22. September 2009

Klimaerwärmung Öko-Guru Lovelock implizit für Kapitalismus und individuelle Freiheit

Die Erde und der Mensch sollen sich selbst regulieren

James Lovelock ist gewissermaßen einer der Gründer der Umweltschutzbewegung. Der mehrfach ausgezeichnete Chemiker, Mediziner und Biophysiker entwickelte in den 70er Jahren die „Gaia-Hypothese“, wonach die Erde ein sich selbst regulierendes System, ein „Meta-Organismus“ ist. Während andere Wissenschaftler die Gültigkeit dieser Hypothese weiterhin anzweifeln, waren Ökologisten von diesem, an die antike griechische Erdgöttin erinnernden Namen begeistert, verlieh er doch ihrer Ideologie ein sichtbares Zeichen für ihre unverzichtbare religiöse Komponente.

Obwohl dies dem mittlerweile 90-jährigen Naturwissenschaftler eher unangenehm war, engagierte er, der in den 60er Jahren die FCKW-Aerosole in der Atmosphäre entdeckte, sich weiterhin an vielen Stellen für die Umwelt. Seit einigen Jahren jedoch sorgt er im Öko-Lager für wachsende Irritationen. 2004 plädierte er für den verstärkten Einsatz von Kernenergie als der einzigen Möglichkeit, die Klimaerwärmung aufzuhalten. 2007 rückte er von seinen eigenen katastrophalen Klimavorhersagen ab – er hatte unter anderem eine Vernichtung von 80 Prozent der Menschheit bis 2100 prognostiziert – und behauptete nun, dass sich die Erde in keiner Gefahr befindet und sich in einem neuen Zustand selbst stabilisieren werde, wobei Massenmigrationen in kühlere Gebiete jedoch noch notwendig sein werden.

Damals, vor zwei Jahren, gefiel ihm Offenbar die Idee des Geo-Engineering. Hierbei geht es darum, mittels teilweise phantastisch anmutender Maschinen das Klima zu regulieren: Riesenspiegel in der Erdumlaufbahn, massenweise in die Luft gepumpte Wasserpartikel, das Versenken von CO2 in der Meerestiefe, um nur einige Beispiele zu nennen. Wer wie Lovelock mit diesen Gedanken spielt, hat offenbar wenig Vertrauen in die Effektivität einer Klimapolitik, die auf die staatliche Regulierung und Besteuerung angeblich schädlicher Substanzen setzt. Das ist natürlich den Klimapolitikern ein Dorn im Auge, zumal sie gerade verzweifelt versuchen, ein Nachfolgeabkommen für das im Jahr 2010 auslaufende Kyoto-Protokoll auszuarbeiten. Insbesondere die Entwicklungs- und Schwellenländer stellen sich quer, da sie nicht bereit sind, sich in ihrer Industrialisierung groß aufhalten zu lassen. Da kommt es natürlich ungelegen, wenn immer mehr Experten Zweifel an der Effektivität von Steuern, Zertifikaten und anderen staatlichen Maßnahmen anmelden.

Gestern nun platzte der Doyen der Bewegung wieder in die Debatte und verwarf selbst das zuvor noch gelobte Geo-Engineering. Der Grund dafür ist höchst beachtenswert. Lovelock wendet sich gegen die Hybris, der Mensch könne derzeit mit technischen Mitteln das Wetter weltweit regulieren. Obwohl er technische Maßnahmen nicht für alle Zukunft ausschließt, warnt er in einem Kommentar im britischen „Guardian“: „Es gibt bislang keine umfassende Wissenschaft des Systems Erde; in einem Zustand derartiger Ignoranz kann ich mich nicht des Gefühls erwehren, dass unsere Versuche, das Klima und die Chemie der Erde zu regulieren, die Menschheit zu einem kafkaesken Zustand verurteilen würde, aus dem es möglicherweise kein Entkommen gibt.“

Auch in der fiskalischen und regulierenden Klimapolitik der gegenwärtigen Regierungen sieht er offenbar keine Alternative, denn er erwähnt sie mit keinem Wort. Statt dessen plädiert er jetzt offenbar für das Abwarten und Nichtstun – jedenfalls für nichts Überstürztes. Er vergleicht den Zustand unseres Wissens über das Ökosystem mit dem Wissen der Ärzte Anfang des 19. Jahrhunderts über den menschlichen Körper. Den Medizinern damals „war für weitverbreitete Krankheiten kein Heilmittel bekannt, aber sie wussten, dass, wenn man der Natur ihren Lauf lässt, sich der Patient oft wieder erholte. Vielleicht sollten auch wir unsere Energien besser nutzen, indem wir uns anpassen und die Erholung Gaia überlassen; schließlich hat sie mehr als drei Milliarden Jahre überlebt und hat über diese ganze Zeit hinweg das Leben in Gang gehalten.“

Das bemerkenswerte an diesen weisen Worten ist, dass ihre Aussage im Grunde identisch ist mit der Feststellung des erzkapitalistischen Ökonomen George Reisman. Dieser schrieb 2001 in seinem seinem Artikel „Environmentalism refuted“:„Falls Klimaerwärmung, Ozonabbau oder was auch immer tatsächlich Folgen von Handlungen der Menschen als Kollektiv sind, jedoch nicht von Handlungen irgendeines gegebenen Individuums, auch nicht eines gegebenen individuellen Unternehmens, dann ist es nur richtig, diese entsprechend als Phänomene der Natur zu betrachten. Da sie nicht durch Handlungen individueller Menschen erzeugt werden, entsprechen sie Handlungen die moralisch überhaupt nicht von Menschen verursacht werden. Wenn wir die Angelegenheit erstmal in diesem Licht betrachten, wird ersichtlich, welche die angemessene Antwort auf derartige Umweltveränderungen ist. Es ist die selbe angemessene Antwort, wie die des Menschen auf die Natur allgemein. Individuelle Menschen müssen die Freiheit haben, mit der Natur auf eine Weise umzugehen, die ihnen den maximalen individuellen Vorteil erbringt, bedingt allein durch das Verbot, physische Gewalt gegen die Person oder das Eigentum eines anderen individuellen Menschen auszuüben. Indem diesem Prinzip gefolgt wird, wird der Mensch mit jeder negativen Naturgewalt, die als Nebenprodukt seiner eigenen, summierten Handlungen resultieren, auf genau die gleiche erfolgreiche Art umgehen, wie er auch sonst mit den elementaren Gewalten der Natur umgeht.“

Im selben Text wird Reisman noch unmissverständlicher: „Die angemessene Antwort auf die Ökologisten ist, dass wir nicht ein Deut der industriellen Zivilisation opfern werden; und wenn Klimaerwärmung und Ozonabbau tatsächlich zu ihren Konsequenzen gehören, werden wir sie akzeptieren und mit ihnen umgehen – auf so angemessene Weise wie den Einsatz von mehr und besseren Klimaanlagen und UV-Blockern, nicht durch die Aufgabe von Klimaanlagen, Kühlschränken und Autos. Die fundamentalere Antwort an die Ökologisten ist, dass die angemessene Reaktion auf Umweltveränderung, sei sie Klimaerwärmung oder eine neue Eiszeit, die wirtschaftliche Freiheit einer kapitalistischen Gesellschaft ist. Früher oder später wird eine derartige Umweltveränderung stattfinden – wenn nicht in diesem neuen Jahrhundert oder gar im neuen Jahrtausend – dann mit Sicherheit irgendwann in der noch ferneren Zukunft. Dann werden riesige Veränderungen in der wirtschaftlichen Aktivität der Menschen notwendig sein. Es werden große Veränderungen in den komparativen Vorteilen auf breitem Feld stattfinden; und die Menschen müssen die Freiheit haben, darauf zu reagieren. Die rationale Antwort auf die Möglichkeit großflächiger Umweltveränderungen ist die Etablierung der wirtschaftlichen Freiheit der Menschen, damit umzugehen, falls und wenn sie stattfinden. Kapitalismus und der freie Markt sind die wesentlichen Mittel dazu, nicht paralysierende Kontrollen durch die Regierung oder 'Ökologismus'. Und sowohl in der Etablierung der wirtschaftlichen Freiheit als auch in jedem anderen wesentlichen Aspekt der Antwort auf Ökologismus, muss die Philosophie von Ludwig von Mises und Carl Menger wegweisend sein.“

Mit anderen Worten: Eines Tages wird Geo-Engineering vielleicht einmal die angemessene Antwort auf Umweltveränderungen sein. Aber es wird nur effektiv sein, wenn Menschen die wirtschaftliche Freiheit haben, diese Maßnahmen in einer Weise zu entwickeln, die das Privateigentum Aller achtet. Damit sind Klimasteuern, staatliche Regulierungen oder auch staatlich finanziertes Geo-Engineering kategorisch ausgeschlossen.

Internet:

James Lovelock: "Respect the Earth" - World Nuclear News, 6.9.2007

James Lovelock: "Such drastic climate therapy could make things worse" - Guardian, 20.9.2009

George Reisman: "Ökologismus widerlegt"

George Reisman: "Environmentalism Refuted"


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