15. September 2009

S-Bahn-Mord in München Sozialismus tötet

Über zwei wenig erörterte Tatzusammenhänge

Der Mord an den auf einem Münchner S-Bahnhof zu Tode geprügelten „Geschäftsmann Dominik B.“ erschüttert seit Tagen die Republik. Bis heute weiß die Öffentlichkeit sehr wenig über die Täter, am Tag der schockierenden Nachricht wusste man zunächst gar nichts.

Dennoch wurde in einschlägigen Foren diskutiert und spekuliert. Auf der linken und „antifaschistischen“ Seite des Internets vermutete man – oder wollen wir lieber sagen: hoffte man auf – „rechtsradikale“ Täter. In den rechten und „antislamistischen“ Zirkeln spekulierte man – geradezu genussvoll schockiert – über türkische Mörder, doch zumindest einen moslemischen Glaubenshintergrund oder „nicht-biodeutsche“ Abstammung.

Alle zynischen Hoffnungen müssen nun bis zum nächsten Unglücksfall begraben werden. Jetzt herrscht Schweigen über die Hintergründe der Täter, sie passen einfach nicht ins politische Konzept. Das wenige, das man über sie bislang weiß, wird für wenig beachtenswürdig gehalten.

Beide Täter sind arbeitslos, berufslos, vorbestraft und Drogenkonsumenten. Wir haben es also offenbar mit der typischen Klientel unseres Sozialstaates zu tun – die Berufslosigkeit deutet an, dass auch die Eltern für ihre Kinder weder Vorbild waren noch Ziele vorgaben. Nicht unwahrscheinlich stammen sie bereits aus dem selben „berufs- und arbeitslosen“ Milieu. Doch wir wollen an dieser Stelle nicht über die unbekannten Eltern und die Langzeitwirkung der Subvention von Trägheit in der zweiten Generation spekulieren und uns auf die wenigen bekannten Fakten über beide Täter konzentrieren: Wären diese nicht durch den Sozialstaat alimentiert worden und hätten folglich für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen – sie wären weder am helllichten Tag mit der U-Bahn gefahren, um Kinder auszurauben, noch hätten sie Zeit gehabt, drogenrauschunterstützte Gewaltvisionen Gestalt werden zu lassen. Arbeitende Menschen haben schlicht anderes im Kopf und zu tun.

Und zur Verantwortlichkeit erzogene Menschen haben offenbar auch grundsätzlich eine andere Einstellung zu anderen und zum Leben. Der Mann, der sich den Tätern mutig entgegenstellte, als diese sich an Kindern vergehen wollten, kam nämlich gerade nicht aus demselben arbeits- und verantwortungsentwöhnten Milieu. Über ihn wissen wir, dass er ein Geschäftsmann war.

Auch der Ort des Mordes – und nicht Totschlags, denn niedere Motive für diese Tat sind selbst vom naivsten Gutmenschen kaum zu bezweifeln – ist im Blick auf politische Mittäterschaft nicht belanglos, fand die Tat doch im „öffentlichen Raum“ eines S-Bahnhofes statt. Einmal mehr hat sich damit bestätigt, dass solche Gegenden – denken wir an öffentliche Toiletten – nicht nur generell weitaus ungepflegter sind als private, sondern in der Regel auch wesentlich unsicherer. Schwere Straftaten finden eben kaum in der „Shopping Mall“ eines Privateigentümers statt, sondern beinahe durchgängig auf dem schlecht bewachten „öffentlichen“ Terrain der Staaten und Städte.

Nun mögen auch diese Gesichtspunkte auf den einen oder anderen Leser „gesucht“ oder „konstruiert“ wirken. Denn gibt es nicht auch genug Verbrechen diesseits des Hartz-IV-Milieus? Und finden diese nicht auch zuweilen an anderen Orten als S- oder U-Bahnhöfen statt?

Sie denken dabei spontan an die Amokläufe an den Schulen von Winnenden oder Erfurt? Auch dort gab es eine wenig beachtete Gemeinsamkeit: Es waren keine Privatschulen, in denen die Täter sozialisiert – und offenbar seelisch stark verletzt – wurden. Und es sind keine in Privateigentum befindliche Gebäude gewesen, in denen die Taten stattfanden…


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