nicht zu brüskieren – eben einen veritablen Tritt versetzte. Stattdessen wäre es wohl angebracht gewesen, seinen eigenen Preis wegen dessen nunmehr endgültig erwiesener Bedeutungslosigkeit zu retournieren...

Wie lässt es der oben zitierte Johann Nestroy einen seiner Protagonisten im „Lumpazivagabundus“ ausdrücken: „Die Welt steht auf keinen Fall mehr lang…!“

13. Oktober 2009

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