Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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US-Federal Reserve: Gefürchtete Bilanzprüfung rückt näher

von Robert Grözinger

Hat die US-Zentralbank nach fast 100 Jahren ihren „Stalingrad-Punkt“ erreicht?

Das Federal Reserve System, jenes Bankenkartell, das als Zentralbank der USA fungiert, ist in jüngster Zeit arg in Bedrängnis geraten. Es liegt im Kongress ein Antrag vor, der eine vorbehaltlose Bilanzprüfung der „Fed“ fordert. Bislang ist nur eine stark eingeschränkte Prüfung möglich. Es wäre das erste Mal in der Geschichte dieser seit 1913 existierenden Institution, dass sie gegenüber den demokratischen Repräsentanten ihre Bücher öffnen müsste (ef-online berichtete). In früheren Jahren wäre ein solcher Antrag eine absolute Minderheitenposition geblieben und sofort im Sande verlaufen. Doch seit 2007 haben sich drei Dinge ganz entschieden geändert: Erstens haben die Finanz- und die darauf folgende Wirtschaftskrise offenbart, was Ökonomen der sogenannten Österreichischen Schule schon längst wussten, nämlich dass trotz aller gegenteiliger Beteuerungen die Regierung und die Fed das Heft der wirtschaftlichen Entwicklung doch nicht unter Kontrolle haben und das exzessive Verschuldung auf Papiergeldbasis in eine Katastrophe münden muss. Zweitens hatte in den Jahren 2007/08 ein von den Mainstreammedien ignorierter oder ausgelachter Präsidentschaftskandidat die jetzige Krise eindeutig und fundiert begründet vorhergesagt. Sie und die Möglichkeiten ihrer Abwendung durch Zerschlagung des Fed-Geldkartells war sogar ein Hauptprogrammpunkt seiner Kandidatur gewesen. Drittens war es mit Hilfe des Internets gelungen, die Botschaft dieses Kandidaten unter eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen zu verbreiten. Kenner dieses Blogs wissen selbstverständlich, dass hier vom republikanischen Kongressabgeordneten Ron Paul die Rede ist.

Paul ist es auch, der im Abgeordnetenhaus den erwähnten Antrag mit der laufenden Nummer HR 1207 eingebracht hat. Senator Bernhard Sanders, nach Eigenbeschreibung ein „demokratischer Sozialist“, brachte gleichzeitig einen Antrag gleicher Zielsetzung – Nummer S 604 – in die andere Kammer des amerikanischen Parlaments ein. Wie auch schon in seinem Wahlkampf sind Pauls Anhänger auch in dieser Angelegenheit in Eigenregie und spontan aktiv geworden. Diesmal, um den genannten Anträgen zum Erfolg zu verhelfen: Sie schrieben ihre Abgeordneten und Senatoren an oder forderten sie in Bürgerversammlungen öffentlich auf, die Anträge zu unterstützen.

Immerhin 23 von 100 Senatoren haben den Antrag bereits unterzeichnet. Im Repräsentantenhaus sind die Unterstützer schon längst in der Mehrheit: 282 von 435 stimmberechtigen Abgeordneten, darunter über 100 Demokraten, haben sich jenem Politiker angeschlossen, dessen Präsidentschaftskandidatur von den Medien gerne als „Donquichotterie“ bezeichnet worden war. Lange Zeit wurde die Bearbeitung des Antrags im zuständigen Ausschussvorsitzenden Barney Frank blockiert. In der vergangenen Woche hat der Demokrat jedoch ein gewisses Einlenken signalisiert. Der Antrag HR 1207 werde „Teil einer umfassenden Regulierung werden, die wir formulieren werden“, so Frank vor einer Bürgerversammlung. Paul hatte kurz zuvor schon einen Teilsieg prognostiziert, nämlich dass die Regierung und die Fed irgendeinen Kompromiss vorschlagen und durchsetzen werden.

Die Aktivität der Paul-Anhänger wird für diesen Erfolg nicht unbedeutend gewesen sein. Ebenso die Kenntnis über die Arbeitsweise und Wirkungen der Fed, die Dank des Internet-basierten Wahlkampfs Pauls jetzt viel weiter verbreitet ist als je zuvor. Doch entscheidend wird die schlicht unübersehbare Widersprüchlichkeit sein, die zwischen plötzlich für Großbanken zur Verfügung stehenden Billionen Dollar auf der einen Seite und die rasant steigende Arbeitslosenquote, nach offiziellen Zahlen zuletzt knapp unter 10 Prozent, klafft. Die hohe Zahl der Zwangsvollstreckungen wegen unbezahlter Hypotheken beunruhigen ein Volk, das jahrelang in der Illusion lebte, man könne reich werden, indem man ein viel zu teures Haus auf Pump kauft und einfach zusieht, wie sein Wert steigt. Die Politik bekommt die Wut des Volkes jetzt auch in anderen Bereichen zu spüren, vor allem derzeit bei der geplanten Gesundheitsreform, respektive Sozialisierung der Krankenversicherung. Präsident Obamas Zustimmungswerte sind in den letzten Monaten drastisch gesunken, von +10 Anfang des Sommers auf jetzt -11.

Die Federal Reserve hat mittlerweile ebenfalls einen Tiefpunkt in ihrer Popularität als Institution erreicht – niedriger noch als die Steuerbehörde IRS. Nur 30 Prozent der Befragten meinten, die Fed mache ihren Job gut oder sehr gut. Die IRS dagegen bekam 40, die CIA 47 und die NASA 58 Prozent. Entsprechend nervös reagieren inzwischen die Fürsprecher des Regimes in den Medien, die wie beispielsweise Dana Goldstein in „The Daily Beast“ feststellen, dass die Bürgerversammlungen mit Kongressabgeordneten zunehmend von den Anhängern Ron Pauls beherrscht werden und dass die „Ron Paul Revolution“ doch zäher und langlebiger ist, als sie gehofft hatten.

Die US-Zentralbank, deren Gebäude (Baujahr 1937) eine Einschüchterungsarchitektur besitzt, die bis hin zu den hohen Fenstern, den kantigen Portikus-Säulen und dem krönenden Adler Vorbild für den Bauherrn der neuen Berliner Reichskanzlei gewesen sein kann, flößt keinen Respekt mehr ein, sondern erzeugt immer mehr Wut und Zorn, bestenfalls noch Hohn und Spott. Ron Pauls neuestes Buch, ab Mitte September erhältlich, heißt „End the Fed“. Auf YouTube kursiert mindestens ein Lied mit dem gleichen Titel. Die Billionenschweren Rettungspakete der Zentralbank haben einen steilen, aber heilsamen Absturz der Wirtschaft verhindert, aber die alte, von John M. Keynes inspirierte Formel, sich mit Verschuldung reich zu zaubern, funktioniert nicht mehr. Auch aus einer anderen Ecke droht der Fed Ungemach: Die Nachrichtensendergruppe Bloomberg hat vor Gericht erfolgreich auf Veröffentlichung der Information darüber geklagt, welche Banken wie viel von den mehreren Billionen Notkredit-Dollar der Fed erhalten hat, die seit zwei Jahren an diverse Institutionen geflossen sind. Noch besteht Bloomberg nicht auf den Vollzug der Entscheidung. Beruhigend für die Fed ist das aber nicht.

Hinsichtlich ihrer geldpolitischen Effektivität, aber auch hinsichtlich ihrer Popularität im Volk, scheint die Fed so etwas wie ihren Stalingrad-Punkt erreicht zu haben.

Internet:

The Book Bomb to „End the Fed“

Das „End the Fed“-Lied (YouTube)

Arbeitslosigkeit in den USA von 1990 bis Februar 2009

Daily Presidential Tracking Poll (Rasmussen Reports)

The Atlantic Business: „What the Federal Reserve's Unpopularity Means for Health Care.“

Dana Goldstein: „Revenge of Ron Paul's Army“

Wallstreet online: „New Yorker Gericht weist Federal Reserve an, Dokumente zur Notkreditvergabe zu veröffentlichen“

ef-online: „US-Zentralbank: Abgeordnete fordern umfassende Bilanzprüfung“

Robert Grözinger: „Wer ist Ron Paul – Der Kandidat aus dem Internet“


01. September 2009

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Kommentare

Sven Adam , am 01. September 2009 um 12:20 ( Link )

Nicht nur der Niedergang der Fed deutet an, daß gerade die sog. "westliche" Welt vor einer Zeitenwende steht. Diese nicht denselben Leuten zu überlassen, die uns bisher schon ausgenommen haben, wird eine der vornehmsten Aufgaben engagierter Bürger sein müssen. Gegen das Gröhlen der "starken Hand" nationaler Sozialisten und gegen die verwobenen Lügen internationaler Sozialisten von noch mehr sozialer Gerechtigkeit und gegen das verhaltene "weiter so" der Wohlfahrtsstaatsprofiteure in Politik und Beamtenkorps muß die freiheitsweisende Stimme des Liberalismus laut werden. Nicht trotz, sondern wegen der Bankenkrise. Auch wenn das die Zuhörer zunächst nicht verstehen, weil sie noch nicht begreifen, wie sie jahrzehntelang belogen worden sind.

vonclausewitz , am 01. September 2009 um 12:52 ( Link )

Besser (zu)spät als nie.

Dr. Spiele , am 01. September 2009 um 13:36 ( Link )

Sura Al-Baqara, 275-289: „Diejenigen, die Wucher verschlingen, sollen nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und zum Wahnsinn getrieben wird. Dies (soll so sein,) weil sie sagen: ‘Handel ist dasselbe wie Wucher.’ Doch Allah hat den Handel erlaubt und den Wucher verboten. Und wenn zu jemandem eine Ermahnung von seinem Herrn kommt und er dann aufhört - dem soll verbleiben, was bereits geschehen ist. Und seine Sache ist bei Allah. Wer es aber von neuem tut - die werden Bewohner des Feuers sein, darin werden sie ewig bleiben. / Allah wird den Wucher dahinschwinden lassen und die Mildtätigkeit vermehren. Und Allah liebt keinen, der ein hartnäckiger Ungläubiger und Übeltäter ist. / Wahrlich, denjenigen, die gläubig sind und gute Werke tun und das Gebet verrichten und die Zakat entrichten, ist ihr Lohn von ihrem Herrn (gewiss,) und sie brauchen keine Angst haben noch werden sie traurig sein. / O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und verzichtet auf das, was noch übrig ist an Wucher, wenn ihr Gläubige seid. / Und wenn ihr dies nicht tut, dann ist euch Krieg angesagt von Allah und Seinem Gesandten. Doch wenn ihr bereut, dann soll euch euer Kapital zustehen, sodass weder ihr Unrecht tut, noch euch Unrecht zugefügt wird."

besser 1400 Jahre zu spät als nie...

Michael_V , am 01. September 2009 um 14:16 ( Link )

@Dr. Spiele

1. Was hat die aktuelle Finanzkrise mit "Wucher" (=Zins ="Miete" für Geld) zu tun?

2. Allah war damals wohl in wirtschaftlichen Fragen ziemlich unbelichtet, wie man sieht. Hat er mittlerweile dazugelernt,- sagt ihm der Begriff "Zeitpräferenz" irgendwas?

3. Wenn nicht, würde ich mir gerne mal bei Allah ein paar millionen Euro ausleihen, welche er (natürlich zinsfrei!) in ca. 50 Jahren wieder bekommt.

ISBN3451322005 , am 01. September 2009 um 15:10 ( Link )

Schreck lass nach, Herr Michael_V belehrt den heiligen Geist und meint ihn mit verzinster FIAT-Money bescheißen zu könne.

@Michael_V

Die "Zeitpräferenz", als Legitimation für den Zins, die sich der Homo oeconomicus zusammengebastelt hat, geht dem werten Allah mit Sicherheit ganz ganz weit am Arsche des Propheten vorbei.

Ich hege mittlerweile den Verdacht, dass die verstaubten Religionsstifter, mit dem Nahelegen von Gnaden und Erlassjahren, ein tieferes Verständnis vom Wesen des Zins vermuten lässt, alles Kuhorten von libertärökonomischen Schwätzern, die in ihren zweckoptimierten Zeitpräferenz- und Effizienz-Theorien für Gnade und Erlass keinen Platz finden.

ISBN3451322005 , am 01. September 2009 um 15:12 ( Link )

..., als Kuhorten von libertärökonomischen Schwätzern,...

FritzLiberal , am 01. September 2009 um 15:20 ( Link )

@ISBN3451322005

Die "Zeitpräferenz", als Legitimation für den Zins, die sich der Homo oeconomicus zusammengebastelt hat ...

Die Vertreter der Österreichischen Schule, die die Zeitpräferenz entdeckt haben, haben gleichzeitig die Kunstfigur "homo oeconomicus" strikt abgelehnt. Es wäre wirklich hilfreich, wenn Sie zumindestens rudimentäre Grundlagen erwerben, bevor Sie hier Unsinn verzapfen. Als nächstes verbreiten Sie noch das Gerücht, Mises hätte fiat-money befürwortet.

bernd_lessing , am 01. September 2009 um 15:33 ( Link )

@ISBN3451322005:

Würden Sie etwas an einen Wildfremden verleihen und dabei auch noch den Verlust Ihres Eigentums riskieren, wenn Sie dafür keine Leihgebühr oder irgendeinen anderen Vorteil bekämen? Wenn ja, muss ich an Ihrem Verstand zweifeln. Wenn nein, müsste Ihnen der Sinn von Zins eigentlich intuitiv klar sein, auch wenn Sie Konzepte wie die Zeitpräferenz nicht verstehen.

Michael_V , am 01. September 2009 um 16:05 ( Link )


Schreck lass nach, Herr Michael_V belehrt den heiligen Geist und meint ihn mit verzinster FIAT-Money bescheißen zu könne.

Liebe ISBN-Nr.
Unser Heiliger Geist ist nicht der in Wirtschaftsfragen etwas zurückgebliebene „Kinderfreund“ Allah. Davon abgesehen wollte ich ihn mit UNVERZINSTEM FIAT-Money bescheißen.


Die "Zeitpräferenz", als Legitimation für den Zins, die sich der Homo oeconomicus zusammengebastelt hat, geht dem werten Allah mit Sicherheit ganz ganz weit am Arsche des Propheten vorbei.

Natürlich. Sonst würde das Bescheißen doch auch gar nicht funktionieren, wenn der werte Herr Allah sich über die einfachsten ökonomischen Sachverhalte im Klaren wäre.


Ich hege mittlerweile den Verdacht, dass die verstaubten Religionsstifter, mit dem Nahelegen von Gnaden und Erlassjahren, ein tieferes Verständnis vom Wesen des Zins vermuten lässt, alles Kuhorten von libertärökonomischen Schwätzern, die in ihren zweckoptimierten Zeitpräferenz- und Effizienz-Theorien für Gnade und Erlass keinen Platz finden.

Das „Wesen des Zins“ hat mit „Gnade“ nichts zu tun. Ein Geschäftsmann kann gerne einem Bettler einen Geldschein zustecken. Wenn er jedoch sein Geschäft dem Wesen nach auf diesem Prinzip aufzubauen gedenkt, ist bald für Gnadengeschenke nichts mehr in der Kasse.

ISBN3451322005 , am 01. September 2009 um 16:06 ( Link )

@FritzLiberal

Ich habe mich bereits daran gewöhnt, dass die Herrschaften, die mir entgegentreten, ausschließlich dazu in der Lage sind, mir Ahnungslosigkeit zu attestieren.

Um es kurz zu machen…, ich orientiere mich in der Zinsfrage und dem systemimmanenten Zwang zur stetigen Aufschuldung an Paul C. Martin. Der ist mittlerweile 68 und zuckt, nach dem Studium der Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaftslehre, bei der Zinsfrage auch nur mit den Schultern und sieht als Ausweg aus unserer Krise eigentlich nur die Rückkehr in die Stammesgesellschaft. Und ich gehe davon aus, dass uns die bevorstehenden Ereignisse wohl in diese Richtung schieben werden.

Die Vertreter der Österreichischen Schule sind mit ihrem wirtschaftlichen Nischendenken für die fassettenreiche Lebenswirklichkeit einfach nicht hinreichend.

@bernd_lessing

Würden Sie…

Mit „ich würde...“ beginnt die krankhafte Ideengeschichte der Moderne.

Ich würde auch Zins nehmen. Und? Wie soll diese Tatsache zur Beurteilung beitragen ob der Zins richtig und gut ist und sich auf längere Sicht wohltuend entfaltet?

ISBN3451322005 , am 01. September 2009 um 16:18 ( Link )

@Michael_V

Das „Wesen des Zins“ hat mit „Gnade“ nichts zu tun.

Das ganze Leben ist eine einzige Gnade und da der Mensch sein Geschäfte nicht dem Wesen nach auf diesem Prinzip aufzubauen gedenkt, stehen wir eben genau da wo wir heute stehen.

Aber gut, nun rede ich natürlich schon wieder in Rätseln auf Leute ein, die sich ausschließlich in der finsteren Ecke der effizienten Wirtschaftlichkeit verkrümeln in die das Tageslicht nicht vordringt.

Michael_V , am 01. September 2009 um 16:26 ( Link )

@ISBN


Aber gut, nun rede ich natürlich schon wieder in Rätseln auf Leute ein, die sich ausschließlich in der finsteren Ecke der effizienten Wirtschaftlichkeit verkrümeln in die das Tageslicht nicht vordringt.

Aber ganz im Gegenteil! Da ich jedoch sehr gerne gebe, ist es für mich geradezu eine Herzensangelegenheit, möglichst ökonomisch und effizient meine wirtschaftliche Basis zu vergrößern, damit auch genug zum Verteilen da ist. Sie werden übrigens von dieser normativen Kraft des Faktischen auch nicht verschont.

bernd_lessing , am 01. September 2009 um 16:30 ( Link )

@ISBN3451322005:

"Ich würde auch Zins nehmen. Und? Wie soll diese Tatsache zur Beurteilung beitragen ob der Zins richtig und gut ist und sich auf längere Sicht wohltuend entfaltet?"

Halten wir fest: Zins ist aus Sicht desjenigen, der etwas verleiht, eine sinnvolle, naheliegende und damit "natürliche" Sache. Aus Sicht desjenigen, der etwas leiht, ist Zins der Preis dafür, dass er eine Sache nutzen kann, die er selbst nicht hat, aber nutzen möchte. Ob das Geld ist oder eine Wohnung (da heißt es nicht Zins, sondern Miete), spielt keine Rolle. Für die Beteiligten ist Zins also nichts anderes als eine Nutzungsgebühr, die für beide Beteiligten Sinn macht.

Paul C. Martin ist mir zwar bekannt, mir wäre allerdings nicht bewusst, dass er irgendwas gegen Zins per se hätte. Er spricht sich in erster Linie gegen die wuchernde (Staats-)Verschuldung aus, die (natürlich) immer steigende Zinslasten zur Folge hat. Mit anderen Worten: Nicht der Zins ist das Problem, sondern die Tatsache, dass sich der Staat Geld leiht, mit dem er nichts erwirtschaftet, um die Zinsen bezahlen zu können.

FritzLiberal , am 01. September 2009 um 17:11 ( Link )

ISBN3451322005:

Die Vertreter der Österreichischen Schule sind mit ihrem wirtschaftlichen Nischendenken für die fassettenreiche Lebenswirklichkeit einfach nicht hinreichend.

Und das haben Sie aufgrund des Studiums von welchen Werken der Österreichischen Schule für sich beschlossen?

Nur so als Tipp: das Hauptwerk von Ludwig von Mises trägt den Titel "Human Action". Nicht "Human Business Activities" oder so ähnlich.

ISBN3451322005 , am 01. September 2009 um 17:23 ( Link )

@bernd_lessing

Halten wir fest: Zins ist aus Sicht desjenigen, der etwas verleiht, eine sinnvolle, naheliegende und damit "natürliche" Sache.

Ich halte fest, dass ich nichts zwangsläufig auf das Podest einer „natürlichen“ Sache hebe, nur weil ich es für naheliegend und sinnvoll halte. Wie steht es dann um die „Natürlichkeit“ von, sicherlich überschaubaren Kulturkreisen, in denen der Zins bis heute unbekannt ist?

Paul C. Martin ist mir zwar bekannt, mir wäre allerdings nicht bewusst, dass er irgendwas gegen Zins per se hätte. Er spricht sich in erster Linie gegen die wuchernde (Staats-)Verschuldung aus, die (natürlich) immer steigende Zinslasten zur Folge hat. Mit anderen Worten: Nicht der Zins ist das Problem, sondern die Tatsache, dass sich der Staat Geld leiht, mit dem er nichts erwirtschaftet, um die Zinsen bezahlen zu können.

Hier muss der Ausgangspunkt von Paul C. Martin berücksichtigt werden. Und der lautet:

„Geld ist ohne Eigentum nicht definierbar und Eigentum ist ohne Macht (angedrohte oder eingesetzte) nicht definierbar.“

Siehe hierzu auch Gunnar Heinsohn und Otto Steiger in „Eigentum, Zins und Geld“

Diesen Ausgangspunkt erarbeitet sich Paul C. Martin aus der Betrachtung der bisher bekannten Menschheitsgeschichte und an diesem Ausgangspunkt zerbröselt die libertäre Wirtschaftsidee, weil sie den Zusammenhang von Macht, Eigentum und Geld nicht im Blickfeld hat.

Stattdessen frickelt die libertäre Idee naturphilosophische Luftschlösser von Menschen zusammen, die sich in grauer Vorzeit zum friedlichen Tauschen auf der Lichtung des Waldes getroffen haben und irgendwann zufällig das universelle Tauschmittel "Geld", mit samt Zins vom Himmel viel - is halt "natürlich"...?!

In diese Märchenwelt packt der Liberale dann gleich noch seinen Freiheitstraum, weil ein bisschen mehr oder weniger unhinterfragter Irrglaube den Kohl dann sowieso nicht mehr fett macht.

Per se habe ich auch nichts gegen Zins. Nur ist der Zins eingebettet in den oben aufgezeigten Zusammenhang von Macht, Eigentum und Geld. Da aber Macht und Herrschaft in der libertären Welt nicht auftaucht, kann aus der libertären Ecke zu dem Thema eigentlich nur wenig Sinnstiftendes kommen.

muss jetzt nach Hause....

Waldmeister , am 01. September 2009 um 17:37 ( Link )

Stattdessen frickelt die libertäre Idee naturphilosophische Luftschlösser von Menschen zusammen, die sich in grauer Vorzeit zum friedlichen Tauschen auf der Lichtung des Waldes getroffen haben und irgendwann zufällig das universelle Tauschmittel "Geld", mit samt Zins vom Himmel viel - is halt "natürlich"...?!

Immer noch läßt nichts, aber auch gar nichts an Ihren Aussagen (die zitierte eingeschlossen) vermuten, daß Sie sich hier konkret auf die Lehren der Wiener Schule (Ihre fortlaufende themenfremde und somit verfehlte Verwendung des Begriffes "libertär/libertiarian" macht das keinen Deut besser) beziehen. Diese machen ganz eindeutig klar, daß Zins kein monetäres, sondern ein reales Phänomen ist (das im übrigen auch nicht "vom Himmel" fällt sondern aus dem Axiom vom menschlichen Handeln abzuleiten ist). Und auch das Auftauchen des Geldes wird von dieser Denkschule in grundlegend anderer Weise erklärt, als Sie es hier unterstellen. Daß Sie auf die bestenfalls im Nebel stochernden Debitismusverfechter G. Heinsohn und O. Steiger verweisen, tut da schon auch nichts mehr zur Sache.

ISBN3451322005 , am 01. September 2009 um 17:40 ( Link )

@FritzLiberal

Und das haben Sie aufgrund des Studiums von welchen Werken der Österreichischen Schule für sich beschlossen?

Erst gestern habe ich aus vertrauter und belesener Quelle, in einem persönlich Gespräch leider erfahren müssen, dass sich in dem Werk von Mises keinerlei Hinweise finden lassen, in welcher Art und Weise die dort aufgezeigten Erkenntnisse ihre heilsame Wirkung in der Welt entfalten sollen. So habe ich die Lektüre ein weiteres mal verschoben und verschwende meine Zeit lieber mit praxisorientierten Dingen.

Nur so als Tipp: das Hauptwerk von Ludwig von Mises trägt den Titel "Human Action". Nicht "Human Business Activities" oder so ähnlich.

„Mein Kampf“ war ja auch eine Mogelpackung. Am Ende musste doch alle ran.

vonclausewitz , am 01. September 2009 um 17:45 ( Link )

Die Expansion bis zum Stalingrad-Punkt ist noch nicht abgeschlossen. Wir erleben noch das Platzen einer letzten Blase, die Blase der Staatsanleihen. Die US-Zentralbank kaufte in der letzten Auktion gut die Hälfte der aufgelegten T-Bills und muss diese Praxis wohl auf absehare Zeit fortsetzen. Den Genies der Vermögensverwaltung dämmert langsam, dass auch AAA-Schuldner in schlechtere Risikoklassen migrieren können und hinter dem Schuldenberg nur eine ausgebrannte Kulisse aus Walmarts, Servicejobs und dem Militärbudget steht. Eine Exitstrategie aus dem "Quantitative Easing" ist nicht in Sicht und auch nicht möglich ohne einen Kollaps herbeizuführen.

ISBN3451322005 , am 01. September 2009 um 17:53 ( Link )

@Waldmeister

(das im übrigen auch nicht "vom Himmel" fällt sondern aus dem Axiom vom menschlichen Handeln abzuleiten ist).

Wie lauten diese Axiome?

Ich orakle schon mal, dass „Ihre“ Axiome, so sie denn kommen, das Wesen des Menschen unzureichend beschreiben.

Und auch das Auftauchen des Geldes wird von dieser Denkschule in grundlegend anderer Weise erklärt, als Sie es hier unterstellen.

Na dann bitte, klären Sie mich mit zwei drei Absätzen auf. Das sollte ja wohl möglich sein oder zeihen Sie sich auch mit „is mir zu blöd“ und „schaffen sie sich erst mal Grundlagen drauf“ aus der Affäre

FritzLiberal , am 01. September 2009 um 18:03 ( Link )

@ISBN3451322005:

Erst gestern habe ich aus vertrauter und belesener Quelle, in einem persönlich Gespräch leider erfahren müssen, dass sich in dem Werk von Mises keinerlei Hinweise finden lassen, in welcher Art und Weise die dort aufgezeigten Erkenntnisse ihre heilsame Wirkung in der Welt entfalten sollen.

Weil Mises die Natur des Menschen beschreibt und nicht irgendeine Ideologie. Und sie sollten sich auch eher mit ersterer auseinandersetzen, anstatt auf einen Guru zu warten, der ihnen irgendeine Heilslehre vorbetet.

bernd_lessing , am 01. September 2009 um 18:03 ( Link )

@ISBN3451322005:

Ich gehe mal auf Ihre Argumente ein und ignoriere die Polemik einfach:

"Ich halte fest, dass ich nichts zwangsläufig auf das Podest einer 'natürlichen' Sache hebe, nur weil ich es für naheliegend und sinnvoll halte. Wie steht es dann um die 'Natürlichkeit' von, sicherlich überschaubaren Kulturkreisen, in denen der Zins bis heute unbekannt ist?"

Habe ich gesagt, dass der Zins zwingend ist? Nein. Lediglich, dass er eine Konstruktion ist, die sich in einem ganz normalen, natürlichen Prozess durch das freie und freiwillige Handeln von Menschen entwickelt. Und in welcher der Gesellschaften, in denen es keinen Zins gibt, möchten Sie denn leben?

"Nur ist der Zins eingebettet in den oben aufgezeigten Zusammenhang von Macht, Eigentum und Geld."

Häh? Ist der Zins nun ein Problem oder nicht? Dass z.B. in einer Welt des Papiergelds und der Staatsverschuldung der Zins als "Problemverstärker" wirkt, bestreitet doch niemand. Aber das liegt nicht am Zins, sondern an ganz anderen Faktoren.

Waldmeister , am 01. September 2009 um 18:36 ( Link )

Wie lauten diese Axiome?

Ich orakle schon mal, dass „Ihre“ Axiome, so sie denn kommen, das Wesen des Menschen unzureichend beschreiben.

Ich weiß nicht, was Sie mit "meinen" Axiomen meinen, aber mit mit vagen Begriffen wie "die Natur des Menschen" befassen sie sich nicht. Menschen handeln und wissen, was das bedeutet. Das ist es, wovon die Argumentation der Wiener Schule ihren Anfang nimmt. Bescheiden genug, möchte man meinen. Falls Sie auf von Mises' oder meinetwegen auch von Hayeks geballte soziologische Irrtümer anspielen - die sind wohl eher in einer anderen Kategorie (moralisch/ethische Betrachtungen) anzusiedeln als das -sagen wir- "technische" Wissen um ökonomische Zusammenhänge. In dieser Hinsicht bin ich nun wahrhaft "unlibertär", um an der Kaugummidehnung dieses Wortes um des Argumentes willen einmal mitzuarbeiten.

Ansonsten gilt (auch wenn Sie explizit anderes gewünscht haben): schaffen Sie sich das Grundlagenwissen an. L. v. M. Habilitation "Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" ist ein hervorragender Einstiegspunkt, um bezüglich der Phänomene Geld und Zins ganz unesoterische und leicht nachvollziehbare Erkenntnisse zu gewinnen (es zwingt Sie niemand, ihm diesbezüglich zu glauben, aber wenigstens den "Wiener Standpunkt" können Sie dann korrekt wiedergeben). Ehrlich.

Um mal generell zum Thema zurückzukommen: Welche Chancen hat (im gewaltengeteilten Märchenland m. E. sowieso utopisch) HR 1207, die demokratische Ochsentour erfolgreich zu überstehen? Könnte denn nicht spätestens ein präsidentielles Veto die Bilanzprüfung verhindern (welche Auswirkungen ein solches auf die Reaktionen der Marktteilnehmer weltweit haben würde, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt)? Falls ja, inwiefern ist in Anbetracht dieser Möglichkeit dann das Gezerre in den beiden Schwatzbudenkammern überhaupt von Relevanz?

Kreuzweis , am 01. September 2009 um 20:15 ( Link )

Tolle Diskussion hier!

Fakt ist: Die Kameltreiberreligion ist erkennbar erfolgreich - der Liberalismus hingegen eine wohl eher untergehende Elfenbeindisziplin.

Statt Mises & Co. zu studieren und sich um die Wirkmächtigkeit der 'Zeitpräferenz' zu fatzen, befolgen die rückständigen Musels die dummen Anweisungen ihres Propheten und erbrüten den Zins in den Gebärmüttern ihrer Frauen: Scharen künftiger Soldaten.

Zum "Homo Oeconomicus" haben wohl nur die wenigsten Menschen eine Begabung. Sollte dennoch eine liberale Gesellschaft zu Wohlstand kommen, wird sich bald ein Hunnenführer finden, um sie von diesem zu erleichtern. Da der Liberale zu 'clever' zum kämpfen (und sterben) ist, wird er sein Kapital packen und den Lebensraum räumen.

Unter diesen Umständen sehe ich immer mehr nur noch im Nationalismus - ob deutsch oder europäisch - einen Rettungsring.

Waldmeister , am 01. September 2009 um 20:49 ( Link )

Und das hat mit dem gegenwärtigen Status der US FED was genau zu tun?

Querdenker , am 01. September 2009 um 21:28 ( Link )

Über der FED liegt schon der gärende Fäulnisgeruch.
Die Bakterien werden die Heuschrecken und ihre Nester fressen.

Danach wird die Sonne zweimal im Osten aufgehen.
Dem Westen bleibt ganz sicher der Sonnenuntergang.

familienwehr.de , am 01. September 2009 um 23:07 ( Link )

Kreuzweis, Du bringst`s auf den Punkt.
Aus einem verzagten Arsch kommt kein donnernder Furz.

Viscount , am 02. September 2009 um 0:13 ( Link )

@Kreuzweis

Unter diesen Umständen sehe ich immer mehr nur noch im Nationalismus - ob deutsch oder europäisch - einen Rettungsring.

Und wie genau soll die avisierte Rettung vonstatten gehen?

vonclausewitz , am 02. September 2009 um 2:11 ( Link )

Der europäische Nationalismus als Souveränitätsbewegung, z.B. in Ungarn und Tschechien, wird reichlich folgenlos bleiben, solange dieser sich nur in den Nettoempfänger-Staaten der EU Mitglieder entwickelt. Das zentrale Puzzlestück ist sicherlich Deutschland als Fiskalquelle der Lissabon-Missgeburt. Nicht zufällig wird jede zaghafte Regung hin zu der Restaurierung des Souveränität mit religiösem Eifer bekämpft.

Querdenker , am 02. September 2009 um 8:13 ( Link )

@Viscount

Man beginnt die Geschichtsarchive zu öffnen.
Der Westen wird mit seiner zurechtgebogenen Geschichtslehre der letzten 60 Jahre segmentiert in Revision gehen müssen.
Diese „Heilslehre“ hat hauptsächlich unter der Schirmherrschaft der USA stattgefunden.
Der Schirm bietet aber zunehmend keinen Schutz mehr für die Vasallen.

Und das könnte die Chance für einen souveränen Neuanfang bieten, ohne Hysterie und Fanatismus.
Vorausgesetzt, die EU-Zwangsimpfung und die EU-Zwangsglühbirne zerstören bis dahin nicht die letzten hellen Geister.

bernd_lessing , am 02. September 2009 um 9:05 ( Link )

@Kreuzweis:

"Fakt ist: Die Kameltreiberreligion ist erkennbar erfolgreich - ..."

Und was heißt das? Diese als Vorbild zu nehmen?

"Sollte dennoch eine liberale Gesellschaft zu Wohlstand kommen, wird sich bald ein Hunnenführer finden, um sie von diesem zu erleichtern."

Durchaus richtig. Und deswegen begeben wir uns auch auf den Level der Barbaren?

"Da der Liberale zu 'clever' zum kämpfen (und sterben) ist, wird er sein Kapital packen und den Lebensraum räumen."

Verwechseln Sie bitte nicht den hedonistischen Spaß-Liberalen mit Libertären. Letztere schätzen Freiheit und Leben so sehr, dass sie dafür höchstpersönlich auch mit Waffengewalt kämpfen würden.

"Unter diesen Umständen sehe ich immer mehr nur noch im Nationalismus - ob deutsch oder europäisch - einen Rettungsring."

Wäre nett, wenn Sie kurz erläutern können, was genau Sie damit meinen und inwieweit der Nationalismus uns hier helfen kann.

ISBN3451322005 , am 02. September 2009 um 11:35 ( Link )

@Waldmeister

Menschen handeln und wissen, was das bedeutet. Das ist es, wovon die Argumentation der Wiener Schule ihren Anfang nimmt. Bescheiden genug, möchte man meinen.

Für Sie vielleicht beschneiden genug? Für mich schlimmer als ich dachte!!

Da beklagt man sich über die Anmaßung von Wissen und dann so was….“Menschen handeln und wissen, was das bedeutet.“.

Wie jetzt „beutet“…? Wissen um die Bedeutung des Handelns in seiner Herkunft und Auswirkung?

Da sich die Wiener Schule den Stiefel des von mir unterstellten Größenwahns sicherlich nicht anzieht, bleibt nur eine Schlussfolgerung. Die Wiener Schule beschränkt sich in seim Wissen um Handlung und Bedeutung auf eine profane Handwerker-Fibel. Haue ich mir mit dem Hammer auf den Finger bedeutet es Schmerz.

"Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" ist ein hervorragender Einstiegspunkt, um bezüglich der Phänomene Geld und Zins ganz unesoterische und leicht nachvollziehbare Erkenntnisse zu gewinnen (es zwingt Sie niemand, ihm diesbezüglich zu glauben, aber wenigstens den "Wiener Standpunkt" können Sie dann korrekt wiedergeben). Ehrlich.

Das Phänomen Geld ist aber nicht abschließend „unesoterisch“ zu fassen. Ich habe auch z.B. Max Weber zu Kenntnis genommen, der die materiale Geldtheorie des Mise als die annehmbarste herausstellt. Material genügt mir aber nicht und so liegt mein Einstiegspunkt leider noch etwas weiter zurück.

Beginnt mein Denken bei materiellen Tauschverhältnissen, individuelle Zeitpräferenz und Vergleich- und Messbarkeit, kommen mir gewisse Grundlagen für das gesellschaftliche Fundament gar nicht in den Sinn. Schaue ich hinter den Tausch, so komme ich zu Ritualen, Angst, Täuschung und Opferkult. So z.B. auf eine Frühform des Geldes, die Obolen. Bratspieße an denen das gemeinsame Opfermahl bereitet wurde. „Seinen Obolus entrichten… „ Geld kann ich in seiner ursprünglichen Form also als Opfermittel, Gabe- und Abgabemittel und damit auch als Steuermittel verstehen, was sich der Wahrnehmung des geschulten Umlaufmitteltheoretikers entzieht.

@Querdenker

Über der FED liegt schon der gärende Fäulnisgeruch. Die Bakterien werden die Heuschrecken und ihre Nester fressen.

So ist es, deshalb ist die FED auch kaum einer weiteren Betrachtung würdig…

Querdenker , am 02. September 2009 um 14:03 ( Link )

Celente im letzten Smart Investor

http://info.kopp-verlag.de/news/erfolgreichster-us-trendforscher-sagt-voraus-economic-911-die-groesste-blase-platzt-noch.html

Dieser Artikel im Kopp-Verlag deckt sich mit den Beiträgen im letzten Smart Investor, den ich nur empfehlen kann, einschließlich der düsteren Prognosen aus dem religiösen Endzeitlager der USA.

Da wirken die Thesen des originären Leitwolf Lafontaine wie ein Schutzschild vor den radikalen Netzwerken messianistischer Gefahren.
Von Merkel und Co. kenne ich keine Strategie, dieser Apokalypse etwas entgegenzusetzen.

ISBN3451322005 , am 02. September 2009 um 17:13 ( Link )

@Waldmeister

Für Sie vielleicht beschneiden genug?

Ich, halbblind und latent legastheniegeschädigt, und die automatisch Rechtschreibkorrektur von MS-Word bilden manchmal schon ein dolles Team! …. bescheiden genug….

@Querdenker

Von Merkel und Co. kenne ich keine Strategie, dieser Apokalypse etwas entgegenzusetzen.

Kennen Sie eine Strategie? Ich nicht! Mise offensichtlich auch nicht, weil Mise, wie ich oben gelernt habe nur die Natur des Menschen beschreibt. Nur frage ich mich jetzt, welche Natur des Menschen uns nun gerade in die Apokalypse treibt. Gibt’s da mehrer Naturen? Die von Mise und die der FED?

Ich weiß nur eines. Die Wohlstandsmehrung und das weltliche Leben wie die Made im Speck hat in den vergangenen Jahrzehnten hervorragend funktioniert und die FED hat uns dabei tatkräftig unterstützt.

„Nach mir die Sintflut“ (die Wiener Schule parliert von hohe Zeitpräferenz, das kommt dann nicht so zotig rüber) ist doch nur der konsequenter Ausfluss dessen was passiert, wenn ich den Mut habe mich meines eigenen Verstandes zu bedienen und mir danach, aus lauter Verzweiflung, nicht anders zu helfen weiß, als mich möglichst schnell mit möglicht viel voll zu stopfen und bei Konsumverzicht meine Verlustängste und die Angst was zu verpassen mit Zinsen zu kompensieren suche. Wenn ich dann, im Sinne von Meister Eckhart, überhaupt nicht mehr von der Welt lassen kann, stehe ich unmittelbar davor sie zu verlieren. So was nennt man dann Apokalypse.

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 02. September 2009 um 17:40 ( Link )

Oh je, die ewigen Zinskritiker kommen mal wieder von ihren Elfenbeintürmen herab, um der unwissenden Menschheit das Paradies auf Erden zu versprechen, wenn nur dieser vermaledeite Zins endlich abgeschafft würde! Dass aber der Zins seit Jahrtausenden ohne Probleme in unterschiedlichsten Kulturkreisen etabliert ist (teilweise auch im Islam - nur wird der Zins dort durch alle möglichen Tricks kaschiert), wird von diesen selbstlosen Propheten genauso missachtet, wie die Tatsache, dass es absolut keinen Grund gäbe, einem fremden Menschen einen Gegenstand zur Leihe zu überlassen, wenn dafür keine Gebühr verlangt würde. Wer würde einem fremden eine Wohnung geben, ohne Miete zu verlangen? Und wer bitte sollte einem fremden das Geld überlassen, um sich eine Wohnung zu kaufen, wenn nicht gegen eine entsprechende Leihgebührt? Wer soll ein Unternehmen führen, wenn er aus seinem ausgelegtem Kapital keine Rendite erwirtschaften darf?

All diese dämlichen Phantasien sind unausgegorene Wolkenkuckucksheime irgendwelcher Pseudoökonomen, die überall im Internet eine ahnungslose Anhängerschaft um sich scharen, die keine Lust hat, über die tieferen Zusammenhänge in der Wirtschaft nachzudenken, sondern die einfache und populistische Antworten bevorzugt. Auch wenn es findigen arabischen Kaufleuten möglich war, das Zinsverbot teilweise zu umgehen, sehe ich es als Hauptgrund dafür, weshalb die einzige Möglichkeit, in Arabien auf ehrliche Weise zu Wohlstand zu kommen, die ist, auf einer sprudelnden Ölquelle zu hocken. Ohne eine ausgeprägte Kreditwirtschaft ist eine Unternehmenskultur, wie sie es in den Teilen der Welt, die dem Zinssystem gegenüber offener gegenüber stehen, gibt, nicht vorstellbar.

So wie ich jedem Anhänger des Sozialismus vor dem Mauerfall nahegelegt habe, doch nach Moskau zu ziehen, werde ich in Zukunft dem ganzen Zinskritergesinde empfehlen, nach Kabul oder Baghdad umzusiedeln. Ma`a salama!

dickbrettbohrer , am 02. September 2009 um 18:14 ( Link )

@Ernst-Gottlieb von Emhofen

Sehr richtig, lieber Herr von Emhofen! Wenn nur das Wort „Zins“ seine Akustik im Raum entfaltet, setzt schon das Denken aus. Dank jahrzehntelanger abstrakter Indoktrination an den staatlichen Schulen (Kinder müssen altklug nachplappern, was sie nicht verstehen) wird der eigene Denkapparat des Erwachsenen der vollkommenen Schonung preisgegeben, was zur Folge hat, daß manches Gehirn in neuwertigem Zustand mit dem Menschen untergeht.
Die staatlich verordnete Zinssenkung gegen Null stellt sich als verdeckte Enteignung dar – eine ungerechtfertigte Bevorteilung der Schuldner bei massiver Zwangsenteignung der Gläubiger. Es gibt absolut keinen Grund, weshalb jemand sein sauer Erarbeitetes und Erspartes bei allem Risiko fremden Personen leihen solle, wenn er dafür keinen Zins erheben darf und dabei meist das volle Risiko des Ausfalls trägt. Auch unsere phobischen Zinsneurotiker würden das nicht tun. Aber so weit reicht anscheinend der in Dauerkur befindliche Verstand nicht.

TrebMelsa Fördermitglied , am 02. September 2009 um 19:37 ( Link )

@ Ernst-Gottlieb von Emhofen

Toll! 100% Zustimmung.

Übrigens unsere religösen Zinsverächter - mit christlichem Hintergrund - sollten einmal das Neue Testament genau lesen, z. B. Matthäus 25, 14 - 30 oder Lukas 19, 12 - 27. Nach der Lektüre dieser Gleichnisse ist es schwer - sola scriptura - ein biblisch-basiertes Zinsverbot zu verteidigen.

Jürgen Hodler , am 02. September 2009 um 21:48 ( Link )

Fakt ist: Die Kameltreiberreligion ist erkennbar erfolgreich - der Liberalismus hingegen eine wohl eher untergehende Elfenbeindisziplin.

Das, werter Kreuzweis, ist so nicht ganz richtig. Der Altliberalismus, sprich dieser sog. „Klassische Liberalismus“, ist keine untergehende, sondern eine schon längst untergegangene Disziplin. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß der für empfindliche Zinken nun wirklich unerträgliche Verwesungsgestank dieser Leiche bis zum heutigen Tage nachwirkt. Über die entsprechenden Gründe habe ich in diesem Forum schon mehr als genug verlauten lassen. Aber bei Bedarf kann ich mich auch gerne wiederholen.

Da der Liberale zu 'clever' zum kämpfen (und sterben) ist, wird er sein Kapital packen und den Lebensraum räumen.

Mit „clever“ hat dies nun wahrlich nichts zu tun. Ansonsten möchte ich auf diesen Beitrag verweisen.

Unter diesen Umständen sehe ich immer mehr nur noch im Nationalismus - ob deutsch oder europäisch - einen Rettungsring.

In gewisser Weise ist es Schad’, daß Sie diesen Schluß ziehen. Ist der Nationalismus doch eine anrüchige Errungenschaften der Französischen Schlächterei und somit auch ein legitimes Kind des Liberalismus.

Querdenker , am 02. September 2009 um 22:23 ( Link )

@ Ernst-Gottlieb von Emhofen

Bitte vergessen Sie nicht den US-Zinsgläubigen ein Ausreiseangebot zu unterbreiten.
Es soll in den USA schon Regionen geben, die schlimmer aussehen wie Erichs Schwerpunkte.
Es lohnt sich zu filmen, wie sich der american of way
in way of american entwickelt.

Der Zins ist garantiert schuldlos.

ISBN3451322005 , am 02. September 2009 um 22:50 ( Link )

Nachdem ich mich hier mal wieder, aus Spaß an der Freude, daran versucht habe als geistige Abrissbirne durch zu schwingen, schrecken einige Herren plötzlich wie verpennte Dorfköter hoch, weil sie, von was auch immer traumatisiert, irgendwo ein Zinsverbot wittern, das nun wirklich nirgendwo zu Diskussion stand, fangen an zu kläffen und pinkeln sich wegen dem Nebenkampfschauplatz Zins vor Aufregung gegenseitig warm ans Bein.

Für meine Begriffe ein gelungener Abschluss dieser Veranstaltung.

Jürgen Hodler , am 02. September 2009 um 23:17 ( Link )

Jetzt muß ich doch noch einige Zeilen loswerden:

Oh je, die ewigen Zinskritiker kommen mal wieder von ihren Elfenbeintürmen herab, um der unwissenden Menschheit das Paradies auf Erden zu versprechen, wenn nur dieser vermaledeite Zins endlich abgeschafft würde!

Werter Herr von Emhofen, ich habe zugegebenermaßen keine Ahnung, wo diese aus ihren Elfenbeintürmen herabsteigenden Zinskritiker - ein gewisser Liberalkatholizist wittert gar „Zinsverachtung“ – in diesem Strang zu finden sind. Ich habe die Beiträge des Mitdiskutanten Matthias S. doch mit einer gebotenen Sorgfalt gelesen und somit darf ich auch sagen, daß ich dahingehend keine Anhaltspunkte fand. Es ist aber voll und ganz berechtigt, wenn er auf folgenden Punkt hinweist: Was bedeuten Zins und Ökonomie für den Sinn der Geschichte und das Erleben Gottes? Gar nichts! Hier verbirgt sich lediglich die erbärmliche Besserwisserei der „Aufgeklärten“, welche aus bisweilen zweifelhaften ökonomischen Erkenntnissen gar eine Weltanschauung kreieren und lediglich – und das ist kennzeichnend für eine durch und durch degenerierte Gesellschaft - im Produktiven und im linearen Fortschritt die eigentliche Bestimmung des Menschengeschlechts zu erkennen glauben. Hier wird der Erlösungsgedanken des Christentums quasi versäkularisiert. Dennoch echauffiert sich der werte Herr von Emhofen über die Paradiesbeschwörer.

Dabei ist es auch vollkommen gleichgültig, ob diese Paradiesbeschwörer nun im konkurrenz- oder im staatskapitalistischen Gewande daherkommen. Der kommende große Kollaps wird nämlich schonungslos offenbaren, daß der – um mit dem bisweilen von mir gern gelesenen Robert Kurz zu sprechen - konkurrenzökonomische Kapitalismus nicht unbedingt als ein Erfolgsmodell, sondern als Moment ein und desselben Geschichtsprozesses der Moderne zu begreifen ist, welcher auch die vermeintlich antipodische Planwirtschaft hervorgebracht hat. Der wahre Despotismus der Moderne ist nämlich in der Tat – und auch darauf weist der liebe Matthias S., wenn auch durch die Blume, nicht ganz zu unrecht hin – der subjektlose Absolutismus des Geldes. Über kurz oder lang werden der zum extrem getriebene Etatismus des Sozialismus und der Monetarismus der westlichen Konkurrenzökonomie in einer sich immer mehr auftürmenden und sich beschleunigenden Entwicklung zum letzten Amoklauf ansetzen und ich darf Ihnen, werter Herr von Emhofen, versichern, daß anschließend niemand mehr nach einer „Zeitpräferenzrate“ fragen wird. Da brauche ich nicht einmal eine Glaskugel.:)

Viscount , am 03. September 2009 um 5:08 ( Link )

@J. Hodler

Monsignore, ich lese Sie immer gern, frage mich aber beizeiten, ob Sie auch mal jenseits innerlicher Warmbäder beim Sichauslassen über die »Altliberalen« (wer firmiert eigentlich bei Ihnen unter diesem Signet? Die Vagheit Ihrer diesbezüglochen Andeutungen nötigt mich zur Nachfrage!) einen tatsächlich zündenden Gedanken hätten?

Oder bin ich dazu an das »Buch der Bücher« verwiesen?

vonclausewitz , am 03. September 2009 um 5:50 ( Link )

@ Jürgen Hodler

Und das mit dem "subjeklose Absolutismus des Geldes" war in vormodernen Zeiten weniger schlimm? Wenn ja, aus welchen Gründen?

bernd_lessing , am 03. September 2009 um 7:55 ( Link )

@Jürgen Hodler:

Woraus schließen Sie, dass (a) Libertäre das Geld über alles stellen und (b) dass Kapitalismus in Reinform ebensowenig funktioniert wie der Sozialismus in seinen mehr oder minder ausgeprägten Formen? (Das sind ja wohl die beiden Kernaussagen aus Ihrem Beitrag, oder?)

Beides sind Hypothesen, die ich gerne systematisch für Sie zerpflücke - da Sie jedoch diese Argumente aufgebracht haben, überlasse ich Ihnen gerne den Vortritt bei der Argumentation. Bis dahin verbuche ich beides für mich in der Kategorie "nicht ernstnehmen".

ISBN3451322005 , am 03. September 2009 um 10:38 ( Link )

Ohne mich aufdrängen zu wollen und mit der Gewissheit, dass sich Jürgen sehr wohl selber zu wehr zu setzen versteht - fragt sich nur wozu eigentlich die Mühe - hier einige Hinweise aus dem Buch von Philippe Aries „Geschichte des Todes“

@vonclausewitz

Und das mit dem "subjeklose Absolutismus des Geldes" war in vormodernen Zeiten weniger schlimm? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Erst seit der industriellen Revolution kann der jährliche Mehrwert wieder ins produktive Kapital investiert werden, in Maschinen Eisenbahnen usw…Früher ging dieser Mehrwert, selbst in ziemlich primitiven Gesellschaften, gewöhnlich in öffentliche oder religiöse Bauvorhaben ein. Was die Reichen ehemals von ihren Einkünften nicht verzehrten, horteten sie. Aber jeder gehortete Schatz musste eines Tages „dethesaurieren“ werden; war dieser Tag gekommen, zögerte man weniger als wir heute, ihn zum Bau eines Tempel, einer Kirche oder für fromme oder mildtätige Stiftungen zu verwenden, denn das waren keine verpassten Gewinnchancen. Wohltäter und fromme oder mildtätige Stifter haben vor der industriellen Revolution einen sehr verbreiteten Typus des homo oeconomicus dargestellt.

Die testamentarisch verfügte „dethesaurieren“ von Vermögen, ging nach J.Heers teilweise so weit, dass der Adlige seine Erben verarmen ließ.

Als das Testament im Alltagsgebrauch des 12. Jahrhunderts wieder auftaucht, ist es nicht mehr das, was es in der römischen Antike war und was es gegen Ende des 18. Jahrhunderts wieder werden sollte: ein Akt des Privatrechts, ausschließlich dazu bestimmt, den Erbgang der hinterlassenen Güter zu regeln. In erster Linie war es nämlich ein religiöser Akt.

Im 18. Jahrhundert gewinnt diese moralische Verpflichtung zu Aufteilung unter den Erben die Oberhand über Almosenverteilung und die frommen Stiftungen, die im Begriff sind, ungewöhnlich zu werden. Diese Verschiebung ist bedeutsam und muss festgehalten werden.

Max Weber hat dem Kapitalisten, der keine unmittelbaren Genuss aus seinem Reichtum zieht, aber Profit und Kapitalakkumulation als Zweck an sich auffasst, den präkapitalistischen Menschen gegenübergestellt, dem bereits der bloße Umstand, dass er Besitz hat, eine Befriedigung verschafft.

Jetzt ich wieder ich, im O. Ton…

„Dethesaurieren“, mit quasi NULL Ergebnissen bei Google, ist mir dabei einer meiner Lieblingsbegriffe. Dethesaurieren ist vollkommen out und in dem oben vorgetragenen Sinne total in Vergessenheit geraten, um nicht zu sagen in der modernen akademischen Ideenwelt vollkommen undenkbar. Trotzdem klopft die allumfassende „Dethesaurierung“, mit dem ganz ganz großen Holzhammer, nach jahrzehntelanger Wohlstandsmehrung, unwiderstehlich an der Kellertür der Moderne und zerrte die von ökonomischer Rationalität durchdrungene Menschheit, die angeblich um seine „Natur“ weiß, aus dem Dunkel der eigenen Idiotie gnadenlos ans Tageslicht. Meine Begeisterung für diesen Umstand ist Grenzenlos. Ich find’s voll geil!!

In diesem größeren Rahmen stelle ich mir am Rande die Frage, was die Menschen in 1000 Jahren von unserem Schaffen für bewahrenswürdig halten und im Museum bestaunen. Ich gehe mal davon aus, dass es für uns keine Museen geben wird, nur einen Haufen Mahnmale.

TrebMelsa Fördermitglied , am 03. September 2009 um 13:48 ( Link )

@ Jürgen Hodler

Der an den Islam angelehnte Text von Dr. Spiele und der ans Alte Testament angelehnte Beitrag von ISBN3451322005 lassen für mich schon den Satz zu:

„Übrigens unsere religösen Zinsverächter …“

Sie sehen dies anders – auch in Ordnung!

ISBN3451322005 , am 03. September 2009 um 14:26 ( Link )

Für mich ist es immer wieder erbaulich, wenn ich meine Schwierigkeiten beim sinnentnehmenden Lesen mit anderen teilen darf. Blöd ist nur, wenn man von diesen Schwierigkeiten offenbar überhaupt nicht nichts mitbekommt.

@TrebMelsa

der ans Alte Testament angelehnte Beitrag von ISBN3451322005

Mir wird langsam total kafkaesk..., wo angelehnt? An Onan?? Werde mal bitte konkreter. Ich habe das Alte Testament nämlich nicht gelesen. Ich kenne nur oberflächlich die Blockbuster-Geschichten aus den Bilel-Comics ("Die Bibel im Bild") in den ich vor Jahren mal geblättert habe.

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 03. September 2009 um 14:31 ( Link )

Werter Herr Hodler,

Was bedeuten Zins und Ökonomie für den Sinn der Geschichte und das Erleben Gottes? Gar nichts!
Was bedeutet der erste Hauptsatz der Thermodynamik für den Sinn der Geschichte und das Erleben Gottes? Gar nichts! Sollten deshalb alle Wissenschaften, die keinen theologischen Kern haben, verworfen werden? Wird Ihr Mercedes durch Ihren Glauben an Gott oder durch areligiöse mechanische Ingenieursleistung angetrieben?
Hier verbirgt sich lediglich die erbärmliche Besserwisserei der „Aufgeklärten“, welche aus bisweilen zweifelhaften ökonomischen Erkenntnissen gar eine Weltanschauung kreieren und lediglich – und das ist kennzeichnend für eine durch und durch degenerierte Gesellschaft - im Produktiven und im linearen Fortschritt die eigentliche Bestimmung des Menschengeschlechts zu erkennen glauben.
Vielleicht darf ich Sie daran erinnern - sofern Sie bis heute überhaupt davon wussten - dass der Grundstein der derzeitigen Wirtschaftswissenschaften durch die erzkatholische Schule von Salamanca gebildet wurde, deren Erkenntnisse über Preisbildung, Tausch, Zins, Geld und Eigentum bis heute nahezu unwidersprochen sind. Was Sie dem Berufstand der Ökonomen kollektiv vorwerfen, nämlich die Bestimmung der Menschheit in Produktivitätszuwächsen zu suchen - ist absoluter Blödsinn. Ziel der Wirtschaftswissenschaften ist es, und das haben die spanischen Gelehrten genauso verstanden wie das ihre geistigen Nachfahren tun - wirtschaftliche Zusammenhänge zu erforschen und vor allem Landesfürsten (heute Politiker) davon abzuhalten, widersinnige Gesetze zu verabschieden.
Es ging und geht nicht darum, das Paradies auf Erden zu schaffen, sondern die Hölle auf Erden zu verhinden. Worum es Keynesianern, Marxisten und Gesellianern genau geht, kann ich leider nicht sagen.

Zu Ihrem nachfolgendem Untergangsgeschwafel kann ich nur anmerken: Schön für Sie!

Mit freundlichen Grüßen
Ernst-Gottlieb von Emhofen

TrebMelsa Fördermitglied , am 03. September 2009 um 15:41 ( Link )

@ ISBN3451322005

>>Ich hege mittlerweile den Verdacht, dass die verstaubten Religionsstifter, mit dem Nahelegen von Gnaden und Erlassjahren<<

Aus diesem Text habe ich aufs Alte Testament geschlossen, und zwar auf die mosaischen Gesetze, also die fünf Bücher Mose. Entschuldigung, falls ich Ihnen damit auf - bildlich gesprochen - die Füße getreten bin und Sie falsch interpretier habe.

Viscount , am 03. September 2009 um 16:46 ( Link )

@TrebMelsa

Die Schwierigkeit, etwas falsch zu interpretieren, liegt bei den Herren ISBN und J. Hodler bedauerlicherweise stets nahe und hat ihren Grund darin, daß die Genannten in aller Regel so vage bleiben, daß selten etwas anderes als Mißverständnis dabei herauskommen kann.

Ich persönlich wäre ja sehr an einem vertieften Dialog mit beiden interessiert, deshalb frage ich ja gelegentlich nach. Herr ISBN hat im Rahmen einer anderen Diskussion geschrieben, ihm ginge es vorrangig darum, »Steine in den Weg zu legen«; das übrigens ein sehr legitimes Ansinnen, denn wo Theorien ihnen in den Weg gelegten Steinen nicht standhalten, besteht Anlaß, die Theorie selbst zu überprüfen. So ist der Gang der Dinge, und seine Bewährtheit spricht für sich.

Was ich durchaus einmal mit Spannung erwartete ist eine Debatte zwischen Aufklärung und Gegenaufklärung—dies ist bis heute in der nötigen Form unterblieben und der Generalmangel oft beider Seiten ist gerade die Verklärung des eigenen Standpunkts: Die bloße confessio per se ist allerdings denkbar schlecht geeignet, zu einem Ergebnis zu führen oder auch nur die Kontaktfläche sichtbar werden zu lassen, auf der der Konflikt ausgetragen werden muß.

Was mich stets irritiert ist das Lagerdenken: Die einen wittern Verfall (und täuschen sich über die Ursachen) und laufen früher oder später in die Früher-war-alles-besser-Kategorie hinein, die anderen bescheinigen postwendend Vorgestrigkeit (und täuschen sich über die eigene Beckmesserei bei der Angelegenheit). Die einen wollen den nackten Machtpositivismus, die anderen in der Mehrzahl den Relativismus.

Alles in allem nichts, womit man fruchtbar umgehen könnte.

ISBN3451322005 , am 03. September 2009 um 17:02 ( Link )

@TrebMelsa

Aus diesem Text....

Da muss ich Ihnen natürlich vollkommen recht geben. Dieser Mosaikstein entstspringt dem Alten Testament. Beim Rückblick auf meine ambitionierte Generaldemontage der Mitdiskutanten habe ich dergleichen Details manchmal nicht mehr auf dem Schirm.

Ich dachte die Alte Testament Anlehnung bezog sich auf meinen letzten Beitrag mit der „Dethesaurierung…“

Viscount , am 03. September 2009 um 18:09 ( Link )

@ISBN

Die von Ihnen angesprochene »Dethesaurierung« ist höchst interessant. Beginnen wir aber mal am Anfang, um das Problem zu beleuchten:

In der Zeit, in der man sich mit dieser Idee bewegt, gab es in jedem Duodezfürstentum einen Almosenier, im HRR nicht anders als in Italien, Spanien, im Frankenreich und sogar im fernen Ural. Es gehörte selbstverständlich dazu, daß der Potentat die ARmen, Unschuldigen und Unterdrückten versorgt. Es war ja zu dieser Zeit eine Gesellschaft vorhanden von festem Bau: Die Ordnung war von Gott gegeben und zwar jedem durch sein Zurweltkommen: Wer weiter oben ankam, der kam dort deswegen an, weil es höchstes Wollen war, daß es so geschehe.

Im Übrigen haben Sie Ariès' Ausführungen zu den Kindern und Familien vergessen, die man durchaus dazulesen muß, um zu einer Gesamtschau seiner Befunde zu kommen, und da ist das Bild eben ein durchaus ambivalenteres: Es lässt sich ein Bogen spannen von der römisch-griechischen Antike bis in die Zeit der Renaissance, in der das Ideal selbstverständlich jeden, der dazu imstande war, zur Freigiebigkeit verpflichtete. Es kam sogar dahin, daß die italienischen Herren sich im Freigiebigsein gegenseitig übertrumpften—und siehe da, es wurde postwendend als unchristliche Prasserei und Prahlerei verabscheut.

Ganz abgesehen davon, daß es für den Erben an sich sehr problematisch sein kann, wenn ihn der väterliche Wille mangels nachgelassener Masse in die Armut entlässt (und er womöglich in das vom Ahnherrn gestiftete Spittelhaus nebenan ziehen darf) impliziert das natürliche Sich-kümmern selbstverständlich zunächst und zumeist das Kümmern um die, die einem am nächsten sind, und das sind in erster Linie die eigenen Anverwandten.

Man muß es doch objektiv gesehen reichlich dubios finden, wenn einer ein Waisenhaus in die Gasse mauern lässt, aber seine eigenen Kinder zum Bettelstab verdammt—fast so wie Marx, der sich für das Proletariat der gesamten Welt in die Gräben schmiß, während ihm gleichzeitig der eigene Nachwuchs verhungerte.

Und in Extension der Idee:
Die Vorstellung, daß ein Bedürftiger heutzutage ein »Almosen« empfangen könnte oder einem Gönner gar zu Dank verpflichtet sei dafür, daß er durch dessen Freigiebigkeit von einem harten Los frei sei, ist für den modernen Umverteilungsprofiteur schlichtweg unerträglich: Er hält es selbstverständlich für ein unveräußerliches »Recht«, durchgebracht zu werden, er fußt darauf auch wie selbstverständlich einen durchsetzbaren »Anspruch«: Wer nicht von sich aus freigiebig ist, den darf man halt auch mal dazu zwingen, nicht wahr?

Es ist dahin gekommen, daß das Almosen an sich schon ein Schimpfwort geworden ist, das man denjenigen entgegen schleudert, der tatsächlich eines zu vergeben hätte.

Das hängt weniger mit der avaritia zusammen als vielmehr mit dem tatsächlich so zu nennenden Niedergang an natürlicher Autorität und allem, was darauf baut. Wo auctoritas erzwungen wird, wird sie zur potestas—und das ist etwas ganz und gar anderes.

TrebMelsa Fördermitglied , am 03. September 2009 um 19:26 ( Link )

@ Viscount

Ihr Rückblick und Ihr aktueller Befund in Sachen Almosen ist hervorragend: dazu ein 100%iges JA!

@ Jürgen Hodler

Sehr geehrter Herr Hodler,

mit „Liberalkatholik“ hatte Sie doch sicherlich mich angesprochen – oder?

Katholisch und liberal sind für mich jedoch keine Gegensätze, denn den Dekalog des Alten Testamentes interpretiere ich – wie übrigens andere Libertäre auch – als eine Art libertäres Manifest: als eine Anleitung, wie ich selbst durch eigenes Handeln zu einer guten, menschlichen Gesellschaft beitragen könnte.
Hierin bestärkt mich der allgemeine Lehrer der katholischen Kirche, der heilige Thomas von Aquin, dessen Philosophie 1879 vom damaligen Papst zur allgemeinverbindlichen Lehre der römisch-katholischen Kirche erhoben worden ist. Bei Thomas kann man Demut und Toleranz lernen, seine Positionen sind mitunter ganz anders als die Vorgaben der römischen Kurie. Steht also die Kurie, entgegen ihrer eigenen Behauptungen, nicht in der thomistisch-aristotelischen Tradition?
Wenn ich den großen katholischen Liberalen Lord Acton hinzuziehe und diesen mit Thomas kombiniere, dann glaube ich meine Frage mit „Ja“ beantworten zu dürfen!

Ich selbst betrachte mich als katholisch in der Tradition des Thomas von Aquin und des Lord Acton, von daher ist katholisch für mich sowieso „liberal“, ja sogar „radikal-liberal“.
Da das offiziöse Rom vielfach andere Positionen einnimmt als ich, können Sie mich, wenn es Ihnen Spaß macht, gerne als „aktiven Protestierenden (Protestanten?) innerhalb der römisch-katholischen Kirche“ betrachten.

bernd_lessing , am 03. September 2009 um 20:01 ( Link )

@Viscount:

Uneingeschränkte Zustimmung zum Thema Almosen!

Wie ich an anderer Stelle schon schrieb: Da, wo ein "Recht" auf Hilfe postuliert wird, ist es mit dem Untergang der Moral nicht weit her.

Jürgen Hodler , am 04. September 2009 um 1:53 ( Link )

Werter Herr Emhofen, hier hat sich zwischenzeitlich ja einiges angesammelt und Ihre Replik hat mich in der Tat auf den ersten Blick regelrecht erquickt. Ich habe nämlich wirklich keine Ahnung, wo in einem meiner vorhergehenden Beiträge von einer generellen Verwerfung der Wirtschaftswissenschaften die Rede gewesen wäre. Ich kann mich wirklich nicht entsinnen. Ebensowenig kann ich mich entsinnen, daß in diesem Strang Tausch, Zins oder gar das Eigentum zur Disposition gestanden hätten. Das Herauswinden der Altliberalen / Neolibertären wird in der Tat von Stund’ zu Stund’ abstruser. Und diese Leute wollen mit Hilfe der Ökonomie die Welt erneut auf den Kopf stellen. Aus diesem Grunde sollte doch wenigstens ein altliberaler / neolibertärer Theoretiker die angeblichen Segnungen sowohl des Altliberalismus als auch des Kapitalismus aus einem ideen- bzw. geistesgeschichtlichen Kontext heraus zu begründen wissen. Aber nichts dergleichen ist der Fall. Man verliert sich lieber im Vagen. Zur Not begnügt man sich auch mit der Taktik der Kollegen auf Seiten der Linken. Da wird man freilich auch nur allzu gern mit einem „ist mir zu blöd“, „schaffen Sie sich erst einmal die nötigen Grundlagen“, „man hat die Schriften des großen Übervaters nicht verstanden“ etc. pp. beglückt.

Jetzt zum großen Hammer:

Was Sie dem Berufstand der Ökonomen kollektiv vorwerfen, nämlich die Bestimmung der Menschheit in Produktivitätszuwächsen zu suchen - ist absoluter Blödsinn. Ziel der Wirtschaftswissenschaften ist es, und das haben die spanischen Gelehrten genauso verstanden wie das ihre geistigen Nachfahren tun - wirtschaftliche Zusammenhänge zu erforschen und vor allem Landesfürsten (heute Politiker) davon abzuhalten, widersinnige Gesetze zu verabschieden.

In Sachen spanischer Spätscholastik brauche ich von Ihnen ganz gewiß keine Nachhilfe. Dieses herablassende Geschwurbel läßt eigentlich nur vermuten, daß bei Ihnen – und da nehme ich in der Tat kein Blatt vor den Mund – gar vieles im Argen liegt. Wenn ich Ihre obigen Worte nun richtig interpretiere, dann finden sich in den Altliberalen Ihrer Lesart nach ja gar geistige Nachfahren der spanischen Spätscholastiker. Dabei sollte hier richtigerweise betont werden, daß die Altliberalen lediglich an diverse ökonomische Erkenntnisse der spanischen Spätscholastiker anknüpften. Ansonsten finden sich hier keinerlei Übereinstimmungen. Weder im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Kontemplation und Arbeit (auch hier lehnte sich die Schule von Salamanca ganz eng an den Heiligen Thomas an) noch auf die eigentliche Wesensbestimmung des Menschen. Letztere ist nämlich im Hinblick auf den eigentlichen Konsequenzcharakter der Ethik unerläßlich. Dies ist insbesondere dahingehend von Interesse, als sich der Rationalist Ludwig von Mises mit der nun wirklich oberflächlichen Erkenntnis vom „bewußt handelnden Menschen“ begnügte. Der Mensch wird also zu einem bloßen Triebwesen degradiert, dessen Streben sich in der Wohlstandsvermehrung erschöpft. Die daraus resultierenden Unzulänglichkeiten können wir, werter Herr von Emhofen, gerne in einem Disput klären. Insbesondere im Hinblick auf ein bloßes Vernunftrecht ohne jedweden Bezug zur menschlichen Wesensnatur wäre ein Disput hochinteressant. Mich will es nämlich nicht verwundern, wenn von Mises mit keiner Silbe verlauten läßt, wie die Rechtsordnung in einem ihm genehmen politischen Liberalismus zu gestalten ist. In dieser Hinsicht findet sich bei ihm nämlich nichts. Allerdings bezweifle ich, daß es diesbezüglich überhaupt zu einem Disput kommen wird. Ebenso wäre noch zu erwähnen, daß die Schule von Salamanca trotz diverser – mir will auf die Schnelle nichts Besseres einfallen – „demokratischer“ Einflüsse strikt am großen abendländischen Konsens im Hinblick auf das Verhältnis von der Person zur Gemeinschaft festhielt. Soll heißen: Der Mensch ist ein geistbestimmtes Sinnwesen, in dem sich Geist und Leib in untrennbarer Einheit zusammenfinden. Er ist also zugleich Gemeinschaftswesen und Person (kein „Individuum“!). Nun versteht es sich von selbst, daß diese ganzheitliche Schau mit dem altliberalen Individualismus in keinem Punkte in Einklang zu bringen ist und es ist folglich doch ein wenig vermessen, wenn man in Salamanca gar ein Hort des „klassischen Liberalismus“ vermutet. Ich darf Ihnen gar versichern, daß de Vitoria, de Soto, Suárez & Co. den autoritären Verfassungsstaat altliberaler Prägung im 18. Jahrhundert mit nicht gekannter Vehemenz bekämpft hätten.

Dann ist es Ihrer Lesart nach freilich dumm, wenn ich in der Produktivität und den linearen Fortschritt als die eigentliche Wesensbestimmung des Menschengeschlechts zu erkennen glaube. Wer weiß, vielleicht bin ich zum erbaulichen Studium der Schriften des Ludwig von Mises in der Tat zu dumm. Ich lasse mich ja auch gerne „aufklären“. Aber dabei war es doch von Mises, der den verquasten und recht unwissenschaftlichen Kampfbegriff „Kapitalismus“ mit der bloßen Massenproduktion gleichsetzt. Das menschliche Streben erschöpft sich also – wie vorhergehend erwähnt – in der reinen Wohlstandgenerierung. Als ob dies mit Glück gleichzusetzen wäre. Hier wäre dann aber zu klären, inwieweit der Gute mit dieser Festlegung die von ihm stets hochgehaltene „Werteneutralität“ der Österreichischen Schule geradezu ad absurdum führt. Dann ist es freilich müßig zu erwähnen, daß sich in dieser Wohlstandsgenerierung natürlich auch die übliche Heilserwartung findet. Allerdings tritt er in dieser Hinsicht gar noch hinter die sog. „Aufklärer“ zurück. Die stellten nämlich zuallererst eine aus dem Aufklärungsglauben resultierende sittliche Vervollkommnung in den Vordergrund.

Ergänzend zitiere ich noch spaßeshalber aus der Nationalökonomie:

„In der Feststellung und Erforschung dieses Tatbestandes liegt der Beitrag, den die Nationalökonomie zum Aufbau der menschlichen Kultur geleistet hat. Es hängt von den Menschen ab, ob sie von dem Geistesgut, das sie in der Nationalökonomie besitzen, den zweckmäßigsten Gebrauch machen wollen, oder ob sie es unbeachtet und ungenutzt brachliegen lassen werden. Wenn sie aber darauf verzichten sollten, in ihrem Handeln den Ergebnissen des wissenschaftlichen Denkens Rechnung zu tragen, werden sie nicht die Nationalökonomie zertrümmern, sondern die Gesellschaft, die Kultur und das Menschentum.“

Das, werter Herr von Emhofen, ist nichts anderes als die typische Arroganz des Intellektuellen, wie sie auch mit aller Selbstverständlichkeit bei der Linken beheimatet ist. Man will gar sagen, daß sich hier der Kreis schließt. Folglich wiederhole ich mich auch wortwörtlich: Hier verbirgt sich lediglich die erbärmliche Besserwisserei der „Aufgeklärten“, welche aus bisweilen zweifelhaften ökonomischen Erkenntnissen gar eine Weltanschauung kreieren und lediglich – und das ist kennzeichnend für eine durch und durch degenerierte Gesellschaft - im Produktiven und im linearen Fortschritt die eigentliche Bestimmung des Menschengeschlechts zu erkennen glauben. Und dabei ist es mir schnurzegal, ob einem Liberalisten Ihres Schlages dieses Resümee mißfällt.

TrebMelsa Fördermitglied , am 04. September 2009 um 6:38 ( Link )

@ Jürgen Hodler

§§§§§§§§§
Ich darf Ihnen gar versichern, daß de Vitoria, de Soto, Suárez & Co. den autoritären Verfassungsstaat altliberaler Prägung im 18. Jahrhundert mit nicht gekannter Vehemenz bekämpft hätten.
§§§§§§§§§§§§

Woher wissen Sie das? Haben Sie mit den Herren gesprochen?

ISBN3451322005 , am 04. September 2009 um 8:19 ( Link )

@TrebMelsa

Woher wissen Sie das? Haben Sie mit den Herren gesprochen?

Abgrundtief hilfloser Kommentar um nicht zu sagen würdelose…

TrebMelsa Fördermitglied , am 04. September 2009 um 8:22 ( Link )

@ ISBN3451322005

Nur herausfordernd, um endlich einmal eine Antwort von dem Herrn zu erhalten!

ISBN3451322005 , am 04. September 2009 um 8:43 ( Link )

@Viscount

Ups? Plötzlich so dicht an des Pudels Kern??

Das hängt weniger mit der avaritia zusammen als vielmehr mit dem tatsächlich so zu nennenden Niedergang an natürlicher Autorität und allem, was darauf baut.

Hier neige ich, ganz entgegen meiner Vorliebe, ausnahmsweise mal zur Zustimmung. Und ganz im Sinne meiner Vorliebe gleich zum weiter Fragen.

Die Ursache für die damalige „Dethesaurierung“ oder Almosengebaren ist nicht darin begründet, dass der damalige Mensch als Gutmensch oder moralisch reiner zu Werten ist. Ich gehe davon aus, das sich im Schatten der Kirche ein rüpelhaft freiheitliches „Lotterleben“ entfalten ließ, von dem ich als Stechuhrsklave in den Fängen des modernen Rechtsstaates nicht mal zu träumen wage.

Die Ursache für die „Dethesaurierung“ oder Almosengebaren liegt vielmehr darin, dass die Leute vor der natürlichen Autorität die Hosen voll hatten - vor Gott. Man warf dem Bettler nicht wegen Gefühlsduselei ein paar „Öre“ ins Töpfchen, sondern weil der Bettler, als Dienstleister, ein Gebet für das Seelenheil des Spenders gen Himmel sendet. So hatte der Bettler, entgegen dem modernen Harz-IV-Schnorrer eine konkrete Funktion, einen Sinn. Vor allem vermutlich für diejenigen, die zum stiften eines Spitals am Ende ihrer Tage zu wenig auf der Tasche hatten.

Nun aber zur Mutter aller Steine die ich Ihnen in den Weg lege.

Wer oder was soll, in drei Teufelsnamen, die natürliche Autorität, die, wie Sie richtigerweise feststellen, im Niedergang begriffen ist und zwar streng proportional zum Glaubensabfall, wieder beleben?

Wie wollen Sie eine natürliche Autorität mit den Begriffen Rationalität, Aufklärung, Verstand, Vernunft, Freiheit und Individualität konstituieren? Wie wollen Sie mit unserer modernen Denke eine unbeugsame verbindliche allgemeingültige natürliche Autorität legitimieren?

Kraft unseres Verstandes kramen wir in der Welt rum, legen unser Hirn in dünnen Scheiben unters E-Mikroskop, starren bis an das Ende des Universums und nirgendwo ist eine natürliche Autorität zu finden. Also scheiße ich auf die natürliche Autorität und dreh mein Ding!! Damit rufe ich dann irgendwelche staatlichen Organe und Gutmenschen auf den Plan, die in ihrer Ratlosigkeit an Grundgesetzen, Menschenrechten und irgendwelchen andern Ersatz-Offenbarungen basteln. Über diesen Weg finde ich dann sogar noch gottlose Idioten, die mein Leben in der sozialen Hängematte finanzieren - umso besser!! Für mich die Krone des modernen individuellen Effizienzgedankens!!

Die Schwierigkeit, etwas falsch zu interpretieren, liegt bei den Herren ISBN und J. Hodler bedauerlicherweise stets nahe und hat ihren Grund darin, daß die Genannten in aller Regel so vage bleiben, daß selten etwas anderes als Mißverständnis dabei herauskommen kann.

Mag sein, dass die Beiträge der andern Mitdiskutanten nicht vage und in der Interpretation einleuchtend zu lesen sind, so sind sie aber doch nur Spreu.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Hochaktuelle Erkenntnis der modernen Astrophysik.

ISBN3451322005 , am 04. September 2009 um 9:45 ( Link )

@TrebMelsa

Woher wissen Sie das? Haben Sie mit den Herren gesprochen?

Nee komm, das ist keine Herausforderung sonder unfruchtbare Kinderkacke.

Wenn ich eine Person, in seinem Schaffen und Denken, eingebettet in seine Zeit(!!), soweit es mir möglich ist, redlich zu ergründen suche, so darf man sich sehr wohl ein Urteil erlauben wie es Jürgen hier gefällt hat.

Es wäre jetzt vielmehr an dir, dass potentielle Wohlwollen gegenüber dem Verfassungsstaat altliberaler Prägung im 18. Jahrhundert aus den Hinterlassenschaften von Soto, Suárez & Co hervor zu kehren. Dieses Bemühen könnte dann Früchte tragen.

TrebMelsa Fördermitglied , am 04. September 2009 um 10:34 ( Link )

@ ISBN3451322005

Das sehe ich anders als Sie! Entschieden anders!

Weiter, ich habe einige Sachen aus jener Schule, die Sie ansprechen gelesen, z. B...:

>Kann Krieg erlaubt sein?: Eine Quellensammlung zur politischen Ethik der Spanischen Spätscholastik<
> Vorlesungen von Francisco de Vitoria<
> Über die staatliche Gewalt. De Potestate Civili von Francisco de Vitoria<

Ebenso verschiedene Texte von Thomas von Aquin.
Und da ich in Sachen Philosophie und Theologie reiner Amateur bin oder interessierter Laie, habe ich selbstverständlich auch Sekundärliteratur hinzugezogen, um zum Gebäude der Scholastik hingeführt zu werden.
Dabei bin ich zu unterschiedlichen Ansichten als Sie und Herr Hodler gekommen! Das Thomasische und auch das Thomistische interpretiere ich anders als Sie und Herr Hodler.

Egal, ob ich Josef Piepers Werke über die Scholastik heranziehe oder mir das monumentale Buch von Fabian Wittreck zur Geldrechtslehre des heiligen Thomas von Aquin vornehme oder das Buch 'Recht und Gerechtigkeit bei Thomas von Aquin' von Stefan Lippert und dies in Verbindung setze mit den oben genannten Schriften und Kommentaren, dann ergeben sich für mich andere Ansichten als die von Herrn Hodler oder die von Ihnen.

bernd_lessing , am 04. September 2009 um 11:09 ( Link )

@ISBN3451322005:

"Wie wollen Sie eine natürliche Autorität mit den Begriffen Rationalität, Aufklärung, Verstand, Vernunft, Freiheit und Individualität konstituieren?"

Genau so, wie sie es beschrieben haben! Allerdings: Da diese "Autorität" auf der Erkenntnis und der Anerkennung einiger weniger, aber fundamentaler, rationaler Prinzipien beruht, wird es keine universelle Autorität sein, sondern eine freiwillige. Genau aus diesem Grund ist das Prinzip des Sezessionsrechts entscheidend.

"Also scheiße ich auf die natürliche Autorität und dreh mein Ding!! Damit rufe ich dann irgendwelche staatlichen Organe und Gutmenschen auf den Plan, die in ihrer Ratlosigkeit an Grundgesetzen, Menschenrechten und irgendwelchen andern Ersatz-Offenbarungen basteln. Über diesen Weg finde ich dann sogar noch gottlose Idioten, die mein Leben in der sozialen Hängematte finanzieren - umso besser! Für mich die Krone des modernen individuellen Effizienzgedankens!"

Auf den ersten Blick ein charmanter Gedanke. Funktioniert aber nur, solange es genug Leute gibt, die intelligent genug sind, um produktiv zu sein, und dumm genug, um Ihre Hängematte zu finanzieren. Außerdem könnte ich zumindest das nötige Maß an Zynismus nicht aufbringen, um mit einer solchen Haltung durch's Leben zu gehen. Aber wenn's Ihnen Freude macht - von mir aus. Solange Sie nicht erwarten, dass ich Sie durchfüttere. :o)

ISBN3451322005 , am 04. September 2009 um 11:34 ( Link )

@TrebMelsa


…interpretiere ich anders als Sie und Herr Hodler….

…dann ergeben sich für mich andere Ansichten als die von Herrn Hodler oder die von Ihnen…

….dabei bin ich zu unterschiedlichen Ansichten als Sie und Herr Hodler gekommen!

Na toll, und? Geheime Herrschaftsinterpretationen und Ansichten bringen mich aber leider nicht weiter? Gib mal Butter bei die Fisch!

ISBN3451322005 , am 04. September 2009 um 12:25 ( Link )

@bernd_lessing

Genau so, wie sie es beschrieben haben! Allerdings: Da diese "Autorität" auf der Erkenntnis und der Anerkennung einiger weniger, aber fundamentaler, rationaler Prinzipien beruht, wird es keine universelle Autorität sein, sondern eine freiwillige. Genau aus diesem Grund ist das Prinzip des Sezessionsrechts entscheidend.

Man man man…., was in Gottes Namen für „wenige rationale Prinzipien“? Wissen Sie was eins von diesen wenigen fundamentalen rationalen Prinzipien ist? Andere für sich arbeiten lassen und sich nicht selber krumm machen, dass ist rational!! Oder etwa nicht? Dieses fundamentale Prinzip schließt Herr Benrd Lessing aber Kraft seiner nicht vorhandenen Autorität aus oder was?

Eine freiwillige Autorität?? Sagen Sie mal komm Sie vom Mars oder was? Haben Sie sich mal vor Augen geführt wie das in den Vergangenen 10.0000 Jahren auf diesem Globus gelaufen ist?

Eine freiwillige Autorität in den Raum zu stellen, die ich bei bedarf kündige, nach dem Motte „ach nö…, keinen bock mehr…, ich mach ab morgen mal bei den anderen mit“ und die es in dieser Form nirgends auf der Welt jemals gegeben hat, ist schon im Ansatz vollkommen irrational.

Wie Kolumbus, als er auf die Indios traf, wollen Sie wertlose Glasperlen einer freiwilligen Autorität gegen Gott eintauschen.

In diesem ganzen Kontext ist ein Sezessionsrechts auch nur noch eine konfuse Wucherung.

TrebMelsa Fördermitglied , am 04. September 2009 um 12:33 ( Link )

@ ISBN3451322005

Darüber haben wir uns in den Kommentaren zweier anderer Artikel schon ausgetauscht. Damals hatten Sie sich auch bedankt über die Literaturhinweise und mir auch – dankenswert – Literatur an die Hand gegeben.

Warum also die Diskussion, die damals eigentlich zu beiderseitigen Zufriedenheit abgeschlossen war, noch einmal aufnehmen?

Aber nichtsdestotrotz, zu Thomas von Aquin, den wir damals nicht so im Fokus hatten, noch ein paar Anmerkungen, denen Sie gerne widersprechen dürfen!
Thomas von Aquin, dessen Philosophie und dessen Lehren in der katholischen Kirche 1879 zur offiziellen Philosophie der katholischen Kirche erklärt worden sind, wird in der katholischen Kirche mit Ehrennamen überhäuft ist? Ehrennamen wie:
- "Doctor angelicus" - engelgleicher Lehrer
- "Doctor sanctus" - heiliger Lehrer
- "Doctor communis" - Lehrer der Gemeinschaft
- "Doctor humanitatis" - Lehrer der Menschlichkeit
Ehrentitel, die für sich sprechen.
Ich hoffe hier sind wir uns wenigstens einig?

Nun glaube ich, dass Thomas in sehr wichtigen Punkten andere Positionen vertritt als die römische Kurie. Da ich leider die ganze Literatur nicht greifbar habe, kann ich bedauerlicherweise nur aus dem Gedächtnis verschiedene Punkte aufzählen, und zwar:
- in Fragen der Sexualität ist Thomas keinesfalls lustfeindlich, eher das Gegenteil. Die Ehe ist für Thomas ein Vertrag, der in erster Linie der gegenseitigen sexuellen Lusterfüllung (Frau und Mann gleichberechtigt) eingegangen wird. Rom sieht dies, falls ich nicht irre anders und stellt die Vermehrung, das Kinderkriegen absolut in den Vordergrund.
- Fragen der unbedingten Unauflöslichkeit der Ehe behandelt Thomas viel differenzierter als Rom. M. E. geht er noch viel weiter als man dies aus den Jesus-Worten zur Ehe oder aus den Stellen bei Paulus erwarten kann. Ich schließe aus den Thomas-Texten, dass eine Ehe auch aufgelöst werden kann, wenn das – im modernen Jargon – Zerrüttungsprinzip erfüllt ist.
- Ja, selbst eine Abtreibung verneint Thomas eben nicht absolut, auch hier ist er im Gegensatz zu Rom.
- In der Summa contra gentiles betont er explizit: Glaube und Gewalt gegen nicht zusammen. Keine Bekehrung mit Gewalt, keinen Glaubenskrieg usw. Dies war in der Kirchengeschichte vielfach anders und Jaspers war es, der einmal bemerkte, dass er glaube, dass in den Köpfen etlicher Prälaten die Scheiterhaufen weiterhin qualmen.
- Aus den Texten, die ich heute früh zur Scholastik anführte, habe ich für mich ganz persönlich geschlossen, dass z. B. Molina für zivile und kämpferische Gegenwehr bei ungerechten Obrigkeiten eintritt. Das B. de Casas eine friedvolles Verständnis für ein Völkernebeneinander vertritt. Das Strafen auf das einzelne Subjekt bezogen sein müssen, keinesfalls als Kollektivstrafen vollzogen werden dürfen.
Für mich sind dies alles liberale Positionen, vielfach auf einzelne Personen, also auf das Subjekt bezogen. Daraus schloss ich, dass hier sehr wohl das Individuum gemeint sein kann. Deshalb glaube ich auch nicht, dass jene Denker unbedingte Feinde der genannten Verfassungen gewesen wären. Gerade Thomas (zusammen mit Lord Acton gesehen) sind für mich Beispiele, dass >katholisch< liberal (radikalliberal) ist.
Und wie schon erwähnt, in Sachen Philosophie und Theologie bin ich reiner Amateur, nur interessierter Laie, trotz einer großen Anzahl von Büchern, die ich zu diesen Gebieten gelesen habe. Systematisch bin ich hier gar nicht ausgebildet worden.
Deshalb habe ich auch nichts gegen Widerspruch, nichts gegen Berichtigungen, aber wenn ich jemanden direkt anspreche im Kommentar, wäre es freundlich und höflich eine Antwort zu erhalten. Nur deshalb hatte ich heute früh provoziert.

Natürlich hat das hier und jetzt Geschriebene nichts mehr mit dem Thema der Bilanzprüfung zu tun. Hierfür entschuldige ich mich bei den übrigen Kommentatoren!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, in welches ich mich jetzt verabschiede.

bernd_lessing , am 04. September 2009 um 13:44 ( Link )

@ISBN3451322005:

Vorweg: Ich finde Ihren Tonfall daneben. Wie wäre es mit Argumenten statt Pöbeleien?

"Wissen Sie was eins von diesen wenigen fundamentalen rationalen Prinzipien ist? Andere für sich arbeiten lassen und sich nicht selber krumm machen, dass ist rational!! Oder etwa nicht? Dieses fundamentale Prinzip schließt Herr Benrd Lessing aber Kraft seiner nicht vorhandenen Autorität aus oder was?"

Rational heißt objektiv heißt universell heißt "funktioniert, wenn alle sich danach richten". Sie erinnern sich an Herrn Kant?

"Eine freiwillige Autorität?? Sagen Sie mal komm Sie vom Mars oder was? Haben Sie sich mal vor Augen geführt wie das in den Vergangenen 10.0000 Jahren auf diesem Globus gelaufen ist?"

Ah, der gute Herr ISBN ist also der Auffassung, der Mensch ist böse und muss dementsprechend durch eine - wie auch immer legitimierte - Autorität unter Kontrolle gehalten werden. Freiheit ist in diesem Zusammenhang dann ein Zugeständnis, das man dem Einzelnen macht, soweit er es nicht missbraucht. Oder habe ich Sie da toooootal fehlinterpretiert?

"Eine freiwillige Autorität in den Raum zu stellen, die ich bei bedarf kündige, nach dem Motte 'ach nö…, keinen bock mehr…, ich mach ab morgen mal bei den anderen mit' und die es in dieser Form nirgends auf der Welt jemals gegeben hat, ist schon im Ansatz vollkommen irrational."

Was Sie beschreiben, ist Sezession - und das hat es in der Geschichte sehr wohl immer wieder gegeben. Ihre Behauptung, das sei "vollkommen irrational", ignoriere ich mal, solange Sie nicht mal den Versuch einer Begründung unternehmen.

ISBN3451322005 , am 04. September 2009 um 14:44 ( Link )

@TrebMelsa

Das ist doch mal ein Wort. Im Detail kommentieren und werten kann ich es nicht, weil ich in den ausgeführten Detail vollkommen Ahnungslos bin.

Deshalb glaube ich auch nicht, dass jene Denker unbedingte Feinde der genannten Verfassungen gewesen wären.

Ich gehe aber, trotz meiner Ahnungslosigkeit im Detail davon aus, dass das Streben jener Denker mit dem Streben der liberalen Verfassung nicht in Einklang zu bringen ist.

Es besteht von mir aus eine Schnittmenge in Detailfragen. Diese Schnittmenge ist allerdings nur von geringem Wert, wenn die Antwort auf das wozu, die Antwort nach dem Sinn und Zweck des Strebens und die Antwort auf die Frage nach der Bestimmung des Menschengeschlechts (wie Jürgen oben schreibt) keinerlei Gemeinsamkeiten aufweist.

Ich glaube, dass der gute Aquino und die Väter der liberalen Verfassung in diesen letzten und schlussendlich entscheidenden Fragen nicht auf einen grünen Zweig gekommen wären.

Und so werden wir uns unter dem Mühlstein des kleinsten gemeinsamen Nenners zu Staub zermahlen. Tagespolitik ahoi!!

Natürlich hat das hier und jetzt Geschriebene nichts mehr mit dem Thema der Bilanzprüfung zu tun. Hierfür entschuldige ich mich bei den übrigen Kommentatoren!

Is dann irgendwann auch egal, wir sind sowieso unter uns, weil alle anderen längst vergrault sind.

Kaum zu glauben aber wahr, ich muss jetzt ausnahmsweise mal meiner vertraglich geregelten Erwerbsarbeit nachgehen...

ISBN3451322005 , am 04. September 2009 um 15:10 ( Link )

Rational heißt objektiv heißt universell heißt "funktioniert, wenn alle sich danach richten". Sie erinnern sich an Herrn Kant?

Funktioniert eben nicht. Ich richte mich nicht danach, da kann sich Kant auf den Kopf stellen. Don Corleone auch nicht, bei dem laufen die Geschäfte ohne kategorische imperativ blendend. Never Change a running system...

Ah, der gute Herr ISBN ist also der Auffassung, der Mensch ist böse und muss dementsprechend durch eine - wie auch immer legitimierte - Autorität unter Kontrolle gehalten werden. Freiheit ist in diesem Zusammenhang dann ein Zugeständnis, das man dem Einzelnen macht, soweit er es nicht missbraucht. Oder habe ich Sie da toooootal fehlinterpretiert?

Das im Menschen auch der Trieb des sündhaften schlummert sollte unbestritten sein. Um dies zu unterstreichen habe ich Ihnen, auch im Tonfall, meine ganze Schlechtigkeit entgegen geworfen. Im Tonfall bin ich im Übrigen beliebig steigerungsfähig, bis hin zu verbalen Ausfällen die üblicherweise nur beim Tourett Syndrom zu finden sind.

Ja, Freiheit ist ein Zugeständnis das mir Gott macht, wenn ich mich ihm näher, indem ich mich von der weltlichen Plackerei befreie. Was nicht bedeutet, das ich nicht meiner Urschuld gerecht werde und das mir von Gott überantwortete Stückchen Leben hegen und pflegen.

Zur Sezession vielleicht später mehr.

bernd_lessing , am 04. September 2009 um 15:54 ( Link )

@ISBN3451322005:

Ich glaube nicht an Gott. Insofern hat die von Ihnen postulierte Autorität aus meiner Sicht keine Legitimation. Was nun? Wollen Sie mich zur Anerkennung dieser Autorität zwingen? Mit welchem Recht?

Querdenker , am 04. September 2009 um 18:52 ( Link )

Die heutige Welt in ein libertäres Lehrbuch zu zwängen wird ebenfalls scheitern, wie vorangegangene Versuche anderer Geisteswissenschaften oder globaler „Weltverbesserer“.
Dafür ist die Welt und viele ihrer Vorgänge zu komplex, zu unbeständig, zu unsichtbar und vor allem zu heterogen.

Das Denken entscheidet über die Zustände. Die Menschen müssen wieder zum Denken erzogen werden, mit einer klaren Aussicht am Ende.
Selbstsüchtige Gedanken tragen den Keim der Niederlage in sich.
Der Osten hat es durch, dem Westen steht es noch bevor.

Geldbewußtsein ist erstrangig eine Geisteshaltung.
Nur der Ahnungslose wiederholt die Ideen Anderer.
Die Zukunft hat aus meiner Sicht der lösungsorientierte Pragmatiker.

bernd_lessing , am 04. September 2009 um 19:44 ( Link )

@Querdenker:

In einem Punkt stimme ich Ihnen zu: Es macht überhaupt keinen Sinn, auf Dogmen zu beharren - diese scheitern früher oder später an der Realität. Umgekehrt ist es allerdings völlig witzlos, als "lösungsorientierter Pragmatiker" ohne jegliches "theoretisches" Gerüst durch die Welt zu dilettieren - das Ergebnis sehen wir heute nur allzuoft in der Politik. Man braucht die Theorie, um von der Praxis abstrahieren und aus ihr lernen zu können.

Das Argument, die Welt sei "zu komplex, zu unbeständig, zu unsichtbar und vor allem zu heterogen", kann kaum als Rechtfertigung dafür dienen, sich jeder grundlegenden Überlegungen zu enthalten. Im Zweifel ist tatsächliche Komplexität auch nur schwer von begrenzter Wahrnehmung und begrenztem Verständnis zu unterscheiden - und verleitet daher leicht zu einem "kann man eh nicht verstehen, kann man nicht erklären, alles ist relativ und subjektiv".

Der Libertarismus bietet vor diesem Hintergrund einen entscheidenden Vorteil: Er ist minimalistisch und versucht eben gerade NICHT, alles über einen Kamm zu scheren und alle Menschen mit einem Universalrezept beglücken zu wollen. Der Libertarismus ist im Politischen (genau wie sein ökonomisches Pendant, der Kapitalismus) eben gerade kein Dogma, sondern die Ablehnung jedes Dogmas. Er ist der kleinste gemeinsame Nenner einer zivilisierten Gesellschaft.

Querdenker , am 04. September 2009 um 20:03 ( Link )

Sie haben es selbst geschrieben, unser Wissen ist die Erfahrung. Und das erfahrene Nichtwissen.
Deshalb fangen wir auch nicht ohne Wissen an.

Die Theorie kann als Treppengeländer dienen, aber nicht als Treppe.
Das induktive Denken ist der empirische Lehrmeister des Menschen.

Der Mensch ist aus keiner Theorie entstanden, davon bin ich überzeugt.

Die Naturgesetze geben uns alles, was wir brauchen.

Glaube ist die Substanz der Dinge, die wir uns eroffen, der Beweis für die Dinge, die noch nicht sichtbar sind.

Querdenker , am 04. September 2009 um 20:43 ( Link )

Bänker und "Investmentstrategen" haben Theorien entwickelt, die heutige Welt in Optionsscheinen abzubilden.

Das geht auch den Papst zu weit.

dickbrettbohrer , am 05. September 2009 um 6:37 ( Link )

Zweilfellos eignet dem Opfer eine charakterbildende Bedeutung, aber wie kann man das dem Kind einpflanzen - ohne die Gottesvorstellung? Ich bin erschrocken angesichts der Schwierigkeit, die Autorität von etwas anderem als von Gott herzuleiten. Man sät aus der Höhe.

Carnets
Antoine de Saint-Exupéry

ISBN3451322005 , am 05. September 2009 um 21:53 ( Link )

@bernd_lessing

Ich glaube nicht an Gott. Insofern hat die von Ihnen postulierte Autorität aus meiner Sicht keine Legitimation. Was nun? Wollen Sie mich zur Anerkennung dieser Autorität zwingen? Mit welchem Recht?

Ich Sie zwingen? Ich kenne Sie nicht mal. Das einzige, was ich von Ihnen weiß ist, dass Sie hier den Kürzeren ziehen. Zum Verfall der natürlichen Autorität habe ich meine Antwort gegeben. Sie hängen haltlos im aufgeklärten Luftraum.

Wenn Sie nicht an Gott glauben haben Sie eben einen Haufen Probleme am Hals. Da ist dann nichts mehr mit „Der Herr ist mein Hirte mir wird nichts mangeln…“. Stattdessen eschoffiert man sich vollkommen ziellos über den Weltenlauf, Rechtschreibreform, Politik, Steuern, Freiheit, Staatsquoten, Raub, Notenbanken Ökonomie und den ganzen Nonsens. In erster Linie zum wohl der individuellen Selbstentfaltung. Die anderen sollen sich dabei natürlich auch total frei einfalten können…?!

Sie müssen nicht denken, dass ich irgendwie aus einer tief gläubigen Tradition stamme. Der Glauben meines Vater, sofern vorhanden, ist irgendwo in Polen im Schützengraben verschütt gegangen und ich bin total pseudoevangelisch. In der Jugend wurde ich konfirmiert, weil man es halt so machte und ich verkehrte mit Freunden zwecks Freizeitaktivitäten im Gemeindehaus. Von tiefsinnigen Glaubensaktivitäten keine Spur. Weihnachten gehe ich dann auch mal in die Kirche. Die Bibel habe ich bisher nie richtig gelesen. Die „ISBN“, mit dem ich mich hier rum treibe, hatte ich nie in der Hand. Mit meiner Belesenheit ist es sowieso nicht besonders weit her. Insofern ziehe ich hier in gewisser weise nur eine Show ab.
Eine Show, die scheinbar ausreicht um den Bücherwurm zumindest ins wanken zu bringen.

Was soll ich Kant studieren, wenn nach tausenden von Seiten intellektueller Quälerei eigentlich auch nicht mehr bei raus kommt als “liebe deinen nächsten wie dich selber“. Was soll ich mir John Rawls Gerechtigkeitstheorie reinziehe, wenn sein „Schleier des Nichtwissens“ vollkommen sinnlos ist, weil ich nun mal um meine Person weiß. Was soll mir Habermaß mit seiner Diskursethik weiterhelfen, die in den großen Fragen vollkommen fern jeglicher Praktizierbarkeit liegt usw. usw. bla bla bla… das ist mir entweder alles total Banane oder ich kapier erst gar nicht, was mir diese hoch gelobten Autoren überhaupt sagen wollen.

Ich verstehe auch die hier auftretenden bekennenden Christen nicht. Was soll den dieses Feierabend-Christentum in der totalen Säkularisierung bringen? Man trollt sich die ganze Woche in der rationalen Moderne rum, um dann am Sonntag, oder wenn es mal passt, den Christen raushängen zu lassen. Am Stammtisch versucht man sich dann total rational den ökonomischen, sozialen und politischen Fragen hin zu geben. Das Ergebnis ist entweder Ratlosigkeit oder man findet per Selbsthypnose zum Glauben an die eigenen Ideen.

Und nahtlos anschließend

@Querdenker

lösungsorientierte Pragmatiker

Lösungsorientierte Pragmatik ist genau der Grund, der mich vor gar nicht so langer Zeit auf den Weg des Glaubens geführt hat. Im Glauben stehe ich noch ganz am Anfang und übe mich. Die wohltuende Wirkung ist aber unverkennbar, eben Lösungsorientiert, im Sinne von sich lösen - ebenso heilsam wie pragmatisch.

Ich löse mich von diesem unpraktischen aufgeklärt rationalen Gehirnejakulat, das einen sowieso nur total irre macht und habe plötzlich den Kopf frei. „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit…“ und wer’s nicht Glaubt hat leider pech gehabt und muss sehen wo er bleibt und wie er die gottlose Politkaste erträgt. Ich bin da ganz gelassen denn „Der Herr ist mein Hirte mir wird nicht mangeln…“

Wobei ich bekenne, dass der Herr meine Leidensfähigkeit, vom jährlichen Finanzamtbesuch abgesehen, bisher noch nicht groß auf die Probe gestellt hat. Keine Ahnung, womit ich das verdient habe? Vermutlich alles nur eine Frage der innerein Einstelung...

Querdenker , am 05. September 2009 um 23:00 ( Link )

Die Dialoge lassen es knistern, wie ein wohltätiges Feuer in freier Natur.

bernd_lessing , am 06. September 2009 um 7:21 ( Link )

@ISBN3451322005:

"Wenn Sie nicht an Gott glauben haben Sie eben einen Haufen Probleme am Hals."

Stimmt. Man muss sich einfach nur zum Glauben zwingen, dann wird alles gut. Das mit der Aufklärung und dem Denken ist schon irgendwie anstrengend, plötzlich ist da nicht mehr "Papa", der einem sagt, wo's langgeht, sondern man muss erwachsen werden.

"In erster Linie zum wohl der individuellen Selbstentfaltung. Die anderen sollen sich dabei natürlich auch total frei einfalten können…?!"

Jede Gemeinschaft ist der Zusammenschluß von Individuen. Das Individuum mit seiner Entscheidungsfreiheit und seinem persönlichen Gewissen steht übrigens auch im Christentum (zumindest der katholischen Variante) im Mittelpunkt. Erst der Protestantismus hat diesen Gedanken verdrängt - insofern wundert mich da einiges bei Ihren Aussagen nicht mehr wirklich.

"Was soll den dieses Feierabend-Christentum in der totalen Säkularisierung bringen? Man trollt sich die ganze Woche in der rationalen Moderne rum, um dann am Sonntag, oder wenn es mal passt, den Christen raushängen zu lassen. Am Stammtisch versucht man sich dann total rational den ökonomischen, sozialen und politischen Fragen hin zu geben. Das Ergebnis ist entweder Ratlosigkeit oder man findet per Selbsthypnose zum Glauben an die eigenen Ideen."

Da bin ich ja fast versucht, Ihnen zuzustimmen.

"Lösungsorientierte Pragmatik ist genau der Grund, der mich vor gar nicht so langer Zeit auf den Weg des Glaubens geführt hat."

Schön für Sie - und das meine ich ausnahmsweise mal nicht ironisch.

"Ich löse mich von diesem unpraktischen aufgeklärt rationalen Gehirnejakulat, das einen sowieso nur total irre macht und habe plötzlich den Kopf frei."

Wie schrieb ich eingangs schon: Das mit dem Denken ist irgendwie so anstrengend - vielleicht kommt man ja nicht einmal zu einem Ergebnis.

Jetzt mal im Ernst: In Kulturen, in denen der Masse der Menschen noch das Verständnis und der Intellekt fehlte, bestimmte Phänome zu erklären, hatte der Glaube eine wichtige Funktion. Das Glauben sprang da ein, wo das Wissen an seine Grenzen stieß. Und das ist auch ok so, auch in der heutigen Zeit, da es den Menschen davor bewahrt, beim Erreichen seiner Wissens- und Verständnisgrenzen den Verstand (sic!) zu verlieren.

Zumindest der katholische Glaube wehrt sich jedoch gegen das Irrationale. Da, wo ich wissen kann, darf ich das Wissen nicht ignorieren. Der Glaube bietet eben gerade KEIN gemütliches Ruhekissen für Denkfaule.

"Wobei ich bekenne, dass der Herr meine Leidensfähigkeit, vom jährlichen Finanzamtbesuch abgesehen, bisher noch nicht groß auf die Probe gestellt hat."

Das ist wohl wirklich eine Einstellungssache. Der Glaube macht vieles leichter, so wohl auch das Leben in einer unfreien Gesellschaft.

Abschließend eine Buchempfehlung: "Freiheit oder Gleichheit?" von Erik von Kuehnelt-Leddihn (nicht so ein "doofer" Libertärer, sondern ein guter Katholik).

TrebMelsa Fördermitglied , am 06. September 2009 um 22:05 ( Link )

@ bernd_lessing

Nur der blinde Glaube macht es leichter!

Nimmt man wie ich, als Katholik den allgemeinen Lehrer der katholischen Kirche - Thomas von Aquin - zur Hand und liest seine Texte, dann steht etwas für mich fest:
- Glaube und Gewalt passen nicht zusammen. Niemand kann und darf zwangsbekehrt werden, wenn man Thomas folgt.
- Seinem eigenem Gewissen hat man nach Thomas zu folgen, nicht dem ungerechten oder falschen Ansinnen irgendeiner Obrigkeit.
Es ließen sich viele Punkte mehr anführen, aber die will ich gar nicht anführen, sondern nur noch einmal betonen: eine Zwangsethik und eine Zwangsbekehrung lehnt Thomas m. E. sehr entschieden ab. Und für mich interpretiere ich dies so, dass Thomas auch blinden Gehorsam bzw. blinden Glauben ablehnt, weil der Mensch selber denken soll!
Auch Philipp Batthyány, der bei den Jesuiten in Münschen studiert und promoviert hat, ordnet die scholsatischen Denker, insbesondere von der Linie des Thomas, den "Denker der Freiheit" zu. Aber er ist nicht so anmassend, um zu sagen "Ich garantiere Ihnen, dass ...", wie dies von J.H. anmaßend in einem seiner Kommentare allwissend vollzogen wurde.
Genau wie Philipp Batthyány interpretiere ich vieles aus der Scholastik als durchaus "liberal" und in Weiterführung zu Lord Acton auch als radikalliberal. Das Konzil von Konstanz hatte die Macht des Papstes und seines Generalstabs an die Zustimmung aus der gesamten Kirche gebunden. Also ist 1870 ungültig, brauche ich einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen und obwohl die römische Kirche seit diser Zeit (Dezember 1870 = Unfehlbarkeit) absolut dikatorisch verfasst ist, brauche ich diesem Diktat - nach den Schriften gerade der von Rom hochgelobten und als überragend anerkannter Lehrer des katholischen Denkens - eben nicht zu folgen.

Sie können versichert sein, als Christ der versucht zu denken - wie dies ein Thomas von Aquin m. E. erwartet - fällt Glauben oftmals ganz schön schwer.

bernd_lessing , am 07. September 2009 um 7:37 ( Link )

@TrebMelsa:

Mit Ihrem Verständnis des (katholischen) christlichen Glaubens kann ich mich - auf intellektueller Ebene - sehr gut anfreunden.

ISBN3451322005 , am 07. September 2009 um 10:09 ( Link )

@bernd_lessing

Irgendwie hege ich den Verdacht, dass Sie den neuen Bundesländer entstammen und sich, nach SED-Psychose, hoffnungsvoll unter „Wir sind das Volk“ Getöse in die Arme des BRD-Regimes geworfen haben und nun, vollkommen verdutz und desillusioniert, überhaupt nicht mehr so richtig wissen wo es lang geht.

Zumindest der katholische Glaube wehrt sich jedoch gegen das Irrationale. Da, wo ich wissen kann, darf ich das Wissen nicht ignorieren. Der Glaube bietet eben gerade KEIN gemütliches Ruhekissen für Denkfaule.

Ich? Denkfaul?

Meine Hinwendung zum rechten Glauben kann gerne als das Ergebnis einer rationalen Weltbetrachtung gesehen werden und als aufgeklärten Ausgang, der sich auftut, wenn ich den Mut fasse, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen.

In Kulturen, in denen der Masse der Menschen
noch
das Verständnis und der Intellekt fehlte, bestimmte Phänome zu erklären, hatte der Glaube eine wichtige Funktion. Das Glauben sprang da ein, wo das Wissen an seine Grenzen stieß. Und das ist auch ok so, auch in der heutigen Zeit, da es den Menschen davor bewahrt, beim Erreichen seiner Wissens- und Verständnisgrenzen den Verstand (sic!) zu verlieren.

Ihr Glaubensbekenntnis und Ihre, von mir vermutete SED-Sozialisation, ist in dem von mir hervorgehobenen „….noch…“ verborgen. Wie lange ist es denn noch bis zur allumfassenden Erkenntnis um unser Dasein und den daraus resultierenden 5-Jahresplan der dann bis in die Unendlichkeit zu reichen vermag?

Das ist wohl wirklich eine Einstellungssache. Der Glaube macht vieles leichter, so wohl auch das Leben in einer unfreien Gesellschaft.

Ja..., der Glaube macht vieles leichter und die Utopie von der „freien Gesellschaft“ macht krank.

Abschließend eine Buchempfehlung: "Freiheit oder Gleichheit?" von Erik von Kuehnelt-Leddihn (nicht so ein "doofer" Libertärer, sondern ein guter Katholik).

Der steht tatsächlich noch auf meiner Liste. Wo Sie sich aber bei Kuehnelt-Leddihn wieder finden wollen gibt mir Rätsel auf. Ich dachte den hätte bereits die Monarchieliga für sich vereinnahmt.

@TrebMelsa

Wie ich bereits eingangs sagte, habe ich vom Aquino nur einen sehr rudimentären Schimmer (er hatte Übergewicht). Ihre Ausführungen sind mir Ansporn da mal genauer hin zu schauen.

Ich gehe aber 100pro davon aus, das sich die „liberalen“ Momente, die Sie im Denken des Aquino hier darstellen, einzig und allein auf den Weg beziehen, wie der Mensch zu Gotte zu finden gedenkt und reineweg gar nichts, aber auch nicht die Bohne, mit der „liberalen Beliebigkeit“ unserer Tage zu tun haben.

Sie können versichert sein, als Christ der versucht zu denken - wie dies ein Thomas von Aquin m. E. erwartet - fällt Glauben oftmals ganz schön schwer.

Greift man Momente im Denken des Thomas heraus und um sie ins Licht der Moderne zu stellen, um dadurch irgendwie halt in der haltlos gewordenen Welt zu finden, lässt aber den ganzen Thomas, eingebettet in seiner Zeit, außen vor, dann fällt das Glauben in der tat oftmals ganz schön schwer. Als Wurm auf dem Komposthaufen im Garten des Herrn geht mir das nicht anders.

TrebMelsa Fördermitglied , am 07. September 2009 um 11:58 ( Link )

@ ISBN3451322005

Unter „liberal“ und unter „libertär“ verstehe ich nicht irgendwelche Beliebigkeiten, z. B. interpretiere ich den Dekalog des Alten Testamentes, genau wie andere Liberale auch, darunter auch Agnostiker und sogar Atheisten, sozusane als ein Manifest für eine Gesellschaft freier Menschen.

Nur noch eine Anmerkung, der von mir erwähnte Dr. Philipp Batthyány stellte z. B. die komplette „Summa theologia“ in die Tradition der „Ideen der Freiheit“. Sein Lehrer an der Jesuiten-Hochschule für Philosophie in München - Prof. Dr. Dr. Walter Kerber, Lehrstuhl für Ethik und Sozialwissenschaften - war es, der ihm dies in Seminaren z. B. über F. A. v. Hayek vermittelte.
Es handelt sich also nicht nur um Momente aus dem Werk der großen scholastischen Denker, sondern um grundlegende Interpretationen einer Gesamtschau.

Schon ein Einstieg in die Lex-Traktate des Thomas kann Erstaunen auslösen.

ISBN3451322005 , am 07. September 2009 um 13:46 ( Link )

@TrebMelsa

Schade…., Walter is schon tot. Andernfalls hätte ich gerne nachgefragt, wie die von Thomas, in seinem Fürstenspiegel ausgeführte Bevorzugung der Monarchie gegenüber demokratischen Prinzipen, in die Gesamtschau und Tradition der „Idee der Freiheit“ passt.

Oder pickt man sich für die Gesamtschau doch nur die Rosinen raus, die den Studenten nicht zu schwer im Magen liegen und mit der Verfassung vereinbar sind? Hängt vermutlich mit der Fürsorgepflicht des Professors zusammen...., damit der Student nicht auf dumme Gedanken kommt und durch den Mut seines eigenen Verstandes und unzeitgemäßes Gedankengut im freien Fall auf den Radarschirmen von BND und Verfassungsschutz aufschlägt.

TrebMelsa Fördermitglied , am 07. September 2009 um 14:10 ( Link )

@ ISBN3451322005

Demokratische Prinzipen und freiheitliche Positionen sind nicht identisch und schon gar nicht gleich.

Demokratie, und insbesondere Demokratismus, steht für Gleichheit. Und Gleichheit und Freiheit gehen schwer zusammen. Nach Erich von Kuehnelt-Leddihn (dieser steht, wie Sie schreiben noch auf Ihrer Literaturliste) ist Demokratie im Zweifel gegen die Freiheit. Für EKL enden Demokratien im Totalitarismus oder im Chaos. EKL geht in seiner Autobiographie sogar soweit und sagt, dass in der Endphase der K.u.K-Monarchie ein Optimum an Freiheit realisiert gewesen sei, im Gegensatz zur heutigen "Liberal-Demokratie".
Für Cicero und Perikles wären unsere Demokratien ein Unding, Cicero (in De re publica) verabscheute das Majoritätsprinzip als widerlichste Form der Despotie. Auch die Ur-Demokratie der alten Polis hat wenig gemein mit unseren zeitgenössischen Demokratien. Und über Maßnahmen des alten Perikles (z. B. wer überhaupt Mitglied der Deme sein durfte) würden sich die heutigen Demokratisten die Haare raufen.
Thomas zog den Fürsten vor, damit stand er in einer Tradition mit den antiken Demokratie-Kritikern, welche in der Demokratie eine Gefahr für die Freiheit sahen, geanu wie Thomas auch. Ähnliches findet man auch bei Gründungsvätern der USA, die auch Freiheit wollten und deshalb die Demokratie skeptisch bis ablehnend betrachteten.
Also da sehe ich keinen Widerspruch, vielmehr eine Bejahung von freien Positionen.

bernd_lessing , am 07. September 2009 um 15:14 ( Link )

@ISBN3451322005:

Tut mir leid, Sie liegen mit sämtlichen Ihrer Mutmaßungen daneben. Vielleicht mangelt es dann doch an Ratio, und die göttliche Eingebung hilft auch nicht weiter?

Zu EKL nur soviel: Lesen Sie das Buch. Katholiszismus und insbesondere Scholastik sind der Rationalität und der Freiheit sehr viel näher (und mir deswegen sympathischer) als so mancher, der sich auf den christlichen Glauben beruft ...

ISBN3451322005 , am 07. September 2009 um 15:35 ( Link )

@TrebMelsa

Thomas zog den Fürsten vor, damit stand er in einer Tradition mit den antiken Demokratie-Kritikern, welche in der Demokratie eine Gefahr für die Freiheit sahen, geanu wie Thomas auch. Ähnliches findet man auch bei Gründungsvätern der USA, die auch Freiheit wollten und deshalb die Demokratie skeptisch bis ablehnend betrachteten.
Also da sehe ich keinen Widerspruch, vielmehr eine Bejahung von freien Positionen.

Gut...! Thomas verortete den Menschen aber in Gesellschaft und Staat - oder? So komme ich über den Fürsten unweigerlich wieder zu Autorität, Macht, Herrschaft und Gewalt.

Dies ist aber mit den mannigfaltigen "modernen" freien Positionen, in denen der Fürst über keinerlei Legitimation verfügt, nicht so ganz vereinbar.

TrebMelsa Fördermitglied , am 07. September 2009 um 15:51 ( Link )

@ ISBN3451322005

Ich habe schon einmal gesagt, dass "liberal" nicht jedes und alles an Beliebigkeit ist.
Eine gute Analyse bringt de Jasay mit "Liberalismus neu gefaßt", de Jasay verlangt wohl ein hohes Maß an Konzentration.
Und zu Thomas, bei dessen Fürstenbild als gutem Regierungsoberhaupt sehe ich keinen Gewaltherrscher! Dieser Fürst wäre eine Autorität aus seiner Persönlichkeit heraus, also etwas, was es sehr selten gibt, dies war Thomas aber sehr bewusst.

ISBN3451322005 , am 07. September 2009 um 16:11 ( Link )

@TrebMelsa

Und zu Thomas, bei dessen Fürstenbild als gutem Regierungsoberhaupt sehe ich keinen Gewaltherrscher! Dieser Fürst wäre eine Autorität aus seiner Persönlichkeit heraus, also etwas, was es sehr selten gibt, dies war Thomas aber sehr bewusst.

Ok, ich passe, hier wird es mir wieder zu schwammig und die Diskussion droht sich im Kreise drehen. Sowieso winkt bald das Archiv...


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