02. Oktober 2009

Wetterscientology Die Kriminologie der Klimatologie

Über die Politisierung der Wissenschaften

„Ein weltweiter Klimaschutzvertrag muss geschlossen werden, auch wenn es keinen wissenschaftlichen Beweis für die Existenz des Treibhauseffektes gibt“, so Richard Benedick, Präsident des National Council for Science and the Environment.

Im Dezember soll im Kopenhagen das Nachfolgedokument zum Kyōto-Abkommen beschlossen werden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. „Wenn wir scheitern, gehen wir das Risiko ein, künftige Generationen einer unumkehrbaren Katastrophe auszusetzen“, erklärte US-Präsident Barack Obama bei der Eröffnung der Vorbereitungskonferenz letzte Woche. Finanzminister Steinbrück warnte, andere Staaten gingen in den Konferenzen nicht weit genug. „Die Zeit läuft uns nicht nur davon, sie ist fast um“, warnte der Chef des Weltklimasekretariats, Yvo de Boer.

Bei den Verhandlungen geht es zuvorderst um eines: Geld. Fünf Milliarden Euro würde allein die Europäische Union den Entwicklungs- und ärmeren Schwellenländern bezahlen, damit diese die Kohlendioxid-Emissionen reduzieren. Dies soll natürlich der Steuerzahler aufbringen, dem bereits jetzt allein in Deutschland 18 Milliarden Euro über die Ökosteuer genommen wird.

Logisches Problem in alarmistischer Kausalitätskette

Während sie nach noch mehr Macht und einem noch größeren Teil unserer Arbeit greifen, stützt sich die Politik auf die Aussagen des IPCC. Dieses behauptet, „der Großteil des beobachteten Anstiegs globaler Durchschnittstemperaturen seit Mitte des 20en Jahrhunderts wurde sehr wahrscheinlich durch den beobachteten Anstieg in menschengemachten Treibhausgasen verursacht.“ Wie kommt man darauf? Nun, „beobachtete Wärmeverteilungen und ihre Änderungen (in den vergangenen 50 Jahren) werden nur durch Modelle simuliert, die menschengemachte Einflüsse einschließen.“ (IPCC 2007)

Es gab in der jüngeren Erdgeschichte mehrere ungewöhnliche Erhöhungen der lokalen Wärme: die römische Warmperiode und die mittelalterliche Warmperiode (der die kleine Eiszeit im 15. bis in das 19. Jahrhundert folgte). Genauso wenig, wie die Modelle in der Lage sind, die Änderungen der letzten 50 Jahre ohne „menschengemachte Einflüsse“ zu erklären, könnten sie die römische und mittelalterliche Warmperioden ohne solche Einflüsse erklären. Es gab solche „menschengemachten Einflüsse“ im römischen Zeitalter und im Mittelalter nicht. Diese Warmperioden stellen ein Problem für die Alarmisten des IPCC dar. Dummerweise sind diese Warmperioden gut dokumentiert, zum Beispiel durch historische Berichte, aber auch durch Messungen etwa an Erdbohrkernen (Huang et al 1997).

Baumringe zuhilfe

Mitte der 1990er Jahre veröffentlichte der Klimatologe Keith Briffa sensationelle Ergebnisse. Auf Basis der Ausmessung von Baumringen aus einem bestimmten Gebiet – dem „Polar Ural“ Datensatz – rekonstruierte er den historischen Temperaturverlauf (Briffa 1995). Sein erstaunliches Ergebnis: Die mittelalterliche Warmperiode habe nicht existiert. Eine Erwärmung wie im 20. Jahrhundert sei vorher nie dagewesen. Michael E. Mann, ebenfalls Klimatologe (Mann et al 1998), folgte drei Jahre später mit einer ähnlichen Untersuchung – auf Rohdaten-Basis unter anderem von Briffa – und gleichfalls mit dem Ergebnis, die mittelalterliche Warmperiode habe nicht existiert und eine Erwärmung wie im 20. Jahrhundert sei nie dagewesen. Briffa und Mann brachten als IPCC-Autoren ihre Kurve im IPCC-Bericht von 2001 unter. Diese berühmte „Hockeyschlägerkurve“ sollte geradezu zum Logo des IPCC werden. Es gab keine mittelalterliche Warmperiode mehr – und somit kein Problem in der Argumentationskette der Alarmisten, die Erwärmung im 20. Jahrhundert sei nur durch menschengemachte Einflüsse zu erklären. Ohne dieses Problem müssen die Alarmisten nicht erklären, wieso die Klima-Programme die historischen Warmperioden nicht nachvollziehen können und warum man den Katastrophenszenarien dieser Programme dann überhaupt trauen sollte.

Nachprüfungs-Krimi

Ein wissenschaftliches Ergebnis muss nachprüfbar sein. Wissenschaftliche Veröffentlichungen sollen deshalb alle Informationen enthalten, die Andere benötigen, um die Untersuchung nachzustellen. Wissenschaftliche Zeitschriften verlangen diese Daten entweder im Artikel selber oder so, dass sie sie etwa über die Homepage der Zeitschrift an Interessenten weitergeben können. Mann, Briffa und die übrigen Klimatologen, die untereinander ihre Daten austauschen und gegenseitig ihre Veröffentlichung für Zeitschriften prüften – das „Hockey-Team“ – werden aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Gerade in der Klimaforschung hat die Öffentlichkeit ein großes Interesse zu erfahren, wie jene Ergebnisse produziert werden, auf deren Grundlage die Politik weitreichende Eingriffe in das Leben ihrer Bürger rechtfertigt. Die Geschichte von den Hürden, die Prof. Mann vor die Nachvollziehbarkeit seiner Ergebnisse aufbaute und welche die zwei Kanadischen Statistiker Steve McIntyre und Ross McKitrick endlich überwanden, würde einen Artikel für sich füllen. McIntyre und McKitrick schafften es schließlich, Manns Hockeyschläger als Fabrikat seiner statistischen Methoden zu entlarven (McIntyre und McKitrick 2005). Auch der „Polar Ural“-Datensatz, die Rohdatenbasis von Briffa, Mann und dem übrigen „Hockey-Team“, gab ohne statistische „Massage“ keinen Hockeyschläger her.

Doch das „Hockey-Team“ hatte noch einen anderen Datensatz, den sie von nun an verwendeten: Bereits in einer Veröffentlichung Briffas aus dem Jahre 2000 (Briffa 2000) verwendete dieser Baumringdaten aus dem Yamal-Gebiet. Diese Daten waren von den russischen Forschern Hantemirov und Shiyatov gesammelt worden. In deren Auswertung der Yamal-Baumringdaten (Hantemirov und Shiyatov 2002) ließ sich seltsamerweise kein besonderer Trend für das 20. Jahrhundert finden. McIntyre bat Briffa um die verwendeten Yamal-Baumringdaten, um dessen Methode nachzuvollziehen und mit den Daten Hantemirovs und Shiyatovs zu vergleichen. Er erhielt eine Abfuhr.

Nun verlangt „Science“ als wissenschaftliche Zeitschrift von seinen Autoren, dass sie solche Daten über die Redaktion verfügbar machen. Also fragte McIntyre bei „Science“ an. Nach einigem Hin und Her zog sich die Redaktion darauf zurück, dass die Daten ursprünglich aus einer anderen Veröffentlichung Briffas als jener aus „Science“ stammten und deshalb nicht ihren Veröffentlichungsbedingungen unterlagen. In der Zwischenzeit wurden Briffas Yamal-Daten in anderen Temperatur-Rekonstruktionen der Alarmisten eingesetzt (zum Beispiel in Mann und Jones 2003, Jones und Mann 2004, Moberg et al 2005, D'Arrigo et al 2006, Osborn und Briffa 2006, Hegerl et al 2007). Doch sie blieben für Außenseiter nicht nachvollziehbar, da das „Hockey-Team“ die Rohdaten nicht veröffentlichte.

Dann erschien wieder eine Veröffentlichung Briffas, die den Datensatz aus Yamal verwendete, diesmal in den „Philosophical Transactions of the Royal Society“ (Briffa 2008). McIntyre versuchte auch von dieser Zeitschrift mit Hinweis auf ihre Veröffentlichungsbedingungen, Briffas Yamal-Daten zu erhalten -- und bekam eine Zusage. Briffa sollte dies noch ein Jahr verzögern. Doch vor wenigen Tagen hielt McIntyre endlich Briffas Daten in Händen; jene Daten, mit denen das IPCC immer noch die Hockeyschläger-Kurve verteidigt; mit denen die Existenz der mittelalterlichen Warmperiode geleugnet wird und die somit das logische Problem in der Argumentationskette der Alarmisten beseitigen soll. Was würde McIntyre finden?

Den Klimawissenschaftlern unters Sofa geschaut

Die „Wissenschaftler“, welche der Menschheit den Anstieg der meisten lokalen Bodentemperaturen im 20. Jahrhundert als „nie dagewesen“ und „nur durch menschengemachte Einflüsse erklärbar“ präsentierten, verbargen erst aktiv ihre Methoden. Als nach zähem Ringen ihre statistischen Methoden und Datenbasis als unbrauchbar entlarvt wurden, zogen sie sich auf eine neue Datenbasis zurück. Auch diese wurde jahrelang aktiv der Öffentlichkeit vorenthalten.

Als McIntyre diese Datenbasis nun endlich ans Licht gezerrt hatte, stellte sich heraus: Diese „Wissenschaftler“ hatten für die „Keule“ des Schlägers nur wenige Proben der ursprünglichen Datensätzen verwendet und eine Untermenge eines anderen Datensatzes hinzugefügt, der vom Schweizer Forscher Fritz Schweingruber gesammelt worden war. Nur diese Proben und diese Untermenge zeigte die gewünschte Hockeyschlägerkurve. Als McIntyre die kompletten Schweingruber-Daten hinzunahm, verschwand der Hockeyschläger.

Briffa und das übrige „Hockey Team“ können sich nicht auf die einzig plausible Erklärung zurückziehen, dass nämlich die für die „Keule“ der „Hockeyschläger“-Kurve ausgesuchten Baumringdaten die gemessenen Temperaturen besonders gut wiedergaben. Es gab in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts keinen signifikanten Temperaturanstieg im Yamal-Gebiet (Walker et al 2008).

Ausnahme-„Wissenschaft“ Klimatologie

Es gibt einen Punkt, jenseits dessen man seltsame Befunde und das Mauern der Beteiligten nicht mehr durch bloße Schlamperei erklären kann. An Beispielen für das Schicksal solchermaßen arbeitender „Wissenschaftler“ in den letzten Jahren mangelt es nicht: In der Stammzellenforschung, Krebsforschung, Nanophysik oder Kernphysik verloren solche Leute verdientermaßen ihre Jobs und den Zugang zu den staatlichen Förderungströgen. Wissenschaftliche Modelle gehören auf den Müll, sobald sie der Wirklichkeit widersprechen. Kein Forscher darf seine Theorie mehr lieben als seine Daten.

Für Klimatologen gelten andere Regeln. Die oben beschriebenen Vorfälle sind bei weiten nicht die einzigen. Hier darf im Namen der „guten Sache“ verschleiert und verschleppt werden; das „Warmrechnen“ der Antarktis, die „Jesus-Papiere“, Staatsgeheimnisse um Klima-Rohdaten und so vieles mehr: Eine ganze Serie kann jeder Interessierte heute im Netz finden. Und nun dies: Wenn die vergangene Berichterstattung in den Lamestream-Medien ein Maß ist, wird auch dieser neueste Fall totgeschwiegen werden. Der Leser möge selber entscheiden, ob er auch solches Verhalten der Presse noch als bloße Schlamperei entschuldigen würde.

Im Dezember werden unsere „obersten Diener“ in Kopenhagen per Federstrich noch mehr unserer Freiheiten und unseres Wohlstandes verschenken. Dabei stützen sie sich auf die Behauptungen des IPCC, dass unter anderem die Erhöhung der meisten Bodentemperaturen bis Ende des zwanzigsten Jahrhunderts beispiellos und nur durch menschengemachte Einflüsse erklärbar sei. Die immer offensichtlicher werdende Fadenscheinigkeit dieser Behauptungen wird weder die Politik stören, noch die Meinungsmacher in den Medien. Welches deutlichere Beispiel für die tödliche Berührung der Wissenschaften durch die Politik könnte man sich vorstellen?

Internet

Ursprünglicher Blogeintrag McIntyres

Gute Zusammenfassung bei Bishops Hill

Gute Zusammenfassung der Ereignisse auf deutsch bei Readers Edition

Warmgerechntete Antarktis

Das seltsame Jesus-Papier

Klima-Rohdaten ein Staatsgeheimnis

Literatur

Keith R. Briffa, Philip D. Jones, Fritz H. Schweingruber, Stepan G. Shiyatov, Edward R. Cook (1995): Unusual twentieth-century summer warmth in a 1,000-year temperature record from Siberia. Nature 376 (1995), 156-159

Rashit M. Hantemirov, Stepan G. Shiyatov (2002): A continuous multimillennial ring-width chronology in Yamal, northwestern Siberia. In: Holocene Vol. 12, 6 (2002)

Shaopeng Huang, Henry N. Pollack, Po Yu Shen (1997): Late Quaternary Temperature Changes Seen in Worldwide Continental Heat Flow Measurements. In: Geophysical Research Letters 24: 1947-1950

Intergovernmental Panel on Climate Change (2007): Climate Change 2007: Synthesis Report: Summary for Policymakers

M.E. Mann, R.S. Bradley, M.K. Hughes (1998): Global-Scale Temperature Patterns and Climate Forcing Over the Past Six Centuries. In: Nature, 392, 779-787

Stephen McIntyre, Ross McKitrick (2005): Hockey sticks, principal components, and spurious significance. Geophys. Res. Lett., 32

D.A. Walker, M.O. Leibman, B.C. Forbes, H.E. Epstein (2008): Cumulative effects of rapid climate and land-use changes on the Yamal Peninsula, Russia. Präsentation auf der American Geophysical Union Conference in 2008, 15-19 Dec 2008


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