Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

Anzeige

Im Zeichen der Krise: Wir sind nun alle Keynesianer!

von Andreas Tögel

Die Illusionen der Planwirtschafter

29. August 2009

Das obige, von Milton Friedman stammende, vermutlich ironisch gemeinte und fälschlich Richard Nixon zugeschriebene Zitat, zierte Ende 1965 eine Titelgeschichte des „Time Magazine“. Die von der Allmacht des Staates euphorisierten Redakteure waren davon überzeugt, die von J. M. Keynes entwickelte „Theorie“ (in Wahrheit handelt es sich dabei eher um ein Sammelsurium einander unausgesetzt widersprechender, unbegründeter Behauptungen) wäre dazu angetan, die Welt in eine lichtvolle Zukunft mit niemals endendem Wachstum und ewiger Vollbeschäftigung zu führen. Der kontrafaktisch als wirtschaftspolitisch Konservativer bezeichnete US-Präsident Nixon bekannte sich selbst zu Beginn der 70er-Jahre als „Keynesianer“, als er seine strikt nachfrageorientierte Budgetpolitik und ein entsprechend saftiges Staatsdefizit präsentierte. Wenig später endeten der Traum vom wirtschaftlichen Perpetuum mobile mit dem „Ölpreisschock“ und seine Karriere als Präsident in der „Watergate-Affäre“.

Heute ist Keynes’ Doktrin, wonach es in Zeiten einer Rezession Aufgabe des Staates sei, mittels „Deficit Spending“ für den Ersatz ausfallender privater Nachfrage zu sorgen, von der politischen Klasse rund um den Globus tief verinnerlicht. Ohne Staat sind wir nichts, so das (aus ihrer Warte gesehen zutreffende) Dogma: Nur dank der Weisheit ihrer Führung und ihrer genialen Planung könne es gelingen, den globalen Abschwung aufzuhalten und Wachstum zu erzwingen.

Dementsprechend präsentieren sich die zuletzt im Zuge diverser „Rettungspakete“ aufgelegten, wirtschaftspolitischen Programme. „Lieber ein paar Milliarden Schulden und ein paar Prozent Defizit, als Arbeitslose auf den Straßen“ – so der einst von Österreichs sozialistischem Kanzler Bruno Kreisky auf eine kurze Formel gebrachte Gedanke. Doch wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten haben die Eigenart, politischen Illusionen nicht zu weichen! Die damals gemachten Schulden begleiten uns demnach noch heute, und wurden seit den 1970er-Jahren sogar noch gewaltig ausgeweitet, während der erhoffte Beschäftigungseffekt niemals nachhaltig eintrat. Das ist kein Wunder, denn es liegt im Wesen der aus Steuergeldern finanzierten „Investitionen“, in Wahrheit nichts weiter als mehr oder weniger gut getarnte Konsumausgaben zu sein. Und ein einmal aufgegessener Kuchen schafft bekanntlich weder Vermögen noch Vollbeschäftigung.

Der liberale US-Ökonom Greg Mankiw merkt in dem Zusammenhang an, dass es den Wohlstand der Nation nicht mehre, wenn „Brücken nach nirgendwo“ gebaut würden (ob er dabei die Wiener Brigittenauer Brücke im Auge hatte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden). Bleibt zu ergänzen, dass ausschließlich auf Arbeitsbeschaffung gerichtete (Fehl-) Investitionen im Hoch- und Tiefbau, wie sie von den etatistischen Eliten nicht nur hierzulande vorangetrieben werden, zwei wesentliche, unangenehme Nebenwirkungen aufweisen. Zum einen werden die dafür erforderlichen Mittel anderen, sinnvolleren und den Wohlstand tatsächlich mehrenden Verwendungen entzogen. Zum anderen kommt es durch sie zu einem Umverteilungseffekt in Richtung Bauwirtschaft und zum langfristig schädlichen Aufbau von Überkapazitäten in diesem Sektor. Es ist schwer einzusehen, weshalb etwa Kaufleute, Metallarbeiter oder Handwerksbetriebe und deren Mitarbeiter für die Arbeitsplätze von Bauarbeitern und die Gewinne staatsnaher Baufirmen aufkommen sollten.

Der gerne in Treffen geführte „Multiplikator“, wonach jeder vom Staat ausgegebene Cent ein Mehrfaches an Folgewirkung auslöse, ist zuletzt in die Kritik geraten. Es mehren sich die Stimmen von Fachleuten, die diesen Faktor bei unter eins sehen. Das würde bedeuten, dass jede „Investition“ des Staates, ungeachtet ihrer übrigen unerwünschten Konsequenzen, pure Ressourcenvernichtung wäre...

Dennoch setzt auch die österreichische Wirtschaftselite auf wirtschaftspolitischen Aktionismus des Staates: Der Chef der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) Christoph Leitl von der ÖVP forderte eben ein „drittes Konjunkturpaket“ in der Höhe von 650 Millionen Euro, dessen Realisierung sein Parteifreund, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, erstaunlicherweise ablehnte. Das Wissen um das Wesen unternehmerischen Handelns und das eherne Gesetz von Angebot und Nachfrage ist selbst wirtschaftsnahen Funktionären mittlerweile offensichtlich abhanden gekommen. Die ist dieser Tage eher mit ihrer Forderung nach staatlicher Pensionsvorsorge für ihre Zwangsmitglieder beschäftigt, als mit seriösen Überlegungen hinsichtlich des Rückbaus der Interventionsmaschinerie des Staates und der Befreiung unternehmerischen Handelns vom engmaschigen Netz entbehrlicher Regulative.

Die mittels Staatsverschuldung finanzierte Verschwendung öffentlicher Mittel ist aber nur einer der beiden Zügel, mit denen der eilte Versuch einer „Feinsteuerung“ der Wirtschaft unternommen wird. Die „Schaffung zusätzlicher Liquidität“, also die hemmungslose Produktion von Papier- und Buchgeld mittels immer neuer Staatsanleihen, die – mangels privater Nachfrage – zum Teil bereits bei den Zentralbanken geparkt und somit direkt monetisiert werden, ist der zweite. Es überrascht kaum, dass auch Wirtschaftskammerfunktionäre wie Leitl nicht müde werden, eine Lockerung der angeblich zu restriktiven Kreditvergaberegeln der Banken zu fordern und damit der Geldmengenausweitung Vorschub leisten. Es scheint, als ob sämtliche Nationalökonomen dieser Welt in der Befürwortung dieser frivolen Politik einig wären. Nahezu alle „Experten“ und Meinungsmacher sind heute der gemeinsamen Überzeugung, der Staat müsse nur ausreichend großzügig Geld in die Hand nehmen und alles werde wieder gut. Doch wie meinte einst Bertrand Russel: „Wenn alle Experten einig sind, ist Vorsicht geboten.“

Nur wenige Stimmen warnen vor der weltweit kolportierten Illusion, die Regierungen könnten – ohne negative Konsequenzen – nach Belieben in Währung und Wirtschaft intervenieren. Die immer mehr Staat, stetig wachsende Schuldenberge und immer höhere Steuern propagierenden „Experten“ stehen allesamt mittel- oder unmittelbar in den Diensten ihrer jeweiligen Regierungen – sind somit Profiteure wachsender Staatsquoten. Von diesen Leuten, die den frischen Wind des Marktes niemals spürten, neutrale Analysen und sachlich fundierte anstatt politisch kurzfristig opportune Empfehlungen zu erwarten, bleibt hoffnungslos staatsgläubigen oder naiven Naturen vorbehalten.

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare


Der Kommentarbereich für diesen Artikel wurde geschlossen.

Anzeige