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Sozialhilfe: Die Scheinheiligkeit des Thilo Sarrazinvon Chris Vigelius Eine Symptombeschreibung ersetzt keine Diagnose Nein, gelogen hat er nicht, der ehemalige Berliner Finanzsenator Sarrazin. Seine Beschreibung der Zustände in großen Teilen der staatlich alimentierten, bildungs- und integrationsfernen Unterschichten ist keineswegs übertrieben. Das kann jeder bestätigen, der sich auch nur kurze Zeit mit den Realitäten rund um die einschlägigen Milieus, die sich übrigens abseits von Nationalität und Herkunft in ihren Sitten und Gebräuchen erstaunlich wenig unterscheiden, beschäftigt hat. Klar ist: Die bisherige Sozial- und Integrationspolitik hat auf voller Linie versagt. Und das darf man nicht nur sagen, nein, das muss man sogar. Man löst keine Probleme, indem man die Augen vor ihnen verschließt. Trotzdem agiert Sarrazin nicht weniger scheinheilig als seine Kritiker, die nun zum medialen Kesseltreiben blasen. Denn die von ihm wortreich gegeißelten Missstände sind nur Symptome, sind logische Folge einer über Jahrzehnte gewachsenen Struktur von Fehlanreizen, zu deren Architekten nicht zuletzt seine Parteifreunde aus der SPD zählen. Diese Fehlanreize sind nicht deswegen problematisch, weil sie von bestimmten Gruppen exzessiv ausgenutzt werden. Problematisch ist vielmehr schon ihre schiere Existenz: Eine Gesellschaft, die Leistung bestraft, eine Gesellschaft, in der Spitzensteuersätze schon ab einem besseren Facharbeiterlohn fällig werden, während am unteren Ende derjenige einen realen Einkommensverlust hinnehmen muss, der arbeiten geht, anstatt es sich in der sozialen Hängematte bequem zu machen, eine Gesellschaft, die es finanziell honoriert, wenn Einkommenslose ohne jedes Verantwortungsbewusstsein immer weitere Kinder in die Welt setzen, die sie niemals aus eigener Kraft versorgen können: Eine solche Gesellschaft braucht nicht empört zu tun, wenn es Menschen gibt, die sich an diese Gegebenheiten anpassen und ihr Leben entsprechend ausrichten. Dazu schweigt Sarrazin, obwohl man ihm -dumm ist er mit Sicherheit nicht- durchaus zutraut, dies erkennen zu können. Seine Forderung, in Zukunft Einwanderern nicht mehr sofort Zugang zu den Sozialsystemen zu gewähren, ist dafür nicht nur kein Ersatz, sondern führt gefährlich in die Irre. Denn die Fehlanreize wirken keineswegs nur auf Einwanderer, sie wirken genauso auf die autochthone Bevölkerung, mit den gleichen Folgen. Sie fällt bei ersteren nur deswegen stärker auf, weil aufgrund der massiven Fehlanreize praktisch nur noch Leistungsunwillige und -fähige einwandern, während alle anderen, vor allem gut ausgebildete und leistungswillige Fachkräfte, um Deutschland in der Regel einen großen Bogen machen. Und die wenigen, die trotzdem kommen wollen, dürfen oft nicht. Denn die üppige Alimentierung ist beileibe nicht der einzige Fehlanreiz, mindestens genauso fatal wirkt ein Ausländerrecht, das immer noch von dem im Kern national-sozialistischen Gedanken der Abschottung des deutschen Arbeitsmarkts gegen "Fremdarbeiter" beseelt ist, das arbeitswillige Zuwanderer mit Willkür und bürokratischen Schikanen traktiert, und dessen völlige Absurdität sich am offensichtlichsten im Begriff der sogenannten "Arbeitserlaubnis" manifestiert, die jeder Ausländer braucht, wenn er sich an der Mehrung des allgemeinen Wohlstands und der Finanzierung des Staatswesens beteiligen möchte. Eine solche Arbeitserlaubnis bekommt, wenn überhaupt, höchstens derjenige, der sich auf ein nicht selten monatelanges Spießrutenlaufen bei zig Behörden und Institutionen einlässt. Selbst wer -mit Abitur und tadellosen Deutschkenntnissen- nur für ein paar Monate als Au Pair in Deutschland leben und arbeiten möchte, lernt als erstes: In Deutschland gibt es viele, viele Behörden, und die wollen alle irgendwie beschäftigt werden. Weder Erlaubnis noch Einkommensnachweis braucht dagegen derjenige, der einen ausländischen Partner heiratet und anschließend samt Kindern von Sozialhilfe lebt. Vor allem dann nicht, wenn beide Partner aus dem nahen Osten stammen; bei "eingeborenen" Deutschen mit geregeltem Einkommen und Partnern aus Osteuropa oder Fernost soll es dem Vernehmen nach dagegen durchaus öfter zu Problemen mit Behörden kommen. Die Gründe dafür sind unklar, jedenfalls solange man nicht Verschwörungstheorien anhängt, Fakt ist aber: Diese Art der Einwanderungspolitik führt innerhalb der Gruppe der Einwanderer zu einer zusätzlichen Negativauslese, da ungebildete und einkommenslose Einwanderer natürlich vorzugweise innerhalb ihrer eigenen Bildungsschicht heiraten. Für die gut ausgebildete angehende Ärztin aus Istanbul stellt der -nicht selten noch mit archaischen Vorstellungen über die Rolle der Frau brillierende- deutsch-türkische, arbeitslose Analphabetenproll aus Neukölln sicher nicht gerade den Traumprinzen dar, auf den sie ihr Leben lang gewartet hat. Hauptleidtragende dieser Negativauslese sind neben der Volkswirtschaft nicht zuletzt die Einwanderer, auf die die genannten Kriterien nicht zutreffen, denn das Klischee des arbeitsscheuen Krawallmachers und Gewalttäters wird in der öffentlichen Wahrnehmung letzten Endes auf alle Angehörigen des jeweiligen Kulturkreises angewandt, auch wenn es in vielen Fällen überhaupt nicht zutrifft. Um es bewusst platt zu sagen: Nicht "die Türken" oder "die Araber" sind dumm und faul, sondern die deutsche Politik begünstigt im Effekt die Zuwanderung dummer und fauler Türken und Araber. Dafür können aber weder Türken noch Araber etwas. Man mag Sarrazin zugute halten, eine Debatte über dieses wichtige Thema angestoßen zu haben. Einen signifikanten Beitrag zur Ergründung der Ursachen oder gar tragfähige Lösungsansätze hat er jedoch nicht geliefert. Internet
04. Oktober 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareLion Edler , am 05. Oktober 2009 um 1:34 ( Link ) Sarrazin benennt in seinem Interview im "Lettre international" wahrlich nicht nur "Ausländer" als Problem. Auch hat er sich bei seinen Forderungen nicht darauf beschränkt, dass Ausländer-Zuzug nur für "Hochqualifizierte" möglich sein soll, insofern finde ich die Analyse im Artikel fehlschlagend. Mal davon abgesehen, dass ich die im Artikel zum Ausdruck kommende Forderung nach mehr Einwanderung (auch wenn es sog. "Hochqualifizierte" sein sollten) nicht teile: Sarrazin kann man m.E. auch nicht vorwerfen, dass er mit den Ausländern nur "eine Sau durchs Dorf treibt", weil er - und zwar schon während seiner Amtszeit - immer wieder gegen alle möglichen Gruppierungen vom Leder gezogen hat. Jeder bekommt sein Fett weg. Das macht ihn umso sympathischer bei mir. Er ist der einzige Sozi, dem ich guten Gewissens mein Haustier ausleihen würde, wenn ich eines besäße. EEkat , am 05. Oktober 2009 um 2:11 ( Link ) na, nen Floh sollte sich doch auftreiben können. Im übrigen: sehe ich genau so Man kann Sarrazin doch nicht vorwerfen wollen, daß er nicht gleich das gesamte Elend der BRD in seinem Vortrag hat unterbringen, udn dann auch gleich noch abstellen können. Der würde dann wohl gleich an Ort und Stelle geteert und gefedert werden. Darüber hinaus: war es nicht SchröderGerhard, der eine deutsche Greencard einführte, für 15000 Hochqualifizierte, die bei uns hätten arbeiten mögen? Da wurden ausgefeilte Kriterien aufgestellt, unter denen man bereit war solche Leute bei uns reinzulassen. Studienqualifikation, Haftungs-Erklärungen des zukünftigen Arbeitgebers über die maximale Laufzeit der Beschäftigung, und dergleichen mehr. Der übliche Flop der Sozialisten. Wir tun was. Dafür kam Anatolien, und Beirut-Nord. Die bauen jetzt bei uns Moscheen. Hauptsächlich von unserem Steuer-Geld. Nur kann man das alles wohl kaum einem Sarrazin vorwerfen wollen, nur weil er der einzige ist, der überhaupt mal was dazu sagt. Auch hat es solange nichts mit der SPD alleine zu tun, solange es absolut keine andere Partei gibt, die da zu einer anderen Politk greift, und uns dies auch kommuniziert. Auch übrigens die FDP nicht, die ohnehin seit Möllemann einen islamischen Schlag hat. E.Ekat chrisv , am 05. Oktober 2009 um 2:19 ( Link ) @EEkat: Was soll uns dann Ihr Beitrag sagen? Steht doch drin: Das Kernproblem ist der überbordende Sozialstaat, der Faulenzerei belohnt und Leistung bestraft. Die dazu passende Therapie dürfte auf der Hand liegen. @Lion Edler: Was die Einwanderung angeht: In Abwesenheit eines Sozialsystems wird jeder Einwanderer zwangsläufig einen positiven Beitrag zur Volkswirtschaft leisten. Es bleibt ihm ja gar nichts anderes übrig. Wie kann man da dagegen sein? Viscount , am 05. Oktober 2009 um 2:56 ( Link ) @chrisv (...) nur dass Sarrazin eben einen Staat will der andere Akzente setzt. Damit treffen Sie nicht nur in der causa Sarrazin den Nagel auf den Kopf, wenn Sie sich nämlich die Lösungen für derartige (und eigentlich alle) Schwierigkeiten ansehen, die von (allen!) Parteien gemeinhin angeboten werden, so liegt in der Natur der Sache, daß es sich bei diesen immer um etatistische Lösungen handelt, die sich allenfalls hinsichtlich der gerade noch für erträglich gehaltenen Regelungsdichte unterscheiden. Einen grundlegenden Gegenentwurf finden Sie nirgends. Denn um auf den zu kommen, müsste man den Weg, den Sie angedacht haben, an sein konsequentes Ende denken. Bei der quotierten Einwanderung mit all den Kalamitäten, die Sie im Artikel anreißen, verhält es sich nämlich nicht anders als beispielsweise mit der Milch in Brüssel oder mit der Banane in der DDR: Wo immer sich staatliche Agenturen aufmachen, etwas zentral zu planen und Kontingente festzusetzen, dort wird's meistens sehr bald sehr dunkel. Selbstverständlich können Sie sich auf den Standpunkt stellen, daß der Staat Sie und andere idealerweise in Ruhe lassen sollte—wäre dieser Zustand erreichbar, wäre ich der erste, der dies als lange fällige Glückseligkeit beklatschte. Nur übersehen Sie dabei eben, daß der Staat grundsätzlich gar nicht anders kann, als die Leute nicht in Ruhe zu lassen, denn genau das ist seine originäre Aufgabe. Davon abgesehen haben Sie aber hinsichtlich der Lösung vollkommen recht. EEkat , am 05. Oktober 2009 um 10:07 ( Link ) @chrisv. Für meine Begriffe ist es nicht möglich, eine Diagnose anzubringen, die in der Festsetzung gipfelt: "Eine Symptombeschreibung ersetzt keine Diagnose" Warum die Forderung einer Diagnose in diesem Zusammenhang überzogen sein muß ergibt sich aus der Unterstellung, daß hier eine absolute Erkenntnis möglich wäre. Das mag zwar theoretisch der Fall sein, irdischen Bewohnern dürfte diese jedoch regelmäßig verschlossen bleiben. Wir haben es hier mit menschlichen Belangen, also Wertungen zu tun und nicht mit naturwissenschaftlichen Zusammenhängen. Dem immer wieder falschen Ansatz, dies zu vermengen, nicht auseinanderhalten zu können geben sich besonders gerne Sozialisten hin. Der dem Sarrazin zur Verfügung stehende Rahmen hatte weder eine Diagnose beabsichtig, noch ist eine solche also aufgrund des nicht naturwissenschaftlichen Charakters der von ihm geschilderten Symptome überhaupt möglich. Man muß sich auf andere Weise zu nähern versuchen und sollte dabei vor allem jeden Anschein von erreichbarer Gewißheit, welche bei einer Diagnose unterstellt wird, vermeiden. Über Sarrazin zu verbreiten, diese dennoch zu schulden, weil er lediglich eine Symptombeschreibung geliefert habe und ihn wegen vermeintlicher Nichterbringung als scheinheilig zu bezeichnen, diese Art der Auseinandersetzung ist nicht zu unterscheiden von Forderungen an ihn nach Rücktritt, Rückzug, Entfernung oder Bestrafung. Damit muß die Intention dieses Artikels hinterfragt werden. Was uns dieser Artikel dann also sagen soll, auch weil er nach der gewählten Form der einführenden Abqualifizierung deutlich mehr zu leisten vorgibt, als von ihm selbst überhaupt jemals gehalten werden kann. E.Ekat Kurt_G , am 05. Oktober 2009 um 11:30 ( Link ) es ist eine Tragödie wenn erkannt scheint wie türkische Mädchen nach Anatolien ausgeheiratet werden um danach aber mit Anhang hier wieder ein/anzureisen um die eigenen kulturelleren Vorstellungen von Großfamilie in einer 2 Zimmerwohnung in Deutschland auf Kosten der Allgemeinheit bequemer durchsetzen zu können. In der Türkei etwa - dem Land aus denen solche Einreiser in unsere Sozialsysteme kommen - gibt es vergleichbare Transferleistungen wie in der Bundesrepublik nämlich überhaupt nicht. So ist es verständlich wenn ein türkischer Jungvater seiner Frau aus Anatolien die notwendigen Deutschfetzen eintrichtert damit anschließend ein bequemes Großfamilienleben in Deutsch(l)and möglich ist. Der deutsche Steuerzahler forciert, zumindest aber begünstigt somit (unfreiwillig gezwungen) diesen Nachzug in diese Sozialsysteme. Erst in zweiter Linie werden diese Nachzüge aus großosmanischen Interessen durchgezogen. Aber es bleibt was es ist. Eine (noch unblutige) Inlandnahme übelster Sorte. Mal schauen wie lange noch. Dank unserer Großfamilienbetreuung durch unsere Mutter der Diktatur - Frau von der Leyen - die mit der Erfindung der Wurfprämie diese Schweinerei erst so richtig attraktiv gestaltet hat wird es in absehbarer Zeit eine kleine Großtragödie geben. So wie ich - haben immer weniger Menschen in Deutschland keine Lust mehr zu arbeiten. Und das nicht nur, weil nicht mehr das geringste Interesse vorhanden ist diese Heimatschädigende Politik der Großsozialisten aller Parteien zu unterstützen die unser Land verraten und noch weniger Enthusiasmus habe jene - eine Fundamentalistische Ideologie (Christentum) durch die Andere - noch Gefährlichere (Islam) - zu ersetzen. Gelacht werden darf trotzdem. Denn wo er recht hat er recht. Haderach , am 05. Oktober 2009 um 11:30 ( Link ) Der Import Transferleistungsanhängiger ist doch Parteiprogramm aller Linken. nl , am 05. Oktober 2009 um 13:55 ( Link ) > Das Kernproblem ist der überbordende Sozialstaat, der Faulenzerei belohnt und Leistung bestraft. Aha. Der ÜBERBORDENDE Sozialstaat, nicht der Staat oder der Sozialstaat sind das Kernproblem. Vielen Dank für die ehrlichen Worte. EEkat , am 05. Oktober 2009 um 14:21 ( Link ) hihi chrisv , am 05. Oktober 2009 um 15:32 ( Link ) @EEkat: Ansonsten ist es natürlich scheinheilig, wenn Etatisten die Probleme, die ihr eigener Etatismus produziert hat, nunmehr ausschließlich den Leistungsempfängern anlasten. Das ist wie wenn ich die 500-Euro-Scheine bündelweise aus dem Fenster werfe und anschließend "haltet den Dieb!" brülle, wenn sich jemand erdreistet, ein paar aufzuheben und einzustecken. @nl: Minarchist , am 05. Oktober 2009 um 18:20 ( Link ) Der "Staat" also - jene "Fiktion, nach der sich jedermann bemüht, auf Kosten jedermanns zu leben." (Bastiat) Oder lassen wir Mises sprechen: "Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat. Das Wesen der Staatstätigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zu zwingen, sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antriebe verhalten würden." Lion Edler , am 05. Oktober 2009 um 19:34 ( Link ) An chrisv: Aber der Punkt ist ein Anderer: Ich bezog mich mit meinem Kommentar auf folgende Aussage in dem Artikel: Ich kann aus den von mir genannten Gründen nicht erkennen, dass Sarrazin hier in die Irre führt, und dass er zu einem Bild beiträgt, welches die genannten Fehlanreize nur bei Ausländern erkennt. Auch halte ich den Vorwurf der "Scheinheiligkeit" in dem Zusammenhang für völlig unpassend, weil seine von Ihnen als etatistisch bezeichneten Positionen ja offenbar seiner Überzeugung entsprechen, er also z.T. nicht erkennt, dass diese Politik die genannten Fehlanreize bestärkt. Würde er um diese Zusammenhänge wissen, könnte man ihm Scheinheiligkeit vorwerfen. Und was die Einwanderer betrifft, reduziere ich diese Angelegenheit eben nicht nur auf finanzielle Gesichtspunkte. Für mich ist es schon auch wichtig, dass eine kulturelle und sprachliche Identität (das heißt auch: Dominanz von Muttersprachlern anstatt nur gerlernten Deutsch-Sprechenden) in gerütteltem Maße bestehen bleibt. EEkat , am 05. Oktober 2009 um 19:52 ( Link ) @ChrisV ---Ich fordere weder Rücktritt noch Bestrafung nee. Tun Sie nicht. ---noch sonstwas, naja. Sie forderten eine fehlende Diagnose ein, ein Defizit, aufgrund er von Ihnen verurteilt wird. Ihr Urteil lautete übrigens: scheinheilig. ---sondern sage nur meine Meinung, genau wie Herr Sarrazin. Was Sie daran nun genau stört erschliesst sich mir nicht. Was mich daran stören würde, wenn Sie Ihre Meinung sagen? Garnichts. Ich versuche nur im Rahmen meiner eigenen Meinungsäußerung aufzuzeigen, was an ihrer "Diagnose" womöglich nicht zutreffen könnte. Ist es nicht das, was man eine Diskussion nennt? Ist dies zuviel? ---Ansonsten ist es natürlich scheinheilig, wenn Etatisten die Probleme, die ihr eigener Etatismus produziert hat, nunmehr ausschließlich den Leistungsempfängern anlasten. Mag ja alles sein. Aber hier äußert sich Sarrazin keineswegs in der ihm von Ihnen unterstellten Weise. Er macht klar, was er kritisiert, und führt aus, daß man dies gerade nicht weiter unterstützen kann. Das werfen Sie ihm nun vor, nennen ihn deswegen scheinheilig. Dann wird er wohl gerade in der Öffentlichkeit aufgrund einer Scheinheiligkeit abgewatscht. Ich hätte ihn eher als ein Opfer gesehen. Einer gegen ihn gerichteten öffentlichen, kollektiven Kampagne, der man u.a. Scheinheiligkeit zumessen könnte. An der Sie, wie ich lese, teilzunehmen wünschen. ---Das ist wie wenn ich die 500-Euro-Scheine bündelweise aus dem Fenster werfe und anschließend "haltet den Dieb!" brülle, wenn sich jemand erdreistet, ein paar aufzuheben und einzustecken. Ein schönes Bild. Demnach ist er in seiner kritisierten Rede dafür eingetreten, ungehemmten weiteren Zuzug von türkischen Gemüsehändlern zu ermöglichen, also um in Ihrem Bild zu bleiben, weiterhin 500 Euro-Scheine aus dem Festern werfen zu wollen. Darüber also regt sich die Öffentlichkeit gerade auf. Vielleicht verstehe ich die öffentliche Reaktion nun etwas besser. Allerdings liegen uns beiden dann wohl jeweils verschiedene Versionen seiner Rede vor. E.Ekat nl , am 05. Oktober 2009 um 20:03 ( Link ) > Diese Haarspalterei ist kindisch und Sie wissen das. Ach, ist es das? Dass ich seit Jehren festellen kann, dass sich bestimmte Personen, darunter Sie, wie Dr. Jekyll und Mr. Hide verhalten, ist kindisch und haarspalterisch?! > während sich auf der anderen Seite mit sinkendem (Sozial-)Staatsanteil auch das Problem verkleinert. Nur die Symptome, nicht das Problem selber. > Ob und wann es unter die Wahrnehmbarkeitsschwelle fällt, ist ebenso eine Frage der individuellen Empfindlichkeit wie für die aktuelle Situation irrelevant. Wenn Sie das als Minimalstaatsfritze nur hedonistsch sehen, dann muss man das wohl schreiben. Ich find's trotzdem richtig dumm. nath , am 06. Oktober 2009 um 9:38 ( Link ) Sarrazin ist in seiner Zeit in Berlin jedenfalls konsequent für eine Verkleinerung der Verwaltung und eine Minimierung der Staatsausgaben eingetreten, was zum Schluß sogar zu einem ausgeglichenen Haushalt geführt hat. (Leider machen seine Nachfolger das gerade wieder kaputt.) Die Scheinheiligkeit sehe ich also eigentlich nicht - eher noch mangelnde Erkenntnis. Uwe Böttjer , am 06. Oktober 2009 um 18:36 ( Link ) Immerhin, ein Anfang ist gemacht, von einem Prominenten, dem man schon aufgrund seiner früheren polarisierenden Beiträge aufmerksamer zuhört.Diese Erkenntnisse gab es in Wohlfahrts-Fachkreisen schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Sie durften damals auch nicht öffentlich geäußert werden, aber man wähnte sich noch in einem Land ewigen Reichtums, wo verschwenderischer Umgang mit den Steuermitteln folgenlos bleiben würde. Der Unterschied zu heute ist, immer mehr Menschen erkennen, dass wir uns diese Leistungen nicht mehr erlauben können und der Traum vom ewigen Wohlstand ausgeträumt ist. Nun geht`s an das Eigene! RichardT , am 07. Oktober 2009 um 8:52 ( Link ) Eine Symptombeschreibung ersetzt keine Diagnose aber erst wenn ich überhaupt mal anfange über die Krankheit zu reden kann ich auf Heilung hoffen. Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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EEkat , am 05. Oktober 2009 um 0:52 ( Link )
Erweitern wir mal die Schlußfolgerung einer Scheinheiligkeit aus Ihrem Vortrag, wonach Sympthombeschreibungen eine Diagnose nicht ersetzten.
Was soll uns dann Ihr Beitrag sagen?